Diese Arbeit beschäftigt sich mit der internationalen Kooperation im Bereich Forschung und Entwicklung in der Raumfahrtindustrie. Dafür werden Patentdaten ausgewertet, die über das europäische Patentamt verfügbar sind und als Ordnungsschema die "Cooperative Patent Classification" verwenden. Es wird davon ausgegangen, dass der Anteil von international entwickelten Patenten bei 30 % bis 50 % liegt. Zunächst wird eine Einführung gegeben, was unter der Internationalisierung von Forschung und Entwicklung zu verstehen ist. Danach folgt eine Beschreibung und Abgrenzung der Raumfahrtindustrie, bevor sich die Arbeit kurz der Vorgehensweise zur Ermittlung und Auswertung relevanter Patentdaten widmet. Schließlich werden die Ergebnisse präsentiert und eingeordnet. Des Weiteren folgt eine Bewertung der Situation und es werden weiterführende Fragen aufgeworfen, die in diesem Zusammenhang ebenfalls erläutert werden können.
Die Raumfahrtindustrie ist heute allgegenwärtig, ohne für die meisten Menschen präsent zu sein. Jedoch wären Telekommunikation oder die Erforschung des Klimas und seiner Veränderung ohne Raumfahrtindustrie und die entsprechenden Satelliten nicht in der heutigen Ausprägung möglich. Aber auch die Erforschung des Weltalls und seiner grundlegenden Zusammenhänge, die Suche nach außerirdischem Leben oder zukünftigen Lebensräumen für die Menschen ist ein großer Teil der Raumfahrt. Hinzu kommen noch die Felder der Grundlagenforschung, zum Beispiel für Materialforschung oder auch der militärische und nachrichtendienstliche Bereich, der durch die Erdbeobachtung mit Hilfe von Satelliten unterstützt wird. Viele Projekte, die bis in die öffentliche Wahrnehmung dringen, werden international durchgeführt. Die populärsten Beispiele sind die internationale Raumstation ISS und das James-Webb-Weltraumteleskop.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Internationalisierung von F&E
2.1 F&E-Prozess
2.2 Motive, Formen und Ausprägungen
2.3 Risiko und Auswahl der passenden Form
3 Raumfahrtindustrie
3.1 Beschreibung und Abgrenzung
3.2 CPC Patentklassen
4 Patentauswertung
4.1 Vorgehensweise
4.2 Ergebnis und Einordnung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Grad der internationalen Kooperation bei Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) innerhalb der Raumfahrtindustrie, um zu prüfen, ob die Vermutung eines hohen Internationalisierungsanteils zutrifft. Hierfür wird eine systematische Patentanalyse anhand von Daten des Europäischen Patentamts und der "Cooperative Patent Classification" (CPC) durchgeführt.
- Grundlagen der Internationalisierung von Forschung und Entwicklung
- Struktur und Abgrenzung der Raumfahrtindustrie
- Methodik der Patentauswertung und Identifikation von Kooperationen
- Analyse und Einordnung der Ergebnisse aus Patentdaten
- Einfluss von politischem Willen und Wettbewerb auf internationale F&E-Kooperationen
Auszug aus dem Buch
3.1 Beschreibung und Abgrenzung
Die Raumfahrtindustrie befasst sich mit der Produktion von Trägerraketen und der Herstellung, dem Transport, der Ausbringung sowie dem Betrieb von künstlichen, unbemannten Satelliten. Die bemannte Raumfahrt zu Forschungszwecken entspricht nur ca. 5%. aller Rumfahrtmissionen. Somit ist die Bedeutung bemannter Raumfahrt unter Rentabilitätsgesichtspunkten in der Kurzfristperspektive zu vernachlässigen. Jedoch können alle Aufwendungen im Rahmen von bemannter Raumfahrt als Investition in Forschung und Entwicklung betrachtet werden, da hier die Technologien und Möglichkeiten erforscht werden, welche perspektivisch zu neuen Geschäftsfeldern der Raumfahrtindustrie heranreifen werden. Beispiele hierfür sind Weltraumbergbau und bemannte Marsmissionen. Die bemannte Raumfahrt ist also in Bezug auf den F&E-Prozess als Grundlagenforschung zu betrachten.
Die Raumfahrtindustrie lässt sich weiter unterteilen in eine produzierende Raumfahrtindustrie und in Startdienstleister. Während die produzierende Raumfahrtindustrie alle Komponenten und Systeme entwickelt und herstellt, die zur Durchführung von Weltraummissionen notwendig sind, befassen sich die Startdienstleister mit der Vermarktung von Trägersystemen und der Durchführung von Satellitenstarts. Die Startdienstleister sind somit wichtige Impulsgeber im Rahmen der F&E. So gehen die nachträglich beschlossenen Maßnahmen bei der Entwicklung der Ariane 6 auf die Erfahrungen und Erkenntnisse von Arianespace zurück, nachdem diese festgestellt hat, dass die aktuellen Entwicklungsziele nicht die Marktsituation wiederspiegeln. Die Abgrenzung des Portfolios der Raumfahrtindustrie und den Startdienstleistern ist in Tabelle 1 dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Raumfahrtindustrie ein, formuliert die Forschungsfrage zur Intensität internationaler Kooperationen in der F&E und beschreibt das methodische Vorgehen mittels Patentanalyse.
2 Internationalisierung von F&E: Dieses Kapitel erläutert den F&E-Prozess, analysiert Motive und Formen der Internationalisierung und diskutiert die damit verbundenen Risiken sowie die Auswahl geeigneter Kooperationsformen.
3 Raumfahrtindustrie: Hier erfolgt eine Definition und Abgrenzung der Raumfahrtindustrie in produzierende Bereiche und Startdienstleister sowie eine Einführung in die verwendeten CPC-Patentklassen.
4 Patentauswertung: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die Vorgehensweise der Datenerhebung aus der "Espacenet"-Datenbank und präsentiert die Ergebnisse der quantitativen Patentanalyse.
5 Fazit: Das Fazit bewertet die Ergebnisse, stellt die geringe Internationalisierungsquote fest, identifiziert Ursachen dafür und wirft weiterführende Fragen zur Zukunft der Branche auf.
Schlüsselwörter
Raumfahrtindustrie, Forschung und Entwicklung, Internationalisierung, F&E-Kooperation, Patentanalyse, Cooperative Patent Classification, CPC, Patentauswertung, Weltraummissionen, Startdienstleister, Technologiemanagement, Wissenstransfer, Knowledge Spill Over, Raketenstarts, Wettbewerbsvorteile
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Ausmaß der internationalen Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung innerhalb der Raumfahrtbranche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die Definition des F&E-Prozesses, die Struktur der Raumfahrtindustrie, die Methodik der Patentanalyse sowie die wirtschaftlichen Motive und Risiken internationaler Kooperationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Stärke der internationalen Kooperation in der F&E der Raumfahrtindustrie zu bestimmen und zu prüfen, ob die ursprüngliche Vermutung eines 30-50%igen Anteils haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine quantitative Patentauswertung basierend auf Daten des Europäischen Patentamts und unter Nutzung der "Cooperative Patent Classification" (CPC) durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen der F&E-Internationalisierung, der Abgrenzung der Raumfahrtindustrie und der detaillierten Beschreibung der Vorgehensweise sowie der Resultate der Patentauswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Raumfahrtindustrie, Forschung und Entwicklung, Internationalisierung, Patentanalyse und Wettbewerbsvorteile.
Bestätigt die Auswertung die ursprüngliche Vermutung?
Nein, die Auswertung zeigt, dass die tatsächliche Quote der internationalen Kooperationen mit 1,4% bis 7,0% deutlich unter der vermuteten Spanne von 30-50% liegt.
Warum ist die internationale Kooperation in der Raumfahrt so gering?
Die geringe Quote wird unter anderem auf hohen politischen Willen zur exklusiven Nutzung technologischer Errungenschaften, staatliche Sicherheitsinteressen und die Notwendigkeit zur Vermeidung von Knowledge Spill-Overs zurückgeführt.
- Quote paper
- Michael Beu (Author), 2019, Raumfahrtindustrie. Internationalisierung von Forschung und Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510915