Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der strukturellen Weiterentwicklung moderner Volkswirtschaften durch Eliten. Zu diskutieren ist, welche grundsätzlichen Rahmenbedingungen im Anschluss an die so genannte Industriegesellschaft gelten und welche Konsequenzen daraus für die Masse folgen. Nerdinger definiert, dass sich eine Gesellschaftsform überlebt hat, wenn die Prämissen oder Grundsätze, nach denen sie sich entwickelt hat, überholt sind und die gewandelte Gesellschaft als ,,Zerfallsprodukt" der vorherigen Ordnung erscheint.
Ist ein solcher Zerfall geben und wie stellt sich die Gegenwart dar? Ein diskutiertes Modell ist die Dienstleistungsgesellschaft. Bei der Identifizierung ergeben sich allerdings Probleme hinsichtlich der Trennschärfe. Ihren Ursprung findet dies in einer mehrheitlich industriellen Erhebung und Betrachtung. - „Wo ihr ideale Dinge seht, sehe ich - Menschliches, ach Allzumenschliches.“ In diesem Sinne möchte sich die Arbeit von dem Führungsanspruch der dahinter stehenden Eliten nicht beirren lassen und bei der gesellschaftlichen Zukunftssuche „soziales mit Sozialem“ erklären. Soziologisch sei somit festzustellen, dass es Dienstleistungen nicht nur schon immer gab, sie waren in früherer Zeit noch viel verbreiteter.5Aus den angerissenen Dimensionen hat sich bis dato eine große Zahl von Definitionen entwickelt. Die Vielfältigkeit des Begriffes wird deshalb im zweiten Kapitel grob aufgefächert. So sollen aus den ökonomisch geprägten Theorien gesellschaftliche Aspekte und Uraschen herausgeschält werden. Die gewonnen Einsichten werden im dritten Kapitel mit dem Ist-Zustand - sprich Konsequenzenabgeglichen. Bevor eine Bewertung der Situation im vierten Kapitel erfolgt, welches mit einer abgeleiteten These schließt.
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. DIE DIENSTLEISTUNGSGESELLSCHAFT
1. Der Begriff
2. Die ökonomische Sicht
3. Die soziologische Sicht
4. Zwischenergebnis
III. IST-ZUSTAND
1. Die Selbstbedienungsgesellschaft
1.1. Der methodologischer Individualismus
1.2. Der flexible Mensch
2. Soziale Faktoren der privaten Nachfrage
2.1. Fun-Dienste
2.2. Demographischer Wandel
IV. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturelle Weiterentwicklung moderner Volkswirtschaften und hinterfragt kritisch das Modell der Dienstleistungsgesellschaft. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche sozioökonomischen Rahmenbedingungen nach der Industriegesellschaft gelten und wie die Interaktion zwischen Eliten, kapitalistischen Strukturen und der Masse die gesellschaftliche Realität formt.
- Analyse der Begriffsdefinitionen der Dienstleistungsgesellschaft aus ökonomischer und soziologischer Sicht.
- Untersuchung der These der "Selbstbedienungsgesellschaft" als Alternative zur Dienstleistungsgesellschaft.
- Diskussion des Einflusses kapitalistischer Logik auf Individuen und soziale Bindungen.
- Evaluierung der Treiber für private Dienstleistungsnachfrage, insbesondere Fun-Dienste und demographischer Wandel.
- Entwurf einer Vision der Zivilgesellschaft als Gegenmodell zur rein wachstumsorientierten Ökonomie.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Selbstbedienungsgesellschaft
Unter Berücksichtigung des Zwischenergebnisses kommt diese Arbeit zu der These: Deutschland ist mehr eine Selbstbedienungs-, denn Dienstleistungsgesellschaft. Ein wichtiger Grund dafür scheint weniger ökonomischer als soziologischer Natur zu sein. „Allgemein gesehen wird das Leisten von Diensten in seiner ursprünglichen Form zunehmend weniger geschätzt. In der modernen Industriegesellschaft will niemand mehr ‚dienen’, (...).“
Hierdurch wird der zweite Punkt bedingt, denn das „Spiel zwischen Personen“ jederzeit zu einem „Spiel zwischen Person und Automat“ werden. Die daraus resultierende Substitutionskonkurrenz für verbrauchsbezogene Dienstleistungen entsteht jedoch nicht nur durch maschinelle Hilfsmittel, sondern auch durch Eigenleistung und Schwarzarbeit. Albach formuliert noch globaler, dass bei steigender Freizeit die Dienstleistungssubstitution noch ansteigt. Die ILS-Studie zum Freizeitmarkt beschäftigte sich ausführlich mit den Auswirkungen des häuslichen Freizeitpfades und untermauert die Annahme. Empirisch wurde belegt, dass die verstärkt zu Hause verbrachte Freizeit zu einer zunehmenden Substitution von güterbezogenen Dienstleistungen des Handwerks durch nahezu professionelles Do-it-yourself, in den Bereichen Haus, Wohnung und Kfz, führt.
Aber auch Bereiche, in denen nicht komplett substituiert werden kann, findet sich für viele Produzenten die Möglichkeit, zumindest Teile der Produktion eines Gutes oder Dienstes auf den Kunden abzuwälzen. So kann das Angebot günstiger bereitgestellt werden. Corsten nennt diesen Aktivitätsgrad des externen Produktionsfaktors, die „Einbeziehung des Leistungsnehmers in den Leistungserstellungsprozess.“
Diese tertiäre Selbstversorgung mit Hilfe der häuslichen Investitionsgüter und auch die Ausweitung der konsumtiven Aktivität in den Prozess der Produktion, entsprechen der Idee einer Selbstbedienungswirtschaft. Der Trend scheint stabil durch technischen Fortschritt gegeben zu sein. Interaktiver Unterricht per Computer, medizinische Diagnosen aus der Maschine, Haushaltsroboter als persönliche Diener für jeden, virtuelle Realität fürs Wohnzimmer, künstliche Intelligenz, häusliche oder auch gewerbliche Investitionsgüter zur Selbstbedienung kommen mit immer mehr integriertem Wissen auf den Markt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik der strukturellen Weiterentwicklung moderner Volkswirtschaften ein und hinterfragt die gängigen Definitionen der Dienstleistungsgesellschaft.
II. DIE DIENSTLEISTUNGSGESELLSCHAFT: Dieses Kapitel beleuchtet die Vielfalt der Begriffsbestimmungen aus ökonomischer und soziologischer Perspektive und diskutiert die Unschärfe der klassischen Sektoreneinteilung.
III. IST-ZUSTAND: Hier wird die These der Selbstbedienungsgesellschaft aufgestellt und durch Faktoren wie Eigenleistung, technischen Fortschritt sowie soziale Motive der privaten Nachfrage analysiert.
IV. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, kritisiert die kapitalistische Rationalität und entwirft das Konzept einer Zivilgesellschaft, in der informelle Dienste und gesellschaftliche Verantwortung in den Fokus rücken.
Schlüsselwörter
Dienstleistungsgesellschaft, Selbstbedienungsgesellschaft, Strukturwandel, Kapitalismus, tertiärer Sektor, Fun-Dienste, demographischer Wandel, methodologischer Individualismus, Zivilgesellschaft, Rational-Choice-Theorie, sozialer Wandel, Eigenleistung, Industriegesellschaft, Dienstleistungssubstitution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den strukturellen Wandel moderner Industriegesellschaften und stellt die kritische These auf, dass Deutschland eher als Selbstbedienungs- denn als Dienstleistungsgesellschaft zu charakterisieren ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Übergang von der Industriegesellschaft, die Definitionsprobleme des Dienstleistungssektors, die Rolle des Kapitalismus sowie soziale Faktoren, die das Nachfrageverhalten nach Dienstleistungen beeinflussen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Konsequenzen des wirtschaftlichen Wandels zu untersuchen und zu hinterfragen, ob die aktuelle ökonomische Betrachtungsweise Dienstleistungen angemessen erfasst.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer und ökonomischer Modelle, ergänzt durch die Auswertung empirischer Erkenntnisse zum Konsumverhalten und demographischen Wandel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Begriffsdefinitionen der Dienstleistungsgesellschaft, der ökonomischen und soziologischen Sichtweise sowie der empirischen Untersuchung des Ist-Zustands, insbesondere in Bezug auf die Selbstbedienungstrends.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dienstleistungsgesellschaft, Selbstbedienungsgesellschaft, Strukturwandel, Zivilgesellschaft und Kapitalismuskritik maßgeblich geprägt.
Warum hält der Autor den Begriff der "Dienstleistungsgesellschaft" für unklar?
Der Autor bemängelt die mangelnde Trennschärfe und die rein ökonomische Restgröße-Definition des tertiären Sektors, die soziale Aspekte und die heterogene Natur der Dienstleistungen verdeckt.
Was versteht die Arbeit unter dem "flexiblen Menschen"?
Dies ist ein wirtschaftliches Idealbild des Kapitalismus, das eine stetige Anpassungsfähigkeit an kurzfristige ökonomische Veränderungen verlangt, oft auf Kosten fester sozialer Bindungen und langfristiger Werte.
Welche Rolle spielen "Fun-Dienste" für die Argumentation?
Fun-Dienste dienen als Indikator für eine nicht-systemnotwendige, sondern auf Reichtumsfunktionen basierende Nachfrage, die den Kapitalismus stützt und gesellschaftliche Differenzierung ermöglicht.
Welche Alternative schlägt das Fazit vor?
Das Fazit schlägt das Modell einer "Zivilgesellschaft" vor, in der Macht dezentralisiert, Unternehmen sozial eingebettet und informelle Dienste der reinen Marktlogik entzogen werden.
- Arbeit zitieren
- Gerrit Mumm (Autor:in), 2005, Die postindustielle Gesellschaft Teil I, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51046