In dieser Arbeit wird der Autor die hohe Korruptionswahrscheinlichkeit der führenden chinesischen Beamten auf kommunaler Ebene untersuchen, indem in Kapitel 2 die grundlegenden Definitionen von Korruption und Beamten sowie die betreffenden Situationen in China beleuchtet werden. Daraufhin wird in Kapitel 3 zunächst der Entscheidungsprozess der Beamten zwischen "korrupt" und "nicht-korrupt" nachvollzogen, bevor die Voraussetzungen für "nicht-korruptes" Handeln mit aktuellen Daten aus China geprüft werden und letztlich die rationalen Entscheidungswege der Beamten verfolgt werden. Kapitel 4 beschäftigt sich mit den möglichen Lösungsansätzen zur Korruption solcher Beamten. Ein Fazit schließt die Arbeit ab.
Die Zahl der inhaftierten hochrangigen Beamten im Jahr 1988 betrug 190, die Zahl erreichte im Jahr 1990 jedoch bis zu 2.285. Bis zum Jahr 2000 klagte die Staatsanwaltschaft jedes Jahr mehr als 2.500 hochrangige Beamte an. Der Gegenstandswert eines Korruptionsfalls stieg ebenso explosionsartig an. Im Jahr 1984 betrug dieser 4.000 RMB und stieg bis 1994 schnell auf 54.000 RMB an, bevor er im Jahr 1998 bis zu 140.000 RMB erreichte. Bis 2005 betrug der Gegenstandwert jedes Korruptionsfalls 273.000 RMB, was fast eine Verdoppelung gegenüber den Werten des Jahres 1998 bedeutet. Seit 2011 ist der Korruptionsindex Chinas nach Transparency International stetig gestiegen und das Land fiel bis zum Jahr 2014 von Rang 75 auf 100.
Zum Problemfeld der immer schlimmer gewordenen Korruptionssituation in China stelle ich hierbei die Frage, warum Beamte unter dem aktuellen Regelungsrahmen häufig für Korruption anfällig sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen von Korruption und Beamten
2.1 Theorie der Korruption
2.2 Beamte in China
3. Analyse der Korruptionsmöglichkeit von führenden Beamten auf kommunaler Ebene
3.1 Annahmen: Beamte als rationale Agenten
3.2 Analyse des Entscheidungsprozesses für führende Beamte
3.2.1 Die Inhaftierungswahrscheinlichkeit (p)
3.2.2 Kriminalstrafe (K)
3.2.3 Laufende Einnahmen (L)
3.4 Zwischenergebnis
4. Mögliche Lösungsansätze zur Beamtenkorruption
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die hohe Korruptionsanfälligkeit führender chinesischer Beamter auf kommunaler Ebene unter Anwendung der Theorie rationaler Agenten. Ziel ist es, den Entscheidungsprozess zwischen korruptem und nicht-korruptem Handeln zu modellieren und auf Basis ökonomischer Faktoren Lösungsansätze für eine wirksame Korruptionsbekämpfung abzuleiten.
- Analyse der Korruptionsdynamik in China seit der Wirtschaftsöffnung
- Modellierung des korrupten Verhaltens mittels Nutzenfunktionen
- Einfluss von Inhaftierungswahrscheinlichkeit und Strafmaßen
- Evaluierung der aktuellen Rahmenbedingungen für Beamte
- Entwicklung von Strategien zur Korruptionsprävention
Auszug aus dem Buch
3.1 Annahmen: Beamte als rationale Agenten
Der rationale Agent ist das theoretische Modell, das einen rational denkenden Akteur beschreibt, der sich nicht von seinen Gefühlen hinreißen lässt oder blindlings handelt, sondern die erwarteten Erträge von verschiedenen Entscheidungen analysieren und vergleichen kann und dadurch die getroffenen Entscheidungen modelltheoretisch immer günstig ausfallen. 11 Erwartete Erträge sind gleich erwartete gesamte Einnahmen minus erwartete gesamte Risiken.
Beamte werden in dieser Arbeit als rationale Agenten angesehen, was bedeutet, dass sie sich vor einer Entscheidung die gesamten Einnahmen und die gesamten Risiken bei der Handlungsoption „korrupt“ überlegen. Durch die Gegenüberstellung der erwarteten Erträge zu „korrupt“ und „nicht-korrupt“ treffen sie ihre Entscheidung: Wenn die Erträge zu „korrupt“ größer als „nicht-korrupt“ sind, handelt der Beamte korrupt; bei umgekehrtem Ergebnis handelt er nicht korrupt.
Die zunehmenden Lebenskosten wie Lebensmittelkosten, Kosten für medizinische Behandlung, Bildungskosten für Kinder, Verkehrskosten etc. zwingen Beamte, die auf kommunaler Ebene beschäftigt sind und deren Einkommen nicht hoch sind, jede ihrer Möglichkeiten im Lebens- und Arbeitsbereich zu analysieren und zu vergleichen, um ihre Erträge zu maximieren. Deshalb ist es stringent und logisch, Beamte auf kommunaler Ebene in China als rationale Agenten zu betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den rasanten Anstieg von Korruptionsfällen in China seit 1978 und stellt die Forschungsfrage, warum Beamte in diesem Regelungsrahmen anfällig für Korruption sind.
2. Grundlagen von Korruption und Beamten: Definiert Korruption als Machtmissbrauch zum privaten Nutzen und charakterisiert die Struktur sowie das Rangsystem des Beamtentums in China.
3. Analyse der Korruptionsmöglichkeit von führenden Beamten auf kommunaler Ebene: Wendet das Modell des rationalen Agenten auf den Entscheidungsprozess an und untersucht die Variablen Inhaftierungswahrscheinlichkeit, Kriminalstrafen und laufende Einnahmen.
4. Mögliche Lösungsansätze zur Beamtenkorruption: Schlägt Reformen zur Erhöhung der Entdeckungswahrscheinlichkeit, der Strafwirkung sowie Anpassungen der Besoldung vor, um das Nutzenkalkül zugunsten korruptionsfreier Arbeit zu verschieben.
5. Fazit: Fasst zusammen, dass die politische Institution der Parteidiktatur und mangelnde externe Kontrolle die Hauptursachen sind, und fordert eine Reform der Institutionen, um das Wirtschaftswachstum nachhaltig zu sichern.
Schlüsselwörter
Korruptionsbekämpfung, China, Beamte, rationale Agenten, Korruptionswahrscheinlichkeit, Wirtschaftskriminalität, Inhaftierungswahrscheinlichkeit, Bestechung, Strafrecht, Parteikomitees, Verwaltungsreform, Institutionenökonomie, Antikorruptionsgesetz, Disziplinarkommission, Politische Loyalität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die strukturellen und ökonomischen Gründe für die weit verbreitete Korruption unter führenden Beamten auf kommunaler Ebene in China.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die ökonomische Theorie der Korruption, die politische Struktur des chinesischen Beamtentums und die Analyse von Anreizstrukturen für Fehlverhalten.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, warum Beamte unter dem aktuell geltenden chinesischen Regelungsrahmen so häufig für korrupte Handlungen anfällig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse stützt sich auf das modelltheoretische Konzept des „rationalen Agenten“, bei dem Handlungsentscheidungen anhand von erwarteten Erträgen und Risiken quantifiziert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der mathematischen Herleitung der Entscheidungssituation eines Beamten sowie der Untersuchung konkreter Faktoren wie Bestechungsgelder, Strafen und Entdeckungswahrscheinlichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Korruptionswahrscheinlichkeit, rationale Agenten, chinesisches Beamtensystem, Disziplinarkommission und institutionelle Reformen.
Welchen Einfluss hat die Parteizugehörigkeit auf die Korruptionsrate?
Die Arbeit argumentiert, dass die enge Verflechtung von Partei und Staatsorganen sowie die Priorisierung politischer Loyalität die externe Kontrolle schwächen und somit korrupte Handlungsspielräume vergrößern.
Warum ist das "Properties Declaration System" in China ineffektiv?
Das System ist laut Autor unvollständig implementiert und wird in der Praxis häufig zur Strafmilderung missbraucht, anstatt als präventives Instrument gegen unrechtmäßige Vermögensanhäufung zu dienen.
- Quote paper
- Yu An (Author), 2016, Korruptionsbekämpfung in China, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510359