Die heilende Wirkung von Märchen in der therapeutischen Praxis mit Kindern und Jugendlichen


Bachelorarbeit, 2014

55 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Begriffsdefinition und Bedeutsamkeit von Märchen
2.1 Tiefenpsychologische Aspekte imMärchen
2.2 Charakteristika vonMärchen
2.3 Vom pädagogischen Wert einesMärchens

3. Symbolik in Märchen
3.1 BegriffsklärungSymbol
3.2 Märchenfiguren
3.3 Die Bedeutung 'von Lieblings- und Angstmärchen

4. Das Märchen Rotkäppchen im tiefenpsychologischen Kontext
4.1 Allgemeine Analyse und Interpretation 'von Rotkäppchen
4.2 Märchenarbeit in der Therapie exemplarisch dargestellt

5. Methodische Vorgehensweise
5.1 Märchen 'vorlesen
5.2 DasMärchenspiel.
5.3 Gruppenarbeit

6. Das Märchenalter
6.1 Elementarbereich
6.2 Grundschulalter und Adoleszenz
6.3 Märchen für Erwachsene

7. Zusammenfassung

8. Ausblick

9. Literaturverzeichnis

1. Anhangverzeichnis
1.1. DasRotkäppchen 'von CharlesPerrault (1697, Frankreich)
1.2. Rotkäppchen 'von Jacob und Wilhelm Grimm (1812, Deutschland)

1. Einführung

Ich kann mich nicht daran erinnern, als Kind auf den Schoß meiner Mutter geklettert zu sein und ihrer Stimme zu lauschen, während Sie mir Geschichten vorlas. Auch kenne ich diese Geborgenheit nicht, die entsteht, wenn man mit den magischen Worten Es -war einmal in eine zauberhafte Welt eintaucht. Eintauchen in eine geheimnisvolle Welt, mit dem liebsten Menschen, den ein Kind aufErden hat.

Ich erinnere mich, einmal bei einer Freundin übernachtet zu haben und ihre Mutter las uns wie selbstverständlich ein Märchen vor. Es war das Märchen von Hänsel und Gre- tel. Wie ward mein Herz bang, als die beiden Geschwister im Wald ausgesetzt wurden. Angst in der Dunkelheit. Das Feuer erlischt langsam. Das Funkeln der Kieselsteine im Mondlicht auf dem Weg, der nach Hause führte. Und das zornige Herz der Mutter, als die Not wieder über sie hereinbrach. Wie lange habe ich von diesem einen Märchen ge­zehrt. Mich immer wieder hinein gedacht in diese zauberhafte Welt, die mich fesselte und zugleich zutiefst erschreckte.

An meine Schulzeit erinnere ich mich mit Gräuel aber ich schätze diese wegen eines einzigen Aspekts: Den Erwerb des Lesens.

Bei uns Zuhause wurde viel gelesen. Es gab nur nicht die Notwendigkeit mir etwas vor­zulesen. Ich verstand als Kind früh, dass Wissen Macht ist. Und Wissen steht in Bü­chern. Ich wusste, dass alles Kluge schon einmal gedacht worden war und niederge­schrieben stand. Bei uns Zuhause fanden sich zwischen klassischer Literatur und Ge­dichten auch Kinder- und Jugendbücher. Ich erinnere mich genau, als ich anfing zu le­sen offenbarte sich mir eine neue Welt. Heimlich nahm ich die Bücher meiner Mutter und las stundenlang darin.

Als ich selbst Mutter wurde, wollte ich vieles ganz anders machen. An eines habe ich mich gehalten. Meine Tochter und ich lesen jeden Abend zusammen Geschichten, Mär­chen und Fabeln. Jeden Abend tauchen wir ein in die zauberhaften Welten, in der das Wünschen noch geholfen hat, in der Drachen besiegt und böse Stiefmütter verbannt wurden und ihnen ihre gerechte Strafe zuteilwird.

Wir sind die Summe unserer bisher gemachten Erfahrungen, Träume, Wünsche und Ge­danken. Aus diesem Grunde stehen wir heute hier, so wie wir sind. Meine Geschichte ist eine von vielen. Es gibt viele Menschen mit ähnlichen Geschichten und doch ist sie ein­zigartig. Sie hat mich dennoch dazu bewegt, darüber nachzusinnen, was es damals war, das mich an diesem Märchen bis ins Erwachsenenalter bewegte. Was löste das Märchen von Hänsel und Gretel in mir aus? Wie habe ich die Thematik des Märchens als Kind aufgenommen und verstanden? Warum hat es mich Jahre lang nicht losgelassen? Was lösen Märchen aus? Wie ist die Wahrnehmung von Kindern im Bezug auf unterbewusst­e Vorgänge innerpsychischer Prozesse? Märchen sprechen in Symbolen zu uns und das Kind weiß dies einzuschätzen. Märchen lassen Kinderaugen aufleuchten und vermitteln eine Stimmung, in der die Wahrhaftigkeit eines Kindes in einer Zauberwelt Anklang fin­det.

Mein späterer Berufswunsch ist, als Kinder- und Jugendlichentherapeutin tätig zu sein. Ich interessiere mich für psychische Prozesse und hinterfrage, was Menschen zu ihrem Handeln veranlasst. Inwieweit wird dieses von unserem Unterbewussten bestimmt? Woraus resultieren heutige Verhaltensmuster und inwiefern hängen sie mit Erlebnissen in der Vergangenheit zusammen? Wenn mir ein Verhalten bei Mitmenschen auffällt, dann frage ich nicht “Warum bist dujetzt so?“, sondern “Warum bist du so geworden?“. Meine Denkweise ist eher analytischer Natur und oftmals mit tiefergehendem Hinter­grund. Ich möchte später tiefenpsychologisch fundiert arbeiten, weil ich glaube, dass das am ehesten meinem Verständnis vom menschlichen Sein entspricht. Das Leben ei­nes Einzelnen kann meines Erachtens nur gelingen, wenn man seine Lebensthemen kennt und diese entschlüsseln kann. Unser Handeln wird durch unsere Erfahrungen ge­prägt.

In der vorliegenden Abschlussarbeit möchte ich in Erfahrung bringen, warum Märchen heilsame Prozesse in Gang setzen können. Dazu muss verstanden werden, wie Märchen Kinderseelen berühren. Märchen zu deuten, ist das eine, die dahinterliegende Symbolik zu verstehen, das andere. Welche Schlussfolgerung kann man aus einzelnen Märchen- bildem auf die psychische Problematik des Kindes ziehen? Inwiefern lassen sich mit Märchen Heilungsprozesse in Gang setzen?

Ich habe für diese Abschlussarbeit das Thema Die heilende Wirkung von Märchen in der therapeutischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gewählt, weil ich mich mit Patienten1 beruflich in Zukunft damit beschäftigen möchte.

In der vorliegenden Arbeit ergeben sich folgende Fragestellungen, die bezugnehmend auf ihren Inhalt die Gliederung dieser Arbeit darstellen.

Im ersten Abschnitt wird der Begriff der Tiefenpsychologie definiert und in Zusammen­hang mit Märchen erklärt. Des Weiteren wird auf die Besonderheiten eines Märchens eingegangen und der stilistische Aufbau erläutert. Des weiteren wird im ersten Kapitel der pädagogische Wert eines Märchens für Kinder erarbeitet und Kritikpunkte am Mär­chen werden widerlegt. Hierzu gehören folgende Fragestellungen:

1. Was bedeutet Tiefenpsychologie?
2. Welche Merkmale haben Märchen?
3. Wodurch sind Märchen kindgerecht, trotz oftmals grausiger Ausführungen?

In der zweiten Passage dieser Ausarbeitung beschäftige ich mich mit Symbolen, die im Märchen zu finden sind. Hierzu gehört die Definition von Symbolen. In diesem Ab­schnitt wird sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt:

4. Was sind Symbole?
5. Welche Symbole stecken im Märchen?
6. Welche Bedeutung haben einzelne Märchenfiguren für ein Kind, das von diesen fas­ziniert ist?

Im dritten Teil geht es um die heilsame Wirkung einzelner Märchenfiguren oder Motive, die durch ihre Symbolik eine Problemstellung eines Kindes darstellen. Kinder fühlen sich zu Märchen hingezogen oder sind von ihnen ängstlich fasziniert, wenn sie mit ihrer Symbolsprache eine problematische Lebenssituation des Kindes aufgreifen. Hieraus er­geben sich folgende Fragestellungen:

7. Welche Bedeutung haben einzelne Märchenmotive?
8. Wie wirkt die Symbolik einer einzelnen Märchenfigur heilsam auf eine Problemstel­lung des Kindes?

Schlussfolgernd kann abgeleitet werden, warum jemanden ein bestimmtes Märchen fas­ziniert, weil das Dargelegte symbolisch für das derzeitige eigene Lebensthema steht.

lFormulierungshinweis: Aus Gründen derbesseren Lesbarkeit des Textes wird nur die kürzere, männliche Schreibweise verwendet. An dieser Stelle wird mit Gültigkeit für die gesamte Arbeit betont, dass dies als Synonym für die männliche und weibliche Form vereinfacht verwendet wurde und alle männlichen und weiblichen Personen gleichberechtigt angesprochen werden.

In der vierten Passage dieser Abschlussarbeit wird als nächstes darauf eingegangen, wie im allgemeinen Märchen mit ihrer Symbolkraft gedeutet werden können. Um zu verste­hen, was Lieblings- und Angstmärchen in Kindern auslösen, wodurch und was das im übertragenem Sinn mit ihrer Selbst zu tun hat ergeben sich somit nachfolgend diese Fra­gen:

9. Was sind die einzelnen Themen in den Märchen?
10. Welche Veränderungsprozesse können mithilfe eines Märchen in der Therapie ein­hergehen?

Im fünften Part werden therapeutische Methoden am Märchen erläutert. Hierzu gehört die Fragestellung:

11. Wie wird praktisch mit Märchen in der therapeutischen Gruppenarbeit umgegangen? Im letzten Kapitel dieser Arbeit wird erörtert, in welchem Lebensabschnitt Märchen un­terschiedliche Bedeutungen haben können. Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich folgen­de Frage:
12. Wie wirken Märchen in unterschiedlichen Lebensphasen?

Am Ende der Ausarbeitung werden abschließend die Erkenntnisse dieser Arbeit zusam­mengetragen dargelegt und ein Ausblick formuliert, inwiefern Märchen heilsame Pro­zesse in Bewegung setzen können.

2. Begriffsdefinition und Bedeutsamkeit von Märchen

2.1 Tiefenpsychologische Aspekte im Märchen

Der Begriff Tiefenpsychologie entstammt der neueren medizinischen Psychologie. Die­se Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Phänomen des Unbewussten (vgl.: Jung, 1995, S. 510). Im 19. Jahrhundert wurde das Unbewusste ,,[...] wo es als theoretischer Grund­begriff verwendet wird, als, das dem Dasein eines solchen (Bewußtseinsinhalt) [sic!] zugrunde Hegende ... mitgedachte psychische Reale“ (Jung, 1995, S. 510; zit. n. Lipps, 1906). Nach Jung (1995) liegt die Erforschung des unbewussten bei Siegmund Freud und Pierre Janetbegründet(vgl.: Jung, 1995, S. 510).

Die Hervorhebung des Unbewußten [sic!] als eines Grundbegriffes der Erfahrungspsycho­logie aber geht auf FREUD zurück, den eigentlichen Begründer der Tiefenpsychologie, die den Namen Psychoanalyse trägt und besondere Methode der Behandlung seelischer Erkran­kungen darstellt, die wesentlich auf der Aufdeckung des Verborgenen, Vergessenen und

Verdrängten im Seelenleben beruht. FREUD war ein Nervenarzt. Seine Theorie ist im ärzt­lichen Krankenzimmer entstanden und hat immer dessen Prägung bewahrt. Die Vorausset­zung seinerKonzeptionwar die kranken, neurotisch entartete Seele. (Jung, 1995, S. 511).

Jung (1995) verweist auf unbewusste Zusammenhänge, die nicht aus dem Bewusstsein entstanden sind. Es geht hierbei um kollektive unterbewusste Vorgänge, diejedem Men­schen inne wohnen, sie entspringen dem ,,[...] Archetypen der Phantasie“ (Jung, 1995, S. 703).

Dasselbe gilt auch für die Verwendung von Motiven und Träumen, die man sonst in Mythen und Märchen beobachtet, wobei das Bewußtsein [sic!] des Träumers nicht die geringste Kenntnis solcher charakteristischer Formen aufweist. Es handelt sich dabei keineswegs etwa um Vorstellungen, sondern um instinktive Gegebenheiten, um Grundformen der phan­tastischen [sic!] Vorstellungsbildung, also um eine Art von pattern of mental behaviour, das schlechterdings zur menschlichen Natur gehört. Daraus erklärt sich auch das universelle Vorkommendieser.TrcÄet>£>en derPhantasie [sic!]. (Jung, 1995, S. 703).

Im Lexikon der Psychologie findet man unter dem Begriff Märchen folgende Definiti­on:

Märchen, psychologisch interessante Prosaerzählung, weil sie eine Projektionsfläche der menschlichen Ängste und Wünsche darstellen undjeder Mensch wichtige Strukturen seiner kindlichen Identität über Auseinandersetzungen mit Märchen entwickelt. Vor allem in J.G.

Jungs gelten sie als Produkt des kollektiven Unbewußten [sic!]. Es gibt für die meisten Kin­der (und Erwachsene) ein Lieblingsmärchen und Lieblingsmärchenfiguren, z.B. Märchen mit Männerthematik (Hans im Glück), mit Frauenthematik (Dornröschen), über Geschwis­terbeziehungen (Hänsel und Gretel), über den Tod (Frau Holle) und über Konkurrenz (Hase und Igel), die in verschlüsselter Form wichtige Kindheitserfahrungen anbieten [...]. (Wen- niger, 2001, S. 16; zit. n. Salber, 1987).

In Märchen finden sich Archetypische Merkmale auf und Jung (1973) beschreibt diese als kollektiv Unbewusste Inhalte, ,,[...] urtümliche Typen, d. h. seit alters her vorhande­ne allgemeine Bilder [...]“ (Jung, 1973, S. 12). Ein ihm nach bekannter ,,[...] Ausdruck der Archetypen ist der Mythus [sic!] und das Märchen“ (Jung, 1973, S. 13). Dieser Ar­chetypus stellt Unterbewusstes Denken und Handeln dar und gelangt ins Bewusstsein eines Individuums und verändert sich durch das Wahrnehmen in dem Bewusstsein, in dem er auftaucht (vgl.: Jung, 1973, S. 13). Jung (1973) beschreibt Mythen als Manifes­tation psychischer Vorgänge, die in der eigenen Seele begründet liegen. Er beschreibt das Bedürfnis eines jeden Menschen, alle Vorgänge in der Natur beispielsweise an sein ,,[...] seelisches Geschehen zu assimilieren“ (Jung, 1973, S. 14).

In Mythen und Märchen wie im Traume sagt die Seele über über sich selber aus, und die Archetypen offenbaren sich in ihrem natürlichen Zusammenspiel, als Gestaltung, Umge­staltung, des ewigen Sinnes ewige Unterhaltung. (Jung, 1973, S. 103).

Nach Knoch (2001) beschreiben Märchen nicht die äußere Wirklichkeit unserer Welt, sondern erzählen von der inneren Wahrheit des Menschen. Im Märchen geht das Ende stets gut aus und nach Knoch (2001) streben die Menschen danach, die unzulängliche

Wirklichkeit mit dem inneren Bild der Wahrheit und der damit einhergehenden Vorstel­lung davon sich dieser anzunähem. Sie beschreibt den Zwiespalt zwischen der Zuver­sicht, die ein Märchen schenkt und dem Unglaubwürdigen, das ein Märchen beinhaltet mit einem Gedicht von Erich Fried.

Realitätsprinzip Was wäre das für eine Welt, wenn die Wirklichkeit, diese Wirklichkeit um uns, auch eine Wahrheit wäre? (Knoch, 2001, S. 18; zit. n. Fried).

Knoch (2001) erwähnt hierbei den Aspekt, dass die in Märchen enthaltene Wahrheit den Menschen eher erreicht, indem diese ausgeschmückt wird. Sie verweist hierbei auf eine Geschichte aus Israel:

Sich ein wenig bekleiden Die Wahrheit ging durch die Straßen, ganz nackt, wie am Tage ihrer Geburt. Kein Mensch wollte sie in sein Haus einlassen. Jeder, der sie traf, flüchtete voller Angst vor ihr. Eines Ta­ges ging die Wahrheit wieder in Gedanken versunken durch die Straßen. Sie war sehr be­trübt und verbittert. Da begegnete sie dem Märchen. Das Märchen war geschmückt mit herrlichen, prächtigen und vielfarbigen Kleidern die jedes Auge und jedes Herz entzückten.

Da fragte das Märchen die Wahrheit: "Sage mir, geehrte Freundin, warum bist du so be­drückt und drehst dich auf den Straßen so betrübt herum?" Da antwortete ihm die Wahrheit:

"Es geht mir schlecht, ich bin alt und betagt und kein Mensch will mich kennen." Hierauf erwiderte das Märchen: "Nicht weil du alt bist lieben dich die Menschen nicht. Auch ich bin sehr alt, und je älter ich werde, desto mehr lieben mich die Menschen. Siehe, ich will dir das Geheimnis der Menschen enthüllen: Sie lieben es, dass jeder geschmückt ist und sich ein wenig bekleidet. Ich werde dir solche Kleider borgen, mit denen ich angezogen bin und du wirst sehen, dass die Menschen auch dich lieben werden." Die Wahrheit befolgte diesen Rat und schmückte sich mit den Kleidern des Märchens. Seit damals gehen die Wahrheit und das Märchen zusammen,und beide sind bei den Menschen beliebt. (Knoch, 2001, S. 19; zit. n. Jüdische Märchen).

Knoch (2001) beschreibt einen Prozess der Wahrheit im Märchen, der mit der Wirklich­keit im Leben einhergeht. „Die Wirklichkeit zur Wahrheit ist dann ein ständiger An­spruch, mit Blick auf die Wahrheit zu wirken.“ (Knoch, 2001, S. 19).

In Märchen stecken Wahrheiten, die Menschen erfahren haben. Was ist ein Märchen und wodurch definiert es sich?

2.2 Charakteristika -von Märchen

In dem Buch Kinder brauchen Märchen von Bruno Bettelheim (1999) wird beschrie­ben, dass die Elemente des Bewussten und Unbewussten eine immense Rolle im Mär­chen einnehmen. Bettelheim (1999) geht davon aus, dass diese sonst nicht von einer Ge­neration zur nächsten überliefert worden wären. Das Märchen als Kunstform vereint das bewusste und unterbewusste Wunschdenken vieler Menschen. Es stellt symbolhaft ge­samtgesellschaftliche Vorstellungen von zwischenmenschlichen Problemen und deren wünschenswerte Lösungsvorschläge dar. Auf diese Weise findet sich im Märchen ein Teil unseres kulturellen Erbes wieder und wird dem Kind so nahe gebracht. Dabei unter­scheidet es sich vom Traum, in dem Wunschvorstellungen und Moral stets der inneren, wenn auch unterbewussten, Zensur des Träumers unterliegen. Laut Bettelheim (1999) umfassen Märchen das bewusste und unterbewusste Verlangen vieler Menschen, sowie ,, [...] existenzielle Ängste [...] und spricht sie unmittelbar aus: das Bedürfnis, geliebt zu werden, und die Furcht, als nutzlos zu gelten; die Liebe zum Leben und die Furcht vor dem Tode“ (Bettelheim, 1999, S. 17).

Nach Aussage Bettelheims (1999) wird im Gegensatz zur gängigen Kinderliteratur wird im Märchen nichts beschönigt, so die Aussage des Autors Bettelheim (1999). Die Aus­gangslage im Märchen ist von Tod, Trauer, Verlust und Krankheit geprägt. Eine der grundlegenden Ängste des Kindes, von den Eltern verlassen zu werden, stellt oft den Einstieg in das Märchen dar. Pointiert wird dargestellt, dass der Protagonist dieser Ge­schichte, eine Prüfung zu absolvieren hat, in der er sich beispielsweise als fähiger Nach­folger des vom Tod bedrohtem Vaters erweisen muss. Die zu bewältigende Problemstel­lung wird kurz dargestellt, ohne sie im Detail auszuschmücken. Ein komplexes Hand­lungsgeschehen gibt es hierbei nicht.

Im Märchen sind Gut und Böse gleichermaßen vertreten. Die Aspekte des Guten und des Bösen, die jedem Menschen innewohnen, werden im Märchen jedoch als Polaritäten einzelnen Figuren zugeschrieben. Sie sind entweder gut oder böse.

„Der eine Bruder ist dumm, der andere klug. Eine Schwester ist tugendhaft und fleißig, die anderen Schwestern sind verdorben und faul. Eine ist schön, die anderen sind häßlich [sic].“ (Bettelheim, 1999, S. 16).

Märchenfiguren sind nicht komplex in ihrer Persönlichkeit. Charakteristisch für Mär­chen ist, dass die Akteure dieser Handlung typisch in ihrer Grundstruktur sind. Das Märchen ist gekennzeichnet durch seine Einfachheit. Die Märchenfiguren sind nach Bettelheim (1999) nicht ambivalent, so wie es der Wirklichkeit entsprechen würde. Der kindliche Geist ist ihm nach von Polarisierungen beherrscht und bietet dem Kind mit der Einfachheit der Protagonisten bessere Identifikationsmöglichkeiten. Das Kind fragt sich hierbei nicht, ob es gut oder böse sein will, sondern, wem es ähneln möchte. „Diese grundlegende Entscheidung, die für die gesamte spätere Persönlichkeitsentwicklung entscheidend ist, wird durch die Polarisierung im Märchen leichter gemacht.“ (Bettel­heim, 1999, S. 16).

In einem Märchen mit Moral geht es darum, dass sich das Kind zwischen dem Guten und dem Bösen entscheiden muss. Zum einen, weil der Held dieses Märchens seine ganze Sympathie hat und zum anderen, weil sich Verbrechen nicht auszahlt. In Märchen ohne Moral geht es um die „ [...] Hoffnung, daß [sic] auch der Schwächste es im Leben zu etwas bringen kann. Was nützt es denn, ein guter Mensch werden zu wollen, wenn man sich so bedeutungslos fühlt, daß [sic] manbefürchtet, manwerde es nie zu etwas bringen?“ (Bettelheim, 1999, S. 16).

Ein Beispiel für ein Märchen ohne Moral wäre etwa der gestiefelte Kater, der mit List ein ganzes Königreich erobert. Das Märchen vermittelt dem Kind, dass man als Sieger hervortritt, wenn man sich den Schwierigkeiten des Lebens stellt.

Aus diesem Grund geht das Ende eines Märchens stets gut aus, unabhängig von seinen ernsten Zügen. Das Böse unterliegt am Ende immer und bildet die Moralvorstellungen des Kindes. Für ein Kind wirkt es abschreckend, dass sich das Verbrechen nicht aus­zahlt. Nicht die Tugend bildet die Moral eines Kindes, sondern Helden, indem es sich mit dem Sieger eines Märchens identifiziert.

Im Märchen wie im Leben wirkt Bestrafung oder Angst davor im begrenztem Maße ab­schreckend. Die Überzeugung, daß [sic] sich Verbrechen nicht auszahlt, ist ein wirksameres Abschreckungsmittel, und aus diesem Grund unterliegt der Böse im Märchen am Ende im­mer. Nicht, daß [sic] die Tugend am Ende siegt, fördert die Moral, sondern daß [sic] der Held für das Kind am attraktivsten ist. Das Kind identifiziert sich mit dem Helden ; es durchleidet mit ihm alle Mühen und Wirrsale triumphiert mit ihm, wenn die Tugend schließlich belohnt wird. Diese Identifikation vollzieht das Kind von sich aus; die inneren und äußerenKämpfe des Helden bilden seine Moral. (Bettelheim, 1999, S. 15)

Märchen greifen existentielle Ängste auf, beispielsweise die Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren oder die Angst, nicht geliebt und abgelehnt zu werden. Der Wunsch nach ewigem Leben wird im Märchen oft mit dem Schlussteil und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute aufgegriffen.

Märchen greifen das Gefühlsleben eines Kindes auf und zeigen ihnen Strategien, wie sie mit ihrem Leben umgehen können. Kinder bilden durch Märchen ihre Moralvorstellun­gen vom Leben. Sie eignen sich durch Märchen Konzepte vom Umgang miteinander an und lernen, worum es im Leben geht und was Ihnen darin wichtig sein könnte. Im nach­folgendem Kapitel soll dargelegt werden, was Märchen trotz oftmals grausiger Ausfüh­rungen wertvoll für Kinder macht.

2.3 Vompädagogischen WerteinesMärchens

Es gibt Eltern, die ihren Kindern aus pädagogischen Gründen Märchen vorenthalten. Bettelheim (1999) deutet daraufhin, dass allgemein die Meinung vorherrscht, dass in Märchen keine Wahrhaftigkeit des Lebens widergespiegelt wird. Erwachsene verglei­chen ihre Wahrheit über das Leben mit der Realität der Kinder. Diese ist nach Bettel­heim (1999) aber eine andere, als die der Erwachsenen (vgl.: Bettelheim, 1999, S. 135). Die Eltern erkennen hierbei nicht, dass es im Märchen nicht um eine äußere Wahrheit geht (vgl.: Bettelheim, 1999, S. 135). „Die Wahrheit des Märchens ist die Wahrheit un- sererPhantasie [sic!], nichtdie dernormalenKausalität.“ (Bettelheim, 1999, S. 136).

Dem Autor nach sind Eltern bei der Frage des Kindes: Ist das wahr? verunsichert, was sie dem Kind sagen sollen, ohne es anzulügen. Bettelheim (1999) verweist hierbei auf die zauberhafte Welt, die ein Kind beim Hören eines Märchens betritt.

Es war einmal, in einem Land vor unserer Zeit, Vor tausend und mehr Jahren, Zu der Zeit, als die Tiere noch redeten, ln einem alten Schloß [sic] mitten in einem großen, tiefen Wald - solche Anfänge deuten darauf hin, daß [sic] das Folgende nicht im Hier und Jetzt, das wir kennen, angehört. Diese absichtliche Verschwommenheit der Märchenanfänge symbolisiert, daß [sic] wir die konkrete Welt der gewöhnlichen Welt verlassen. (Bettelheim, 1999, S. 74).

Solche Märchenanfänge machen dem Kind deutlich, dass es nun die realistische Welt verlässt und in eine zauberhafte eintritt. Der Autor verweist aber auch darauf, dass ein Kind dafür mehrere Märchen kennen muss, da es auch sehr realistische Märchen gibt, wie beispielsweise Rapunzel, das mit den Worten beginnt,,,[...] Es war einmal ein Mann und eine Frau, die hatten sich schon lange ein Kind gewünscht, und nie eins bekom­men“ (Bettelheim, 1999, S. 135). Ihm nach erweitert das Kind die Zeitangabe Es -war einmal mit der selben Bedeutung wie ,,[...]im Märchenland“ (Bettelheim, 1999, S. 135). Der Autor weist darauf hin, dass die Frage nach der Wahrhaftigkeit des Märchens im realem Leben nur eine Vergewisserung des Kindes ist, dass die Ängste, die es hat, in der realen Welt keinen Spielraum finden,,,[...] sondern in einem fernen Feenland [...]“ (Bet­telheim, 1999, S. 136). Andere Eltern wiederum befürchten, dass Kinder durch Märchen an Zauberei denken. Der Autor verweist hierbei auf kindliche Entwicklung und das ma­gische Denken, das jedem Kind inne wohnt. Alles ist belebt und hat magische Kräfte (vgl.: Bettelheim, 1999, S. 137).

Jedes Kind glaubt an Zauberei und legt diesen Glauben ab, wenn es erwachsen wird (mit Ausnahme derjenigen, die von der Realität zu sehr enttäuscht werden, als daß [sic!] sie ihre Belohnungen trauen könnten). Ich habe gestörte Kinder gekannt, denen niemals Märchen erzählt wurden, die aber einen Ventilator oder Elektromotor ebensoviel [sic!] Zauber und Zerstörungskraft beimaßen, wie irgendein Märchenjemals seiner mächtigsten und gefähr­lichsten Gestaltverlieh. (Bettelheim, 1999, S. 137).

Eine andere Sorge, die Eltern im Bezug auf Märchen beschäftigt, ist, dass Märchen den Bezug zur Realität verschleiern und das Kind nicht lernt mit dem Leben umzugehen (vgl.: Bettelheim, 1999, S. 137). Bettelheim (1999) ist der Meinung, dass das genaue Gegenteil für die Persönlichkeit des Kindes zutreffend ist.

Jede Erfahrung berührt alle Persönlichkeitsaspekte zugleich. Um die Aufgaben des Lebens zu bewältigen, braucht die Gesamtpersönlichkeit die Unterstützung einer reichen Phantasie [sic!] zusammen mir einem gefestigtem Bewußtsein [sic!] und einer klaren Sicht auf die Realität. (Bettelheim, 1999, S. 137).

Bettelheim (1999) zufolge erlebt ein Kind vielfältige psychologische Probleme beim Heranwachsen. In seiner Entwicklung ist das Kind narzisstischen Enttäuschungen aus­gesetzt, die es lernen muss, zu überwinden. Es muss sich mit Geschwisterrivalitäten, dem Abnabelungsprozess von den Eltern und dem ödipalen Dilemma auseinanderset­zen. Dem Kind ist es nicht möglich, sich auf rationaler und kognitiver Ebene mit diesen Reifungsprozessen auseinanderzusetzen. Zum Heranreifen löst sich das Kind aus Ab­hängigkeiten und entwickelt ein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Das Kind ent­wickelt innere Moralvorstellungen vom Umgang miteinander. Laut Bettelheim (1999) muss das Kind, um diese Problemstellungen des Heranreifens zu meistern, verstehen lernen, was in seinem Bewussten vor sich geht, um die Prozesse des Unbewussten zu meistern. Durch Märchen wird das Unbewusste für das Kind greifbarer. Der Autor ver­steht die Faszination bestimmter Märchen als Reaktion auf unbewusste Spannungen des Kindes. Durch ein Märchen wird dem Kind das Unbewusste deutlich. Es fantasiert dar­über und formt neue bewusste Möglichkeiten sich mit dem Inhalt eines Märchens und letztlich dem Inhalt seines Unbewussten auseinander zu setzen. Durch Anregung seiner Fantasie eröffnen sich dem Kind neue Perspektiven, die es sich selbst nicht erschließen könnte. Das Kind fertigt durch die Form der Märchen innere Bilder an, die ihm Orien­tierung im Leben bieten. Das Märchen nimmt das Kind auf eine Reise mit und holt es ab,,,[...] wo sich das Kind in seiner seelischen und emotionalen Existenz befindet“ (Bet­telheim, 1999, S. 12).

„Träume sind im erheblichem Maß die Folge von inneren, nicht gelösten Spannungen, von bedrückenden Schwierigkeiten, aus denen der Träumer keinen Ausweg weiß und der Traum keinen Ausweg findet. Das Märchen vollbringt das Gegenteil: Es projiziert die Entlastung von allen Spannungen und bietet nicht nur Wege der Problemlösung, sondern verspricht so­gar einen glücklichen Ausgang.“ ( Bettelheim, 1999, S. 45 ).

Der Autor verweist hierbei auf die Bedeutsamkeit des Unbewussten. So ist er der Mei­nung, dass wenn das Unbewusste nicht ins Bewusstsein rückt bzw. unterdrückt wird, es entweder einer starken inneren Kontrolle bedarf und die Psyche dabei erkranken könnte oder das Unbewusste das Bewusste bestimmt.

Knoch (2001) setzt sich in ihrem Buch Praxisbuch Märchen ebenso mit den Entwick­lungsprozessen des Kindes auseinander und beschreibt, wie Märchen dabei helfen, diese zu überwinden.

Jeder Mensch muss sich irgendwann von seinen Eltern lösen, muss sich mit Geschwistern auseinander setze, stellt sich die Fragen: Wo komme ich her? Wo gehe ich hin? Was ist der Sinn meines Lebens? Von diesen Grunderfahrungen erzählen die Märchen und machen sie so zu zeitlos gültigen Geschichten, die Muster liefern für die Entwicklung und Reifung ei­nes Menschen. (Knoch, 2001, S. 23).

Bettelheim (1999) deutet auf den Konflikt hin, dass in unserer Gesellschaft Kindern eine Scheinwelt dargestellt wird, wie sie nicht existiert. Kinder sollen vor allem Bösen bewahrt werden. Ihnen wird suggeriert, dass das Naturell des Menschen von Grund auf Gut ist. Kindern wird oftmals gespiegelt, dass sie nicht immer gut sind und dieses kann zu einem inneren Konflikt führen. Diese innere Zerrissenheit kann auch dadurch entste­hen, wenn Kinder gut sind, es oftmals aber gar nicht sein wollen. Durch diese von au­ßen auferlegte Doppelmoral kann ein Kind sich selbst als Ungeheuer wahmehmen. Bet­telheim (1999) verweist auf die Psychoanalyse Freuds. Demnach geht es im Leben dar­um, diesem einen Sinn abzuringen, sich Problemen zu stellen und zu lernen, diese zu überwinden. Ein Ziel ist es, die Problemstellungen des Lebens zu akzeptieren, ohne sich davon besiegen zu lassen.

Bettelheim (1999) verweist im Hinblick auf Märchen auf die Psychoanalyse, die nach neueren Erkenntnissen auf die sadistische, angstbesetzte und gewalttätige Fantasie des Kindes aufmerksam wurden (vgl.: Bettelheim, 1999, S. 139). Kinderpsychologen be­fürchteten ihm nach, dass Märchen diese ,,[...] unglaubliche [...] Gefühlsintensität [...]“ fördern und verstärken und gingen nicht davon aus,,,[...] daß [sic!] die Märchen das in­nere Gemütsleben des Kindes ansprechen“ (Bettelheim, 1999, S. 139). Er weist auf die Gefahr hin, wenn ein Kind in seinen Ängsten nicht ernst genommen wird, indem es sei­nen inneren Ungeheuern nicht Ausdruck verleihen darf,,, [...] lernt das Kind das eigene Ungeheuer nicht besser kennen und erhält auch keinen Hinweis, wie es gebändigt wer­den kann“ (Bettelheim, 1999, S. 139). Das Kind steht alleine mit seinen Ängsten da und ihm fehlt der Weg, wie das Ungeheuer überwunden werden kann (vgl.: Bettelheim, 1999, S. 139f.).

Wenn unsere Furcht, gefressen zu werden, die greifbare Gestalt einer Hexe annimmt, könn­ten wir uns von ihr befreien, indem wir die Hexe im Backofen verbrennen! (Bettelheim, 1999, S. 140).

Er beschreibt Erwachsene, die an der Wirkung von Märchen zweifeln, als Menschen mit einem merkwürdigen Bild vom Leben, in das Kinder hineinwachsen sollen. Das Vorent­halten eines Märchens, dass dem Kind Zugang zu seinem Unbewussten schafft gibt dem Kind vor, alle unschönen Fantasien zu verdrängen und nur erfreuliche zu hegen (vgl.: Bettelheim, 1999, S. 140).

Bettelheim (1999) beschreibt den Schreckensmoment mancher gebildeter Eltern, wenn sie die Erkenntnis erlangen, das ihr Kind ihnen gegenüber nicht nur tiefe Liebe, sondern auch tiefen Hass empfinden (Vgl. Bettelheim, 1999, S. 142). „Sie möchten aber von ih­rem Kind geliebt werden und schrecken davor zurück, ihm Geschichten zu erzählen, die es ermutigen könnten, seine Eltern für schlecht oder ablehnend zu halten.“ (Bettelheim, 1999, S. 142). Sie verkennen hierbei, dass Kinder ihre Eltern oftmals als Hexe, Stief­mutter oder Riesen ansehen, weil diese auf Sie so wirken. Sie wollen allenfalls glauben, Kinder halten Sie nur als Folge eines Märchens für Ungeheuer (vgl.: Bettelheim, 1999, S. 142f.).

Kinder lieben Märchen nicht deshalb, weil deren Bilderwelt ihren inneren Vorgängen ent­spricht, sondern trotz all ihrer zornigen, angsterfüllten Gedanken, denen das Märchen Form und Inhalt verleiht, einzig und allein deshalb, weil sie stets zu einem guten Ende führen, wie es sich das Kind nicht von sich aus vorstellen könnte. (Bettelheim, 1999, S. 143).

Linde Knoch (2001) verweist im Bezug auf Grausamkeiten im Märchen, dass es darin um das Gelingen des Lebens geht und nicht um das destruktive und zerstörerische, mit dem gesühnt wird (vgl.: Knoch, 2001, S. 96). Ihrer Meinung nach, stört Kinder die Grausamkeiten im Märchen deswegen nicht, weil sie ein gutes Empfinden dafür haben, dass das Böse bestraft werden muss (vgl.: Knoch, 2001, S. 97).

Sie kommt zu der Schlussfolgerung, dass den Kindern Märchen nicht so grausam wie Erwachsenen vorkommt, weil es Unterscheidung zwischen Begriff und Bildwort gibt. Sie meint damit, dass es Begrifflichkeiten gibt, mit denen wir im alltäglichen Leben un­tereinander kommunizieren und Bildwörter, die die „Sprache der symbolhaften Ge­schichten [sind] [...]“ (Knoch, 2001, S. 97).

Wenn jemand sagt: Gestern habe ich mich im Wald verirrt, teilt er uns mit, er habe seinen Weg verpasst, der ihn in kürzester Zeit zu seinen Ziel gebracht hätte. Wenn dagegen jemand sagt: Ich habe den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, so spricht er durch die Blume, und sagt uns mit diesem Bild vom Wald und den Bäumen, dass er das Ganze nicht mehr überschauen konnte, weil er sich an Einzelheiten aufgehalten hat und den Überblick verlo­ren hat.

[...]

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Details

Titel
Die heilende Wirkung von Märchen in der therapeutischen Praxis mit Kindern und Jugendlichen
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Veranstaltung
Psychologie
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
55
Katalognummer
V511364
ISBN (eBook)
9783346081759
ISBN (Buch)
9783346081766
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Märchen, Archetypen, heilsame Prozesse, Kinder und Jugendliche, Therapie, Angstmärchen, Symbolik
Arbeit zitieren
Rebekka Rahel Steusloff (Autor), 2014, Die heilende Wirkung von Märchen in der therapeutischen Praxis mit Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511364

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