Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema des antimuslimischen Rassismus im öffentlich-politischen Diskurs im 21. Jahrhundert, überwiegend in Deutschland. Betroffen sind hierbei Menschen, die einer islamischen Religion oder „Kultur“ angehören. Dieser Diskurs ist in der Bundesrepublik Deutschland aktuell und gesamtgesellschaftlich relevant. Doch warum ist dies relevant? Aufgrund der erhöhen Einwanderung aus muslimisch geprägten Ländern ist die Angst vor dem „Islam“ und vor „muslimisch“ geprägten Anschlägen erhöht. Belegt wird dies mit dem Teilergebnis des zweiten European Islamophobia Reports 2016 (vgl. Bayrakli; Hafez 2017), die wiederum mit den Ergebnissen von Studien in Deutschland zu Islamophobie, Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus übereinstimmen (vgl. Heitmeyer 2012). Weiterführende Literatur weist unter anderem auch auf die Instrumentalisierung des „Feindbild Islams“ zur Legitimation von politischen Interventionen hin (vgl. Ruf 2012). Auch populistische Politiker_innen befürworten eine Untersagung von muslimischen Einwander_innen mit Migrations- bzw. Fluchterfahrung. Solch eine Forderung werde nach dem European Islamophobia Report von über 53% der Befragten befürwortet (vgl. Bayrakli; Hafez 2017:6). Ebenso zeigt eine Studie der LMU München zu dem Konzept der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ ein homogenes Ergebnis im rassistischen Spektrum. Denn neun von zehn befragten Münchener_innen haben eine ablehnende Einstellung gegenüber Menschen mit muslimischer Religionszugehörigkeit oder „Kultur“ (vgl. LMU 2016).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktueller Diskurs
2.1 Antimuslimischer Rassismus
2.2 Historie zu antimuslimischer Rassismus
2.3 Marginalisierung der Benennungspraxis
2.4 Zurückweisung der Benennung von antimuslimischen Rassismus
3. Analyse
3.1 Sprechen gleich Handeln?
3.2 Widerstandspraktiken
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, wie antimuslimisch-rassistische Sprachpraxen im öffentlich-politischen Diskurs in Deutschland hergestellt werden und welche Widerstandspraxen diesen entgegenstehen. Dabei liegt der Fokus auf der diskursanalytischen Betrachtung von Machtverhältnissen, Benennungspraxen und der Normalisierung von Rassismus durch sprachliche Konstruktionen.
- Strukturelle Herstellung antimuslimischer Diskurse
- Analyse von Benennungspraxen und deren Marginalisierung
- Die Rolle der Sprechakttheorie bei rassistischen Sprachhandlungen
- Strategien des Widerstands und Empowerment-Ansätze
- Kritik an kulturalistischen und rassistischen Narrativen
Auszug aus dem Buch
3.1 Sprechen gleich Handeln?
Judith Butler vertritt die Ansicht, dass Sprechen gleich Handeln sei (Butler 2006:9ff.). Ihre Ansicht beruht auf den Theorien des Begründers der Sprechakttheorie John Langshaw Austin. Dabei wird Spreche als eigenständige Handlung aufgefasst, sodass erläutert werden kann, dass Sprache eine verletzende Wirkung haben kann. Der Zusammenhang zwischen Sprechen und Handeln wird nach Austin als eine sogenannte Sprechhandlung definiert, womit verdeutlicht wird, dass Sprechen eine bewusste Handlung ist. Dies wird Performitivität genannt. Erst hierdurch wird das Gesagte zu einem sozialen Faktum. Für das bessere Verständnis, was für eine Wirkung und die daraus folgende performative Zustand entsteht, werden zwei verschiedene Ebenen beschrieben. Hierzu zählen die illokutionäre und die perlokutionäre Ebene.
Die illokutionäre Ebene beschreibt, welche Rolle in einer Aussage vorkommt. Die perlokutionäre Ebene beschreibt die Wirkung, die die Aussage auf die Adressat_innen hat. Folglich handelt es sich bei der ersten Ebene um die Handlung selbst und bei der zweiten Ebene um die Wirkung der getätigten Handlung (vgl. ebd.). Doch inwiefern verletzt nun die Sprache? Die Sprache kann durch ihre Handlungsmacht verletzten, indem Soziales hergestellt wird. Die sprechende Person verweist die angesprochene Person an einen sozialen Ort. Dieser wird folglich abgewertet, sodass die angesprochene Person verletzt, herabgesetzt oder gedemütigt. Somit dient der Sprechakt als Zuweisung einer Position in der gesellschaftlichen Hierarchie (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema des antimuslimischen Rassismus im 21. Jahrhundert vor und definiert die Forschungsfragen zur diskursiven Herstellung und den Widerstandspraxen.
2. Aktueller Diskurs: Das Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund von Diskursen nach Foucault und führt in das Konzept des antimuslimischen Rassismus, dessen Historie sowie die Problematik von Benennungspraxen ein.
3. Analyse: Hier wird mittels Sprechakttheorie untersucht, wie Sprache rassistisch wirkt und welche Widerstandsmöglichkeiten durch reflektierte Kommunikation bestehen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die diskursive Unterwerfung von Minderheiten zusammen und plädiert für eine rassismuskritische Pädagogik.
Schlüsselwörter
Antimuslimischer Rassismus, Diskursanalyse, Islamfeindlichkeit, Sprachpraxen, Machtverhältnisse, Othering, Widerstandspraktiken, Hate Speech, Performitivität, Empowerment, Intersektionalität, Rassismuskritik, Benennungspraxis, gesellschaftlicher Ausschluss, Dominanzkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des antimuslimischen Rassismus im öffentlich-politischen Diskurs in Deutschland und wie dieser durch Sprache konstruiert und legitimiert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der diskursiven Ausgrenzung von Muslimen, der historischen Entwicklung von Orientbildern sowie der Wirkung rassistischer Sprache auf gesellschaftliche Machtverhältnisse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, durch die antimuslimisch-rassistische Sprachpraxen den gesellschaftlichen Diskurs prägen und wie Widerstand gegen diese diskriminierenden Prozesse geleistet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Herangehensweise, ergänzt durch die Anwendung der Sprechakttheorie von John Langshaw Austin und Judith Butler.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des antimuslimischen Rassismus beleuchtet, gefolgt von einer kritischen Analyse von Benennungspraxen und einer Untersuchung der performativen Wirkung von Sprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind antimuslimischer Rassismus, Othering, Diskursanalyse, Hate Speech und Empowerment.
Wie wird das Kopftuch im Rahmen der Arbeit diskutiert?
Das Kopftuch wird als Instrument zur Konstruktion des „Fremden“ analysiert, wobei es fälschlicherweise als Symbol für Rückständigkeit und Unterdrückung umgedeutet wird, um gesellschaftliche Abgrenzung zu betreiben.
Warum wird die pädagogische Praxis in der Arbeit kritisiert?
Die Autorin kritisiert Begriffe wie „Ausländerpädagogik“ oder „Interkulturelle Pädagogik“, da diese Institutionen eher eine Vereinfachung von Kultur reproduzieren, anstatt tatsächliche rassistische Strukturen aufzubrechen.
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- Gamze Keklik (Autor), 2019, Antimuslimischer Rassismus in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510841