Die Relevanz marktimpliziter Kreditratings. Inwieweit haben sich die implizierten Ratings als Ergänzung zum traditionellen Rating etabliert?


Seminararbeit, 2017
24 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Externe und marktimplizite Kreditratings
2.1 Externes Kreditrating
2.2 Marktimplizites Rating
2.3 Anforderungen an ein Ratingsystem
2.4 Datenvalidierung

3 Kritischer Vergleich der marktimpliziten Ratings
3.1 Voraussetzungen für marktimplizite Kreditratings
3.2 Prinzipal Agenten Theorie
3.3 Unterschiede innerhalb der Ratingagenturen

4 Beurteilung der Prognosequalität
4.1 Ratingdefekte
4.2 Ausprägungsform am CDS-Markt

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Aktive und passive Kreditrisiken

Tabelle 2: Bestandteile des erwarteten Verlusts

Tabelle 3: Aspekte der Ratingerstellung

Tabelle 4: Ratingsymbole und deren Bedeutung

Tabelle 5: Komprimierte Darstellung der Prinzipal-Agenten-Theorie

Tabelle 6: Ratingdefekte

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit marktimpliziten Kreditratings. Im weitesten Sinne liegt die Problematik darin, dass die traditionellen externen Kreditratings die Bonität eines Unternehmens nicht mehr adäquat darstellen. Aktuell scheint diese Entwicklung durch die immer klarer werdenden Schwierigkeiten mangelnder Nachhaltigkeit der klassischen Ratings nicht sehr verwunderlich1.

Einerseits ist dies durch veränderte Risikoquellen bedingt, die zu veränderten Risikofolgen führen. Dies kann die Kapitaldienstfähigkeit - nämlich Zins- und Tilgungszahlung vertragsgerecht zu leisten - zum Beispiel durch erhöhte Strafzahlungen oder Reputationsschäden negativ beeinflussen.

Andererseits beeinflusst aber auch der sog. Business Case der Nachhaltigkeit die unternehmerische Ertragskraft zum Beispiel dann, wenn Unternehmen Nachhaltigkeitstrends nicht folgen und somit Wettbewerbsnachteile erleiden, die am Ende dann dazu führen, dass der Unternehmenswert sinkt. Deswegen hat auch in der Finanzbranche das Thema Nachhaltigkeit in den letzten Jahren eine ganz neue Bedeutung bekommen.

Es können nämlich auch solche Bedingungen dazu führen, dass Unternehmen aus Kreditnehmer nicht mehr frist- und betragsgerecht ihrem Kapitaldienst nachkommen können.

Den Gegenstand dieser Arbeit stellt vor diesem Hintergrund die Wandlung bzw. Ergänzung der Bonitätsbewertung bzw. des Ratings von Unternehmen um marktbezogene Daten dar. Damit in Verbindung wird das marktimplizite Rating in Betracht gezogen. Die Betrachtung beschränkt sich in dieser Arbeit allerdings auf den deutschen Markt.

Eine wesentliche Fragestellung dieser Arbeit, die sich aus den oben genannten Schwerpunkten ergibt, ist, inwieweit sich die implizierten Ratings als Ergänzung zum traditionellen Rating etabliert haben und welchen zusätzlichen Informationsgehalt sie übermitteln. Das Forschungsziel ist unter anderem auch die Beurteilung, ob und welche

Bewertungsrelevanz marktimplizite Ratings besitzen und wie die Verbreitung am deutschen Markt ist.

Die Arbeit leistet einen Beitrag zum Verständnis der Relevanz von marktimpliziten Ratings und versucht, die Notwendigkeit dieser insbesondere vor dem Hintergrund von historisch immer weiter steigenden Ausfallraten zu begründen.2

Im engeren Sinne werden in dieser Arbeit die aus CDS-Spreads abgeleiteten marktimpliziten Ratings betrachtet. Daher ist ein weiterer Bestandteil dieser Arbeit ein Vergleich dieser innerhalb der verschiedenen Ratingagenturen und den klassischen Ratings.

1.2 Gang der Untersuchung

Im Anschluss an die einleitenden Worte folgt ein theoretischer Teil, in dem zunächst das externe und das marktimplizite Rating an sich im Vordergrund stehen. Anschließend werden die Anforderungen an ein Ratingsystem und die gängigen Systeme beleuchtet.

Im nächsten Schritt wird die Validierung der Daten erläutert und die Voraussetzungen für marktimplizite Ratings werden beschrieben. Hier wird die Prinzipal Agenten Finanztheorie mit einbezogen, da die Informationsasymmetrie als Ursprung für die Entwicklung zum marktimpliziten Rating gesehen werden kann.3

Es folgt ein Vergleichskapitel, in dem zunächst die Voraussetzungen für marktimplizite Ratings dargelegt werden. Angelehnt wird hier die Prinzipal Agenten Finanztheorie. Anschließend werden die Unterschiede innerhalb der großen Ratingagenturen bezüglich des marktimplizitem Rating miteinander verglichen.

Im vierten Kapitel folgt der Bezug zur Prognosequalität. Hier werden insbesondere die Ratingdefekte und die Ausprägungsform am CDS-Markt beleuchtet.

Im Schlusskapitel erfolgt eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse sowie eine Darstellung der Schussfolgerung für die marktimpliziten Kreditratings. Beurteilt wird vor allem, ob die neue Methode (marktimplizites Rating) das Informationsproblem, welches sich aus der Prinzipal Agenten Theorie ergibt, minimieren oder sogar komplett eliminieren kann.

Hieran anknüpfend erfolgt ein Forschungsausblick, der Aufschluss über noch nicht endgültig geklärte Fragen gibt.

2 Externe und marktimplizite Kreditratings

2.1 Externes Kreditrating

In Kurzform kann das Kreditrating als Aggregation bonitätsbeeinflussender Faktoren zu einer Note beschrieben werden, in welche unter anderem die Ausfallwahrscheinlichkeit inkludiert ist.

Grundlage für ein externes Kreditrating ist ein Kredit, der im Allgemeinen als Tausch gegenwärtiger Güter gegen zukünftige Güter beschrieben werden kann. Zum Beispiel, wenn eine Bank einen Kredit gewährt und auf die Kapitaldienstfähigkeit des Schuldners (nämlich, dass er Zins- und Tilgungszahlungen vollständig und fristgerecht leisten kann) vertraut. Hier dienen Covenants als restriktive Klauseln. Sie sollen die Handlungsspielräume des Emittenten einschränken und damit dazu beitragen, dass die Rückzahlung der Anleihe sichergestellt wird (z. B. Einschränkung der Dividendenausschüttung oder FK-Quote, Negativklausel4, Mindestvolumen an Betriebskapital, Change of Control, Change of Ownership, etc.).Das externe Kreditrating beschreibt ganz allgemein gehalten das Ausfallrisiko für den Kreditgeber, dass er das zukünftige Gut aus einem Kredit nicht mehr erhalten wird. Dieses Risiko wird über Ratings versucht zu klassifizieren, um dieses Risiko somit über einen Risikoaufschlag zu kompensieren. Der Risikoaufschlag fällt je nach Rating unterschiedlich hoch aus.

In der folgenden Tabelle sind die Risiken unterteilt in aktive und passive Kreditrisiken. Die passiven Kreditrisiken können in gewissem Maße als systematische Risiken betrachtet werden, die marktübergreifend auftreten.5

Tabelle 1: Aktive und passive Kreditrisiken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schmoll, A., Praxis der Kreditüberwachung (1992), S. 19 ff.

Um das Kreditrisiko vollständig quantifizieren zu können ist nicht nur die Ausfallwahrscheinlichkeit - in der englischen Fachliteratur meist POD genannt - von Interesse, sondern auch die Verlustquote beim Ausfall, die mit LGD abgekürzt wird. Während die Ausfallwahrscheinlichkeit die Wahrscheinlichkeit angibt, mit der ein Kredit ausfällt, gibt die Verlustquote den prozentualen Kreditbetrag an, der bei einem langfristigen Zahlungsausfall nicht mehr zurückerlangt werden kann. Die Verlustquote kann zum Beispiel über Sicherheiten beeinflusst werden. Unterschieden wird ex ante zwischen dem unerwarteten und dem erwarteten Verlust. Der erwartete Verlust ist ein Erwartungswert und dementsprechend eine statistische Größe. Daher weicht er vom tatsächlichen Verlust ab. Der erwartete Verlust kann selbst bei einer hohen Intensitätsdimension bzw. hoher PoD einen geringen Wert annehmen, wenn die Verlustquote zum Beispiel durch Sicherheiten begrenzt ist. Die Quantitätsdimension ergibt sich aus dem EAD und der LGD, während die Intensitätsdimension über die PoD angegeben wird. Beide Dimensionen sind wie oben bereits beschrieben und wie aus der Tabelle 2 auf der Folgeseite ersichtlich wird für den erwarteten Verlust ausschlaggebend.

Die folgende Tabelle verdeutlicht den Zusammenhang der oben beschriebenen Größen:

Tabelle 2: Bestandteile des erwarteten Verlusts6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Hundt, S., Informationsgehalt von Credit Ratings (2015), S. 24.

2.2 Marktimplizites Rating

Unter marktimplizit wird zunächst verstanden, dass der Markt in die Betrachtung mit einbezogen wird bzw. marktinterne Informationen integriert werden.

Im Rahmen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sind die bekannten Ratingagenturen bzw. ihre Bonitätsbeurteilungen stark in die Kritik geraten. Zeitliche Verzögerungen von notwendigen Downgrades und generelle optimistische Beurteilungen haben die Turbulenzen am Kapitalmarkt zusätzlich angeregt. Die hohe Relevanz von Agenturratings bei Investitionsentscheidungen und Kreditvergaben führt zu der Fragestellung, ob es anstelle oder ergänzend zum Agenturrating weitere Möglichkeiten gibt, eine zeitnahe und dementsprechend auch verlässlichere Aussage über die Kreditwürdigkeit eines Kontrahenten treffen zu können. Hinter diesem Zusammenhang sind spezielle marktimplizite Ratings von besonderer Bedeutung. Hier6 spielt insbesondere die Vorlaufeigenschaft der marktimpliziten Kreditratings eine Rolle. Mit Vorlaufeigenschaft ist gemeint, dass marktimplizite Ratings den traditionellen Ratings in ihren Tendenzen in der Regel „vorlaufen“ bzw. zuvorkommen.7

Es gibt verschiedene Arten von marktimpliziten Ratings:

Es besteht zunächst die Möglichkeit für Eigenkapitalgeber, die Inhaber einer Down- and-Out Call Option sind, ein marktimplizites Rating aus Aktienkursen zu gewinnen. Des Weiteren über die Renditedifferenz zwischen Staatsanleihen, welche zunächst einmal als risikolos gelten, und dazu der Laufzeit ähnlichen Unternehmensanleihen. Beachtet werden muss auch die Liquidität bzw. Handelbarkeit und die Währung. Hierbei werden die Spreads aus Bond Yields zur Ermittlung genutzt.

Letztendlich können marktimplizite Ratings auch aus CDS-Spreads (Kreditderivaten) gewonnen werden. Dies ist die Ausprägungsform, die in dieser Arbeit hauptsächlich betrachtet wird.

2.3 Anforderungen an ein Ratingsystem

Unter dem Begriff Rating kann sowohl das Ergebnis einer Kreditwürdigkeitsbewertung als auch der Prozess ebendieser verstanden werden. Im Ergebnis handelt es sich um eine in standardisierten Symbolen bzw. Ratingklassen ausgedrückte Bewertung der Kreditausfallwahrscheinlichkeit, die dazu dienen sollen, komplexe Informationen zu aggregieren und den Vergleich verschiedener Unternehmen (Benchmarking) in Bezug auf ihre Bonität zu erleichtern. Charakteristisch für ein Rating ist es, dass es kein endgültiges Urteil darstellt, sondern vielmehr eine Einschätzung zu einem bestimmten Zeitpunkt ist, die keinen rechtlichen Anspruch auf nachweisbare Richtigkeit hat. Somit sind Ratings grundsätzlich Meinungen zum Zeitpunkt der Erstellung des Ratings.8

Wichtig für die Erstellung von Ratings sind vor allem die folgenden Aspekte:

[...]


1 Vgl. Ott, C., Der Informationsgehalt von Credit Ratings am deutschen Aktienmarkt (2011), S. 21 f.

2 Vgl. Barthruff, C., Nachhaltigkeitsinduzierte Kreditrisiken (2014), S. 5.

3 Vgl. Heyd, R., Die Prinzipal-Agenten-Theorie in der Finanzwirtschaft (2011), S. 19.

4 Neues FK kann nicht mit gleicher oder höherer Priorität als das bestandene aufgenommen werden.

5 Schmoll, A., Praxis in der Kreditüberwachung (1992), S. 19 f.

6 Vgl. Hundt, S., Informationsgehalt von Credit Ratings (2015), S. 24.

7 Vgl. Ferreira, Was der Kapitalmarkt zur Bonität zu sagen hat, (2006), S. 1 f.

8 Vgl. Barthruff, C., Nachhaltigkeitsinduzierte Kreditrisiken (2014), S. 18 f.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Relevanz marktimpliziter Kreditratings. Inwieweit haben sich die implizierten Ratings als Ergänzung zum traditionellen Rating etabliert?
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
24
Katalognummer
V510764
ISBN (eBook)
9783346080370
ISBN (Buch)
9783346080387
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreditratings, marktimplizite Kreditratings
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Relevanz marktimpliziter Kreditratings. Inwieweit haben sich die implizierten Ratings als Ergänzung zum traditionellen Rating etabliert?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510764

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