Die Medaille der Cecilia Gonzaga. Zeitzeuge des idealen Frauenbildes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Renaissance
2.1 Die gesellschaftliche Stellung der Frau in der Renaissance

3 Geschichte und Funktion der Medaille in der Renaissance
3.1 Definition einer Medaille und Entstehung
3.2 Funktion
3.3 Anzahl und Verteilung

4 Die Medaille Cecilia Gonzagas
4.1 Biographie
4.2 Beschreibung
4.3 Deutung
4.4 Zusammenhang mit der Medaille des Bruders Ludovico

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

8 Abbildungen

9 Eidesstattliche Erklärung

1 Einleitung

In dieser Hausarbeit wird die Portraitmedaille Pisanellos von Cecilia Gonzaga untersucht. Für die Kunsthistorik handelt es sich hierbei um ein interessantes Einzelstück. Allerdings wurde der tragenden Rolle als seltene Darstellung einer zeitgenössischen Frau, sowohl als Portrait als auch in Kombination mit der symbolträchtigen Rückseite, welche es der Kunstform Medaille möglich macht gleichzeitig über Tugenden zu berichten, wenig Beachtung geschenkt. Es soll untersucht werden, welcher Funktion die Medaille dienen sollte und wie das Portrait zum damaligen Frauenbild steht. Um dies in einem genügenden Umfang zu erläutern, werden zuerst die äußeren Umstände, auch im Bezug auf die Rolle der Frau, zur Entstehungszeit der Medaille erläutert. Bei der Medaille handelt es sich um einen außergewöhnlichen Zeitzeugen, denn die Medaille Cecilias ist nicht nur die einzige Portraitmedaille, die Pisanello in seinem Leben von einer Frau schuf, sie ist auch das einzige Werk des Künstlers aus Mantua, was sowohl mit seiner Unterschrift und Datum (1447), versehen ist. Weiterhin ist Pisanellos Portraitmedaille von Cecilia Gonzaga das erste Medaillenportrait einer zeitgenössischen Frau seit der Antike.1 Diese Alleinstellungsmerkmale zeugen von der großen Aussagekraft in mehreren Punkten. Anhand der Medaille wird vor allem untersucht, wie das Mittel „Medaille“ eingesetzt wurde, um einen Charakter hinreichend darzustellen und welche Mittel angewendet wurden, um diesen zu idealisieren. Der Idealisierung folgend soll herausarbeitet werden, was genau diese „Ideale“ sind, und ob sie auch auf die Zeit angewendet werden können. Da es sich bei der Cecilia Medaille um die Abbildung einer Adeligen handelt, also einer einflussreichen Person der obersten Schicht, ist davon auszugehen, dass anhand ihrer Idealisierung Schlüsse sowohl über das herrschende Ideal als auch Vorstellungen bezüglich Schönheit und Sitte geschlossen werden können. Welche Attribute sollten der Außenwelt und dem Betrachter vermittelt werden? Welche Eigenschaften sollten für die Ewigkeit Bestand haben? Verkörpert Cecilia das Idealbild der Renaissancefrau? Als Quelle wird besondere Beachtung dem Aufsatz „Classical Chastity and chivalric tradition: Pisanellos portrait of Cecilia Gonzaga“ von Tanja L. Jones geschenkt, da dieser die Cecilia Medaille das erste Mal in einem größeren Kontext stellt, vor allem dem ihrer Familie und ihrer Geschichte.

2 Renaissance

Der Begriff Renaissance (franz: Wiedergeburt, Wiedererweckung; aus ital. Rinascimento) bezeichnet eine kunst- und geistesgeschichtliche Epoche, zwischen dem frühen 15. und dem frühen 17. Jahrhundert.2

Die Epoche der Renaissance steht für den Rückgriff sowohl auf die Ästhetik,sowie auf die Mythologie der Antike.3 Ihre Werte, mit zeitgenössischen Erscheinungen verbunden, formten den Humanismus.4 Der Mensch steht als Individuum im Sinne des Humanismus, als Gestaltungsobjekt im Zentrum einer ganzen Epochenkunst.5 Durch die Befreiung des Menschen aus kirchlichen und höfischen fest vorgegebenen Strukturen entstand ein Umbruch in der mittelalterlichen Ordnung.6

2.1 Die gesellschaftliche Stellung der Frau in der Renaissance

Obwohl in der Renaissance mehr Wert auf die Entwicklung seiner individuellen Persönlichkeit und Bildung gelegt wurde, blieb die Rolle der Frau in der Gesellschaft nahezu unverändert.7 Nur edle Frauen konnten sich durch Privatunterricht in Religion, Lesen und Schreiben bilden, ermöglicht durch finanzielle Mittel und die Unterstützung ihrer Familien. Dies diente jedoch weniger ihrer Selbstverwirklichung in der Berufswelt als ihrem sozialen Status.8 Ebenso charakteristisch für die Position der Frau wurde ihre Kleidung.9 Während sich die weibliche Unterschicht praktisch und einfach kleideten, pflegten die ländliche und städtische Oberschicht andere Sitten: die Kleider boten tiefe Einblicke in das Dekolleté und waren so eng anliegend, dass sie die Körperformen übertrieben betonten- die weibliche Repräsentation, stark abhängig vom äußeren Erscheinungsbild.10 Die Einstellung der Frauen zu ihren Rechten pflichtete dem konservativen Weltbild des Mannes bei; die Aussagelosigkeit wurde zur Norm, allgemeine Akzeptanz galt der benachteiligten sozialen Stellung.11 Trotz der minderwertigen Behandlung von Frauen wird diese Epoche als die Zeit des Erwachens bezeichnet.12

3 Geschichte und Funktion der Medaille in der Renaissance

Die „Geburt“ der Kunstgattung Medaille, welche sich im Italien des 15. und 16. Jahrhunderts vollzieht, ist kein willkürliches, sondern ein logisches Ergebnis ihres Zeitgeistes, welcher den individuellen Menschen in den Fokus des Weltbildes, und somit auch in das der Kunst, rückte.

3.1 Definition einer Medaille und Entstehung

Hier ist es sinnvoll, als ersten Schritt die Medaille als Objekt zu definieren bevor weiter auf Funktion und Geschichte eingegangen werden kann. Aufgrund ihrer Materialität zählt die Medaille zu den Skulpturen.13 Die Medaille weist zwar durchaus Ähnlichkeiten zu einer Münze auf, ist aber nicht als eine solche zu verstehen. Münzen wurden in der Geschichte nahezu immer exklusiv von der regierenden Obrigkeit zur Verfügung gestellt.14 Dies beinhaltete den Prozess der Herstellung, sowie die monopolare Entscheidung über Abbild, Material, Größe und Gewicht. Des Weiteren dienten die Münzen als Zahlungsmittel, wohingegen der Medaille eine Funktion als Erinnerungsstück zugedacht war. Sie war ein Kunstobjekt und folglich konnte über sie frei verfügt werden. Medaillen unterlagen keinen Richtlinien bezüglich Größe, Material oder Motiv und konnten von jedem in Auftrag gegeben, beziehungsweise hergestellt werden.15 Wie auch eine Münze besteht die Medaille aus einer zweiseitig geprägten Metallscheibe. Die Vorderseite, das Obvers, stellte den Portraitierten dar, meistens in der von der Portraitmalerei inspirierten Seitenansicht. Die Rückseite, das Revers, fungierte dann als Leinwand zur Darbietung weiterer mit dem Dargestellten assoziierten Attribute. Bis zur Verwendung der Spindelpresse in den frühen Jahren des sechzehnten Jahrhunderts, die es ermöglichte Medaillen zu prägen, wurden sie gegossen.16 Allerdings ist hier einzuwenden, dass Medaille und Münze nicht komplett zu trennen sind. Es ist nachgewiesen, dass Pisanello17, der weitestgehend als Erfinder der Kunstgattung anerkannt ist, eine antike Münzsammlung zu seinem privaten Besitz zählte und sich von dieser inspirieren ließ.18 Außerdem entspricht diese Rückbesinnung auf den Antiken-Stil dem Zeitgeist der Renaissance. Dementsprechend haben die beiden Objekte zwar getrennte Funktionen und Gestaltungen, sind aber nicht endgültig voneinander abzugrenzen.

3.2 Funktion

Die Renaissance Portraitmedaille erwies sich als besonders geeignet, um das neue Selbstbewusstsein der Menschen in Form eines kleinen, handlichen, jedoch ewigwährenden Portraits Entfaltung zu bieten. Als portable Kleinskulptur materialisierte sie wichtige geistige und gesellschaftliche Ansichten und Vorkommnisse. Vor allem ist sie aber ein eher privates Objekt, da sie meistens von Einzelpersonen in Auftrag gegeben wurde. Sie erfüllt das Verlangen des Dargestellten nach Unsterblichkeit. Damit sind die beiden größten Funktionen benannt: Ruhm (fama) und Gedenken (memoria) Weiter vermittelt sie aber auch dem Betrachter ein klares Bild, womit und als was der Portraitierte assoziiert werden will.

Der Vorgang des Deutens beginnt mit dem Portrait auf der Vorderseite: auffällig ist, wo und wie groß der Name und der Titel angegeben sind. Daraus lässt sich schließen, wie viel Wert der Dargestellte auf Wiedererkennung legte. In Haltung und Kleidung, in den meisten Fällen idealisiert und nur selten realistisch, zeigen sich sozialer Status und Errungenschaften. Medaillen dienten, trotz ihrer Ähnlichkeit zur Münze, nicht dem Warenaustausch. Vielmehr waren sie prestigereiche Geschenke an Familienmitglieder, Freunde oder Günstlinge. Oft wurde auch zu Ehren eines Gastes eine Anfertigung in Auftrag gegeben. Besitzer einer eigenen Medaille deponierten diese manchmal als Grundstein in ihren neuen Häusern, um diese für die Ewigkeit zu markieren.19

3.3 Anzahl und Verteilung

Es gibt keine klare Antwort auf die Frage, wie viele Editionen einer Medaille hergestellt und an wen die Objekte verteilt wurden, denn diese Entscheidungen hingen vom Auftraggeber, und damit dem Zweck, für den sie in Auftrag gegeben wurde, ab. Gründe, die Anlass zur Prägung einer Medaille gaben, waren sowohl wichtige öffentliche Ereignisse als auch eingeschränkte private Geschehen. Diese entschieden dann über die Anzahl der Exemplare. Folglich musste für ein öffentliches Ereignis mehr produziert werden als für eine private Veranstaltung. Weiterhin lässt sich heutzutage kaum noch mit Klarheit etwas über die originale Produktionsmenge sagen, da jede Medaille zu einem späteren Anlass nachgegossen werden konnte.

4 Die Medaille Cecilia Gonzagas

Die Medaille Cecilia Gonzagas (Abb.1) nimmt eine herausragende Stellung unter den von Pisanello geschaffenen Medaillien ein. Zum einen ist sie die einzige Portraitmedaille einer Frau, die Pisanello schuf. Zum anderen ist sie die Einzige, der von ihm in Mantua geschaffenen Werke, die sowohl seine Unterschrift als auch ein Datum trägt. Was die Medaille aber noch interessanter macht, ist die Tatsache, dass sie die erste geschaffene Medaille seit der Antike war, die eine zeitgenössische Frau abbildete.20 In Auftrag gegeben wurde sie wahrscheinlich von Ludovico Gonzaga, Cecilias Bruder, vermutlich 1443, wie die Rückseite impliziert.21

4.1 Biographie

Geboren wurde Cecilia Gonzaga 1426 als Tochter von Gianfrancesco Gonzaga und Paola Malatesta. Der florentinische Buchhändler und Biograph, Vespasiano da Bisticci, beschrieb Cecilia Gonzaga als „eine der schönsten Mädchen ihrer Zeit [...] welche in Bildung und Manieren alle anderen Frauen übertraf‘.22 Bereits mit sieben Jahren soll sie Griechisch beherrscht haben.23 1443 soll sie den Wunsch geäußert haben in ein Kloster einzutreten um ihre Studien ohne eine Heirat fortzusetzen.24 Damit wiedersetzte sie sich den Plänen ihres Vaters, Gianfrancesco, der die politisch vorteilhafte Ehe mit Oddantiono de Montefeltro, dem zukünftigen Herzog von Urbino, arrangiert hatte. Cecilias hartnäckige Ablehnung der Heirat wurde von Vespasiano kommentiert, indem er darauf hinwies, dass „Beharrlichkeit und Stärke in einem Mädchen nicht ohne die besondere Disposition des Himmels sind; es wäre stolz und gottlos, dagegen vorzugehen“.25 Ihr Vater erzwang die Verbindung daraufhin nicht, erlaubte seiner Tochter aber gleichzeitig keinen klösterlichen Eintritt. Erst nach seinem Tod im Jahr 1444 wurde Cecilia als klarissische Nonne in Santa Paola, einem Orden der zur Kirche von Corpus Domini in Mantua gehörte, aufgenommen. Wenige Zeit später trat auch ihre Mutter in den Orden ein. Nach ihrem Eintritt ins Kloster beauftragte ihr Bruder 1447 die Medaille.

4.2 Beschreibung

Auf der Vorderseite der 85,78 mm großen Bronzemedaille ist die Portaitbüste Cecilia Gonzagas plastisch herausgearbeitet. Zu sehen ist ihre nach links gewandte Halbtotale bis zum Oberbauch. Dieses Format ist ein Unikat der pisanischen Medaillen.26 Diese Wahl der Ansicht ermöglicht die besonders großzügige Darstellung der physischen Attribute. Die Gonzaga Prinzessin ist in eine höfische Robe gekleidet, welche durch die prächtigen und mit Muster verzierten Ärmel auffällt und unter der Brust mit einem schmucken Gürtel gehalten wird. Das Gesicht ist unbedeckt, erscheint jung und schön, attribuiert durch eine hohe Stirn. Ihre Haare sind im zeitgenössischen Stil in eine Hochsteckfrisur frisiert und hinter ihre Ohren gekämmt..27 In den langen Nacken fallen dabei keine einzelnen Strähnen. Die Medaille wir gesäumt vom Titel der jungen Frau: CICILIA VIRGO FILIA IOHANNIS FRANCISCHI ERSTE MARCHIONIS MANTUE.

Die Rückseite der Medaille besticht durch ihre lyrische Darstellungsform. In einer kargen felsigen Landschaft sitzt eine halbbekleidete Jungfrau neben einem im Vordergrund liegenden Einhorn mit wallendem Fell, welches seinen Kopf in den Schoß des Mädchens gelegt hat. Das Gewand, welches anmutend an einen antiken Stil erinnernd, umschlingt den Körper der Frau und bedeckt teilweise die linke Brust, während die andere entblößt ist. Auch das Mädchen auf der Rückseite trägt ihre Haare geschlossen im Nacken. Die Szene wird durch die mythische anmutende Darstellung des Halbmondes am Himmel begleitet. Eine fast magische Aura, ausgelöst durch das Fabelwesen und der nahezu gottgleich schönen Frauenfigur, beleuchtet nur vom silbrigem Licht des Mondes, umgibt diese Darstellung der Portrait Rückseite.

[...]


1 Vgl. Jones, Tanja L.: Classical Chastity and chivalric tradition: Pisanellos portrait of Cecilia Gonzaga In: Athanor, 2003, S. 16.

2 Aston, Margaret: Panorama der Renaissance (Berlin, 1996), S. 31.

3 Aston 1996, S. 31.

4 Aston 1996, S. 34.

5 Aston 1996, S. 248.

6 Aston 1996, S. 24.

7 Huntley, Theresa: Women in the Renaissance (London, 2009), S. 5.

8 Huntley 2009, S. 4.

9 Huntley 2009, S. 6.

10 Huntley 2009, S. 7.

11 Huntley 2009, S. 5.

12 Huntley 2009, S. 4.

13 Vgl. Scher, Stephan K.: Perspectives on the Renaissance Medal (New York, 2000), S. 1.

14 Scher 2000, S. 1.

15 Scher 2000, S. 1.

16 Scher 2000, S. 1.

17 Antonio Pisanello (* 1395 in Pisa; f um 1455 in Rom) war ein italienischer Maler und Medailleur. besonders tätig an den Fürstenhöfen der Malatesta (Rimini und Pesaro), Gonzaga (Mantua), Visconti (Mailand) und die Este (Ferrara) („Pisanello“. In Beyer, Savoy, Tegethoff (Hg.): Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Bd. 96. Berlin 2017. S. 45.)

18 Jones 2003, S. 16.

19 Scher 2000, S.2.

20 Jones 2003, S. 15.

21 Jones 2003, S. 15.

22 Jones 2003, S. 16.

23 Vgl. Scher, Stephan K.: The Currency of Fame: Portrait Medals of the Renaissance (New York, 1994), S. 52.

24 Jones 2003, S. 16; Scher 1994, S. 52.

25 Scher 1994, S. 52.

26 Vgl. Centanni, Monica: CECILIA GONZAGA COME DIANA NELLA MEDAGLIA/IMPRESA DI PISANELLO (1447). In: In Il Mondo e la Storia. Studi in onore di Claudia Villa, Publisher: SISMEL, Editors: Francesco Lo Monaco, Luca Carlo Rossi. 2014, S. 144

27 Huntley 2009, S. 6.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Medaille der Cecilia Gonzaga. Zeitzeuge des idealen Frauenbildes
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V510998
ISBN (eBook)
9783346092724
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cecilia Gonzaga, Portraitmedaille, Pisanello
Arbeit zitieren
Sara Elbers (Autor), 2019, Die Medaille der Cecilia Gonzaga. Zeitzeuge des idealen Frauenbildes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510998

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