Das Verhältnis zwischen Martin Luther und König Heinrich VIII. von England


Facharbeit (Schule), 2018

36 Seiten, Note: 0,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Reformationsjubiläum und Aufbau der Arbeit

2. Biographie Martin Luthers
2.1 Herkunft
2.2 Schulausbildung und beruflicher Werdegang
2.3 Klosterzeit und Priesterweihe
2.4 Theologische Laufbahn
2.5 Heirat und Familie
2.6 Spätzeit und Tod

3. Luthers Reformation
3.1 Der Angriff auf den Ablass
3.1.1 Ursachen des Ablassstreits
3.1.2 Briefe Luthers an die Bischöfe und die 95 Thesen
3.2 Der Bruch mit der katholischen Kirche
3.2.1 Die Leipziger Disputation
3.2.2 Die Schriften des Jahres 1520
3.2.2.1 Überblick über die verschiedenen Schriften
3.2.2.2 „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“
3.2.3 Der Bann

4. Heinrichs „Assertio Septem Sacramentorum“
4.1 Kurzbiographie Heinrich
4.2 Anlass und Inhalte der „Assertio“
4.2.1 Anlass der Schrift
4.2.2 Inhalte der Schrift

5. Luthers Antwort auf die „Assertio“
5.1 Luthers Beweggründe zu einer Gegenschrift
5.2 Die Schrift „Contra Henricum Regem Anglicae“
5.2.1 Generelle Informationen
5.2.2 Aufbau und Inhalte der Schrift

6. Weiterer Verlauf des Konflikts zwischen Martin Luther und König Heinrich
6.1 Reaktionen auf Luthers „Contra Henricum Regem Angliae“
6.2 Briefwechsel zwischen Heinrich und Luther

7. Unterschiede in der theologischen Überzeugung und unbändige Charaktere als Grund zur ausgebliebenen Einigung Luthers und Heinrich

1. Reformationsjubiläum und Aufbau der Arbeit

Es war der 31. Oktober dieses Jahres, an dem sich das wohl bedeutendste Ereignis der neueren Kirchengeschichte zum 500. Mal jährte. 1517 nämlich sorgte die zunächst harmlose Tat eines einfachen Priesters dafür, dass eine bereits über mehr als ein Jahrtausend bestehende Ordnung, die weite Teile Europas fest im Griff hatte, zerbrochen wurde: Es war die Spaltung der katholischen Kirche.

Gebündelt war dieser Umsturz in der Person Martin Luthers, der es mit seinen reformatorischen Gedanken, seinem immensen Selbstbewusstsein, vor allem aber seinem bemerkenswerten Charisma wagte, sich den nach seiner Meinung falschen und unchristlichen Praktiken der katholischen Kirche in den frühen Jahren des 16. Jahrhunderts entgegenzustellen und dadurch im Dienste des Evangeliums sein Leben und seinen Ruf aufs Spiel setzte. An diesem Tag gab er seine Gedanken das erste Mal durch den Anschlag der 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche öffentlich bekannt.1 Welche weiten Kreise dies jedoch auch außerhalb des Deutschen Reiches zog und welchen Zulauf Luther bereits in seinen ersten Jahren der Reformation fand, wird in dieser Arbeit dargestellt. Zunächst jedoch folgt eine Biographie des Reformators, ehe in einem weiteren Kapitel Kunde über dessen Reformation verschafft wird. Vielerorts wird dabei direkt aus den damaligen Übersetzungen Luthers lateinischer Schriften zitiert, um so einen interessanten Einblick in die Gedanken und auch die Zeit des Reformators zu erhalten.

Vor allem aber soll in dieser Arbeit beleuchtet werden, wie der Priester seinen theologischen Gegnern und deren Schriften gegenübertritt. Schließlich schlug ihm besonders von den damals überaus kirchentreuen Theologen und Bischöfen, aber vor allem auch weltlichen Herrschern strikter Gegenwind entgegen, die seit der Zeit, in der dessen Bekenntnisse öffentlich wurden, ununterbrochen versuchten, Luther mit ihren Schriften als Ketzer darzustellen und ihn öffentlich vorzuführen, vor allem aber mit entschiedener Härte das Papsttum verteidigten.

Dies soll exempelhaft an der Person des überaus christlichen und zunächst äußerst kirchentreuen Königs Heinrich VIII. von England verdeutlicht werden. Zunächst wird beschrieben, wie es dem Monarchen möglich war, bereits mit 17 Jahren den Königsthron zu besteigen, später wird sein Verhältnis zur katholischen Kirche deutlich, welches schließlich ähnlich wie das Martin Luthes in einem Bruch mündete, ehe sein wohl populärstes Merkmal, die Heiraten seiner insgesamt sechs Frauen, anschaulich gemacht wird.

In dem Konflikt mit dem deutschen Theologen war er es, der den Stein anfangs mit einer ausführlichen Schrift ins Rollen brachte, ehe dieser ihn ebenso ausführlich widerlegte. Teils mit rauer Polemik, teils mit rhetorischem Geschick, oftmals aber durch messerscharfen Verstand und einem breiten theologischen Fachwissen trat Luther dem herrschenden Oberhaupt daraufhin in einer Gegenschrift entgegen. Nach einer ausführlichen Darlegung des aus den Schriften resultierenden Verhältnisses zwischen den beiden folgt ein Überblick über ihre Beziehung in den darauffolgenden Jahren, die ebenfalls von einem interessanten Konflikt der beiden geprägt sind. Den Abschluss der Arbeit soll ein kurzer Ausblick darstellen, In dem erörtert wird, aus welchen Gründen Heinrich VIII. und Martin Luther trotz ihrer ähnlichen Ziele niemals Verbündete wurden.

2. Biographie Martin Luthers

2.1 Herkunft

Martin Luther wird am 10.11.1483 in Eisleben geboren. Unweit seiner Geburtsstadt wuchs der Junge in den folgenden Jahren gemeinsam mit neun Geschwistern in der Stadt Mansfeld auf, in die sein Vater Hans gemeinsam mit dessen Frau Margarete kürzlich umgezogen war. „In Mansfeld ist dann der Vater, als ein fleißiger, sparsamer, mit sich, wie mit den Seinigen harter Mann, zu Wohlstand gekommen.“2

2.2 Schulausbildung und beruflicher Werdegang

Bereits im frühen Alter von sieben Jahren besucht Martin Luther vom Jahr 1490/91 bis 1997 die Mansfelder Stadtschule. Daraufhin verbringt er ein Jahr in der Magdeburger Domschule, woraufhin er für weitere drei Jahre auf die Pfarrschule zu St. Georgen in Eisenach geht, in der er seine Lateinkenntnisse vervollständigt. Luthers Schulzeit war geprägt von der Strenge und der damals üblichen

körperlichen Gewalt seiner Lehrer. „In der Schrift ´An die Ratsherren aller Städte deutschen Lands, daß sie christlichen Schulen aufrichten und halten sollen´ von 1524 zittern diese Erfahrungen noch nach: ´Hölle und Fegfeuer seien diese Schulen gewesen´.“3 Nach dem Abschluss an diesen Elementarschulen besucht er schließlich im Jahre 1501 die zu ihrer Zeit hochangesehene Universität in Erfuhrt.4 „Wie an allen Universitäten ging dem eigentlichen Fachstudium ein studium generale an der Artistenfakultät voraus, wo die artes liberales gelehrt wurden: das trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) und das quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik). Erst als Magister artium (1505) konnte Luther das […] Studium beginnen.“5 Bei der Wahl des Studienganges soll ihm sein Vater auch in eigenem Interesse zur Seite gestanden haben, wie er später berichten sollte: „Der Vater sagt, mit der Theologie würde ich mein Leben wegwerfen und als Mediziner würde ich selbst krank. Er schlägt also Jura vor und ich stimme zu.“6 Während der ersten Wochen seines Studiums herrschte in der Stadt Erfurt und ihrer Umgebung eine unerwartete Pestwelle, der einige seiner Mitstudenten und Professoren zum Opfer fallen. Aus Besorgnis wendet Luther sich so an die Heilige Anna, die als Schutzpatronin gegen den frühen Tod gilt. Schließlich, am Abend des 2. Juli 1505 befindet sich Luther auf dem Heimweg nach einem Besuch seiner Eltern nach Erfuhrt, als er bei Stotternheim, einem Dorf in der Nähe der Stadt, in ein heftiges Gewitter gerät. Aus seiner Todesangst heraus gelobt er eben jener Anna mit den Worten „Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden!“7, sein Leben der Kirche zu widmen.

2.3 Klosterzeit und Priesterweihe

Luther entschied sich schließlich für das Kloster der Augustineremeriten und trat dort am 17. Juli 1505 ein. Um jedoch als Mönch aufgenommen zu werden, musste man sich einige Monate der Selbstprüfung unterziehen. Luther war sich dessen bewusst, dennoch wollte er diesen Schritt nicht ohne das Einverständnis seiner Eltern wagen, welches er schließlich, wenn auch mit einer gewissen Enttäuschung und Verachtung behaftet, erhielt.8 Während seines darauffolgenden einjährigen

Noviziats verhielt sich Luther so mustergültig, dass man ihn bereits währenddessen zum Priesteramt vorschlug und ihm innerhalb weniger Wochen die dafür notwendigen Weihen erteilte. Am 4. April 1507 erhielt er im Erfurter Dom die Priesterweihe.9

2.4 Theologische Laufbahn

Nachdem dieser ihn bereits im Jahre 1506 für das Priesteramt vorgeschlagen hatte, war es nun erneut Johann von Staupitz, der Luther für das Theologiestudium empfahl und ihn aus diesem Zweck nach Wittenberg versetzt.10 Daraufhin folgte eine strenge theologische Laufbahn: „1508 an die erst 1502 gegründete Universität Wittenberg versetzt, erwarb er die theologischen Grade und begann 1513 seine Lehrtätigkeit als Professor der Bibelauslegung. Daneben übte er seit 1515 das Ordensamt eines Distriktvikars (Klosteraufsicht) aus und wurde 1514 Prediger an der Stadtkirche“11. Vor allem sein Amt als Professor prägt den Reformator sehr, besonders im Zusammenhang mit seinem engen, bereits zu seiner Zeit als Mönch erlangten Bezug zur Bibel, die auch seine späteren Schriften noch entscheidend prägen würden.12 „Diese Zeit ist durch ein starkes Ringen Luthers um religiöse Erkenntnis geprägt. Die für ihn entscheidende religiöse Erleuchtung soll er beim intensiven Studium des Römerbriefes erlangt haben: Der Mensch erlange Gerechtigkeit allein durch die Gnade Gottes, nicht durch gute Werke (Röm. 1, 17): Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie denn geschrieben steht: ´Der Gerechte wird aus dem Glauben leben. ´ (Luthers Übersetzung)“13. Diese Erkenntnis ist für den Priester vor allem auch dahingehend bedeutend, da er aus dieser Schrift zum ersten Mal die Gewissheit entnehmen konnte, dass ihn Gott allein in seiner Gnade aufnehmen würde. Diese Lehre nannte er somit sola-fide-Lehre, wonach der Mensch nur durch seinen Glauben das völlige Heil erlangen konnte.14

2.5 Heirat und Familie

Die Reformation stellte einen grundlegenden Eingriff in vielerlei Gewohnheiten und Brauchtümer der Menschen der damaligen Zeit dar. Viele Bräuche und generelle Ansichten wurden durch die Reformatoren grundsätzlich infrage gestellt oder konkret für falsch erklärt. Eines dieser Bräuche ist die traditionelle Auffassung der Ehe. Demnach wurde die Eheschließung nicht mehr als eigenes Sakrament angesehen, wobei sie sich einer grundlegenden Neubewertung unterzog. Der Zölibat der Priester war nicht mehr existent, wodurch es ihnen nun möglich war, zu heiraten.15 Martin Luther selbst lebte jedoch erstaunlicherweise lange Zeit ehelos, ehe er am 15. Juni 1525, im Alter von 41 Jahren eine Ehe mit Katharina von Bora einging.

2.6 Spätzeit und Tod

Die letzten Jahre Luthers Leben waren überwiegend geprägt von gesundheitlichen Problemen und zugleich von einer scharfen Polemik gegenüber vielen weltlichen Würdeträgern, die sich gegen seine Lehren äußerten. So etwa Herzog Heinrich d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel, der mit seiner skrupellosen Art mit entschiedener Härte gegen die protestantischen Städte seines Territoriums vorging.16 Luther verfasste im Jahre 1541 ihm gegenüber eine Diatribe mit dem Namen „Wider Hans Worst“. „Heinrich bezeichnete die Evangelischen als Ketzer und beschuldigte Luther zu Unrecht, er habe den sächsischen Kurfürsten ´Hans Wurst’ genannt. Darauf antwortete Luther dem ´Hans Worst´, nämlich dem Herzog von Braunschweig. ´Der grobe Filtz, Rultz und Tölpel, der Esel aller Esel’.“17 Zeit seines Lebens blieb Luther trotz seiner vielseitigen Aufgaben als Berater und Reformator ein engagierter Hochschullehrer, der zahlreiche Disputationen begleitete und über ein Jahrzehnt Dekan der Universität gewesen ist. Ebenso predigte er nahezu täglich, ehe er aus Frust über die Verdrossenheit der Wittenberger Gemeinde 1530 in einen mehrmonatigen Predigtstreit trat. Doch besonders im Alter überkamen ihn immer wieder verschiedene Krankheiten.18 „Schwindel, Übelkeit, Kreislaufbeschwerden, Gicht und ein Harnsteinleiden warfen ihn immer wieder aufs Krankenbett.“19 Am Morgen des 18. Februars 1546 starb Martin Luther in Eisleben nach seiner letzten Reise in seine Heimatstadt.20

3. Luthers Reformation

3.1 Der Angriff auf den Ablass

3.1.1 Ursachen des Ablassstreits

Im ursprünglichen Sinn des Büßens war ein Sünder erst wieder von seinen Sünden freigesprochen worden, wenn er eine entsprechende Bußleistung vollbracht hatte und Reue für seine Tat zeigte. Zudem war eine zeitliche Strafe Gottes zu erwarten. Wenn jedoch für begangene Sünden in diesem Leben keine Buße und kein Schuldgefühl gezeigt wurde, musste der Mensch davon ausgehen, nach seinem Tod eine gewisse Zeit im Fegefeuer, einem Zwischenzustand zwischen Himmel und Hölle, verbüßen zu müssen. Aufgrund des strengen Glaubens der Menschen im Mittelalter konzentrierten sich ihre Ängste zum größten Teil auf eben diese Strafe und ihre Frömmigkeit und Buße somit auf dessen Vermeidung. An dieser Stelle tritt den Bürgerinnen und Bürgern die katholische Kirche entgegen. Sie verspricht mit ihrer Indulgenz, gemäß der lateinischen Übersetzung Ablass oder Milde, eine Ermäßigung der Bußleistung und zugleich eine Tilgung der begangenen Sünden. Somit war es der damaligen Bevölkerung ermöglicht, für einen vorgeschriebenen Preis Ablassbriefe zu kaufen, wodurch sie ihre Bußleistung umwandeln konnten. Vollendet wurde die Ablasstheorie schließlich von dem italienischen Philosophen Thomas von Aquin.21 Dieser spricht unter anderem dem Papst eine „Ablassvollmacht“22 zu, zudem hatte er die Möglichkeit bejaht, „daß der Ablaß auch den Verstorbenen im Fegefeuer zugewendet werden kann durch die Leistung eines Lebenden.“23 Aus diesen Gedanken heraus herrschte schließlich zur Zeit Luthers ein regelrechter Andrang zum Erwerb eines Ablassbriefes. Prediger zogen umher und verkauften vielerorts Ablässe, deren Einnahmen wiederum im Laufe der Zeit einen großen Anteil an der kirchlichen Finanzwirtschaft hatten. Aus dem Geld der Indulgenz finanzierten sich Kreuzzüge und Kirchenbauten, doch auch Fürsten erhoben vermehrt Anspruch auf Teile dieses Geldes. Wie dreist der Handel mit den Ablassbriefen und deren Erträgen damals stattgefunden hat, zeigt das Beispiel des Dominikaners Johann Tetzel24, welches nun in verkürztem Maß dargestellt werden soll:25 Der zweite Sohn des Kurfürsten Johann Cicero, Albrecht von Brandenburg, damals bereits Erzbischof von Magdeburg, wurde im Jahr 1514 in einer Wahl zum Erzbischof von Mainz bestimmt. Durch diese gemäß dem geltenden Kirchenrecht verbotene Ämterhäufung war eine Dispensgebühr fällig, außerdem verlangte die Kurie eine gewisse Summe an Palliengeldern. Jedoch hatte das Erzbistum Mainz in den Jahren 1504 bis 1514 bereits drei Mal den Inhaber gewechselt, wodurch es durch die jeweils fälligen Gebühren an Rom hoch verschuldet war. Albrecht jedoch versicherte, die Schulden zu tilgen, wodurch er letztlich in sein Amt gewählt wurde. Um seinem Versprechen gerecht zu werden, nahm er einen Kredit bei den Fuggern auf. Spätestens zu diesem Augenblick erkannte die römische Führung, aus dem neu gewählten Bischof Geschäft schlagen zu können. Somit sollte Albrecht in seinen Kirchenprovinzen den Petersablass vorantreiben, der zur Finanzierung des Petersdomes in Auftrag gegeben wurde, und die Hälfte der Einnahmen behalten, um seine Schulden bei den Fuggern zu tilgen, woraufhin dieser den Dominikaner Albrecht Tetzel zum Ablassverkauf engagierte. Die Bevölkerung hatte von all dem keine Kenntnis.26 Zur Verdeutlichung des eben Aufgezeigten soll folgendes Schaubild dienen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 27

3.1.2 Briefe Luthers an die Bischöfe und die 95 Thesen

Seit dem Jahr 1515 beschäftigte sich Luther genauer mit dem Ablass und dessen Methode zum Sündenerlass. Zunächst versuchte er als Prediger, die Bürger davor zu warnen, obgleich er sich zu diesem Zeitpunkt selbst noch keine genaue Meinung zum Ablass gebildet hatte, dennoch machten ihn die „marktschreierischen Predigten Tetzels […] nachdenklich.“28 Doch als im Jahre 1517 Tetzel einigen Gemeindemitgliedern Luthers Ablässe verkauft, kommen diese schließlich direkt auf ihn zu und verlangen eine völlige Vergebung ihrer Sünden, jedoch ohne erkennbare Reue.29 Diese Begegnung sollte den Beginn einer gesamten

Reformation einleiten30: „Daraufhin protestiert Luther am 31. Oktober 1517 schriftlich bei Albrecht von Brandenburg und legt seinem Brief 95 Thesen über den Ablass bei.“31 In seinem 50. Bekenntnis spricht er etwa davon: „Wenn der Papst wüsste, wie die Ablassprediger das Geld erpressen, würde er die Peterskirche lieber zu Asche verbrennen, als sie mit Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe aufzubauen“.32 Ob Luther diese Thesen tatsächlich, wie später behauptet wird, zur Veröffentlichung an die Tür der Wittenberger Schoss- und Universitätskirche anschlägt, ist nicht genau nachzuweisen, fest steht allerdings, dass der Reformator sie zusätzlich an einige Freunde verschickt hatte, um damit eine Diskussion unter Gelehrten über den Ablass auszulösen. Durch den Erwerb seines Doktors in der Theologie besitzt Luther das Recht, in der Diskussion über theologische Themen Position zu beziehen, wovon er nun wissentlich Gebrauch macht. „Schon Ende 1517 kursieren Drucke der 95 Thesen in Leipzig, Nürnberg und Basel. Binnen Wochen werden sie in ganz Deutschland gelesen.“33 Rasch werden die Thesen vom Lateinischen ins Deutsche übersetzt, ehe Luther im März 1518 die auch für Laien verständliche Abschrift „Sermon von dem Ablass und der Gnade“ veröffentlicht. Nachdem der Mainzer Erzbischof den Brief des Reformators direkt an den Papst weiterleitet, wird schließlich im Sommer 1518 eine gerichtliche Voruntersuchung gegen Luther eingeleitet, in der dieser seine Thesen wiederrufen sollte.

3.2 Der Bruch mit der katholischen Kirche

3.2.1 Die Leipziger Disputation

Beide Parteien, sowohl Luther als auch die katholische Kirche waren im Anbetracht des großen öffentlichen Interesses darauf bedacht, den sich zuspitzenden Konflikt in einer öffentlichen Disputation auszutragen. Luthers einstiger Freund, der Ingolstädter Theologieprofessor Johannes Eck34 sollte, ausgehend von seiner die Reformation verhöhnende Haltung die katholische Kirche vertreten, während Luther gemeinsam mit Philipp Melanchthon und Andreas Karlstadt seine Thesen verteidigte.35 Vom 27. Juni bis zum 16. Juli 1519 argumentierte man auf der Pleißenburg in Leipzig unter anderem über das göttliche Recht des päpstlichen Primats, über die Lehre des Fegefeuers und später die Buße und den Ablass. Während Eck hartnäckig an der traditionellen Stellung des Papstes und den Lehren der katholischen Kirche festhielt, war Luther der Meinung, „dass sich das päpstliche Primat nicht aus der Heiligen Schrift ableiten ließe und auch Konzilien irren könnten“36, da dies allein aus der Schrift (sola scriptura) nicht begründet werden könnte. Zudem ließ er sich von Eck zu der Aussage hinreisen, dass nicht alle Thesen des in Konstanz verhöhnten und im 15. Jahrhundert verbrannten Ketzers Jan Hus häretisch seien. Diese Aussage entfachte während der Disputation eine so große Empörung, dass es für eine Versöhnung der Reformatoren mit Rom zu spät schien. Somit war der endgültige Bruch zwischen Luther und der katholischen Kirche besiegelt.

3.2.2 Die Schriften des Jahres 1520

3.2.2.1 Überblick über die Schriften

Während dieser Zeit war Luthers theologische und literarische Beschäftigung immens. Er veröffentlichte immer mehr Werke, in denen er seine Lehre immer weiter ausbaute und präzisierte. Der Ablass spielte hierbei nur noch eine kleine Rolle, vielmehr schöpfte er aus seiner neu entdeckten reformatorischen Position die Grundlage weitreichender Schriften. Darüber hinaus erwies sich Luther zu dieser Zeit als „brillanter Frömmigkeitsautor.“37 Er verfasste dem nach seiner Rückkehr von der Kaiserwahl erkrankten Kurfürsten Friedrich dem Weisen eine Trostschrift mit dem Titel „Vierzehn Trostgründe für die Mühseligen und Beladenen“, die im Februar 1520 auch öffentlich in gedruckter Form erschien.38 Darin beschreibt Luther in Form der traditionellen 14 Nothelfer der mittelalterlichen Kirche die sieben Übel und die sieben Güter, die den Menschen jeden Tag umgäben. Durch den Hinweis, dass der Mensch im Stande sei, auch das Unheil zu lieben und das Gute zu erkennen, gibt er Christus Gnade zum Vorschein. Abschließend verdeutlicht er dies durch das „wundervolle Bild von der Gerechtigkeit Christi als [den] Wagen, in dem ich sitze und zum Himmel gefahren werde.“39

[...]


1 Ob diese zweifellos symbolträchtige Tat tatsächlich in dieser Form stattgefunden hatte, ist im Nachgang nicht eindeutig zu belegen; teilweise wird dieses Ereignis auch von namhaften Theologen wie etwa dem katholische Kirchenhistoriker Prof. Dr. Erwin Iserloh dementiert. Vom Jahre 1966 ist von ihm der Ausspruch überliefert „Der Thesenanschlag fand nicht statt.", womit er einen regelrechten Streit sowohl unter katholischen als auch protestantischen Gelehrten auslöste. Fest steht allerdings, dass sich Luther an diesem Tag das erste Mal öffentlich zu seinen Thesen bekannte.

2 Vgl. www.lexikus.de/bibliothek/Luther/Luthers-Eltern [Stand: 6.10.2017]

3 Vgl. Brecht S.24

4 Vgl. Ebd. S.38

5 Vgl. Mieck S. 102

6 Vgl. Venzke S.12f.

7 Vgl. Vogt-Lüerssen S.32f.

8 Vgl. Kohnle S.38

9 Vgl. Venzke S. 27

10 Vgl. Ebd. S. 34

11 Vgl. Mieck S. 102f.

12 Vgl. Venzke S. 32

13 Vgl. luther.de/leben/moench [Stand: 20.09.2017]

14 Vgl. Venzke S. 35

15 Vgl. Kohnle S. 144

16 Vgl. Ebd. S. 188f.

17 Vgl. Ebd. S. 189

18 Vgl. http://www.luther.de/leben/tod.html [Stand: 05.11.2017]

19 Vgl. Ebd. S.200

20 Vgl. Venzke S. 116

21 Vgl. Brecht S. 174

22 Vgl. Ebd. S. 174

23 Vgl. Ebd. S.175

24 Vgl. Venzke S. 35

25 Vgl. Ebd. S. 35

26 Vgl. Mieck S. 103

27 Vgl. Ebd. S. 103

28 Vgl. Brecht S. 181

29 Vgl. Venzke S. 36

30 Vgl. https://www.evangelisch.de/inhalte/142115/13-02-2017/wie-tetzel-luther-jueterbog-auf- die-palme-brachte [Stand: 05.11.2017]

31 Vgl. GEO Epoche S. 34

32 Vgl. Appel S.81

33 Vgl. GEO Epoche, S. 34

34 Vgl. http://www.luther2017-goslar.de/reformation/luther-im-blick-seiner-zeit/91- reformation/luther-zeitgenossen/201-johannes-eck [Stand: 05.11.2017]

35 Vgl. Venzke S. 42

36 Vgl. www.luther-in-Leipzig.de [Stand: 10.09.2017]

37 Vgl. Kohnle S. 99

38 Vgl. Ebd. S. 99f.

39 Vgl. Brecht S. 337

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis zwischen Martin Luther und König Heinrich VIII. von England
Note
0,7
Jahr
2018
Seiten
36
Katalognummer
V511541
ISBN (eBook)
9783346139160
ISBN (Buch)
9783346139177
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verhältnis, martin, luther, könig, heinrich, viii, england
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Das Verhältnis zwischen Martin Luther und König Heinrich VIII. von England, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511541

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