Sehr ausführlicher Unterrichtsbesuch zu dem Drama "Der Besuch der alten Dame", der die Dialoge Ills mit dem Polizisten und Bürgermeister durch produktive Methoden fokussiert.
Thema des Unterrichtsvorhabens:
Die alte Dame verbreitet Freude und Schrecken. Analyse und Interpretation von Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" mittels handlungsorientierter Methoden und analytischer Verfahren.
Thema der Unterrichtsstunde:
Die diskrepanten Botschaften der Güllener Repräsentanten anhand des Gesprächs mit dem Polizisten und dem Bürgermeister im szenischen Vortrag.
Stundenziel:
Die Schülerinnen und Schüler analysieren arbeitsteilig die beiden Dialoge zwischen Ill mit dem Bürgermeister und Ill mit dem Polizisten mittels des Verfahrens der inneren Stimme und bewerten die dialogischen Ausführungen der Funktionäre als widersprüchlich, indem die Lernenden darstellen, dass sie diskrepante Botschaften senden. Sie beteuern beispielsweise, dass keiner die Absicht habe Ill zu töten (verbal), während sie ein Gewehr besitzen (nonverbal) und fassen diese Erkenntnisse in Sprechaktverben zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1.1 Tabellarische Auflistung der Stundenthemen
1.2 Curriculare Legitimation
1.3 Erläuterung der Intentionen und der Struktur des Vorhabens
1.4 Überprüfung des Lern- und Kompetenzzuwachses
2. Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde
2.1 Beitrag der Stunde zum intendierten Kompetenzzuwachs
2.2 Darstellung der didaktisch-methodischen Schwerpunkte der Stunde
2.3 Sachanalyse
2.4 Verlaufsplan
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Unterrichtsreihe ist die Analyse und Interpretation von Friedrich Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ durch eine Kombination aus handlungsorientierten und analytischen Verfahren. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Identifikation diskrepanter Botschaften und der Heuchelei der Güllener Repräsentanten sowie deren Auswirkungen auf die Figur des Ill.
- Methodische Verzahnung von szenischem Spiel (innere Stimme) und schriftlicher Dialoganalyse
- Analyse von Widersprüchen zwischen verbalen Äußerungen und nonverbalen Handlungen
- Förderung der (moralischen) Urteilsfähigkeit und Identitätsentwicklung der Lernenden
- Schrittweise Befähigung zum eigenständigen Verfassen von Dialoganalysen
- Reflexion über die „Verschleierungsstrategien“ der Güllener
Auszug aus dem Buch
2.3 Sachanalyse
Gegenstand der Stunde bilden die beiden Dialoge von Ill mit dem Polizisten und dem Bürgermeister aus dem zweiten Akt, der häufig als „Retardation“ (Frizen, 1998, S. 24) betitelt wird, da Ill bei unterschiedlichen Instanzen um Hilfe bittet und versucht, „an das verbleibende Wertbewusstsein zu appellieren“ (ebd. S. 27), wodurch das Ausmaß der „Bedrohung, der er ausgesetzt“ ist, portraitiert wird (Reinersdorff, 1998, S. 2), die alte Dame hingegen nur abwartet, bis ihr Plan aufgeht.
Wie schon in der Darstellung der didaktisch-methodischen Schwerpunkte der Stunde Anklang gefunden hat, zeichnen sich diese Dialoge durch Widersprüchlichkeiten aus, die die Lernenden herausarbeiten und veranschaulich sollen, um dadurch die Heuchelei und Verlogenheit herauszuarbeiten. Die Lernenden können sich, neben der Entwürfe einer inneren Stimme, bei der sie Überlegungen zu möglichen Gedanken der Güllenern anstellen, bei ihrer Interpretation auf verschiedene Stellen konzentrieren, um die Widersprüchlichkeiten der beiden Funktionäre darzustellen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge: Dieses Kapitel erläutert die curriculare Einbettung, die thematische Auswahl des Dramas sowie die geplante Progression der Kompetenzentwicklung über fünf Sequenzen hinweg.
2. Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde: Hier wird der spezifische Beitrag der Stunde zum Lernzuwachs, die methodischen Schwerpunkte, die inhaltliche Sachanalyse der Dialoge sowie der detaillierte Verlaufsplan für die Besuchsstunde dargelegt.
3. Literatur: Dieses Verzeichnis listet sämtliche für die Planung und theoretische Fundierung des Unterrichtsvorhabens herangezogene Fachliteratur sowie die verwendeten Bildquellen auf.
Schlüsselwörter
Dürrenmatt, Der Besuch der alten Dame, Unterrichtsplanung, Handlungsorientierung, analytische Verfahren, innere Stimme, Dialoganalyse, Güllen, widersprüchliche Botschaften, Kompetenzzuwachs, Verschleierungsstrategien, Deutschunterricht, dramapädagogische Methoden, Literaturdidaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit umfasst die schriftliche Planung einer Unterrichtsstunde für den Deutschunterricht der Jahrgangsstufe 9, in der ein Ausschnitt aus Dürrenmatts Drama „Der Besuch der alten Dame“ analysiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören Schuld, Gerechtigkeit, Verrat, Heuchelei, die Rolle der Güllener Bürger sowie die methodische Verbindung von szenischem Spiel und Textanalyse.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Das Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler die diskrepanten Botschaften der Güllener Repräsentanten (Polizist und Bürgermeister) im Gespräch mit Ill mittels der Methode der inneren Stimme aufdecken und analysieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden handlungsorientierte Verfahren, insbesondere das szenische Spiel und die „innere Stimme“, mit analytischen Verfahren, wie der schriftlichen Dialoganalyse und der Arbeit mit Sprechaktverben, verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge sowie die konkrete schriftliche Planung der Besuchsstunde inklusive Sachanalyse und Verlaufsplan.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „handlungsorientierte Literaturdidaktik“, „Double Bind“, „diskrepante Botschaften“, „Verschleierungsstrategien“ und „kognitive Kompetenzentwicklung“ definiert.
Warum wird die Methode der „inneren Stimme“ verwendet?
Die Methode dient dazu, das Unausgesprochene, die Gedanken und die Widersprüchlichkeiten der Güllener Repräsentanten für die Lernenden sichtbar und interpretierbar zu machen.
Welchen Zweck erfüllt der Rückbezug zur „Verschleierung“?
Der Rückbezug soll den Lernenden helfen, die Diskrepanz zwischen dem verbalen Auftreten der Güllener und ihrem tatsächlichen, verräterischen Handeln gegenüber Ill zu verdeutlichen und in einer Analyse zu benennen.
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- Anna Baer (Author), 2019, Unterrichtsentwurf im Fach Deutsch. Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510932