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Kiezdeutsch in Whatsapp-Chats

Titel: Kiezdeutsch in Whatsapp-Chats

Bachelorarbeit , 2019 , 37 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Ahmad Amine (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

A: "Shu was geht bei dir?"
B: "Lass Fifa, komm zu mir."
A: "Nein wallah, lass lieber shishabar und vielleicht danach Fifa."

Dies ist ein Ausschnitt aus einem WhatsApp-Gespräch zwischen zwei jungen Männern, die ihren Freitagabend online planen wollen. Dabei fällt sofort auf, dass sie zwar ihre Konversation in der deutschen Sprache verfasst haben, aber dennoch Wörter verwendet wurden, die womöglich aus anderen Herkunftssprachen stammen und in die deutschen Satzstrukturen integriert wurden. Des Weiteren findet die Unterhaltung in teilweise brüchigen Sätzen statt, was zunächst vermuten lassen könnte, dass es zur Normalität zählt, mit unvollständigen Sätzen miteinander zu schreiben. Es könnte jedoch auch auf den jeweiligen Sprachgebrauch der Akteure zurückführen.

Dieser Sprachgebrauch ist normalerweise aus der gesprochenen Sprache bekannt bzw. der Jugendsprache "Kiezdeutsch" zuzuordnen, die die beiden Männer aus ihrer Jugendzeit beibehielten. Nach Untersuchungen vieler Linguisten steht fest, dass Kiezdeutsch über ein eigenes grammatisches System verfügt und die Verwendung von Kiezdeutsch in den letzten Jahren bei den Jugendlichen in Deutschland zugenommen hat.

Da Kiezdeutsch auch im Regelfall ein Phänomen der gesprochenen Sprache ist, fokussiert sich die Sprachwissenschaft bzw. Jugendsprachforschung dementsprechend darauf. Weniger Aufmerksamkeit erhält jedoch im Gegenzug die Verschriftlichung dieser Sprache in digitalen Medien, zu denen der Messengerdienst WhatsApp. In diesem Bereich finden sich vergleichsweise wenige Untersuchungen darüber, inwieweit die Kiezdeutsch Spre-cher/innen ihren gesprochenen Sprachstil auch auf ihre digitalen Schreibweisen übertragen und das, obwohl in der heutigen Zeit ca. 89% der Jugendlichen angeben, WhatsApp für das Versenden und Empfangen von Textnachrichten zu nutzen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Jugendsprache

2.1 Jugendabgrenzung

2.2 Historische Herkunft und Bedeutung von Jugendsprache

3 Kiezdeutsch

3.1 Definition

3.2 Grammatische Phänomene und Regelungen

3.2.1 Code-Switching

3.2.2 Lokalangaben

3.2.3 Verkürzungen/ Artikelvermeidung

3.2.4 Wortstellung

3.2.5 Grammatikalisierung von „so“

3.2.6 Funktionsverb

2 Einflussfaktoren auf Kiezdeutsch

2.1 Migrationseinfluss

2.2 Medieneinfluss

3 Gesellschaftliche Sicht auf Kiezdeutsch

4 Digitale Schriftlichkeit

5 Kiezdeutsch in WhatsApp-Chats

5.1 Datenerhebung

5.2 Auswertung

5.2.1 Code-Switching in Textnachrichten

5.2.2 Lokalangaben in Textnachrichten

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit die Merkmale der Jugendsprache ‚Kiezdeutsch‘, wie sie primär aus der gesprochenen Sprache bekannt sind, auch in der digitalen Kommunikation über den Messenger-Dienst WhatsApp verschriftlicht werden.

  • Grammatische Besonderheiten von Kiezdeutsch
  • Einfluss von Migration und Medien auf die Sprachentwicklung
  • Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Kiezdeutsch als Varietät
  • Digitale Schriftlichkeit und die Veränderung von Sprachnormen
  • Analyse von privaten WhatsApp-Chatverläufen hinsichtlich Code-Switching und Lokalangaben

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Code-Switching

„Sprachmischungen ergeben sich aus polykulturellen und vielsprachigen Bedingungen“ (Neuland 2008: 156).

Bedeutend für das Sprachalternieren ist das sogenannte ‚Code-Switching‘, das im allgemeinen Kontext aus Zwei- und Mehrsprachigkeit resultieren kann (vgl. ebd.).

‚Code-Switching‘ kann dabei situativ und erwartbar erfolgen, sowie von verschiedenen Kommunikationsbereichen und -situationen abhängig sein (vgl. ebd.).

Trotz der sprachlichen Übertragung von einigen Wörtern aus dem Arabischen oder Türkischen in die deutsche Sprache soll dies nicht bedeuten, dass es sich hierbei um eine deutsch-türkische bzw. deutsch-arabische Mischsprache handelt sondern um eine neue produktive Varietät (vgl. Wiese 2012: 130). Die integrierten Wörter wie beispielsweise das türkische Wort „Lan“ (wörtlich „Mann/Typ“) oder das arabische Wort „wallah“ (wörtlich „bei Allah“) werden nach den Regeln der deutschen Grammatik verwendet. Hinzu kommt, dass auch die Aussprache eingedeutscht wird. Demnach wird „Lan“ als „Alter!“ verwendet und statt „Ich schwöre“ oder „Wirklich“ wird „Wallah“ verwendet (vgl. Wiese 2012: 131). So würde ein Sprecher des Kiezdeutschs beispielsweise Sätze wie „Wo bist du, lan?“ oder „Wallah, ich war das nicht!“ artikulieren.

Dies bedeutet zugleich, dass diese Wörter lediglich als Fremdwörter angesehen werden und keinen Migrationshintergrund mit anderer Erstsprache voraussetzen. Somit werden sie von Sprechern unterschiedlicher Herkunft benutzt, auch von denen, die neben Deutsch keine weitere Familiensprache beherrschen (vgl. Wiese 2006: 254).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema Kiezdeutsch ein, veranschaulicht die Problematik der Verschriftlichung im Messenger-Dienst WhatsApp und benennt die Forschungsabsicht.

2 Jugendsprache: Dieses Kapitel definiert den soziologischen Begriff der Jugend und beleuchtet die historische Entwicklung sowie die Abwertung von Jugendsprache als Forschungsgegenstand.

3 Kiezdeutsch: Hier werden Definitionen sowie grammatische Phänomene des Kiezdeutschs, wie Code-Switching, Lokalangaben und Funktionsverbgefüge, detailliert erläutert.

2 Einflussfaktoren auf Kiezdeutsch: Dieser Abschnitt analysiert den Migrations- und Medieneinfluss als zentrale Triebkräfte für die sprachliche Dynamik und Verbreitung von Kiezdeutsch.

3 Gesellschaftliche Sicht auf Kiezdeutsch: Das Kapitel thematisiert die negative Stigmatisierung des Kiezdeutschs in der Gesellschaft und stellt diese der linguistischen Einordnung als eigenständige Varietät gegenüber.

4 Digitale Schriftlichkeit: Hier wird der Wandel der Kommunikation in digitalen Medien untersucht und die Relevanz der Untersuchung von Sprache im informellen digitalen Kontext begründet.

5 Kiezdeutsch in WhatsApp-Chats: Das Hauptkapitel beschreibt die Datenerhebung anhand privater Chat-Screenshots und wertet diese im Hinblick auf Code-Switching und Lokalangaben aus.

6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und betont die Feststellung, dass Kiezdeutsch-Merkmale auch im digitalen Schriftverkehr systematisch verwendet werden.

Schlüsselwörter

Kiezdeutsch, Jugendsprache, WhatsApp, Code-Switching, Sprachvarietät, Migration, Medieneinfluss, digitale Kommunikation, Lokalangaben, Mehrsprachigkeit, Sprachwandel, Grammatik, Linguistik, Chat-Kommunikation, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das als gesprochenes Phänomen bekannte Kiezdeutsch in die digitale, schriftliche Kommunikation von Messengerdiensten wie WhatsApp übertragen wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit fokussiert sich auf die grammatischen Strukturen des Kiezdeutschs, den Einfluss von Migration und Medien sowie die spezifischen Bedingungen digitaler Schriftlichkeit.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Ziel ist es zu belegen, dass Kiezdeutsch-Merkmale keine zufälligen Fehler darstellen, sondern systematische Sprachvariationen sind, die auch schriftlich in privaten Chat-Verläufen Anwendung finden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor nutzt eine qualitative Analyse von privaten WhatsApp-Screenshots, um sprachliche Auffälligkeiten wie Code-Switching und verkürzte Lokalangaben zu identifizieren und zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Kiezdeutschs, eine Diskussion der Einflussfaktoren (Migration/Medien) und eine empirische Auswertung der Chat-Daten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kiezdeutsch, Code-Switching, digitale Schriftlichkeit, Sprachvarietät, Mehrsprachigkeit und Kommunikationsverhalten.

Wie unterscheidet sich Kiezdeutsch laut der Arbeit von einem reinen Sprachfehler?

Der Autor argumentiert, dass Kiezdeutsch einem eigenen, schlüssigen grammatischen System folgt und durch regelbasierte Innovationen wie Fokusmarkierungen oder Verkürzungen geprägt ist.

Welche Rolle spielt die soziale Herkunft der Chat-Partner in der Analyse?

Die Analyse betrachtet verschiedene Gesprächspartner, stellt jedoch fest, dass Kiezdeutsch-Elemente unabhängig von der Erstsprache oder dem Migrationshintergrund bei Personen verwendet werden, die in einem multilingualen oder jugendkulturellen Umfeld aufgewachsen sind.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Kiezdeutsch in Whatsapp-Chats
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,3
Autor
Ahmad Amine (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
37
Katalognummer
V511278
ISBN (eBook)
9783346088437
ISBN (Buch)
9783346088444
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kiezdeutsch Code-Switching Kanak sprak Multiethnolekt Mehrsprachigkeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ahmad Amine (Autor:in), 2019, Kiezdeutsch in Whatsapp-Chats, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511278
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  37  Seiten
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