Das Thema dieser Arbeit ist die hegelsche Geschichtsphilosophie und die Frage ist folgende: Was versteht Hegel unter "Geschichte" und inwiefern unterscheidet sich dieses Verständnis von der "reflektierenden Behandlungsart" der Geschichte, die Hegel in seinen Vorlesungen beschreibt? Die These ist, dass nach Hegel das eigentliche Geschichtssubjekt die Vernunft beziehungsweise der Geist ist, wobei Hegel die Geschichte als eine Darstellung des Zu-sich-selbst-Kommens des Geistes versteht. Die philosophische, also Hegels Betrachtungsweise der Geschichte, unterscheidet sich von den reflektierenden Betrachtungsweisen der Geschichte insofern, als sie "[…]die Vorstellung eines der Erkenntnis äußerlich gegebenen Inhalts aufgibt, welche allen verschiedenen Formen der Reflektierenden Geschichte […] zugrunde liegt."
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die ursprüngliche Geschichte
2.2 Die reflektierende Geschichte
2.2.1 Die allgemeine reflektierende Geschichte
2.2.2 Die pragmatische reflektierende Geschichte
2.2.3 Die kritische reflektierende Geschichte
2.2.4 Spezialgeschichte eines allgemeinen Gesichtspunktes
2.3 Die philosophische Geschichte
2.3.1 Vernunft und Geist
2.3.2 Die Weltgeschichte als Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Hegels Verständnis von Geschichte und analysiert, wie er verschiedene Arten der Geschichtsbetrachtung unterscheidet und in sein philosophisches System einordnet, um schließlich den Weltgeist als Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit zu definieren.
- Differenzierung zwischen ursprünglicher, reflektierender und philosophischer Geschichte.
- Die Rolle der Vernunft als ordnendes Prinzip der Weltgeschichte.
- Hegels Bestimmung des Geistes und dessen Entwicklung zum Selbstbewusstsein.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Staates als Gestalt des Geistes.
- Verhältnis von Freiheit und Notwendigkeit im geschichtlichen Prozess.
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Vernunft und Geist
Nach dem Aufstellen seiner Thesen erläutert Hegel zunächst sein Verständnis von Vernunft: „Durch die spekulative Erkenntnis in ihr wird es erwiesen, daß die Vernunft – bei diesem Ausdruck können wir hier stehenbleiben, ohne die Beziehung und das Verhältnis zu Gott näher zu erörtern – die Substanz wie die unendliche Macht alles natürlichen und geistigen Lebens wie die unendliche Form, die Betätigung ihres Inhalts ist. Die Substanz ist sie, nämlich das, wodurch und worin alle Wirklichkeit ihr Sein und Bestehen hat; – die unendliche Macht, indem die Vernunft nicht so ohnmächtig ist, es nur bis zum Ideal, bis zum Sollen zu bringen und nur außerhalb der Wirklichkeit, wer weiß wo, als etwas Besonderes in den Köpfen einiger Menschen vorhanden zu sein; – der unendlicher Inhalt, alle Wesenheit und Wahrheit, und ihr selbst ihr Stoff, den sie ihrer Tätigkeit zu verarbeiten gibt, denn sie bedarf nicht, wie endliches Tun, der Bedingung eines äußerlichen Materials, gegebener Mittel, aus denen sie Nahrung und Gegenstände ihrer Tätigkeit empfange; sie zehrt aus sich und ist sich selbst das Material, das sie verarbeitet; wie sie sich ihre eigene Voraussetzung, ihr Zweck der absolute Endzweck ist, so ist sie selbst dessen Betätigung und Hervorbringung aus dem Inneren in die Erscheinung nicht nur des natürlichen Universums, sondern auch der geistigen – in der Weltgeschichte.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die philosophiegeschichtliche Relevanz des Begriffs der Geschichte ein und stellt die leitende Forschungsfrage zur Definition der Geschichte bei Hegel vor.
2. Hauptteil: Der Hauptteil systematisiert Hegels verschiedene Typen der Geschichtsbetrachtung, von der unmittelbaren Beobachtung bis zur spekulativen Philosophie der Weltgeschichte.
2.1 Die ursprüngliche Geschichte: Dieses Kapitel erläutert die Form der Geschichtsschreibung, die auf der Anschauung des Historikers basiert, der die Ereignisse seiner Zeit selbst miterlebt hat.
2.2 Die reflektierende Geschichte: Es werden hier die Formen der Geschichtsschreibung untersucht, die über die unmittelbare Zeitgenossenschaft hinausgehen und Reflexionen in den historischen Stoff einbringen.
2.2.1 Die allgemeine reflektierende Geschichte: Dieses Kapitel beschreibt die Zusammenfassung historischer Ereignisse ganzer Epochen oder Völker durch Kompilationen, bei denen der Geist des Historikers den Stoff strukturiert.
2.2.2 Die pragmatische reflektierende Geschichte: Hier wird die Art der Geschichtsschreibung diskutiert, die aus der Vergangenheit Lehren für die Gegenwart ziehen will, was Hegel jedoch aufgrund der Einzigartigkeit jeder Epoche kritisch hinterfragt.
2.2.3 Die kritische reflektierende Geschichte: Dieses Kapitel widmet sich der Untersuchung historischer Quellen auf ihre Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit.
2.2.4 Spezialgeschichte eines allgemeinen Gesichtspunktes: Es wird der Übergang von fachspezifischen historischen Betrachtungen wie Rechts- oder Religionsgeschichte zur philosophischen Geschichte dargestellt.
2.3 Die philosophische Geschichte: Dieses Kapitel bildet den Kern der Arbeit und beleuchtet die vernünftige Betrachtung der Weltgeschichte, die den Geist als treibendes Subjekt begreift.
2.3.1 Vernunft und Geist: Hier wird Hegels Bestimmung der Vernunft als Substanz und unendliche Macht erläutert, die sich in der Weltgeschichte als geistiges Prinzip manifestiert.
2.3.2 Die Weltgeschichte als Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit: Dieses Kapitel zeigt auf, wie der Geist in verschiedenen Kulturstufen zu einem immer klareren Selbstbewusstsein der Freiheit gelangt.
3. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über Hegels Geschichtsverständnis als einen im Staat vollendeten Prozess.
Schlüsselwörter
Hegel, Geschichte, Geschichtsphilosophie, Vernunft, Geist, Weltgeschichte, Freiheit, Selbstbewusstsein, spekulative Philosophie, Weltgeist, Historiker, Reflexion, Staat, Objektiver Geist, Absolute Idee.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Hegels Geschichtsphilosophie und untersucht, wie Hegel Geschichte als vernünftigen Prozess begreift.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Unterscheidung verschiedener Geschichtsformen, das Verhältnis von Vernunft und Geist sowie die Entwicklung der Freiheit in der Weltgeschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Hegels Definition von Geschichte präzise zu rekonstruieren und seine Auffassung des Weltgeistes als Motor der historischen Entwicklung darzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Hegels Primärtexten, insbesondere der Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, ergänzt durch relevante Sekundärliteratur zur Interpretation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Systematik der verschiedenen Geschichtsarten (ursprünglich, reflektierend, philosophisch) und erarbeitet Hegels Verständnis von Vernunft und Fortschritt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Hegel, Vernunft, Geist, Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit und Geschichtsphilosophie charakterisieren.
Warum unterscheidet Hegel zwischen verschiedenen Arten der Geschichtsschreibung?
Hegel unterscheidet diese Formen, um aufzuzeigen, wie sich das Verhältnis zwischen dem Geist des Geschichtsschreibers und dem historischen Gegenstand verändert, bis hin zur philosophischen Betrachtung.
Wie definiert Hegel den Fortschritt in der Weltgeschichte?
Hegel sieht den Fortschritt als eine stufenweise Entwicklung des Geistes, der in der Geschichte ein immer bewussteres Verständnis seiner eigenen Freiheit erlangt.
Welche Rolle spielt der Staat in Hegels Geschichtsverständnis?
Der Staat fungiert als die notwendige Gestalt, in der der Geist seine Freiheit realisiert und in eine objektiv geordnete Wirklichkeit überführt.
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- Daniel Okpoto (Autor:in), 2019, Der Begriff der Geschichte bei Hegel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510954