Die vorliegende Facharbeit thematisiert den Umgang der Gesellschaft der römischen Kaiserzeit, am Beispiel Senecas, mit Selbstmord im Vergleich zu heute.
Dazu betrachtet die Autorin sowohl die Epoche der römischen Kaiserzeit als auch das 21. Jahrhundert in Deutschland und vergleiche die gesellschaftliche und rechtliche Beurteilung des Suizids in beiden Zeitaltern. Um die Haltung der römischen Gesellschaft beurteilen zu können, nutzt Sie ausgewählte Werke des römischen Philosophen und Stoikers Lucius Annaeus Seneca als Basis.
Der erste Teil der Facharbeit behandelt das antike Kaiserreich. Meine Quelle für die Darstellung von Senecas Suizid ist die deutsche Übersetzung von Tacitus "Annalen 15, 60-65". Es folgt Senecas Meinung zum Suizid, welche auf eigenen Übersetzungen seiner "Epistulae Morales" und besonders dem Brief 70 gestützt ist. Sie sind das Hauptwerk der Unterrichtsreihe und Brief 70 ist die einzige Quelle, die sich direkt auf den Suizid bezieht. Danach beschreibt Sie die rechtliche Lage während der Zeit der römischen Klassik. Der zweite Teil thematisiert die moderne deutsche Gesellschaft. Hier erläutert die Autorin zunächst die rechtliche Lage in Deutschland, um den Kontrast zum vorherigen Punkt zu untermalen. Danach stellt Sie dann die gesellschaftliche Haltung zum Thema dar, basierend auf aktuellen Studien und Zeitungsartikel.
In den Schlussfolgerungen vergleicht Sie idann beide Epochen und erläutert Ihre eigene Meinung.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ANTIKES KAISERREICH
2.1 WER WAR SENECA?
2.2 SENECAS SELBSTMORD (NACH TACITUS, ANNALES, 15)
2.3 SENECA ÜBER DEN SELBSTMORD (NACH DEN EPISTULAE MORALES)
2.4 DIE GESETZLICHEN REGELUNGEN ZUM SUIZID
3. DEUTSCHLAND DES 21. JAHRHUNDERTS
3.1 DIE GESETZLICHEN REGELUNGEN ZUM SUIZID
3.2 DIE GESELLSCHAFT ZUM SELBSTMORD
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN
4.1 DER VERGLEICH
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Umgang mit Suizid in der römischen Kaiserzeit am Beispiel des Philosophen Seneca und stellt diesen der heutigen gesellschaftlichen und rechtlichen Bewertung in Deutschland gegenüber, um Parallelen und Unterschiede in der Wahrnehmung und Beurteilung dieser Handlung aufzuzeigen.
- Lebensbild und Suizid des Philosophen Seneca als historisches Fallbeispiel.
- Untersuchung der stoischen Philosophie in Bezug auf Suizid und persönliche Freiheit.
- Analyse der rechtlichen Rahmenbedingungen des Suizids in der Antike und im modernen Deutschland.
- Gesellschaftliche Einstellung und Stigmatisierung des Suizids im 21. Jahrhundert.
- Vergleichende Gegenüberstellung beider Epochen und kritische Auseinandersetzung.
Auszug aus dem Buch
2.2 Senecas Selbstmord (nach Tacitus, Annales, 15)
Der römische Historiker Tacitus wurde vermutlich als Publius Cornelius Tacitus im Jahr 58 n. Chr. geboren. Rund um das Jahr 100 begann er seine Werke „Annalen“ und „Historien“ zu verfassen, in welchen er aus der Sicht eines Senators römische Kaiser kritisierte und bewertete.3
Im Buch 15 der „Annalen“ beschreibt er detailliert den Ablauf von Senecas Tod. 65 n. Chr. bildete sich nämlich im Senat die „Pisonische Verschwörung“ mit dem Ziel der Ermordung Neros und der Machtübernahme des Gaius Calpurnius Piso. Jedoch wurde sie an Nero verraten, welcher daraufhin Seneca der Mitverschwörung beschuldigte. Seneca war wohl nicht direkt beteiligt, sodass Nero vermutlich die Chance nutzte, um den ihm lästig gewordenen Philosophen loszuwerden.4
Der Erzählung Tacitus zufolge sollte Nero wohl zuvor schon einmal vergeblich versucht haben, Seneca mit Gift zu ermorden.5 Um diesen nun aber anklagen zu können, wurde der Prätorianer-Offizier und noch nicht überführte Mitverschwörer6 Gavius Silvanus zunächst vom Kaiser geschickt, Seneca zu verhören. Silvanus legte Seneca die einzig vorhandene Zeugenaussage vor, in welcher der Natalis gegen ihn aussagte7. Jedoch leugnete dieser die Vorwürfe der Mitverschwörung.8 Der kaiserliche Rat, welcher aus der Poppaea, der Geliebten des Kaisers, dem Tigellinus, dem Nachfolger des ermordeten Burrus und dem Kaiser persönlich bestand, schickte den Silvanus erneut los, Seneca seine Hinrichtung zu verkünden.9 Dieser hatte nämlich berichtet, dass Seneca keinerlei Anzeichen von Angst oder Traurigkeit bei seiner Vernehmung gezeigt hätte und daraus folgernd keinen Suizid planen würde.10 Silvanus, welcher von Senecas Unschuld wusste, war nun von Schuldgefühlen geplagt, sodass er mit einem zweiten Mitverschwörer, dem Faenius, sein weiteres Vorgehen besprach.11 Beide brachten allerdings nicht den Mut auf, sich zu stellen, um mit ihrer Aussage Seneca zu retten12 und so schickte Silvanus stattdessen einen seiner Centurionen zu Seneca.13 Doch auch jetzt wies Seneca keinerlei Anzeichen von Anspannung auf, forderte stattdessen seelenruhig sein Testament14 und wirkte, als habe er alles bereits kommen gesehen, was er später auch mit der Beurteilung von Neros Handlungsweise als skrupellos bestätigte.15
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in das Thema des Umgangs mit dem Suizid in der römischen Kaiserzeit und heute ein und erläutert die methodische Herangehensweise unter Einbeziehung Senecas Werke.
2. ANTIKES KAISERREICH: Dieses Kapitel behandelt die Biografie Senecas, beschreibt detailliert seinen Suizid nach den Aufzeichnungen des Tacitus, analysiert seine philosophische Haltung zum Thema in den Briefen und beleuchtet die rechtliche Situation in der Antike.
3. DEUTSCHLAND DES 21. JAHRHUNDERTS: Hier werden die aktuelle gesetzliche Lage in Deutschland und die heutige gesellschaftliche Einstellung zum Suizid, insbesondere unter dem Aspekt der Stigmatisierung und Prävention, dargestellt.
4. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse im direkten Vergleich beider Epochen zusammen und schließt mit der persönlichen Einschätzung der Verfasserin zum Thema.
Schlüsselwörter
Seneca, Suizid, Selbstmord, Stoa, Antikes Kaiserreich, Deutschland, 21. Jahrhundert, Rechtslage, Philosophie, Stigmatisierung, Suizidprävention, Ethik, Tacitus, Epistulae Morales, Bilanz-Selbstmord.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Umgang der Gesellschaft mit Suizid im historischen Vergleich zwischen der römischen Kaiserzeit und dem heutigen Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die stoische Philosophie Senecas, die historische Suizidpraxis unter Kaiser Nero sowie die moderne rechtliche und soziologische Betrachtung des Suizids in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die gesellschaftliche und rechtliche Beurteilung des Suizids in beiden Zeitaltern zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung dieser Handlung herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Quellenarbeit, die auf Primärquellen (Senecas Schriften) und Sekundärliteratur zu antiken Rechts- und Gesellschaftsstrukturen sowie aktuellen soziologischen Daten basiert.
Was wird im Hauptteil ausführlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse von Senecas Tod und Denken sowie der römischen Rechtslage im ersten Teil, und eine Untersuchung der heutigen deutschen Rechtsnormen und gesellschaftlichen Stigmatisierung im zweiten Teil.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Seneca, Suizid, Stoa, antikes Recht, moderne Suizidprävention, Stigmatisierung und gesellschaftlicher Wandel charakterisiert.
Wie bewertet Seneca laut der Arbeit den Suizid?
Seneca vertritt eine stoisch geprägte, positive Haltung zum Suizid als letzte Freiheit des Menschen, sofern dieser aus einer inneren Überzeugung heraus und nicht aus Angst oder Unvernunft geschieht.
Inwiefern unterscheidet sich das moderne Verständnis von dem der Antike?
Während in der Antike Suizid je nach Kontext toleriert und oft neutral betrachtet wurde, ist er heute in Deutschland gesellschaftlich stark tabuisiert, mit psychischen Erkrankungen assoziiert und Gegenstand intensiver Präventionsbemühungen.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2019, Selbstmord in der Römischen Kaiserzeit und heute. Senecas Tod im Vergleich zum 21. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511337