Exegese zum 5. Kapitel des 1. Thessalonicherbriefes (Verse 1-11)


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abschrift des zugrunde gelegten Textes

2. Analyse des Textes
2.1 Abgrenzung und Kontext
2.2 Strukturanalyse
2.3 Begriffsbestimmung
2.4 Historischer Ort des Textes

3. Interpretation
3.1 Problemstellung, Argumentation und Aussageabsicht
3.2 Sinn des Textes im Gesamtrahmen des Briefes

4. Literaturverzeichnis

1. Abschrift des zugrunde gelegten Textes

1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entfliehen. 4 Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. 7 Denn die schlafen, die schlafen des Nachts, und die betrunken sind, die sind des Nachts betrunken. 8 Wir aber, die wir Kinder des Tages sind, wollen nüchtern sein, angetan mit dem Panzer des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung auf das Heil. 9 Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu, das Heil zu erlangen durch unsern Herrn Jesus Christus, 10 der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben. 11 Darum ermahnt euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.

2. Analyse des Textes

2.1 Abgrenzung und Kontext

Der Textabschnitt aus 1. Thessalonicher 5,1-11 wurde von Paulus in Korinth an die Gemeinde in Thessaloniki verfasst und gehört vermutlich zum ältesten Paulusbrief, der in der Bibel überliefert ist[1]. Diese Tatsache ist sicherlich verbunden mit einem gewissen Anreiz, diesen Protopaulinischen Brief zu analysieren und zu interpretieren, seine Aussageabsicht zu verstehen und den vorliegenden Abschnitt dafür in den Kontext des ganzen Briefes einzuordnen und von diesem abzugrenzen.

Wie auch für andere paulinische Briefe charakteristisch, ist der erste Thessalonicher-brief aufgebaut aus einem Präskript, einem Proömium, dem Briefcorpus, einer Schlussparänese und einem abschließenden Postskript. Die Einleitung, in welcher der Absender, die Adressaten und der Eingangsgruß genannt und übermittelt werden, umfasst hierbei den ersten Vers des Briefes: „Paulus und Silvanus und Timotheus an die Gemeinde in Thessalonich in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus: Gnade sei mit euch und Friede“![2] Die anschließenden Worte Paulus‘ an die Thessalonicher sind gekennzeichnet von einer deutlichen Zweiteilung: Einem ersten Teil des Dankes (1. Thessalonicher 1,2-3,13) und einem zweiten Teil der Ermahnung und Tröstung[3] (1. Thessalonicher 4,1-5,28), die beide von besonderer Bedeutung für die Gesamtaussage sind.

Der erste Teil, welcher sich bis zum Ende des dritten Kapitels erstreckt, wird nach dem Präskript durch das Proömium fortgeführt – dieses beinhaltet die Verse 2-10 des ersten Kapitels. Schon während dieses Vorwortes wird das besondere Verhältnis vom Absender zu den Adressaten herausgestellt, wobei Paulus durch seine überschwänglichen Danksagungen die Gläubigen für ihr geistliches Leben lobt und den vorbildlichen Glauben der Gemeinde in Thessaloniki anerkennt. Anschließend beginnt der Briefcorpus (1. Thessalonischer 2,1-5,11), der sowohl zum ersten als auch zum zweiten Teil des Briefes gehört: Zu Beginn fasst Paulus seine eigenen Erfahrungen und die der Thessalonicher während seines dortigen Aufenthaltes zusammen und beschreibt seinen innigen Wunsch mit ihnen in Verbindung zu bleiben,[4] da Paulus, Silvanus und Timotheus durch den gefestigten Glauben der Gemeinde getröstet werden. Selbst wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, gibt dieser Teil des Briefes dennoch auch gleichzeitig eine Lehre wieder: Obwohl die Gemeinde angefochten ist, bleibt sie stets auf dem richtigen Weg. Diese positiven Erfahrungen, die die Gläubigen in der Vergangenheit machten und die ihren richtigen Umgang mit Glaubensinhalten deutlich werden ließ, will Paulus ihnen bewusst machen, damit sie aus diesen auch weiterhin lernen: „Das Bemühen um richtiges Verstehen von Vergangenheit ist eben auch eine Belehrung“[5].

Die einführende Lehre wird weitergeführt durch eine Ermahnung – dieses Schema ist auch für andere Briefe von Paulus kennzeichnend. Bis zum Ende des Briefcorpus‘ ermahnt der Apostel die Thessalonicher zur Heiligung und Nächstenliebe und führt sie zu einem „umfassenderen Verständnis von einem entscheidenden Glaubensinhalt (der Parusie)“[6]. Auf diesem Abschnitt des Briefes liegt ein entscheidendes Gewicht, da es wichtige Fragen der Gemeinde beantwortet und erklärt. In diesem Teil befindet sich auch der vorliegende Textabschnitt, der somit eine äußerst wichtige Aussage des Briefes beinhaltet und sowohl für die Gläubigen als auch für Paulus von elementarer Bedeutung ist.

Die Schlussparänese (1. Thessalonischer 5,12-25) beinhaltet eine Reihe von weiteren Anweisungen, wie die Thessalonicher sich verhalten sollen, sowie einen Segenswunsch und die Bitte um Fürbitte für die Gemeinde. Der Thessalonicherbrief schließt mit einem Postskript (1. Thessalonicher 5,26-28). Dieses Eschatokoll, in welchem Grüße an Gemeindemitglieder übermittelt werden wie auch der Auftrag an die Adressaten, endet mit den Worten: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch“![7]

Dass der vorliegende Textabschnitt einen besonderen Stellenwert im gesamten Brief hat, wird auch durch seine Abgrenzung zum engeren Kontext deutlich: Unmittelbar vor der Belehrung über den Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu in 1. Thessalonicher 5,1-11 ermahnt Paulus die Gemeinde zur Heiligung und Nächstenliebe. Er lehrt sie in den ersten Versen des Vierten Kapitels den Willen Gottes verstehen und bietet dadurch eine Einführung in das eigentliche Thema der Parusie: Nur wer sich darum bemüht im geistlichen Leben immer mehr zur Vollkommenheit zu gelangen und die Unzucht zu meiden, wird eines Tages durch die Gnade Gottes mit Jesus gemeinsam auferstehen. Diese wichtige Tatsache (aufgeführt in den Versen 13-18 des Vierten Kapitels) wird unterstrichen durch eine ausführliche Beschreibung der Auferstehung der Toten: die, die an Jesus glauben, werden mit ihm entrückt werden.[8] Hieran schließt sich der vorliegende Textabschnitt an, der durch seine Belehrung und Zwecksetzung den Höhepunkt der Ausführungen über die Parusie bildet. Anschließend gibt Paulus noch mehrere Anweisungen für ein heiliges Leben. Die Ermahnungen zum Leben nach dem Willen Gottes[9] bilden somit einen Rahmen um 1. Thessalonicher 4,13-5,11, wo das eigentliche Ziel, auf das die Gläubigen hinleben, beschrieben wird. Das Zentrum bildet dabei das Ende des vorliegenden Textabschnitts: der Grund für ein Leben nach Gottes Willen liegt in seiner Auserwählung und der Tatsache, dass Gott die Thessalonicher dazu bestimmt hat, das Heil zu erlangen.[10]

Der Textabschnitt aus Kapitel fünf, der sich am Ende des Briefcorpus‘ befindet, ist somit von außerordentlicher Bedeutung für den gesamten Thessalonicherbrief, da sowohl das Lob an die Gemeinde als auch die Ermahnungen zum heiligen Leben in dieser Ausführung gipfeln: Weil die Gläubigen als Belohnung das ewige Leben in Gemeinschaft mit Gott erhalten haben, sollen sie sich zu jeder Zeit darum bemühen, seine Weisungen einzuhalten und die Anweisungen, die Paulus sie während des ganzen Briefes lehrt, zu befolgen.

2.2 Strukturanalyse

Die ersten elf Verse des fünften Kapitels aus dem 1. Thessalonicherbrief lassen sich in mehrere kleinere Abschnitte zerlegen, denen jeweils unterschiedliche Funktionen zukommen. Diese sind zum großen Teil gekennzeichnet durch eine Ermahnung an die Gemeinde in Thessaloniki und einer darauf folgenden Begründung.

Zu Beginn leitet Paulus die nachfolgende Themenstellung ein und weist durch das Wort „aber“ darauf hin, dass er sich nun von dem vorangehenden Schwerpunkt der Auferstehung der Toten wegbewegen und ein neues Problem erörtern möchte, dass er in dem ersten Abschnitt (Vers 1) einleitet mit den Worten „Von den Zeiten und Stunden aber“. Außerdem macht er darauf aufmerksam, dass diesen keine große Bedeutung zugemessen werden soll, was die Worte „ist es nicht nötig euch zu schreiben“ zusammenfassen.

Der zweite Abschnitt erstreckt sich über Vers 2 und liefert eine Begründung zu Paulus‘ Entscheidung, den Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu nicht weiter zu thematisieren. Diese wird mit dem Wort „denn“ eingeleitet und endet mit „wie ein Dieb in der Nacht“.

Auf diese Erläuterung folgt ein Bedingungsgefüge, welches sich aus einer Bedingung „wenn sie sagen werden“ und der Folge „dann […] werden [sie] nicht entfliehen“ zusammensetzt. Paulus geht hierbei besonders auf diejenigen ein, die sich in falscher Sicherheit glauben und über die der Tag des Herrn kommen wird wie im vorangehenden Vers beschrieben.

Von gerade diesen Menschen grenzt Paulus die Thessalonicher bewusst im nächsten Textabschnitt (Vers 4) ab, in dem er diesen mit den Worten „Ihr aber, liebe Brüder“ beginnt. Gleichzeitig leitet er damit eine Episode von Gegensätzen ein, die zwischen den Gläubigen und den Ungläubigen bestehen; der Vers bildet somit eine Grundlage für die in den nachfolgenden Textelementen aufgeführte Antithetik zwischen Kindern des Lichts und der Finsternis.

Der fünfte Abschnitt (Vers 5) beginnt mit dem Wort „denn“ und beinhaltet eine Begründung zur der im vorigen Textelement beschriebenen Tatsache, dass die Thessalonicher Kinder des Lichts seien. Auch hier folgt zur Unterstützung der Aussage eine Abgrenzung von den Kindern der Nacht.

An diese Erläuterung schließt sich eine Ermahnung im nächsten Element an, die durch die Worte „So lasst uns“ eingeleitet wird und mit den Worten „nüchtern sein“ endet (Vers 6). Mit diesem Abschnitt beginnt zusätzlich das Zusammenspiel von Ermahnung und Begründung, welches in den nachfolgenden Versen vorherrschend ist.

„Denn die schlafen, die schlafen des Nachts“ sind die beginnenden Worte des siebten Verses, der auch gleichzeitig den siebten Textabschnitt bildet. Auch hier wird durch die Konjunktion „denn“ auf eine Begründung hingewiesen, die gleichzeitig eine Erklärung liefert, warum die Ermahnung von Vers 6 von den Thessalonichern ernst genommen werden sollte.

Abschnitt acht (Vers 8) beinhaltet erneut eine Ermahnung, die durch die Worte „Wir aber […] wollen nüchtern sein“ ausgedrückt wird und dazu auffordert, sich von den Menschen, die im vorigen Abschnitt beschrieben wurden, abzugrenzen. Durch das Wort „aber“ wird diese Abgrenzung besonders hervorgehoben.

[...]


[1] Vgl. Hahn: 1. & 2. Thessalonicherbrief. S. 9.

[2] Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers 1984. 1. Thessalonicher 1,1.

[3] Vgl. Schlier: Der Apostel und seine Gemeinde. S. 12-13.

[4] Vgl. Schlier: Der Apostel und seine Gemeinde. S. 12.

[5] Marxsen: Der erste Brief an die Thessalonicher. S. 28.

[6] Marxsen: Der erste Brief an die Thessalonicher. S. 29.

[7] Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers 1984. 1. Thessalonicher 5,28.

[8] Vgl. Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers 1984. 1. Thessalonicher 4,14.

[9] „Wille Gottes“: Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers 1984. 1. Thessalonicher 4,3; 5,17.

[10] Vgl. Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers 1984. 1. Thessalonicher 5, 9.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Exegese zum 5. Kapitel des 1. Thessalonicherbriefes (Verse 1-11)
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V510278
ISBN (eBook)
9783346078506
ISBN (Buch)
9783346078513
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exegese, kapitel, thessalonicherbriefes, verse
Arbeit zitieren
Jessica Deifel (Autor), 2013, Exegese zum 5. Kapitel des 1. Thessalonicherbriefes (Verse 1-11), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510278

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