Kommunikation und Körpersprache

Gegenüberstellung der Kommunikationsmodelle von Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun


Hausarbeit, 2017

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der verbalen Kommunikation
2.1 Die Anatomie einer Nachricht
2.2 Mit vier Ohren empfangen

3 Das Vier-Ohren-Modell: Friedemann Schulz von Thun
3.1 Das "Sach-Ohr"
3.2 Das "Beziehungs-Ohr"
3.3 Das "Selbstoffenbarungs-Ohr"
3.4 Das "Appell-Ohr"
3.5 Fazit

4 Paul Watzlawick-5 Axiome der menschlichen Kommunikation
4.1 Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren
4.2 Die Inhalts- und Beziehungsaspekte der Kommunikation
4.3 Die Interpunktion von Ereignisfolgen
4.4 Digitale und analoge Kommunikation
4.5 Symmetrische und komplementäre Interaktionen

5 Gegenüberstellung beider Modelle

6 Die Funktionen der nonverbalen Kommunikation

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Sprache wird nunmehr seit 2500 Jahren aktiv erforscht und in folge dessen wurden einige Sprachtheorien entwickelt. Es gibt zahlreiche Fachrichtungen zum Begriff „Kommunikation“, in denen immer wieder neue Theorien entstehen und diskutiert werden, dabei ist das Thema "Kommunikation" ist interdisziplinär zu verstehen (vgl. Hunscha 2003, S.3). Nicht nur Philosophen, Pädagogen, Linguisten und Psychologen befassen sich mit Sprachtheorien, jeder Mensch entwickelt eine Vorstellungen davon, wie eine Sprache funktioniert, welche Rolle die Sprache bei der Verständigung mit anderen und beim Verstehen der Umwelt und der eigenen Person spielt (vgl. Chomsky 2016, S. 36).

Die Autoren, die hier besprochen werden, beziehen sich auf Sprache als Totalität, auf Einzelerscheinungen natürlicher Sprachen (Eckhard 2008, S.3). Dabei legte Karl Bühler den Grundstein für die späteren Kommunikationsmodelle von Friedemann Schulz von Thun und Paul Watzlawick. Beide haben Theorien und Modelle im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation aufgestellt. (vgl. Balogh 2015, S. 1)

Da Kommunikation eine wichtige Rolle im Alltag spielt und alle Fähigkeiten des Menschen, sich anderen mitzuteilen und andere zu verstehen umfasst, werden in der Hausarbeit zwei der wichtigsten Grundtheorien der Kommunikation von Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun erläutert und analysiert. Es werden alle Aspekte der Sprachmodelle (die fünf Axiome der Kommunikationstheorie und 4-Ohren-Modell) berücksichtigt. Beide Modelle finden bis heute im Berufs- und Familienleben Anwendung. Ebenso wird dargestellt, nach welchen Regeln das „Spiel“ zwischen Teilnehmern von der Gesprächssituation abläuft und welche Herausforderungen dabei auftreten können.

Der Körper ist ein wichtiges Kommunikationsmittel zur Außenwelt. Als Sender gibt er unterschiedliche Signale ab und reagiert als Empfänger ständig auf die empfangenen Signale. Daher schließt die Hausarbeit mit einer Analyse aller Aspekten der nonverbalen Kommunikation und vergleicht die obengenannten Theorien. Abschließen soll die Arbeit mit einer Zusammenfassung der Analysearbeit.

2 Grundlagen der verbalen Kommunikation

2.1 Die Anatomie einer Nachricht

Der Grundvorgang menschlicher Kommunikation ist simpel. Der Sender, versucht die zu vermittelndendem Gedanken in erkennbare Zeichen aneinaderfügen - in einer Nachricht, welche der Empfänger zu entschlüsseln versucht. Es ist ganz wichtig, die Verständigung zwischen Sender und Empfänger zu überprüfen. Mittels Feedback kann der Empfänger erfahren, ob die Nachricht bei ihm richtig angekommen ist bzw. ob er die Nachricht vom Sender richtig entschlüsselt hat (vgl. Schulz von Thun 2008, S.25).

Welche Funktionen hat die Nachricht ? Ein und dieselbe Nachricht kann gleichzeitig viele Botschaften enthalten, was Kommunikation komplizierter und störanfälliger macht. Dies soll an einem Beispiel veranschaulicht werden:

"Ein Ehepaar fährt in einem Auto und der Mann sagt: ,Du, da vorne ist grün!‘ Welche Botschaften stecken drin in dieser Nachricht? Was hat der Sender damit gemeint und wie wird der Empfänger seine Nachricht entschlüsseln?"

(Schulz von Thun 2008, S.26)

2.2 Mit vier Ohren empfangen

Wie schon erwähnt, kann eine Nachricht mehrere Botschaften gleichzeitig enthalten. Beim Gespräch versucht der Sender Einfluss auf die Gefühle, Gedanken und das Handeln des Empfängers zu nehmen. Die Information wird durch vier Seiten, die „4 Ohren“ aufgenommen, die der kommunikationsfähige Sender alle beherrschen sollte (vgl. Schulz von Thun 2008, S.44), um Kommunikationsstörungen entgegenzuwirken.

Im Folgenden wird das 4-Ohren Modell aus der Sicht des Empfängers betrachtet, wobei wichtig ist, mit welchem "Ohr" die Information aufgenommen wird.

Den Sachinhalt versucht der Empfänger mit einem "Sach-Ohr" zu verstehen; wenn die Nachricht eine Selbstoffenbarungscharakter hat, reagiert der Empfänger personaldiagnostisch, und stellt sich Fragen wie "Was ist das für einer? Was ist mit ihm?". Im Beziehungskontext spielen die Emotionen des Empfängers eine entscheidende Rolle, wobei Fragen wie "Welcher Meinung ist der Sender von mir? Wen glaubt er vor sich zu haben und welchen Eindruck mache ich auf ihn?" gestellt werden. Die Auswertung der Appellseite geschieht unter der Frage "Was soll ich tun, denken, fühlen auf Grund seiner Mitteilung?" (vgl. Schulz von Thun 2008, S. 44).

Manchmal ist dem Empfänger nicht bewusst, dass er eins seiner "vier Ohren" (Schulz von Thun 2011, S. 21) abgeschaltet hat und damit Weichen für das zwischenmenschliche Geschehen stellt. Besonders wird die Kommunikation dadurch erschwert, dass jeder Empfänger die Wahl hat, mit welchem Ohr er die Information aufnimmt (vgl. Schulz von Thun 2011, S. 21).

Es gibt ein Beispiel dafür.

"Ein Lehrer läuft durch den Schulflur und will in das Klassenzimmer. Auf dem Weg zum Klassenzimmer trifft er die zehnjährige Laura, die ihn sagt: 'Herr Meyer, ich habe gesehen, wie Nicklas ihren Atlas einfach in die Ecke gepfeffert hat!'" (Schulz von Thun 2008, S.46)

Der Lehrer hätte verschiedene Möglichkeiten zu reagieren, je nachdem, welches "Ohr" er benutzt. Auf der Sachebene könnte er sich nach dem Grund und der Situation erkundigen. Falls die Nachricht mit dem Beziehungs-Ohr empfangen wurde, könnte er sich empören.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Empfänger komplett freigestellt ist, wie er reagiert.

3 Das Vier-Ohren-Modell: Friedemann Schulz von Thun

3.1 Das "Sach-Ohr"

Wie es schon angedeutet, ist der Empfänger mit dem Sach-Ohr auf den Inhalt der Frage orientiert. Er stellt sich die Frage: "Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?". Das Ziel des Empfängers ist in diesem Fall Information über Daten oder Fakten den Sender weiterzugeben. Weitere Faktoren sind die Relevanz und der Wahrheitsgehalt des Inhalts der Nachricht. (vgl. Schulz von Thun 2008, S. 48)

Viele Empfänger sind gewohnt, auf der Sachebene der Nachricht zu stützen. Daher können Kommunikationsprobleme in nicht-sachlichen Kontexten enstehen, wobei die Kommunikation auf zwischenmenschlicher Ebene stattfindet. Es folgt ein Alltagsbeispiel "mehrseitigem" Kommunizierens zwischen Mutter und Tochter.

"Die 16-jährige Tochter versammelt sich, um sich mit ihren Freunden zu treffen. Es ergibt sich folgender Dialog:

Mutter: 'Vergiss nicht eine Jacke anzuziehen,ja! - Es ist kalt draußen.'

Tochter: 'Warum denn? Es ist doch gar nicht kalt'

Mutter: 'Du hörst ja, was ich dir sage: Du ziehst jetzt die Jacke an!'

Tochter: (Ist stark empört über einen derartigen Befehlston und verläßt die Wohnung - natürlich ohne die Jacke.)"

(Schulz von Thun 2008, S. 48)

Durch die Analyse, ausgeführt anhand der Kommunikationsmodelle, wird deutlich, dass der Konflikt nicht aufgrund des Sachinhaltes entstand, sondern das Gespräch aufgrund der Beziehung zwischen Mutter und Tocher scheiterte. Die Tochter möchte nicht als kleines Kind behandelt werden, deshalb reagiert sie negativ auf die Sorgen der Mutter. "Um den Konflikt zu vermeiden, könnte sie antworten: ,Ich danke dir, dass du dir Sorgen um mich machst, aber ich bitte dich, mit deinen Anweisungen aufzuhören, weil ich mich wie ein kleines Kind fühle.‘"(Schulz von Thun 2008, S.48). Die Tochter würde damit zum Ausdruck zu bringen, dass sie selbständig Eintscheidungen treffen kann.

3.2 Das "Beziehungs-Ohr"

Das Beziehungs-Ohr betrachtet aus einem emotionalen Blickwinkel. Der Empfänger bezieht zuerst das Gesagte auf sich und als Folge interpretiert es so, als ob er gleich ausgelacht oder angegriffen wird. Hier spielt eine große Rolle, in welcher Beziehung Sender und Empfänger zueinander stehen. Auch Körpersprache, Tonfall und Formulierung der Nachricht sind entscheidend (vgl. Tanghatar 2011, S.34).

Als Beispiel wird folgende Situation dargestellt:

"Die Mutter sagt ihrer Tochter: 'Ich muss dir helfen.'

Da ihre Tochter mit dem "Beziehungs-Ohr" die Nachricht aufgenommen hat, hat sie diese Nachricht wie folgt übersetzt: 'Ich kann es selbst nicht schaffen, weil ich unselbstständig ist.'

Demzufolge antwortet sie: 'Ist das meine Hausarbeit oder deine?'

Ihre Zurückweisung richtet sich gegen die Beziehungsbotschaft, die sie erhalten hat."

(Tanghatar 2011, S.35)

Im Unterschied zum "Sach-Ohr", stellt der Empfänger mit einem überempfindlichen "Beziehungs-Ohr" den Inhalt der Nachricht hinten an und reagieret emotional.

3.3 Das "Selbstoffenbarungs-Ohr"

Das Selbstoffenbarungs-Ohr fragt zuerst: "Was sagt mir deine Nachricht über dich?" Diese Empfangsweise ist bei expliziten Beziehungsbotschaften nützlich. Ein Beispiel dazu:

"Der Vater kommt gereizt nach Hause und sieht, dass sein kleiner Sohn die Spielzeuge nicht aufgeräumt hat.

Der Vater schnautzt sein Kind an: 'Hier ist doch kein Saustall, du kleiner Schmierfink!' Da das Kind immer noch klein ist, nimmt es die Botschaft vom Vater mit dem "Beziehungs-Ohr" an, fühlt sich schuldig und schließt ab: 'So einer bin ich also!' Je älter das Kind ist, desto mehr ist es fähig, mit einem "diagnostischen" Ohr Nachrichte anzunehmen: 'Er hatte einen schlechten Tag im Büro, dass er seine Wut an mir auslässt.'"

(Schulz von Thun 2008, S. 54)

Dieses Kind nimmt die wütende Nachricht vom Vater nicht persönlich an, sondern bucht sie auf Selbstoffenbarungsseite ab. Die Schlussfolgerung "so einer bin ich also" wird automatisch ersetzt durch "so einer bist du also" (vgl. Schulz von Thun 2008, S. 55).

Es wäre sinnvoller, die gefühlmaßigen Ausdrücke, die Anklagen und die Vorwürfe im Alltag mit dem Selbstoffenbarungs-Ohr zu empfangen. Bei der Empfangsweise gibt es sowohl Vorteile als auch Nachteile. Die Benutzung des Selbstoffenbarungs-Ohres kann sowohl günsig sein, um besser Menschen zu verstehen, als auch als Mittel dienen, Kritik an sich ablaufen zu lassen oder andere Menschen zu diagnostizieren.

3.4 Das "Appell-Ohr"

Die letzte Empfangsweise des Vier-Seiten-Modell ist das Appell-Ohr. Menschen mit einem stark ausgeprägtem Apell-Ohr versuchen den unausgesprochenen Erwartungen der Menschen zu entsprechen (vgl. Schulz von Thun 2008, S. 58). Ein Beispiel dazu:

Ein Gast guckt sich um, der Gastgeber reagiert: "Ich habe bemerkt, dass du nach einem Aschenbecher suchst.Was suchst du? Ich hole einen für dich."

Eltern versuchen bei den Kindern das Gefühl zu entwickeln, was gut und was schlecht ist. Kindern wird während ihrer Erziehung durch Lob und Tadel das Werteverständis der Eltern mitgegeben. (vgl. Schulz von Thun 2008, S. 59)

Bei einer klaren Kommunikation funktioniert diese Vorübung nicht. Wenn der Empfänger ein sehr entwickeltes Appell-Ohr hat, vergisst er meist, was er fühlt und will. So ist die Aufgabe der Humanistischen Psychologie, den Menschen von klischeehaft-konventionellen Schnellreaktionen zu befreien, sowie Reaktionen zu entwickeln, die erst auf die inneren Bedürfnisse, Gefühle und Emotionen gerichtet sind. Möglich, dass es unangenehm für den Sender ist, aber möglicherweise will er einen Menschen und keine Maschine vor sich haben (vgl. Schulz von Thun 2008, S. 60).

3.5. Fazit

Die menschliche Kommunikation wird als schwierig betrachtet, da jeder Informationen anders wahrnimmt und interpretiert. Das oben beschriebene Vier-Ohren-Modell des Sprachtheoretikers Friedemann Schulz von Thun ist eine Erklärung des Wesens der kommunikativen Prozesse denen die Akteure eines Gespräches unterliegen. Das hilft, die Ergebnisse einer Kommunikation vorauszusehen, die konkreten Weisen und Methoden aufgrund der vermuteten Reaktionen des Gesprächpartners zu wählen. Mit der Hilfe des Modelles lassen sich Antworten auf Fragen wie „Warum werden wir falsch verstanden?“ oder „Warum hören wir nur das, was wir hören wollen?“ finden. Das ist ein Weg zum Verständnis.

4 Paul Watzlawick - Fünf Axiome der menschlichen Kommunikation

Paul Watzlawick war ein Psychotherapeut, Kommunikationswissenschaftler und Autor. Vorallem wurde er durch seine Veröffentlichung zur Kommunikationstheorie und dem radikalen Konstruktivismus bekannt (Bender 2014). Seine wichtigste Arbeit zum Thema Kommunikation ist Menschliche Kommunikation, die im Jahre 1967 erläutert wurde und die er zusammen mit Janet H. Beavin und Don D. Jackson aufgestellt. In dieser Hausarbeit werden die fünf Axiome von Paul Watzlawick beschrieben und anschließend wird ein Fazit verfasst.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kommunikation und Körpersprache
Untertitel
Gegenüberstellung der Kommunikationsmodelle von Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von Thun
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V510438
ISBN (eBook)
9783346086938
ISBN (Buch)
9783346086945
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunikation, körpersprache, gegenüberstellung, kommunikationsmodelle, paul, watzlawick, friedemann, schulz, thun
Arbeit zitieren
Mariia Achurova (Autor), 2017, Kommunikation und Körpersprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510438

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Kommunikation und Körpersprache



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden