Die Reflexion der Identität eines Geflüchteten in "Odysseus aus Bagdad"


Ausarbeitung, 2019
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Hintergründe
2.1 Migrationsliteratur
2.2 Identität
2.2.1 Heimat und Identität
2.2.2 Identitätsentwicklung
2.2.3 Identitätsbildung im schulischen Kontext

3 Odysseus aus Bagdad
3.1 Zusammenfassung
3.2 Figurenentwicklung Saad Saad

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Die einzige universelle Angst, die einzige Angst, die all unsere Gedanken beherrscht, ist die Angst davor ein Nichts zu sein.[...] Dann nämlich, wenn dir bewusst wird, dass dir von Natur aus keine der Identitäten, die dich ausmachen, gehört. Es hätte ebenso sein können, dass das, was dich charakterisiert, dir nicht zuteilgeworden wäre. "1

Dieser Abschnitt stammt aus dem Migrationsroman ,Odysseus aus Bagdad' von Eric-Emma­nuel Schmitt. In diesem entnommenem Zitat deutet der Protagonist auf die Angst darauf in der Gesellschaft als unbedeutend und nicht akzeptiert zu sein. Folglich könnte es dazu führen, dass der Mensch seine eigene Identität hinterfragt und zugleich in einen inneren Konflikt ge­rät.

Es stellt sich hierbei die Frage, ob der Mensch sobald er sich auf der Flucht vor seinem eigenem Heimatland befindet, aus dem er zuvor all seine Charakterzüge bilden und entwickeln konnte, nicht auch einen Teil seiner Identität verliert? Ist daher grundsätzlich zu behaupten, dass der Heimatverlust mit einem gleichzeitigen Identi­tätsverlust verknüpft ist?

Vor allem aber auch, wenn er ein fremdes Land betritt, dessen Gesellschaft ihn seiner Ansich­ten nach nicht akzeptieren würde. An diese Menschen appelliert der Protagonist des Romans ihre derzeitige Lage zu reflektieren und sich über ihr Glück bewusst zu machen, dass sie kein Leben auf der Flucht führen müssen.

Eine derartige Reflexion gleicht einer Dankbarkeit gegenüber dem Leben und könnte den geistlichen Horizont auf eine höhere Stufe bringen. Aus diesen Gründen ist es durchaus sinn­voll, Migrationsliteratur wie bspw. ,Odysseus aus Bagdad' in den Literaturunterricht zu integ­rieren, um den SuS diese Thematik näher bringen zu können und sich damit intensiv zu be­schäftigen.

2 Theoretische Hintergründe

2.1 Migrationsliteratur

Seit 1990 wird zwischen Migranten- und Migrationsliteratur unterschieden. Migrantenliteratur bezeichnet die Literatur von AutorInnen mit Migrationshintergrund. Dabei bezieht sich die Definition auf die Herkunft der Autoren. Dies bedeutet, es ist irrelevant, ob inhaltlich die Migration thematisiert wird.2

Die Migrationsliteratur hingegen definiert sich nach dem inhaltlichen Einzelwerk, das sich auf Migration bezieht und ist unabhängig vom Hintergrund der Autoren.3 Dies bedeutet genauer definiert, dass der Begriff „weder allein durch die Autorinnenbiographie noch allein durch den Gegenstand bestimmen lässt. Migrationsliteratur umfasst weder alle migrierten Autorinnen noch klammert der Begriff nicht-migrierte Autorinnen, die den Gegenstand der Migration lite­rarisch verarbeiten, per Definition aus."4

Demnach wird die zu thematisierende Literatur ,Odysseus aus Bagdad' ebenfalls diesem Be­griff zugeordnet, obwohl der Autor Eric-Emmanuel Schmitt persönlich keine Fluchterfahrung durchleben musste.5

2.2 Identität

2.2.1 Heimat und Identität

Da der Roman ,Odysseus aus Bagdad' durch die inhaltlichen Erlebnisse des Protagonisten ver­sucht die Identitätsfrage zu reflektieren, werden in diesem Abschnitt die Begriffe bzw. die Be­deutungen und Vernetzung von Identität und Heimat näher betrachtet. Ein weiterer Grund ist die Motivation des Schreibens von Migrationsliteratur, welche häufig aus den Umständen des Lebens in der Fremde und dem Heimatverlust resultiert.6

Der Begriff Heimat ist hierbei mit der örtlichen Definition gemeint. Diese Erwähnung ist er­heblich, da das Heimatsgefühl symbolisch nicht zwanghaft auf eine Lokalität bezogen werden kann. Die Heimat als Symbol kann sich auf diverse Gedächtnisorte beziehen, die diese Bedeutung versinnbildlichen. Dabei kann dieses Gefühl auf Menschen, Rituale, Objekte etc. transportiert werden und auch daraus kann sich die Identität aufbauen.7

Es besteht eine enge Verbindung zwischen dem Lebensort und der Identitätsbildung. Dabei ist eine positive Bindung zur Heimat keine Selbstverständlichkeit, dennoch bleibt diese emotio­nale Bindung ein Leben lang bestehen. Denn an diesen Orten werden die ersten Grunderfah­rungen des Lebens gemacht, die für die eigene Person bedeutsam und prägend sind.

Daher spielt die Heimat eine wichtige Rolle in Bezug auf die individuelle Entwicklung und der damit einhergehenden Identitätsbildung, denn das Bewusstsein vom Werden der eigenen Per­son verschränkt sich untrennbar mit der Erfahrung der Welt.8

Dabei gilt jedoch zu differenzieren, in welchem Alter die Migration stattfindet. Erwachsene haben zumeist eine stabile Identität ausgebildet und können bei äußeren Konflikten auch diese standhalten. Die Jugendlichen, die sich noch in ihrer Entwicklungsphase befinden erle­ben hingegen bei einem Heimatverlust eine innerliche Verunsicherung.9

Zudem definieren sich Individuen durch ihre Gruppenmitgliedschaft, denn Menschen streben in der Regel nach einer positiven Selbstbewertung, welche sich aus der Bewertung der Gruppe bzw. der Gesellschaft ergibt. Dementsprechend kann eine innerliche Orientierungslosigkeit bzw. Identitätsfrage auftreten, falls der Mensch sich keiner Gesellschaft zugehörig fühlt und dies kann vor allem durch das Verlassen der eigentlichen Heimat entstehen.10

2.2.2 Identitätsentwicklung

Eine eindeutige Definition des Begriffs ,Identität' zu finden, würde ein völlig breiteres Spekt­rum beanspruchen, um der Bedeutung gerecht zu werden. Dennoch wird in dieser Arbeit ver­sucht die Definition hinsichtlich des Flucht- und Migrationskontextes zu beziehen. Verbunden mit dieser Thematik, ist es unerlässlich die psychologische Komponente von ,Identität' mitein- zubeziehen, um zu verdeutlichen welchen Wert das Bewusstsein des Selbst hat.

Der Begriff ,Identität' stammt aus dem Lateinischem und bedeutet übersetzt derselbe'.11 Allgemein formuliert kann man unter dieser Bezeichnung „die völlige Übereinstimmung einer Person oder Sache mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird" verstehen.12

Im engeren psychologischen Sinne beschreibt ,Identität' die einzigartige Persönlichkeitsstruk­tur, verbunden mit dem Bild, das andere Mitmenschen von dieser Persönlichkeit haben.13

Nach dem Philosophen und Psychologen William J. James setzt sich die menschliche Identität aus drei Komponenten zusammen. Sie besteht aus der materiellen, dem geistigen und dem sozialen Selbst. Die materielle Komponente wird aus dem Körper gebildet. Das geistige Selbst setzt sich aus den Fähigkeiten sowie Kenntnissen der Person zusammen. Das soziale Selbst wiederum ergibt sich aus der Beachtung und Anerkennung, die dem Individuum durch seine Mitmenschen zuteilwird. Daraus resultiert, dass jeder Mensch soziale Akzeptanz benötigt, um seine Identität aufbauen zu können.14 Dabei ist die Identität abhängig von den Reaktionen und Verhaltensweisen der Mitmenschen sowie vom Vergleich der eigenen Vergangenheit und Zu­kunft. Die Selbstbestätigung sowie Entwicklung der eigenen Identität wird daher erst im Erle­ben und Erkennen des sozialen Umfeldes erfahren.15

Der Migrant erlebt durch die Migration einen Bruch in seiner Biografie bzw. einen Umbruch im Lebenslauf. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Person in seiner neuen Umgebung wie­der von vorne anfangen muss, obwohl es zu neuen personalen als auch soziokulturellen Be­gegnungen hinführt. Dennoch wird aus dem früheren Leben notwendige Erfahrungen und Le­bensentwürfe für die Rekonstruktion der Identität im jetzigen Leben gebraucht, welche sich basierend auf der Vergangenheit aufbaut.16

Die Migrationsliteratur ist durch ihre Erzählung von bewegten Lebensgeschichten und bereis­ten Zwischenstationen bis zum Zielort gekennzeichnet. Dabei besteht die Zusammensetzung der Identität in solchen Texten aus Erzählungen bewegter Lebensgeschichten an unterschied­lich bereisten Orten.17

[...]


1 Schmitt 2015: 252

2 Vgl. Rösch 2017: 72

3 Vgl. ebd.

4 Rösch 1992: 33

5 Vgl. Antigone 2010

6 Vgl. Ackermann/ Weinrich (1988): 22ff

7 Vgl. Caplan 2015: 41

8 Vgl. Assmann 2019: 1

9 Vgl. Hamm 1988: 887

10 Vgl. Zick et. al. 1995: 62

11 Vgl. Müller 2011: 19

12 Vgl. Brockhaus 1997

13 Vgl. Oerter et. al. 2002: 303

14 Vgl. De Levita 2002: 45ff

15 Vgl. Haußer 1995: 3

16 Vgl. Orao 2014: 212

17 Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Reflexion der Identität eines Geflüchteten in "Odysseus aus Bagdad"
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V511279
ISBN (eBook)
9783346093677
ISBN (Buch)
9783346093684
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Odysseus aus Bagdad, Migration, Migrationsliteratur, Eric-Emmanuel Schmitt
Arbeit zitieren
Ahmad Amine (Autor), 2019, Die Reflexion der Identität eines Geflüchteten in "Odysseus aus Bagdad", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511279

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