Der technische Fortschritt, der aus Prozess- oder Produktinnovationen besteht, ist ein wesentlicher Faktor für die Steigerung des Outputs und damit für das Wachstum einer Volkswirtschaft. Dabei ist die Erfindung und ihre erste Anwendung lediglich eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung dafür, dass der technische Fortschritt seine ökonomischen Wirkungen entfalten kann. Erst mit der breiten Nutzung der neuen Technologie in der Volkswirtschaft können sich diese Wachstumseffekte einstellen. Damit steht zwischen der Innovation und der wirtschaftlichen Entwicklung der Prozess der Verbreitung technischer Neuerungen durch das ökonomische System. Die Frage des technischen Fortschritts konzentriert sich damit auf die Untersuchung des Investitionsverhaltens der die Innovation übernehmenden und zur Anwendung bringenden Wirtschaftseinheiten. Die Analyse der technologischen Diffusion befasst sich mit diesem Ausbreitungsprozess neuer Technologien durch ein soziales System und seinen Bestimmungsgründen. Dabei geht die ökonomische Analyse von dem Prozess aus, durch den ein neues Produkt oder eine neue Prozesstechnologie über die Zeit seine potentiellen Märkte durchdringt.
Die multidisziplinäre Beschäftigung mit der Diffusion von Neuerungen macht allerdings deutlich, dass eine Beschränkung der Analyse allein auf ökonomische Einflussfaktoren des Diffusionsprozesses für seine Erklärung nicht ausreichend ist. Die Diffusion von Innovationen ist ein sozialer Prozess und auch ökonomisch vorteilhafte Innovationen diffundieren häufig nur mit einer langsamen Rate.
Die Diffusionsforschung teilt sich in empirische und theoretische Untersuchungen auf. Empirische Arbeiten untersuchen vor allem die historischen Diffusionsverläufe einzelner bzw. mehrerer Technologien. Sie sind bemüht, relevante Einflussvariablen zu identifizieren, die die Verbreitung neuer Technologien begünstigen oder hemmen und allgemeine Regularitäten der Diffusion von Neuerungen in Form stilisierter Fakten zu beschreiben. Unterschieden werden hier, neben den Eigenschaften der Innovation, Umwelteinflüsse auf das System, in dem die Diffusion stattfindet und Eigenschaften der potentiell adoptierenden Individuen bzw. Organisationen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Grundlagen zur Diffusion von Innovationen
- Definitionen und Abgrenzungen
- Stilisierte Fakten der Diffusion
- Innovations-Übernahme-Entscheidung von Individuum und Unternehmen
- Einflussvariablen des Diffusions- und Adoptionsprozesses
- Eigenschaften des Diffusionsobjektes
- Relative Vorteilhaftigkeit
- Kompatibilität
- Komplexität
- Erprobbarkeit
- Wahrnehmbarkeit
- Wahrgenommenes Risiko, Veränderung des Diffusionsobjektes und Lerneffekte
- Eigenschaften der potentiellen Adoptoren
- Unternehmensinterne Einflussvariablen
- Unternehmensgröße
- Organisationsstrukturvariablen
- Anlass der Investition
- Eigenfinanzierungspotential des Unternehmens
- Erfolgslage des Unternehmens
- Unternehmensexterne Einflussvariablen
- Marktstruktur und Wettbewerbsintensität
- Informationsangebot
- Einfluss des Staates
- Kapitalmarkt
- Arbeitsmarkt
- Gesellschaft und sozialer Druck
- Eigenschaften des Diffusionsobjektes
- Diffusionsmodelle
- Systematisierung der Diffusionsmodelle
- Das epidemische Grundmodell
- Probit-Modell
- Spieltheoretisches Modell
- Diffusion unter Netzwerkexternalitäten und Pfadabhängigkeit
- Grundlegende Überlegungen
- Netzwerkexternalitäten und Skalenerträge
- Ein Grundmodell
- Durchbrechen eines Lock-in
- Diffusion aus Sicht der Evolutorik
- Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Diffusion von Innovationen. Sie untersucht die verschiedenen Einflussfaktoren des Diffusionsprozesses und beleuchtet die theoretische Modellierung dieser Prozesse. Ziel ist es, ein tiefes Verständnis der Dynamiken der Technologieverbreitung zu entwickeln und wichtige Einflussgrößen zu identifizieren.
- Definition und Abgrenzung von Innovationen und Diffusionsprozessen
- Analyse der stilisierten Fakten der Diffusion
- Untersuchung der Einflussvariablen des Diffusionsprozesses auf individueller und unternehmerischer Ebene
- Diskussion verschiedener Diffusionsmodelle und ihrer Anwendungsbereiche
- Einbettung der Diffusion in den Kontext von Netzwerkexternalitäten und Pfadabhängigkeit
Zusammenfassung der Kapitel
- Das erste Kapitel liefert eine Einführung in das Thema der Technologiediffusion und stellt die Forschungsfrage dar.
- Kapitel 2 beleuchtet die grundlegenden Definitionen und Abgrenzungen im Zusammenhang mit Innovationen und Diffusionsprozessen. Es werden zudem stilisierte Fakten der Diffusion analysiert, um ein grundlegendes Verständnis des Phänomens zu entwickeln.
- In Kapitel 3 werden die wichtigsten Einflussvariablen des Diffusionsprozesses untersucht. Hierbei wird die Perspektive des Individuums und des Unternehmens berücksichtigt, um die komplexen Entscheidungsprozesse bei der Übernahme neuer Technologien zu beleuchten.
- Kapitel 4 beschäftigt sich mit verschiedenen Diffusionsmodellen. Es werden unterschiedliche Modellansätze vorgestellt und ihre Stärken und Schwächen diskutiert.
- Kapitel 5 untersucht die Diffusion im Kontext von Netzwerkexternalitäten und Pfadabhängigkeit. Es werden die Auswirkungen dieser Phänomene auf den Diffusionsprozess beleuchtet und die Möglichkeiten und Grenzen des Durchbrechens von Lock-in-Situationen diskutiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen Technologie, Innovation, Diffusion, Adoption, Einflussfaktoren, Modelle, Netzwerkexternalitäten, Pfadabhängigkeit, Lock-in, und Evolutorik. Diese Begriffe bilden den zentralen Rahmen für die Analyse des technologischen Diffusionsprozesses.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Technologiediffusion?
Technologiediffusion bezeichnet den Ausbreitungsprozess neuer Technologien durch ein soziales oder ökonomisches System über die Zeit, bis sie ihre potenziellen Märkte durchdrungen haben.
Welche Eigenschaften einer Innovation beeinflussen ihre Verbreitung?
Wichtige Faktoren sind die relative Vorteilhaftigkeit, Kompatibilität mit bestehenden Systemen, Komplexität, Erprobbarkeit sowie die Wahrnehmbarkeit der Neuerung.
Welche unternehmensinternen Variablen fördern die Adoption von Technik?
Die Unternehmensgröße, die Organisationsstruktur, das Eigenfinanzierungspotenzial sowie die aktuelle Erfolgslage des Unternehmens spielen eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung für eine neue Technologie.
Was bedeutet "Lock-in" im Zusammenhang mit Netzwerkexternalitäten?
Ein Lock-in beschreibt eine Situation, in der ein System aufgrund von Pfadabhängigkeit und hohen Wechselkosten an einer (vielleicht unterlegenen) Technologie festhält, weil diese weit verbreitet ist.
Welche externen Faktoren beeinflussen den Diffusionsprozess?
Externe Einflüsse umfassen die Marktstruktur, die Wettbewerbsintensität, staatliche Regulierungen sowie den sozialen Druck innerhalb einer Gesellschaft.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2005, Technologiediffusion - Einflussvariablen des technologischen Diffusionsprozesses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51075