Die Bedeutung des Seekriegs im Ersten Weltkrieg


Hausarbeit, 2016
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

1. Prolog
1. Geographische Lage
2.Physikalische Beschaffenheit
3. Ausdehnung des Machtbereichs
4. Bevölkerungszahl
5. Nationalcharakter
6. Charakter der Regierung

2. Die deutsche Flottenrüstung vor Beginn des 1. Weltkriegs und ihre Ziele. Die Antwort Großbritanniens darauf

3. Die britische Seeblockade und die militärische Antwort des Kaiserreiches

4. Schlachtfelder auf hoher See: Skagerrak

5. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg und seine Ergebnisse

6. Weitere Seekriegsschauplätze

7. Rückblick: Der Einfluss des Seekrieges auf den Kriegsverlauf

Literatur:

1. Prolog

Der Seekrieg in der Theoriebetrachtung des ausgehenden 19. Jahrhunderts zur Schwelle des 20. Jahrhunderts-- Alfred Thayer Mahan.

Setzt man sich mit dem Seekrieg des 1. Weltkrieges und seinen Strategien auseinander, so kommt man an der Person des Alfred Thayer Mahan nicht vorbei.

Mahan wurde am 27. September 1840 i n West-Point, New York geboren und starb am 1. Dezember 1914 in Washington. Mahan war Konteradmiral der US-Navy, Stratege und Marineschriftsteller. Mahan war der erste, der sich mit dem Zusammenhang zwischen Seekriegsgeschichte und politischer Weltentwicklung beschäftigt hat. Er untersuchte in seinen Werken den Einfluss der Seemacht auf die Geschichte. Er war beeindruckt von dem „stillen Einfluss“ Englands in allen Teilen der Welt und ihn faszinierte der geringe Krafteinsatz, diesen Einfluss auszuüben. Aufsehen erreichte sein Hauptwerk in allen Marinen der Welt:

„ Der Einfluss der Seemacht auf die Geschichte“ (1660-1783), das im Jahr 1890 veröffentlicht wurde und seine Fortsetzung, das den Zeitraum bis 1812 behandelt und 1892 erschien. Seine Absicht war, die See und ihre Beherrschung als einen entscheidenden Faktor im Werden und in den Auseinandersetzungen der Völker aufzuzeigen und deutlich zu machen, dass sie wesentlich die Geschichte der Menschheit beeinflusst hat. Seit Ihrem Erscheinen haben seine Bücher einen starken Einfluss auf das Planen und Handeln der Staatsmänner, Politiker und Soldaten der großen Nationen ausgeübt. So auch auf Kaiser Wilhelm den II. und seine Marine-Führungsspitze unter Großadmiral Alfred von Tirpitz.

Die Geschichte der Seemacht ist vornehmlich eine Darstellung von Kämpfen und Gewalttaten zur See. Der Einfluss des Seehandels auf Reichtum und Stärke der Länder wurde schon früh erkannt. Man sicherte dem eigenen Volke einen möglichst großen Anteil, in dem man die übrigen entweder auf friedlichem Wege durch Monopole und Schutzzölle oder, wenn dies nicht gelang, durch Gewaltanwendungen, ausschloss. Der Zusammenstoß dieser Bestrebungen und die daraus folgende gereizte Stimmung führten zum Krieg.

Die Grundlagen der Seemacht –Bedingungen, welche das Wesen eines Staates als Seemacht bestimmen und ihm „Seemachtstellung“ verleihen:

1. Geographische Lage

Ein Volk, das wegen seiner Insellage keine Landesgrenzen hat, ist schon von Natur vor den Ländern im Vorteil, welche auch Landesgrenzen haben. Dies war Englands Vorzug vor Frankreich und Holland, so auch vor Deutschland. Die geographische Lage kann das Zusammenhalten der Flottenstreitkräfte begünstigen und sie vermag auch den strategischen Vorteil einer zentralen Stellung und einer guten Angriffsbasis bieten. Dies traf in besonderem Maße auf England zu. Wenn die Natur einem Lande , außer der Möglichkeit zu leichtem angriffsweisen Vorgehen, auch noch die günstige Lage geschenkt hat, dass es bequeme Zugänge zur See besitzt, während es gleichzeitig eine der großen Durchgangsstraßen des Welthandels beherrscht, so ist klar, dass der strategische Wert seiner Lage sehr hoch ist (England).

2.Physikalische Beschaffenheit

Die Küste eines Landes ist eine seiner Grenzen ( Im Falle Englands die einzige).

Je leichter zugänglich das Land ist umso größer wird das Bestreben sein, mit der übrigen Welt zu verkehren. Denkt man sich ein Land mit einer langen Küste, aber ohne Häfen, so kann es weder eigenen Seehandel, noch Schifffahrt treiben, noch eine Flotte besitzen.

Eine Insellage erleichtert die Verteidigung, da der die Insel umgebende Wassergürtel vom Angreifer überwunden werden muss. Dazu benötigt man beiderseits, Angreifer, wie Verteidiger eine Flotte.

3. Ausdehnung des Machtbereichs

In diesem Zusammenhang muss auch die Lage der Küste und der Charakter der Häfen eines Landes beachtet werden. Bei gleichen geographischen und physikalischen Bedingungen kann die Länge einer Küste eine Quelle der Stärke oder der Schwäche sein, je nachdem die Bevölkerung groß oder klein ist.

4. Bevölkerungszahl

Bei der Ausdehnung ist weniger die Zahl der Quadratkilometer eines Landes, als die Länge und Beschaffenheit der Seeküste wichtig. Ebenso muss nicht nur die Gesamtzahl der Einwohner, sondern auch die Stärke der seemännischen Bevölkerung gezählt werden, d.h. derjenigen Männer, die das Seehandwerk betreiben oder doch leicht zum Schiffsdienst und zur Herstellung von Schiffsmaterialien herangezogen werden können.

5. Nationalcharakter

Wenn eine Seemacht auf einem ausgedehnten Handel im Frieden beruht, so muss die Veranlagung zu Handelsunternehmungen ein hervorstechender Zug der Völker sein, die zur See groß gewesen sind.

6. Charakter der Regierung

Die Regierungsform und der Charakter einer Regierung oder der herrschenden Schicht haben stets einen starken Einfluss auf die Entwicklung einer Seemacht ausgeübt. Die allgemeine Richtung der Haltung muss beständig sein. Sie muss stets der Seeherrschaft gegolten haben. [1]

Die Prüfung dieser angesprochenen Kriterien in Bezug auf das Deutsche Reich kann Aufschluss, Anhaltspunkte und Antworten über den Sinn/Unsinn seiner Flottenrüstung geben und findet seine Antwort in den folgenden Ausführungen.

2. Die deutsche Flottenrüstung vor Beginn des 1. Weltkriegs und ihre Ziele. Die Antwort Großbritanniens darauf

Mit dem deutlich sichtbaren wirtschaftlichen Erstarken des Deutschen Reiches gegen Ende des 19. Jahrhunderts und Bismarcks Demission als Reichskanzler wurden die Ziele der deutschen Außenpolitik überdacht und z. T. neu formuliert. Grundlage hierfür war unter anderem auch Deutschlands neuer Status als Kolonialmacht, den Bismarck nur halbherzig verfolgt hatte und der Anspruch Wilhelms des II. aktiv in die Außenpolitik einzugreifen.

Die Analysen und Thesen Mahans dienten dem deutschen Streben nach maritimer Weltgeltung durch den Ausbau einer modernen Schlachtflotte in der Vorkriegszeit als doktrinäre Grundlage. Demnach galten Seestreitkräfte in Form einer Schlachtflotte als unverzichtbares offensives Machtinstrument interessenorientierter Weltpolitik. Vorreiter der Umsetzung dieses Ansatzes in Deutschland war der Staatssekretär des Reichsmarineamtes, Großadmiral Alfred von Tirpitz, dessen Karriere von Wilhelm zielstrebig gefördert worden war. Die politische Entscheidung für den Ausbau der Kriegsmarine, sowie die Entscheidung, sich auf ein Wettrüsten zur See mit Großbritannien einzulassen kam von Wilhelm selbst und fand in Tirpitz seinen Unterstützer und Umsetzer. Nur sechs Monate nach der Thronbesteigung ordnete Wilhelm wesentliche Reformen der Verwaltungsstruktur der Marine an, vereinheitlichte dadurch die Befehlskette und untermauerte die persönliche Autorität des Kaisers in Fragen der Strategie und des Personals. Er machte keinen Hehl aus seiner Vorliebe für die Marine. Ab Mitte der neunziger Jahre nahmen Schiffbau und Seestrategie einen zentralen Platz in Wilhelms sicherheits-und außenpolitischem Denken ein.

In der bildungs-und wirtschaftsbürgerlichen Mittelschicht fand er große Unterstützung und Begeisterung für eine Flottenpolitik, die Deutschlands Anspruch auf eine gleichberechtigte

Beteiligung bei territorialen Regelungen an der Peripherie des Reiches untermauern und dem Reich einen unangefochtenen Platz unter den Großmächten sichern sollte.[2]

Das Bauprogramm der Flotte ließ er seit der Jahrhundertwende durch den Reichstag mit entsprechenden Flottengesetzen absichern, um hier, wie beim Heer unabhängig von einer jährlichen Bewilligung der notwendigen Finanzmittel zu bleiben. Langfristig beabsichtigte Tirpitz durch den Aufbau eines Bedrohungspotenzials zur See eine Veränderung der Machtverhältnisse zugunsten des Kaiserreiches. Ein Stärkeverhältnis der beiden Flotten 2:3 zur englischen Flotte war das anvisierte Ziel.[3]

Dieses Kräfteverhältnis war für einen Krieg gegen England nicht ausreichend und der gedankliche Ansatz beruhte auch nicht darauf. Für England war der Flottenausbau eher eine wirtschaftliche Bedrohung, weniger eine militärische. Das Prinzip von Tirpitz war die Abschreckung „durch Risiko“. Nach seinem Plan sollte die deutsche Flotte in den folgenden zwei Jahrzehnten so stark wachsen, dass Großbritannien in seiner wirtschaftlichen

und militärischen Konkurrenz zu Deutschland es immer weniger wagen würde, Deutschland anzugreifen. Eine als Abschreckungsmacht—in seiner Grundlage also defensiv —ausgerichtete deutsche Schlachtflotte. Wollte Deutschland Großbritannien als Seemacht tatsächlich gefährlich werden, hätte es eine Flotte der Größe der britischen bauen und Stützpunkte im Atlantik haben müssen. Dies hatten der deutsche Kaiser und die Marineleitung jedoch nie angestrebt. Kaiser Wilhelm formulierte die deutschen Ziele in einem Interview mit dem „Daily-Telegraph“ 1908 folgendermaßen :

Deutschland ist ein junges und wachsendes Reich. Es hat einen weltweiten, sich rasch ausbreitenden Welthandel. (…) Deutschland muss eine machtvolle Flotte haben, um Handel und seine mannigfachen Interessen auch in den entferntesten Meeren zu beschützen“.[4]

Die deutsche Hochrüstung im Flottenbau belastete Zunehmens das deutsch-englische Verhältnis. England blieb nichts weiter übrig, als mit eigener Flottenrüstung zu reagieren. Abrüstungsgespräche führten zu nichts, da der Kaiser nicht bereit war, auf seine neue Flotte zu verzichten. Deutschland manövrierte sich politisch ins Abseits, nur mit Österreich-Ungarn blieb eine Verbindung. Dabei machten die Briten—obwohl sie es international nicht nötig hatten, auf Konkurrenzmächte Rücksicht zu nehmen—Deutschlands Ansprüchen weitgehend Zugeständnisse. So boten die Briten an, den afrikanischen Kolonialbesitz der wehrlosen Portugiesen mit den Deutschen zu teilen, was zwar moralisch schäbig, aber durchaus ernst gemeint war. Sie sollten den Deutschen das Gefühl geben, ihre Großmachtinteressen auch ohne „Rempelei“ mit England gewinnen zu können. Doch Kaiser Wilhelms Flottenpolitik blieb der Knackpunkt. England sah die Notwendigkeit, sich auf dem Kontinent mit den politischen Gegnern Deutschlands zusammenzuschließen.

Die Folge war, dass England seine Flotte weiter aufrüstete und die Einschätzung der deutschen Ambitionen als Gefahr für seine Weltmachtposition sah.

Am 1. Januar 1907 verfasst ein Beamter des engl. Außenministeriums, Sir Eyre Crowe, eine Denkschrift, in der er schreibt, nun und in Zukunft hieße der einzige potente Gegner Englands Deutschland. Die Deutschen strebten mit Konsequenz und Energie nach der Vorherrschaft in Europa. Sie würden Großbritannien zerbrechen, um sich an seinen Platz zu schieben.

Und der Unterstaatsekretär im Londoner Außenministerium, Sir Charles Hardinge, schreibt schon in einer Denkschrift vom 30.10. 1906:

Man muss ganz allgemein zur Kenntnis nehmen, dass Deutschland infolge seiner ehrgeizigen Pläne für eine Weltpolitik, eine maritime Vorherrschaft und eine militärische Vorherrschaft in Europa der einzige Störfaktor ist.“[5]

3. Die britische Seeblockade und die militärische Antwort des Kaiserreiches

Die britische Seeblockade in der Nordsee begann gleich nach Kriegsbeginn 1914 und endete 1919. Sie war hocheffektiv und führte bald zur Verknappung der Lebensmittelversorgung im Reich und kostete auf dem Höhepunkt der Wirksamkeit im letzten Drittel des Krieges geschätzte 600000 Menschenleben. Es war eine langanhaltende Marineoperation während und nach dem ersten Weltkrieg um die Versorgung Deutschlands und Österreich-Ungarns mit Rohstoffen und Lebensmitteln zu unterbinden. Sowohl das Deutsche Reich als auch Großbritannien waren in hohem Maße auf Importe angewiesen, um ihre Bevölkerung ernähren zu können. Die Einfuhren von Lebensmitteln und Kriegsmaterial aller europäischen Kriegsparteien kamen vor allem aus Nord-und Südamerika und mussten über den Atlantik verschifft werden.

Großzügig hatte die deutsche Marineleitung, die in Mahans Theorie behandelte Bedeutung der geographischen Position und die damit verbundenen strategischen Vorteile einer Seemacht wie England für eine Blockade des Kontinents übersehen. Die führenden deutschen Seestrategen spekulierten auf ein offensives Vorgehen der englischen Seemacht in der Nordsee, aus der sich eine Gelegenheit zur finalen Seeschlacht der beiden Kontrahenten ergeben würde. Allerdings strebte die Gegenseite eine Vernichtung der deutschen Flotte nur dann an, wenn die britischen Inseln oder die Seewege im Atlantik direkt bedroht sein würden.

Diese operativen Möglichkeiten lagen aber weitgehend außerhalb der Reichweite der deutschen Hochseeflotte. Die Sperrung der Enge zwischen Schottland und Norwegen im Norden, sowie des Ärmelkanals im Westen reichte aus, um die deutschen Seeverbindungen in großer Entfernung zur Heimatküste in einem Wirtschaftskrieg effektiv zu unterbrechen.

Eine unter diesen Bedingungen auszufechtende günstige Entscheidungsschlacht war nicht zu erzwingen. Die deutsche Antwort war der offensive U-Boot-Krieg, der sich bereits in den ersten Kriegsmonaten durch die teils spektakulären Versenkungen britischer Kriegsschiffe als durchaus effektives Mittel der Seekriegsführung erwiesen. Hinzu kam der Minenkrieg und die Luftangriffe der Zeppeline ab 1915 auf britische Städte.

[...]


[1] Mahan, Alfred Thayer: Der Einfluss der Seemacht auf die Geschichte 1660-1812,Herford, 1967, Seiten 6-35.

[2] Clark, Christopher: Wilhelm II., vierte Auflage, München 2009, Seiten 175-77.

[3] Stachelbeck, Christian: Deutschlands Heer und Marine im ersten Weltkrieg, München, 2013, Seite 69/70.

[4] Internetzugriff vom 21.5.16: Der Kaiser in der Kritik, www.wilhelm-der-zweite.de

[5] http://www.vorkriegsgeschichte.de/content/view/12/26/--Internetzugriff am 15.9.16.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Seekriegs im Ersten Weltkrieg
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Europäische Geschichte)
Veranstaltung
Hauptseminar: 100 Jahre erster Weltkrieg—Perspektiven und Fragestellungen
Note
2,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V510574
ISBN (eBook)
9783346079695
ISBN (Buch)
9783346079701
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, seekriegs, ersten, weltkrieg
Arbeit zitieren
Ullrich Michael Rasche (Autor), 2016, Die Bedeutung des Seekriegs im Ersten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510574

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