Gott begleitet Abraham und Sara auf ihrem Weg. Eine Unterrichtsstunde für die 1. Klasse


Unterrichtsentwurf, 2017

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Legitimation der Reihe

3. Tabellarische Reihendarstellung

4. Sachanalyse
4.1 Analyse der Abrahamsgeschichte
4.2 Analyse der Psalmworte
4.3 Analyse des Liedes Halte zu mir, guter Gott

5. Bedingungsanalyse

6. Lernziele der Unterrichtsstunde

7. Didaktisch-methodische Entscheidungen

8. Stundenverlaufsplan

9. Durchführungsskizzierung und Reflexion der Stunde

Literatur

1. Einleitung

„Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden jähen Bach des Lebens“ (Nietzsche 1919: 58). In dem bekannten Zitat des Philologen Friedrich Nietzsche werden zwei konträre Gefühlslagen beschrieben, denen sich viele Menschen an verschiedenen Punkten ihres Lebens gegenübersehen: Auf der einen Seite der herabstürzende Bach – die Momente, in denen das Leben durch innere oder äußere Umstände erschüttert wird, in denen die Zukunft bedrohlich und ausweglos erscheint. Auf der anderen Seite der Regenbogen – die Hoffnung, die den Menschen in solch schwierigen Situationen dazu bewegt, sich von den negativen Erfahrungen nicht überwältigen zu lassen, die den Menschen anspornt und wieder aufbaut. Die Zuversicht auf eine bessere Zukunft und die damit gepaarte positive Erwartungshaltung befähigt den Menschen dazu, trotz trostloser Umstände voranzugehen und schwierige Anforderungen des Lebens bewältigen zu können, denn, um es mit den Worten von Johann Wolfgang von Goethe auf den Punkt zu bringen: „Die Hoffnung hilft uns leben“ (Goethe 1889: 303).

Der Unterrichtsentwurf zum Thema Gott begleitet auf dem Lebensweg soll Schülerinnen und Schülern[1] einer ersten Klasse ebendiese Hoffnung vermitteln. In der folgenden reflektierenden Hausarbeit wird diese Unterrichtseinheit genauer vorgestellt und analysiert. Dafür wird in einem ersten Schritt die Unterrichtseinheit legitimiert, indem herausgearbeitet wird, dass der Hoffnungsaspekt besonders für SuS in der Grundschule von zentraler Bedeutung ist und hinterfragt wird, inwieweit gerade die vorliegende Einheit zum Thema Gott begleitet auf dem Lebensweg und die dafür ausgewählten Inhalte einen Beitrag dazu leisten können. Die vollständige Unterrichtseinheit wird daran anknüpfend tabellarisch dargestellt. Bei der Planung eines Unterrichtsentwurfes muss beachtet werden, dass es die wichtigste Voraussetzung für einen gelingenden Religionsunterricht ist, dass die Lehrkraft sich im Vorfeld mit den Hintergründen der zu vermittelnden Inhalte auseinandersetzt, denn: „Wer etwas lehren will, sollte wissen, was Sache ist“ (Riegel 2010: 39). Aus diesem Grund werden im Folgenden die Geschichte von Abrahams und Saras Berufung, zwei ausgewählte Verse aus dem Buch der Psalmen und das Lied Halte zu mir, guter Gott in einer Sachanalyse untersucht und interpretiert, da diese die Grundlage für die Durchführung einer ausgewählten Unterrichtsstunde darstellen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden im weiteren Verlauf auf die Grundschule übertragen: Dafür werden zunächst in einer Bedingungsanalyse die Rahmenbedingungen der Institution sowie die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen der Lerngruppe zusammengefasst, die bei der Erstellung eines Unterrichtsentwurfes berücksichtigt werden müssen. Im nächsten Schritt werden die Lernziele der Unterrichtsstunde zum Thema Gott begleitet Abraham und Sara auf ihrem Weg vorgestellt und die gewählten Methoden, Sozialformen und Materialien didaktisch-methodisch analysiert und kommentiert. Der Verlauf der Unterrichtsstunde wird anschließend tabellarisch dargestellt, dessen Durchführung skizziert und reflektiert und in einem abschließenden Fazit zusammengefasst.

2. Legitimation der Reihe

„Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden jähen Bach des Lebens, hundertmal vom Gischt verschlungen und sich immer von neuem zusammensetzend, und mit zarter schöner Kühnheit ihn überspringend, dort wo er am wildesten und gefährlichsten braust.“ (Nietzsche 1919: 58). So lautet das vollständige Zitat von Friedrich Nietzsche, das in der Einleitung wiedergegeben wurde. In eindrücklicher Weise beschreibt er darin, wie das Leben bisweilen aus den Fugen geraten kann und vergleicht es mit einem herabstürzenden jähen Bach, der wild und gefährlich braust. Von solchen Momente, die von Hoffnungslosigkeit und Unsicherheiten geprägt scheinen, sind nicht nur erwachsene Menschen betroffen. Auch Kinder kennen bereits das Gefühl, in beängstigende Situationen zu gelangen, in denen sie sich alleine fühlen und in denen der Weg, vor dem sie stehen, ungewiss oder ausweglos erscheint. Um Kinder in diesen Situationen nicht allein zu lassen, ihnen Mut zu machen und einen Ausweg zu zeigen, ist es bereits in der Grundschule notwendig, der Vermittlung von Hoffnung einen wichtigen Stellenwert beizumessen.

Der Religionsunterricht stellt zweifellos einen zentralen Ort dar, um Hoffnung weitergeben und erfahrbar machen zu können: Neben den Lernperspektiven Identität entwickeln, Gemeinschaft leben und Verantwortung übernehmen stellt der Lehrplan NRW für die Grundschule den Bereich Hoffnung schöpfen als ein wesentliches Aufgabenfeld des Faches evangelische Religionslehre vor (vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung 2008: 153). Die Notwendigkeit, sich in der vorgestellten Unterrichtseinheit am Lehrplan des Faches Religion zu orientieren, ergibt sich aus der Tatsache, dass der Religionsunterricht auch in der Grundschule ein „ordentliches Lehrfach“ (Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz, Art 7 (3)) ist. Anders als zu früheren Zeiten stellt der Lehrplan heute nicht mehr nur einen schlichten Stoffverteilungsplan dar – stattdessen kommt ihm eine „Koordinierungs- und Steuerfunktion“ (Kunstmann 2010: 211) zu. Es ist die Aufgabe des Lehrplans, mögliche Themen in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen und im Hinblick auf ihre Altersangemessenheit zu überprüfen und darzustellen (vgl. ebd.) Darüber hinaus soll er die LuL dabei unterstützen, notwendige Qualifikationen zu vermitteln, die sie für bestimmte Lebenssituationen benötigen (vgl. ebd.). Anstatt die SuS indoktrinieren und ihnen feststehende Meinungen aufzwingen zu wollen, wird es in der vorliegenden Unterrichtseinheit deshalb ein notwendiges Ziel sein, den SuS geeignete Möglichkeiten vorzustellen, wie sie in ihrem alltäglichen Leben Hoffnung schöpfen können. Um dieses übergeordnete Ziel zu erreichen, muss den SuS die Erfahrung ermöglicht werden, „dass zu allen Zeiten Menschen aus ihrem Glauben heraus Hoffnung für sich und ihr Leben finden können“ (Ministerium für Schule und Weiterbildung 2008: 153). Besondere Chancen bietet dafür die Auseinandersetzung mit biblischen Geschichten, in denen andere Menschen als Vorbilder kennengelernt werden können, um „den Schülerinnen und Schülern Orientierung auf der Suche nach einer eigenen Lebensausrichtung zu geben“ (ebd.: 151).

Der Lehrplan-Bereich Gott begleitet auf dem Lebensweg geht auf diesen Aspekt in besonderer Weise ein. Den konkreten Fragen der SuS danach, wie sie die Zukunft bewältigen können und wer sie in schwierigen Situationen begleitet und ihnen Orientierung gibt, kann begegnet werden, indem sie ihr Leben als einen Weg betrachten, auf dem sie von Gott verlässlich begleitet werden. Im Zentrum des ersten Teils der vorliegenden Unterrichtseinheit steht aus diesem Grund der Schwerpunkt: Mein Leben ist wie ein Weg, Gott begleitet mich. In den ersten beiden Unterrichtsstunden werden dafür allgemeine Kenntnisse und Assoziationen zum Wegmotiv gesammelt, die dazu dienen, die SuS auf das Thema einzustimmen. Darüber hinaus wird der Lebensweltbezug hergestellt und das Bild des Weges in einem ersten Schritt auf das eigene Leben der Lernenden übertragen, indem sie ihr Leben als einen Lebensweg betrachten. Dieser symbolgeleitete Einstieg in die Unterrichtseinheit ermöglicht es, dass die SuS ihr „eigenes Leben und Erleben aus der Perspektive des Wegmotivs [deuten] und […] dessen vergleichende Bildsprache [entschlüsseln]“ (ebd.: 158). Um die Thematik auf den Bereich Hoffnungslosigkeit / Hoffnung zu lenken, werden mit den SuS darauf aufbauend zunächst eigene Vorerfahrungen besprochen, die sie mit Situationen gemacht haben, in welchen ihr Lebensweg ungewiss erschien und sie sich allein gefühlt haben, um ihnen schließlich konkrete Personen aufzuzeigen, die sie in solchen Situationen begleitet haben bzw. begleiten könnten.

Im zweiten Teil der Unterrichtseinheit soll der Fokus auf den Schwerpunkt Abraham und Sara gehen im Vertrauen auf Gott (vgl. ebd.) gelegt werden. Den SuS können weitere Hoffnungsperspektiven aufgezeigt werden, indem sie sich mit Geschichten von Menschen aus der Bibel auseinandersetzen, die Gott als jemanden erfahren haben, der sie auf ihrem Lebensweg beschützt hat. Im Mittelpunkt der Unterrichtsstunden drei bis fünf steht dabei folgende Kompetenzerwartung: „Die Schülerinnen und Schüler nehmen alttestamentliche Geschichten von der Nähe und Begleitung Gottes wahr und stellen Bezüge zur eigenen Lebenswirklichkeit her“ (ebd.). Dafür wurde die Geschichte von Abrahams und Saras Reise aus ihrer alten Heimat in ein neues Zuhause ausgewählt, in der sich sowohl das Motiv des Weges als auch das beispiellose Vertrauen eines Menschen in Gottes Begleitung wiederfindet. Zu Beginn der dritten Unterrichtsstunde soll den SuS dafür im Sinne einer Gelenkstelle vermittelt werden, dass sich in der Bibel die Geschichte von einem Mann und einer Frau befindet, die vor einem schwierigen Weg standen und dafür von Gott ermutigt wurden. Um die Umstände zur Zeit Abrahams und Saras nachvollziehen zu können, wird zunächst das Leben als Nomaden in den Blick genommen, um es den SuS zu erleichtern, sich im weiteren Verlauf in deren Positionen hineinversetzen zu können. Ab der dritten Unterrichtsstunde wird darüber hinaus das Lied Halte zu mir, guter Gott eingeführt, welches die wichtigsten Aussagen, die während der Unterrichtseinheit getroffen werden, in sich bündelt und zusammenfasst. Die vierte Unterrichtsstunde dient dazu, die biblische Geschichte fortzuführen und den SuS zu verdeutlichen, dass die ermutigenden Worte Gottes Abraham und Sara dazu bewogen haben, sich auf den Weg zu machen und dass sich in der Bibel noch mehr ähnlicher Mut-mach-Worte befinden, durch die sich die SuS in schwierigen Situationen getragen und gestärkt fühlen dürfen. Zum Ende der Unterrichtseinheit wird darauf verwiesen, dass Abraham und Sara auch wirklich während ihrer ganzen Reise von Gott bewahrt und begleitet wurden, sodass sie schließlich in einer neuen Heimat ankamen und dort ihr größter Wunsch (die Geburt ihres Sohnes) in Erfüllung ging. Durch diesen abschließenden Lichtblick kann gewährleistet werden, dass die SuS nicht in Phasen der Ängste und Unsicherheiten allein gelassen werden, sondern auf eine Hoffnung verwiesen wird, die den SuS Mut für ihre Zukunft schenkt: „Den Schülerinnen und Schülern eröffnen sich Lernchancen, aus dem Überlieferten Bild des Gottes, der leitet, begleitet, zum Guten wendet und seine Versprechen hält, Vertrauen und damit auch Zuversicht für eigene Lebenssituationen zu gewinnen“ (Ministerium für Schule und Weiterbildung 2008: 154).

3. Tabellarische Reihendarstellung

Thema der Unterrichtseinheit: Gott begleitet auf dem Lebensweg

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Sachanalyse

In der Unterrichtsstunde zum Thema Gott begleitet Abraham und Sara auf ihrem Weg werden unterschiedliche biblische Texte und ein Lied als Grundlage verwendet. Im weiteren Verlauf werden sowohl die Abrahamsgeschichte als auch die ausgewählten Psalmworte innerhalb ihres Makro- und Mikrokontextes abgegrenzt und im Hinblick auf die zentralen Aussagen untersucht und analysiert. Darüber hinaus soll das ausgewählte Lied Halte zu mir, guter Gott kurz vorgestellt und zusammengefasst werden.

4.1 Analyse der Abrahamsgeschichte

Die zentrale Geschichte, die in der vorliegenden Unterrichtseinheit Gott begleitet auf dem Lebensweg behandelt wird, ist die Erzählung von dem Aufbruch Abrahams und seiner Familie aus ihrer Heimat in das Land Kanaan. Diese findet sich in dem Buch Genesis wieder, dem ersten Buch der Bibel, welches zusammen mit den darauffolgenden Büchern Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium die jüdische Tora bzw. den Pentateuch bildet und von Mose verfasst wurde (vgl. Zenger 2008: 61). Das Buch Genesis – dessen Name nach der griechischen/lateinischen Übersetzung Ursprung bedeutet (vgl. ebd.: 62) – erzählt von den Anfängen des Volkes Israel und lässt sich im Wesentlichen in drei Teile gliedern: Die ersten neun Kapitel fassen die Urgeschichte der Welt zusammen und berichten von der Schöpfung bis hin zur Ausbreitung der Völker durch den Turmbau zu Babel. Der zweite Teil, welcher sich von den Kapiteln zehn bis 36 erstreckt, beginnt mit der Anfangsgeschichte Israels bei den Völkern des Alten Orients und umfasst mit den Erzvätererzählungen die drei Generationen von Abraham, Isaak und Jakob. Das erste Buch Mose schließt im dritten Teil mit den Kapiteln 37 bis 50, welche die Josefsnovelle beinhalten und mit einem Vorausblick auf den Auszug aus Ägypten enden (vgl. ebd.: 63).

Die Verse vier und fünf aus dem zwölften Kapitel des Buches Genesis, welche im Zentrum der ausgewählten Unterrichtsstunde stehen, lassen sich somit der Erzvätererzählung zuordnen, die etwa ins 15-13. Jahrhundert vor Christus datiert werden kann (vgl. Grimm 2006: 316). Bereits am Ende des elften Kapitels wird die Genealogie Abrahams beschrieben und berichtet, wie Abraham gemeinsam mit seiner Frau Sara, seinem Vater Terach und seinem Neffen Lot seine Heimat in Ur in Chaldäa verlässt um ins Land Kanaan zu ziehen (vgl. Gen 11, 10-32). Auf ihrem Weg entlang des Euphrats bleiben sie jedoch in Haran wohnen, einer Stadt an einer wichtigen Handelsroute, die zur damaligen Zeit ein bedeutendes Zentrum für Kaufleute aus Mesopotamien darstellte (vgl. Neef 2006: 507). Im letzten Vers von Kapitel Elf wird berichtet, wie der Vater von Abraham schließlich im Alter von 205 Jahren verstirbt (vgl. Gen 11, 32). Das zwölfte Kapitel beginnt damit, dass Gott Abraham, und dadurch das ganze Volk Israel, beruft und Abraham damit beauftragt, seine Heimat zu verlassen und in ein von Gott erwähltes Land zu ziehen. Charakteristischerweise gehen mit einer solchen Berufung und Erwählung Gottes auch Konsequenzen und daran angeknüpfte Zusprüche einher (vgl. Heidler 2006: 176), die sich im Falle Abrahams in den Segenszusagen Gottes äußern und sowohl Abraham selbst als auch seine Nachfahren betreffen (vgl. Gen 12, 1-3). Die Konklusion findet sich in den darauffolgenden beiden Versen, welche für die Unterrichtsstunde Gott begleitet Abraham und Sara auf ihrem Weg ausgewählt wurden und lauten:

„ 4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog. 5 So nahm Abram Sarai, seine Frau, und Lot, seines Bruders Sohn, mit aller ihrer Habe, die sie gewonnen hatten, und die Leute, die sie erworben hatten in Haran, und zogen aus, um ins Land Kanaan zu gehen. Und sie kamen in das Land.“ (Gen 12, 4-5)

Im weiteren Verlauf wird berichtet, wie Abraham und seine Gefolgschaft das Land weiter durchziehen und ihnen Gott ein zweites Mal erscheint, woraufhin ihm Abraham einen Altar baut und durch das Land immer weiter nach Süden reist (vgl. Gen 12, 6-9). Nachdem sich Abraham und Sara wegen einer Hungersnot vorübergehend in Ägypten aufhalten (vgl. Gen 12, 10-20) wird im dreizehnten Kapitel schließlich beschrieben, wie sich Abraham und Lot aufgrund ihrer großen Tierherden und Besitztümer trennen und Abraham mit seiner Frau schließlich im Land Kanaan wohnen bleibt (vgl. Gen 12, 1-12).

Die ausgewählte Bibelstelle beschreibt somit einen Abschnitt auf der langen Reise von Abrahams und Saras ursprünglichem Geburtsort bis zur endgültigen Niederlassung in einem neuen Land. Der Weg zwischen einer alten Heimat und einem neuen Zuhause bildet das zentrale Motiv, welches sich durch den Beginn der Abrahamserzählung zieht und auch im Zentrum der Verse vier und fünf des zwölften Kapitels steht. Die etappenweise Wanderung von Ur über Haran bis in das Land Kanaan, die sich über mehrere Jahre erstreckte, ist nach heutigen Forschungen nicht unwahrscheinlich (vgl. Martin-Achard 1977: 365), besonders wenn berücksichtigt wird, das Abraham das Leben eines Halbnomaden führte. Um die Umstände, die eine solche Lebensweise zur Zeit des Alten Testaments mit sich brachte, nachvollziehen zu können, müssen die äußeren Bedingungen und das soziale Milieu Abrahams und seiner Familie betrachtet werden: Die halbnomadischen Kleinviehzüchter, zu denen auch Abraham gehörte, lebten mit ihren Familien in Zelten und bewegten sich gemeinsam mit ihren Schaf- oder Rinderherden immer in kurzen Etappen vorwärts (vgl. ebd: 366). Nomadisch lebende Völker passten sich dabei stets den klimatischen Bedingungen an: Während sie sich im Sommer überwiegend im Kulturland aufhielten und Handel mit den Bewohnern des Landes betrieben, zogen sie im Winter in die grüneren Steppen- und Wüstenregionen, um ihre Herden versorgen und in bescheidenem Maße Ackerbau betreiben zu können (vgl. Bültmann 2006: 974). Für die unsichere Lebensweise der Nomaden, die von einer stetigen Abhängigkeit von geografischen und politischen Verhältnissen geprägt war (vgl. Lemche 1977: 588), spielte der anfängliche Auftrag Gottes, das Heimatland zu verlassen und in ein fremdes Land zu ziehen, eine entscheidende Rolle, da er die Vorstellung vom „Mit-Sein Gottes“ (Bültmann 2006: 974) vermittelt. In besonderer Weise erfuhren Abraham und Sara auf ihrem scheinbar schutzlosen Weg einen Gott, der sie auf ihrer Wanderung begleitet, vor Gefahren behütet und ihnen sowohl Landbesitz als auch Nachkommenschaft zusichert (vgl. ebd.). Es war die bestärkende Zusage Gottes, die „ermutigt zum Vertrauen auf Gottes Führung in der Zukunft angesichts des Alltags“ (Bültmann 2006: 974), die Abraham und Sara dazu bewegte, ihre gesicherten Umstände zu verlassen und im Vertrauen loszuziehen.

[...]


[1] Im weiteren Verlauf wird Schülerinnen und Schüler mit SuS abgekürzt.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Gott begleitet Abraham und Sara auf ihrem Weg. Eine Unterrichtsstunde für die 1. Klasse
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V510270
ISBN (eBook)
9783346078469
ISBN (Buch)
9783346078476
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterrichtsentwurf, klasse, religion, fach, sara, abraham, gott, thema, reflexion, grundschule
Arbeit zitieren
Jessica Deifel (Autor), 2017, Gott begleitet Abraham und Sara auf ihrem Weg. Eine Unterrichtsstunde für die 1. Klasse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510270

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