Partnerschaft und Sexualität im Multimedia-Zeitalter

Das Internet ein Liebestöter?


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Generation Y – Die Kinder des Multimedia-Zeitalters
2.1 Definition und Einordnung
2.2 Liebe und Partnerschaft: Die Qual der Wahl
2.3 Sexualität und ihre Abspaltung von Liebe

3. Das Internet- Ein Liebestöter?
3.1 Gefahren durch unsachgemäßen Konsum von Webinhalten
3.1.1 Internetpornografie
3.1.2 Online-Dating
3.1.3 Sonstige Faktoren
3.2 Das Internet als Beziehungsretter

4. Auswertung
4.1 Zusammenhänge: Neue Medien- Neue Werte?
4.2 Einfluss des Internets auf Partnerschaft und Sexualität
4.3 Möglichkeiten und Grenzen Psychologischer Beratung
4.4 Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mingle, Polyamorie, Beziehungsanarchie - noch nie wurden diese Begriffe so laut diskutiert wie heute. Klassische Beziehungsmodelle gelten unter jungen Menschen immer häufiger als nicht mehr zeitgemäß; die neuen wiederum bergen Fluch und Segen unbegrenzter Freiheit in sich. Immer wieder stellt sich die Frage: Welche Beziehungsform ist die richtige?

Buchbestseller wie „Generation Beziehungsunfähig“ von Michael Nast oder „Wie wir lieben: Vom Ende der Monogamie“ von Friedemann Karig unterstreichen die allgemeine Ratlosigkeit.

Eine der Hauptursachen für die um sich greifende Verwirrung in Sachen Beziehung liegt in der globalen Vernetzung. Das Internet als Ort unbegrenzter Auswahlmöglichkeiten bietet nicht nur den Zugriff auf Waren und Informationen - insbesondere über die sozialen Netzwerke öffnen sich hinsichtlich der Partnerwahl oft ungeahnte Dimensionen. Die schier unendliche Menge neuer, rund um die Uhr abrufbarer Reize macht es vielen Menschen schwer, an altbewährten Normen wie Treue und Beständigkeit festzuhalten. Immer häufiger führen zudem virtuelle Versuchungen wie Dating Apps, Seitensprungportale oder der Konsum von Internetpornografie letztendlich zu unbefriedigenden Realbeziehungen, daraus resultierenden Trennungen oder - im schlimmsten Falle - dauerhafter Einsamkeit.

Infolge dieser Problematik werde ich im Rahmen meiner Abschlussarbeit folgende Fragestellung untersuchen:

Partnerschaft und Sexualität im Multimedia- Zeitalter: Ist das Internet ein Liebestöter?

Nach Erklärung und Eingrenzung der für die Fragestellung relevanten Begriffe werde ich unter Hinzuziehung der Fachliteratur erörtern

- ob und inwieweit ein Zusammenhang zwischen der Nutzung des Internets und der Neuinterpretation von Partnerschaft und Sexualität besteht
- ob und in welchem Maße die neuen Medien Einfluss auf Partnerschaft und Sexualität nehmen
- wie es gelingen kann, eine erfüllende Partnerschaft und Sexualität im Multimedia- Zeitalter zu leben und
- wie ich als Psychologische Beraterin (Personal Coach) meine Klient/inn/en darin unterstützen kann

1. Generation Y – Die Kinder des Multimedia-Zeitalters

1.1 Definition und Einordnung

Der technologische Fortschritt betrifft uns alle - besonders jedoch jene, die quasi schon mit den neuen Medien auf die Welt gekommen sind. Soziologen und Jugendforscher bezeichnen diese Generation junger Menschen, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden, als „Digital Natives“ oder „Generation Y“. In einer Studie des Zukunftsinstituts fassen die Autoren Huber und Rauch zusammen:

„Die Generation Y unterscheidet sich vor allem auch im Lebensstil von allen ihren Vorgängern: Sie wuchsen als erste in einer Welt der Digitalisierung auf, mit völlig neuen Technologien der Kommunikation und des Austauschs. (...) Der technologisch getriebene Lebensstil fördert völlig neue Verhaltensweisen der Vergemeinschaftung, insbesondere aber auch ein neues Selbstverständnis im Umgang mit modernen technischen Anwendungen im privaten wie beruflichen Alltag“(www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/Auftragsstudien/studie_generation_y_signium.pdf , abgerufen am 28.09.2017).

Christel Schwalb zufolge birgt diese Entwicklung Gefahren:

„Nicht zuletzt änderte sich auch der Medienkonsum bei den Digital Natives. Während der analoge Mensch noch auf Sendetermine im Fernsehprogramm wartet, schaut der Digital Native sein Programm wann und (über sein Smartphone) wo er will. Medienwissenschaftler sprechen auch vom Second-Screen-Phänomen: Man schaut Fernsehen und unterhält sich gleichzeitig über das aktuelle Programm via Tablet, chattet oder spielt ein Computerspiel. Das Smartphone wird überall genutzt – ob während des Einkaufens oder Autoscooter-Fahrens. Jugendliche sitzen nebeneinander, ohne zu sprechen, und jeder schaut auf sein eigenes Display. Viele Wissenschaftler befürchten, dass die Achtsamkeit des Augenblicks und die Konzentration auf die reale Welt verloren geht, aber auch, dass die Dauerbeschallung und die dadurch resultierende Verkümmerung der Kreativität weitreichende Folgen haben könnten“ (Schwalb 2015, S. 10).

1.2 Liebe und Partnerschaft: Die Qual der Wahl

Für die Begründung einer Partnerschaft ist nach allgemeiner Auffassung das Vorhandensein tieferer Emotionen nach wie vor von elementarer Bedeutung. Masters & Johnson differenzieren zwischen dem beständigen Gefühl der Liebe, die fürsorgliche Zuwendung gegenüber der geliebten Person voraussetzt, und zielgerichtetem Sexualverlangen , das nach dessen Befriedigung abebbt (vgl. Masters & Johnson 1993, S. 237). Wendt hingegen setzt Liebe und Sexualität in ein Verhältnis: „ Äußerst umstritten ist auch nach wie vor die Frage, wie Liebe und Sexualität zusammenhängen. (…) Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte: Wirklich erfüllte Sexualität ist nicht ohne Liebe und wirklich tiefe Liebe nicht ohne Sexualität möglich“ (Wendt 1988, S.16). Dieses Zusammenspiel ist scheinbar insbesondere für Frauen von tieferer Bedeutung: „Ein sexuelles Problem ist auch immer ein Beziehungsproblem. In dem Spannungsfeld zwischen den Grundbedürfnissen nach Bindung und Autonomie, in dem sich jeder der Partner einer Paarbeziehung bewegt, scheinen Frauen insgesamt beziehungsorientierter zu sein als Männer (…)“ (Maß & Bauer 2016, S. 119).

So selbstverständlich auch Sexualität in einer Beziehung vorausgesetzt wird, ist im Umkehrschluss die klassische Zweier-Beziehung nach heutigem Verständnis nicht länger Voraussetzung für erfüllende Sexualität : „ Das alte System von Ehe und Zweierliebe ist in der Gemeinschaft kaum aufrechtzuerhalten.(...) Die meisten Frauen wie Männer haben ein sexuelles Verlangen, das weit über die Beziehung zu einem einzigen Partner hinausgeht. Sie müssen die Möglichkeit erhalten, dieses Verlangen ohne Angst und Scham voreinander zu offenbaren“ (Duhm 2015, S.151). Dossie Easton und Janet W. Hardy geben kritisch zu bedenken: „Uns allen wurde beigebracht, dass es nur eine richtige Art der Beziehung gibt: die lebenslange, monogame, heterosexuelle Ehe. Man erzählt uns, Monogamie sei „normal“ und „naturgegeben“ (…). Viele von uns spüren instinktiv, dass an diesem Bild etwas nicht stimmt“ (Easton & Hardy 2017, S. 21). Die beiden selbst ernannten „Schlampen mit Moral“ gehen sogar noch einen Schritt weiter und stellen in Frage, ob das gängige Verständnis von Liebe überhaupt für die Begründung einer Partnerschaft taugt: Bei der romantischen Liebe handelt es sich ihrer Betrachtung nach um nicht mehr als um eine von temporärer Leidenschaft geprägte Verliebtheitsphase, die keine gute Ausgangsbasis für stabile Beziehungen darstellt (vgl . Easton & Hardy 2017, S. 27 f.).

Das Bild der romantischen Liebe mit seinem hohen Anspruch auf lebenslang erfüllte Zweisamkeit und der unumstrittenen Konvention der sexuellen Treue kam jedoch nicht erst mit der wachsenden Popularität alternativer Liebesentwürfe ins Wanken. Die Kritik an den Beziehungsnormen der westlichen Welt und besonders an sexueller Treue als Bedingung für eine stabile Partnerschaft wurde lediglich lauter. Arno Plack äußerte schon 1977: „Man könnte sagen, die romantische, die bewundernde Liebe sei je absolut ausschließlich, weil sie nie wirklich treu ist , nie an unverwechselbare Züge des Anderen sich heftet, sondern immer blindlings ihn umklammert. Sie fordert den jeweiligen Partner sich zu eigen und „gibt sich ihm hin“ mit einer Ausschließlichkeit, die ihrer Tendenz nach Verrat ist an jeder größeren Gemeinschaft“ (Plack 1977, S. 68). Auch Erich Fromm thematisierte zwei Jahre darauf die Problematik der Vereinnahmung: „Am Haben orientierte Menschen möchten den Menschen, den sie lieben oder bewundern, haben. (…) Beide Partner wollen den anderen zur alleinigen Verfügung haben und begnügen sich nicht damit, die Nähe des anderen zu genießen; deshalb sind sie auf andere eifersüchtig, die den gleichen Menschen „haben“. (…) Beziehungen, die wesentlich besitzorientiert sind, sind bedrückend, belastend, voll von Eifersucht und Konflikten“ (Fromm 1979, S.139).

Zusammenfassend lässt sich feststellen: Das Ideal der romantischen Beziehung beruht auf dem Wunsch nach Exklusivität und Besitz des Anderen, während das Modell freier Liebe ebendiese hinterfragt und das Verständnis von Liebe in zwischenmenschlichen Verbindungen neu besetzt. An die Stelle von Unterdrückung und Besitzdenken treten Autonomie, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein.

Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Definitionen des Liebesbegriffs und deren Verbreitung durch neue Medien ist es nicht verwunderlich, dass insbesondere die gut informierte Generation Y in einen Zustand der Verwirrung gerät: Im Konflikt zwischen den internalisierten Normen ihrer Elterngeneration und einem jederzeit zugänglichen Angebot verschiedenster Alternativen gestaltet sich die Selbstfindung als Drahtseilakt.

1.3 Sexualität und ihre Abspaltung von Liebe

Die menschliche Sexualität wird gemäß der vorläufigen Definition der WHO als natürlicher Teil der menschlichen Entwicklung in jeder Lebensphase verstanden, der physische, psychische und soziale Komponenten umfasst (vgl. BzgA 2011, S.18). Sexuelle Gesundheit definiert die WHO als „Zustand körperlichen, emotionalen, geistigen und sozialen Wohlbefindens bezogen auf die Sexualität und (sie) bedeutet nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, Funktionsstörungen oder Schwäche. Sexuelle Gesundheit erfordert sowohl eine positive, respektvolle Herangehensweise an Sexualität und sexuelle Beziehungen als auch die Möglichkeit für lustvolle und sichere sexuelle Erfahrungen, frei von Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt. Wenn sexuelle Gesundheit erreicht und bewahrt werden soll, müssen die sexuellen Rechte aller Menschen anerkannt, geschützt und eingehalten werden“ (BzgA 2011, S.19). Eine gesunde Sexualität setzt demzufolge die Interaktion aller Beteiligten auf Augenhöhe voraus - unabhängig des Geschlechts und der sexuellen Orientierung. Ilka Quindeau beschreibt die Entwicklung der modernen Sexualität wie folgt: „Seit einiger Zeit ist nun der „Fun“ zum neuen Imperativ des Sexuellen geworden, ein Begriff, der mit Spaß oder Vergnügen keine angemessene Übersetzung erfährt. Wurde die Sexualität unter dem Diktat der Gesundheit bereits auf die Logik eines formal ungestörten Funktionierens reduziert, kommt gegenwärtig hinzu, dass dieses Funktionieren auch Spaß machen muss.“ Dieser Spaß hat seinen Preis: „Die alten Zwänge sind neuen gewichen. Etwaige Risiken und Nebenwirkungen werden in Kauf genommen; nicht zuletzt daran zeigt sich der Unterschied zwischen der gegenwärtigen „Spaßkultur“ und der Fitness- bzw. Gesundheitsideologie früherer Jahre“ (Quindeau 2014, S.122).

Die Spaßkultur kommt auch in der Nutzung neuer Medien zum Ausdruck: Dating-Apps wie Tinder und Lovoo zeigen dem Nutzer alle sich in der Nähe befindenden potentiellen Interessent/inn/en auf einem Radar an. Unverbindliche sexuelle Kontakte sind heute einfacher zu knüpfen denn je. Eine Entwicklung, auf die auch das Bundesgesundheitsministerium reagiert: „Jeder Mensch kann sich mit einer sexuell übertragbaren Infektion anstecken. Die Anzahl der Sexualpartner, die sexuelle Orientierung, Sexualpraktiken sowie psychosoziale Faktoren haben Einfluss auf das Risiko, sich zu infizieren. Zusätzlich verändern und erleichtern soziale Netzwerke und Internet-Datingportale die Kontaktaufnahme. Dies hat Einfluss auf das Sexualverhalten.“ , so heißt es in der Broschüre Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (Bundesministerium für Gesundheit 2016, S.9). Auch Dr. Peter Greenhouse, Sexualforscher und Sprecher der British Association for Sexual Health and HIV, sieht einen Zusammenhang zwischen der wachsenden Popularität von Dating-Apps und der rasanten Zunahme von Geschlechtskrankheiten (vgl. www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Erhoehen-Dating-Apps-wie-Tinder-das-Risiko-fuer-Geschlechtskrankheiten-id35981857, abgerufen am 28.09.2017).

Einen weiteren Einfluss auf das Sexualverhalten hat die Nutzung sexualbezogener Internetangebote. „Es lassen sich im Wesentlichen sechs Formen sexualbezogener Internet-Nutzung unterscheiden: (1) sexuelle Information, (2) sexuelle Unterhaltung, (3) sexuelle Kontakte, (4) sexuelle Szenen, (5) sexuelle Produkte und (6) sexuelle Dienstleistungen“ (Döring 2014, S. 185). Waniliek fasst zusammen: „Die überwiegend positive Haltung von Jugendlichen den neuen Medien gegenüber setzt sie in besonderem Maße den verschiedenen Einflüssen von sexualisierten Bildern, Chats und Videos aus“ (Waniliek 2009, S.13). Inwiefern diese Herangehensweise an Sexualität die Attribute „positiv“ und „respektvoll“ bedingt, wie sie die sexuelle Gesundheit nach Definition der WHO erfordert, ist schwierig zu beantworten. Deutlich wird jedoch, dass sich der Umgang mit Sexualität im Vergleich zu den Zeiten vor der globalen Vernetzung unkomplizierter gestaltet, da explizit sexuelles Material auf vielerlei Art für den Internet-Nutzer virtuell zugänglich ist. Da Sexualität somit nicht mehr zwangsläufig primär im Rahmen des Beziehungsgefüges erfahren werden muss, fallen Intimität, Partnerschaft und Zuneigung als unabdingbare Voraussetzungen weg. Anstelle eines behutsamen Heranführens im gemeinsamen Erkunden erleben die Jugendlichen des Multimedia-Zeitalters ihren ersten Kontakt mit Sexualität nicht selten über das Internet.

3. Das Internet – ein Liebestöter?

3.1 Gefahren durch unsachgemäßen Konsum von Webinhalten

Ursprünglich galt der Liebestöter als eine Bezeichnung für lange Herrenunterhosen, deren Träger ihre erotische Anziehungskraft auf die Partnerin durch dieses altmodische, aber zweckmäßige Kleidungsstück einbüßten.

Mittlerweile wird dieser Begriff allerdings auch als Synonym für das Modewort Beziehungskiller benutzt. Unter diesen Begriff fallen Verhaltensweisen und Einflüsse, die den Partner bewusst oder unbewusst stören und auf Dauer die Beziehung belasten (vgl. www.wikipedia.org/wiki/Liebestöter, aufgerufen am 29.09.2017).

Dies trifft auch auf den unsachgemäßen Konsum gewisser Webinhalte zu, welche in den folgenden Unterkapiteln näher vorgestellt werden sollen.

3.1.1 Internetpornografie

Die Verfügbarkeit von Pornografie im Internet ermöglicht bereits Minderjährigen den schnellen und einfachen Zugriff. Über 40% der 13jährigen und über 80% aller 17jährigen Jugendlichen geben an, über einschlägige Erfahrungen mit Internetpornografie zu verfügen (vgl. Weller 2010, S.56). Was aus harmloser Neugier beginnt, kann sich im Erwachsenenalter zu einer negativen Angewohnheit verfestigen und mit wachsender Häufigkeit durchaus zu psychischen und partnerschaftlichen Problemen führen: Eine Studie der Psychiatrie des Berliner Charité zufolge verändert regelmäßiger Pornokonsum neuronale Hirnstrukturen nachhaltig und verkleinert den Schweifkern, der für die Funktion des zerebralen Belohnungssystems maßgeblich ist. Auch eine Korrelation zwischen erhöhtem Konsum von Pornografie und jenem von Alkohol sowie ein höheres Aufkommen von Depressionen wurde in der Studie nachgewiesen (vgl.www.aerztezeitung.de/panorama/article/905287/veraenderungen-belohnungssystem-pornos-gehirn-anrichten, aufgerufen am 29.09.2017). Interessant erscheint mir in diesem Zusammenhang eine Erhebung des Statistischen Bundesamts, aus der hervorgeht, dass sich die Zahl der in Deutschland aufgrund einer Depression vollstationär im Krankenhaus behandelter PatientInnen von 2000 bis 2015 mehr als verdoppelte, bei Kindern und Jugendlichen sogar verzehnfachte (vgl. www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/ImFokus/Gesundheit/DepressionKinderJugendliche , aufgerufen am 29.09.2017).

In einer Zweierbeziehung leiden beide Beteiligten unter den Folgen exzessiven Pornografiekonsums: "Männer glauben oft, die gezeigten bizarren Variationen ohne weiteren Erklärungsbedarf übernehmen zu können. Doch gelebte Sexualität beinhaltet im Unterschied zu den kurzen Pornovideos Beziehung." . Währenddessen nagt an den Frauen der Selbstzweifel. Sie fühlen sich „überfordert oder bloß noch als unzureichende Sexobjekte“ (Senger, 2016, www.pressetext.com/news/20120601018 aufgerufen am 29.09.2017). Zusammengefasst: Internetpornografie hat Einfluss auf eine potentielle Abhängigkeitsentwicklung sowie beeinträchtigte partnerschaftliche Intimität, ebenso auf Empathie- und Bindungsfähigkeit (vgl. Freitag, 2012, S. 28).

3.1.2 Online-Dating

Einer repräsentativen Studie zufolge befinden sich über ein Viertel der Personen, die auf Dating- Portalen angemeldet sind, in einer Partnerschaft. Am häufigsten genutzt wird von allen Befragten Lovoo, gefolgt von Friendscout24 und Tinder (vgl. www.splendid-research.com/studien/Studie-Fremdgehen-Onlinedating-2015.pdf , S. 9-10, aufgerufen am 29.09.2017). „64 Prozent derjenigen, die in einer festen Partnerschaft sind, treiben sich in Singlebörsen rum“ , so Paartherapeutin Sigrid Sonnenholzer im Interview mit FOCUS Online (www.focus.de/digital/internet/digitale-eifersucht-was-ihre-partnerin-denkt-wenn-sie-bilder-anderer-frauen-liken_id_7552484, aufgerufen am 29.09.1017). Eine Erklärung dafür könnte der „Reiz des Unbekannten“ sein: „In Überflussgesellschaften sind nicht die bedürfnisstillenden Mittel, sondern die Bedürfnisse knapp. Die Banalisierung und die ständige Verfügbarkeit sexueller Anreize führen dazu, dass nach immer neuen Kicks gesucht wird und das Bekannte langweilig ist“ (Maß/ Bauer 2016, S. 144).

Neben den klassischen Dating-Portalen findet sich im Netz zudem eine Vielzahl verschiedener Seitensprungportale, die als „Liebestöter“ in Frage kämen.

Sexuelle Untreue ist allerdings kein Phänomen des Multimedia- Zeitalters. Bereits 1948 vermutete Kinsey in seinen Schätzungen , dass die Hälfte aller verheirateten Männer außereheliche Sexualität praktizierten. Die Auswertung der Redbook-Studie von 1980 ergab, dass rund 38% der Ehefrauen zwischen 35 und 39 Jahren außerehelichen sexuellen Aktivitäten nachgingen. Auch weitere Untersuchungen aus den 1980er Jahren brachten Ergebnisse, nach denen ungefähr zwei Drittel der Männer und zwischen 21 und 43% der Frauen ihren EhepartnerInnen untreu waren (vgl. Masters & Johnson 1993, S. 364). Die neuen Medien sind folglich nicht für Untreue verantwortlich - sie erleichtern lediglich das Zusammenfinden an Untreue interessierter Personen.

3.1.3 Sonstige Faktoren

In Hinblick auf die Verbreitung der neuen Medien beschreibt Andro die Realitätsflucht wie folgt: „ Eine aktuelle Variante, die nicht nur Heranwachsende erfasst, ist die Realitätsflucht in Computer gesteuerte Parallelwelten. Da diese körperlich keine Befriedigung liefern können, sondern nur virtuell existieren, ist der Suchtfaktor exponentiell hoch. Besonders verführerisch sind die Computer simulierten, mit anderen Flüchtigen vernetzten Programme, wie das zweite Leben “ (Andro 2012, S.155).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Partnerschaft und Sexualität im Multimedia-Zeitalter
Untertitel
Das Internet ein Liebestöter?
Hochschule
Impulse e.V. - Schule für freie Gesundheitsberufe
Note
1.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V510348
ISBN (eBook)
9783346086396
ISBN (Buch)
9783346086402
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sexualität, Internet, Liebe, Partnerschaft, Coaching, Psychologie, Psychologische Beratung, Beratung, Personal Coach, Sex, Jugendliche, Beziehung
Arbeit zitieren
Ramona Schneider (Autor), 2017, Partnerschaft und Sexualität im Multimedia-Zeitalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510348

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