Chancen, Möglichkeiten und Vorbedingungen eines Friedens bei 'Vom Kriege' von Clausewitz und die Übertragung auf den Versailler Friedensvertrag


Hausarbeit, 2000

11 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Clausewitz, Frieden und der Versailler Vertrag
2.1. Friedensthematik bei „Vom Kriege“
2.2. Der Versailler Friedensvertrag – ein Frieden nach Clausewitz’schem Muster?

3. Fazit

4. Bibliographie

1. Einleitung

„Mit vollem Recht läßt sich demnach die provokant erscheinende These vertreten: Clausewitz‘ Werk „Vom Kriege“ vor dem Hintergrund gegenwärtiger Gefährdung des Weltfriedens gelesen und verstanden, ist auch ein Buch vom Frieden, in dem es Wesen, Ursachen, Gefahren und Tendenzen des Krieges in unserer Zeit in ihrer Plastizität hervortreten läßt“[1] behauptet Andrée Türpe. Auch der Oxforder Militärhistoriker Michael Howard erklärte 1967 „‘Vom Kriege‘ dürfte viele Jahre hindurch ein Grundtext für alle diejenigen sein, die sich ernsthaft mit dem Problem von Krieg und Frieden beschäftigen.“[2] Die These, daß das Buch „Vom Frieden“ heißen könnte, werde ich anhand der Friedensthematik untersuchen und an einem Beispiel eines Friedensschlusses überprüfen. Zur Friedensthematik zähle ich Clausewitz‘ Definition von Frieden, Bedingungen und Voraussetzungen für einen Friedensschluß bzw. Frieden. Desweiteren werde ich betrachten welche Möglichkeiten Clausewitz durch seine Auffassung von Krieg für den Frieden läßt. An Hand dieser Kriterien werde ich knapp den Versailler Friedensvertrag und seine Ausgangsbedingungen untersuchen.

2. Clausewitz, Frieden und der Versailler Vertrag

2.1 Friedensthematik bei Clausewitz

Um auf die Friedensthematik beim preußischen General und Militärhistoriker Carl von Clausewitz einzugehen, muß erstmal seine Definition von Krieg und dessen Zweck erläutert werden. „Der Krieg ist nichts als ein erweiterter Zweikampf. [...] Jeder sucht den anderen durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen; sein nächster Zweck ist, den Gegner niederzuwerfen und dadurch zu jedem ferneren Widerstand unfähig zu machen. Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“[3] Der Krieg ist für Clausewitz „eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“[4]. Professor Dr. Werner Hahlweg stellte im Vorwort zur 19. Auflage fest: „Ihm [Clausewitz] gilt nicht ein bellum internecium als Normaltyp des Krieges, vielmehr schwebt ihm ein solcher vor, der die Herstellung des Friedens zum Zweck hat. Der zu schließende Frieden, auf den Clausewitz im Werk ‚Vom Kriege‘ immer wieder zurückkommt, wirkt in seinen Augen ermäßigend auf die Kriegführung ein.“[5] Durch eine Weiterentwicklung der Waffentechnik und das Führen totaler Kriege müssen bei dieser Betrachtung mittlerweile einige Abstriche bzw. Ergänzungen gemacht werden.

Im ersten Buch seines Werkes, das mit „Über die Natur des Krieges“ betitelt ist, nennt er zwei Ausgangssituationen für einen möglichen Friedensschluß. Einerseits ein Kräftegleichgewicht von Angreifer und Verteidiger und andererseits der Wille die bestehende Ruhe nach der Erreichung des Kriegszieles des Angreifers zu festigen.

Zur erst genannten Situation heißt es: „[...] wenn für diesen Gleichgewichtszustand keine Veränderung vorher zu sehen ist, so müssen beide Teile Frieden schließen.“[6] In dieser Hinsicht wird der Friede für die Sicherung des Status Quo geschlossen.

Bei der zweiten Situation geht Clausewitz davon aus, daß der politische Zwecke des Krieges für den Angreifer erfüllt ist. Als Beispiel nennt er die Eroberung eines Landesteils. „Nach dieser Eroberung ist sein politischer Zweck erfüllt, das Bedürfnis des Handels hört auf, für ihn tritt Ruhe ein. Will der Gegner sich auch bei dem Erfolg beruhigen, so muß er Frieden schließen.“ Diese Situation setzt voraus, daß es sich um einen gemäßigten Krieg handelt. Der Zweck des Krieges ist erfüllt soll gesichert werden. Gleichzeitig muß der Verlierer diese Lösung akzeptieren. Auf die Bedingungen für diese beiden verschiedenen Friedensschlüsse geht er erst an anderer Stelle ein. In diesem Abschnitt postuliert er für die Situation die nur die vollkommene Einsicht der kriegführenden Parteien. Bei unvollkommener Einsicht kommt es nur zu einem Stillstand der kriegerischen Handlung.

[...]


[1] Gesellschaft für poltisch-strategische Studien: Clausewitz, Jomini, Erzherzog Carl, Wien, 1988, S. 36.

[2] in: Clausewitz: Vom Kriege, S. 148.

[3] in: Clausewitz: Vom Kriege, S. 191.

[4] Ebd., S. 210.

[5] Ebd., S. 43f..

[6] Ebd., S. 203.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Chancen, Möglichkeiten und Vorbedingungen eines Friedens bei 'Vom Kriege' von Clausewitz und die Übertragung auf den Versailler Friedensvertrag
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Frieden - Ordnungsmodelle, Utopien und Bellizismus 1648-1918
Note
gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V51065
ISBN (eBook)
9783638471312
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Analyse des Friedensbegriffes von Clausewitz und Anwendung auf den Versailler Vertrag.
Schlagworte
Chancen, Möglichkeiten, Vorbedingungen, Friedens, Kriege, Clausewitz, Versailler, Friedensvertrag, Frieden, Ordnungsmodelle, Utopien, Bellizismus
Arbeit zitieren
Maurice Schuhmann (Autor), 2000, Chancen, Möglichkeiten und Vorbedingungen eines Friedens bei 'Vom Kriege' von Clausewitz und die Übertragung auf den Versailler Friedensvertrag, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51065

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