Coaching hat sich mittlerweile als interaktives Beratungsformat im beruflichen Kontext etabliert. Damit Coaching gelingt, muss die Beziehung zwischen Coach und Coachee intakt sein. Doch auch die Erfahrung des Coachs, sprich seine Seniorität, bestimmt den Erfolg von Coaching.
Was zeichnet erfolgreiches Coaching aus? Nach welchen Kriterien suchen sich die Coachees ihre Coachs aus? Wie hat sich die Coaching-Praxis in den letzten Jahren entwickelt? Und welche Rolle spielt Seniorität im Coaching?
Der Autor Andreas Tiefenthaler erläutert, welche Faktoren ein erfolgreiches Coaching auszeichnen. Anhand von Interviews mit erfahrenen Coachs beschreibt er die Entwicklung der Coaching-Praxis der letzten Jahre. Dabei beleuchtet Tiefenthaler nicht nur die Beziehung zwischen Coach und Coachee, sondern auch die Bedeutung von Seniorität des Coachs.
Aus dem Inhalt:
- Zielfindung;
- Prozessberatung;
- Lösungsfokussierung;
- Ressourcenorientierung;
- Senioritätsprinzip
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung in das Forschungsthema
1.1 Problemstellung und Einführung der Grundbegriffe
1.2 Forschungsfrage und Methodenwahl
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Rahmen
2.1 Coaching
2.2 Seniorität
2.3 Seniorität im Systemischen Coaching
3 Methode - die Vorgehensweise der empirischen Untersuchung
3.1 Erkenntnisinteresse und Forschungsfrage
3.2 Begründung der Methode – ein Qualitativer Forschungsansatz
3.3 Darstellung der Methode – die Prozesslogik
4 Deskription - Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung
4.1 Die Coachs und ihr Werdegang - wie haben sie begonnen?
4.2 Die Coachees - Wer sind sie, und was bewegt sie?
4.3 Das Coaching - Konstanz und Entwicklung:
4.4 Die Coaches: Wie sehen sie Seniorität? – Ansichten und Ausblicke
5 Vergleichende Analyse und Typenbildung
5.1 Typus 1 „Senioritätsaffirmierende und -akzeptierende“
5.2 Typus 2 „Senioritätsskeptikerinnen“
6 Interpretation – Deutungen und Hypothesen
6.1 Hypothese I : Seniorität und Biografie
6.2 Hypothese II : Seniorität und „Weisheit“
6.3 Hypothese III Ubertragung und Gegenübertragung
6.4 Hypothese IV : Seniorität und Wirksamkeit
6.5 Hypothese V : Seniorität und Coachigpraxis
7 Conclusio
8 Kritische Reflexion des Geltungsbereichs der Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis untersucht die Bedeutung von Seniorität im Systemischen Coaching, insbesondere deren Einfluss auf die Beziehung zwischen Coach und Coachee, die Auswahlmotive der Coachees sowie die Entwicklung der Coachingtätigkeit im Laufe der Zeit. Das Ziel ist es, zu erforschen, ob Seniorität – verstanden als Kombination aus Lebensalter, Berufs-, Coaching- und Lebenserfahrung – einen vorteilhaften Effekt auf den Coachingprozess ausübt.
- Systemische Haltung und ihre Bedeutung im Coachingprozess
- Einfluss von Seniorität auf Akzeptanz und Vertrauensbildung
- Veränderung von Haltung, Methode und Prozess durch zunehmende Erfahrung
- Die Rolle von Übertragung und Gegenübertragung im Coaching
- Wirkfaktoren und Erfolgsfaktoren im Coaching
Auszug aus dem Buch
2.1.4 Die systemische Haltung
In der Haltung des/der Coach ist Systemisches Denken sozusagen verinnerlicht. Aus ihr entsteht und entwickelt sich erst alles weitere. Innere Haltung ist, um mit Erpenbeck zu sprechen, „Dreh- und Angelpunkt für Handlungswirksamkeit und berufliche Identität.“ (Erpenbeck, 2017, S. 8).
Das professionelle Verhältnis zwischen Coach und Coachee lässt sich in einem Sprachbild zeichnen: „„Auf Augenhöhe sein“ markiert eine Beziehung als partnerschaftlich, symmetrisch und gleichberechtigt. Das Bild verweist auf eine gleiche Größe im übertragenen Sinn.“, so Erpenbeck (ebd., S. 21)
Von diesem Verständnis ausgehend, lassen sich mit Radatz die wichtigen Verhaltensbedingungen zeigen, welche insgesamt die Haltung des/der Coach/s bilden: Wertschätzung gegenüber dem/der Coachee und dessen/deren Situation zu entwickeln und zu zeigen, gut (aktiv) zuhören und kreativ fragen zu können, die eigene Meinung zurückzuhalten und Ratschläge vermeiden, sowie komplexe Zusammenhänge im Blick und im Gedächtnis zu behalten. (vgl. Radatz, 2014, S. 109)
Das Zuhören verschmilzt mit den Fähigkeiten des Staunens und des Schweigens zur essentiellen Kompetenz der Aufmerksamkeit, die beschreibbar ist „als ein Oszillieren zwischen dem Abtauchen in die fremde Innenwelt bzw. dem „Mitträumen“ und einem bewussten Beobachten, Erklären, Einordnen.“ (Erpenbeck, 2017, S.16)
Zielfindung, Lösungsfokussierung und Ressourcenorientierung sind im bisher gesagten bereits angeklungen; sie sind wesentliche Elemente systemischer Haltung (vgl. de Shazer, 1997; zit. n. Radatz, 2013, S. 258 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung in das Forschungsthema: Vorstellung des Themas, Herleitung der Forschungsfrage zur Rolle von Seniorität im Coaching und Darstellung des methodischen Vorgehens.
2 Theoretischer Rahmen: Fundierung des Coachings als systemische Prozessberatung sowie theoretische Einordnung der Begriffe Alter, Erfahrung und Seniorität.
3 Methode - die Vorgehensweise der empirischen Untersuchung: Begründung des qualitativen Forschungsansatzes durch teilstrukturierte Experteninterviews mit acht erfahrenen Systemischen Coaches.
4 Deskription - Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Darstellung der Interviewergebnisse unterteilt in Werdegang, Klientel, Coachingprozess und die Perspektiven der Coaches auf Seniorität.
5 Vergleichende Analyse und Typenbildung: Identifikation und Gegenüberstellung von zwei Typen von Coaches bezüglich ihrer Einstellung zu Seniorität.
6 Interpretation – Deutungen und Hypothesen: Herleitung von fünf Hypothesen über den Zusammenhang zwischen Seniorität, Biografie, Wirksamkeit und Coachingpraxis.
7 Conclusio: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen mit dem Ergebnis, dass Seniorität im Coaching als vorteilhaft wahrgenommen wird.
8 Kritische Reflexion des Geltungsbereichs der Arbeit: Kritische Auseinandersetzung mit der Tiefe der Untersuchung und Ausblick auf künftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Systemisches Coaching, Seniorität, Coachingprozess, Lebenserfahrung, Berufserfahrung, Coach-Coachee-Beziehung, Systemische Haltung, Lösungsfokussierung, Erfolgsfaktoren, Alter, Alterssoziologie, Coachingkompetenz, Empowerment, Vertrauen, Supervision
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle von Seniorität im Systemischen Coaching, insbesondere wie sich Alter und Erfahrung des Coaches auf den Coachingprozess und die Beziehung zum Coachee auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Coaching als systemische Prozessberatung, das Altern im beruflichen Kontext, die Bedeutung von Lebenserfahrung und Berufserfahrung sowie die Qualitätssicherung in der Coachingpraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu erforschen, ob Seniorität durch Erfahrung und Alter einen positiven Einfluss auf den gelingenden Coachingprozess hat und wie Coachees diese Faktoren bei der Auswahl ihres Coaches wahrnehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf teilstrukturierten Interviews mit acht erfahrenen Systemischen Coaches basiert, deren Aussagen mittels eklektischer Auswertung nach Zepke analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Deskription der Ergebnisse, eine Typenbildung von Coaches im Umgang mit Seniorität sowie eine anschließende Interpretation in Form von fünf Hypothesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Systemisches Coaching, Seniorität, Lebenserfahrung, Coach-Coachee-Beziehung, Lösungsfokussierung und Alterssoziologie.
Wie bewerten die befragten Coaches den Einfluss ihres Alters?
Die Mehrheit der Coaches betrachtet ein höheres Lebensalter als Vorteil ("Asset"), da es Vertrauen schafft und als Indikator für Lebenserfahrung gilt, wenngleich einige auch vor einem "zu Alt" warnen.
Welche Rolle spielt die "Chemie" bei der Coach-Auswahl?
Die "Chemie" bzw. das Vertrauen wird von den befragten Coaches als einer der wesentlichen Faktoren genannt, die Coachees dazu bewegen, sich für einen bestimmten Coach zu entscheiden.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Alter und Ratschlägen im Coaching?
Ja, mit zunehmendem Alter und Erfahrung neigen Coaches weniger dazu, direkte Ratschläge zu geben (Lösungsabstinenz), da sie darauf vertrauen, dass der Coachee die Lösung selbst finden kann.
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- Andreas Tiefenthaler (Author), 2020, Ist das Coaching von erfahrenen Coachs besser? Entwicklungen und Erfolg im Systemischen Coaching, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510916