Die aktuelle Gesundheitspolitik in den Vereinigten Staaten unter der Regierung von Donald Trump

Wie Paranoia ein gesamtes Land spaltet


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
18 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Über Richard Hofstadter

3. “The Paranoid Style in American Politics”
3.1. Hofstadters Definition der Paranoia
3.2. Der “Feind”
3.3. Zur Entstehung der paranoiden Strukturen
3.3.1. Die Illuminaten und Freimaurer
3.3.2. Katholizismus
3.3.3. Die McCarthy Ära
3.4. Textbeispiele

4. Der aktuelle paranoide Stil in den USA unter Donald Trump
4.1. Gesundheitspolitische Debatte

5. Abschlussdiskussion

6. Literaturverzeichnis

„Wir alle erleben uns als Leidtragende der Geschichte. Der Paranoide aber leidet doppelt – an der realen Welt, wie an seinen Fantasien.“

(Richard J. Hofstadter)1

1. Einleitung

Oben genanntes Zitat entstammt dem Essay „The Paranoid Style in American Politics“ von Richard J. Hofstadters. Es ist nun schon über ein halbes Jahrhundert alt aber dennoch aktueller denn je. Die folgende Arbeit nimmt diesen Essay zur Grundlage und hat zum Ziel die Anfänge und Besonderheiten der Paranoia beziehungsweise des aktuellen paranoiden Politikstils, ins Besondere in der Gesundheitspolitik, darzustellen. Die Spaltung der amerikanischen Politik betrifft beide Lage gleichermaßen, wenngleich die kritischsten Stimmen aus dem rechten, nationalistischen Lager von den sogenannten „angry white men“ (wütende, weiße Männer) stammen. Was genau das Wesen eines politisch paranoiden Menschen charakterisiert und welche ungeheure Macht Verschwörungstheorien auf Menschen haben, welcher Politikstil damit verbunden ist und wie er sich auch auf sprachlicher Ebene aufdecken lässt, wird in der folgenden Arbeit ebenfalls dargestellt. Besonders gefährlich wird es jedoch, wenn die Theorien die eigene Gesundheit und die Gesundheit Anderer gefährden. So gibt es wilde, vermeintlich bestätigte, Theorien über tödliche und Autismus auslösende Impfstoffe, „Gehirnwäscheverfahren“ und den Mafiastatus der Pharmaindustrie. So lösen Verschwörungstheorien nicht nur Ängste, sondern auch Masernepidemien aus. Immer geht es um den Kampf zwischen Gut und Böse und ein Mittelweg ist kaum zu finden. Durch die Medien ist es einfach sich jeden Tag mit den neuesten „Fakten“ zu versorgen und sich das herauszusuchen, was die eigenen Theorien bestätigt und das Problem noch schlimmer werden lässt.2

2. Über RichardHofstadter

Richard Hofstadter wurde am 6. August 1916 in Buffalo als Kind eines jüdischen Vaters und einer deutsch lutherischen Mutter geboren. Bevor er DeWitt Clinton Professor of American History an der Universität Columbia wurde studierte er in Buffalo Philosophie und Geschichte. 1936 heiratete er Felice Swadows, gegen den Willen seiner Eltern und bekam einen Sohn mit ihr. Sein Sohn Dan identifizierte sich stark mit seinen jüdischen Wurzeln, der Antisemitismus allerdings der ihm entgegenschlug könnte ihm seine Chance für eine attraktive Professur an der Columbia Universität gekostet haben. 1942 erlangte Hofstadter seinen Doktortitel mit dem Thema „Social Darwinism in American Thought“, wobei er viel Kritik erntete dafür, dass er nicht korrekt recherchiert hatte und sich auf zweitrangige Quellen stütze. Nichtsdestotrotz gewann er mehrere Pulitzer Preise und war bis zu seinem Tode 1970 und ist bis heute ein anerkannter Autor. Dabei sind seine Gedankengänge und Voraussicht besonders hervorzuheben.3

3. “The Paranoid Style in AmericanPolitics”

Hofstadter’s Essay „The Paranoid Style in American Politics” wurde 1964 im Harper’s Magazine veröffentlicht. 2007 lobt Scott Horton im Harper’s sein Essay als "one of the most important and most influential articles published in the 155 year history of the magazine."4 Im Folgenden wird der Essay genauer untersucht und wichtige Punkte herausgearbeitet um den paranoiden Stil zu verstehen. Im Folgenden nunmehr eine Definition Hofstadters zum Begriff der Paranoia, der anders zu verstehen ist, als der Begriff aus der Psychologie und vor welchen Problemen ein Anhänger von Verschwörungstheorien und welche Eigenschaften „den Feind“ auszeichnen.

3.1 Hofstadters Definition der Paranoia

Hofstadters Definition der Paranoia ist nicht die pathologische Paranoia an sich, sondern bezieht sich dabei vor allem auf Verschwörungstheorien, die sich in die Politik einschleichen und sie die Neutralität verlieren lässt und das Volk in zwei Seiten spaltet. Doch auch Paranoia baut vor Allem auf projizierten Ängsten auf, auf denen auch Verschwörungstheorien basieren. Der paranoide Stil in der amerikanischen Politik setzt sich zusammen aus unbelegbaren „Wahrheiten“ und Bildern vom Weltuntergang. Die Amerikaner haben ein großes Misstrauen in die Politik, das sich über die Jahre immer mehr zugespitzt hat. Dieses Misstrauen erreicht ins Besondere die „angry white men“: "It is the use of paranoid modes of expression by more or less normal people that makes the phenomenon significant.” 5

Kennzeichnend für den paranoiden Stil in der Politik sind meist diejenigen, die sich für die „Verlierer“ einer Ära halten. Es geht dabei weniger um soziale Ungerechtigkeiten, da es diese auch in anderen Ländern gibt, es geht um etwas Essentielleres, es geht um ein Versprechen was bisher nicht eingelöst wurde.6 Sie fordern universelle Heilung. Eine Lösung für alles und am besten ohne jedwede Hilfe von außen. Sie stehen allseits bereit zum Kampf gegen einen übermächtigen Gegner ohne Namen und bei jeder neuen Verschwörung ist die Zeit schon fast abgelaufen:

„A paranoid person is a person feeling traced, having a fear of conspiracies, therefore acting aggressively but still taking part in the everyday normal action of society.” 7

Es entsteht permanenter Druck. Druck den die Politik für sich nutzt, denn so ist der Mensch abgelenkt und als politisches Wahlkampfmittel eingesetzt wird. Derjenige der die Verschwörungen enthüllt wird behandelt wie ein Heiliger, dessen Ansehen wächst je mehr „Belege“ er für seine Ideen sammeln kann um den Menschen die „Wahrheit“ vor Augen zu führen.

3.2 Der “Feind”

Die Paranoia ist nicht fassbar und kämpft immer gegen unbesiegbare Gegner, die sich aber zu jeder Zeit wieder ändern können. Dabei hat aber der Gegner beziehungsweise der Feind immer die gleichen Eigenschaften. Er ist, wie Hofstadter schreibt: „sinister, ubiquitous, powerful, cruel, sensual, luxury-loving, makes crises, starts runs on banks, causes depressions, manufactures disasters, and then enjoys and profits from the misery he has produced.” 8 Also ein allmächtiges, unbesiegbares Wesen. So kontrolliert er die Presse, hat unendlich viel Geld und ein neues Gehirnwäschegeheimnis. Es gibt keinen Kompromiss in der Bekämpfung des aktuellen Feindes, es gibt nur „absolute good and absolute evil“9 Sich vorzunehmen diesen Feind zu besiegen erfordert sich unrealistische Ziele zu setzen, was die Frustration erhöht, auch wenn zumindest ein gefühlter Teilerfolg entstanden ist. Dies führt zu einem Teufelskreis, in dem eine Verschwörung die andere jagt, der Mensch sich selbst verliert dabei und die das gesamte Land in zwei Lager spaltet: “The saddest part of the human race is we're obsessed with this idea of 'us and them,' which is really a no-win situation, whether it's racial, cultural, religious or political.“ 10

Meist geht es in den vom paranoiden Stil geprägten Reden um „die da oben“ denen man es zeigen muss, dabei ist „die da oben“ nie genau definiert, zum Beispiel geht es meist um 1 bis 2% der Oberschicht die den ganzen Reichtum anhäufen, dabei spielt es keine Rolle wie viel Donald Trump beispielsweise schon veruntreut hat, oder Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr impfen weil die Pharmaindustrie sich gegen sie verschworen hat. Diese Verschwörungen sind oft fantasievoll und nur pseudowissenschaftlich belegt, doch die Massenmedien tun ihr Übriges, denn Anhänger von Verschwörungstheorien können sich dort ihre tägliche Dosis holen und sich die passenden Themen raussuchen, die ihre Ideen untermauern. Doch wie konnten diese Verschwörungen überhaupt entstehen?

3.3 Zur Entstehung der paranoidenStrukturen

Im Folgenden soll dies an einigen Beispielen aus Hofstadters Essay kurz dargestellt werden, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass sich die paranoiden Strukturen in die amerikanische Politik etablierten und welche Mechanismen und Ideologien dazu geführt haben. Die folgenden Strukturen dauerten sogar bis ins späte 20. Jahrhundert an und halten sich teilweise heute noch.

3.1.1 Die Illuminaten und Freimaurer

Die Verschwörungstheorien in den USA basieren vor allem auf den Illuminaten und den Freimaurerbewegungen. Haltlose Behauptungen, die aber ihre Wirkung zeigten. Der Illuminatenorden wurde von dem bayrischen Juraprofessor Adam Weishaupt 1776 in Gang gesetzt.11 Adam Weißhaupt gehörte der Freimaurerbewegung und Aufklärern an. Seine politischen und religiösen Einstellungen waren vorwiegend liberal. Am 1. Mai 1776 gründete er den Bund der Perfektibilisten (Bienenorden), der später als die Illuminaten bekannt wurde und keine Verbindung zum spirituellen. Ihre Mission war die Entfaltung der Moral und Tugend sowie die Gründung einer Vereinigung guter Menschen, um dem Voranschreiten des Bösen zu begegnen.

Auch hier ist „das Böse“, wie „der Feind“ nicht genau definiert, aber die Grundidee Weißhaupts ist als positiv anzusehen. Der Charakter der Gesellschaft bestand in einem eigens angefertigten Erziehungssystem, welches die Tugend und Sittlichkeit fördern sollte, um den absolutistischen Staat überflüssig zu machen. Gründet sich heute eine Vereinigung wird ihnen meist, genauso wie damals vorgeworfen von den Illuminaten infiltriert zu sein. Das erste Mal, dass Amerika von den Illuminaten erfuhr war erst knapp 20 Jahre später durch ein Schriftstück das in Edinburgh von dem Naturwissenschaftler John Robinson veröffentlicht wurde mit dem gewagten Titel:

[...]


1 Hofstadter, Richard: “The Paranoid Style in American Politics”, Harper’s Magazine,1964

2 Vgl. Markus, Pindur: „Wiederkehrende Paranoia als historisches Phänomen“, Deutschlandfunk, 2016 https://www.deutschlandfunk.de/us-wahlen-wiederkehrende-paranoia-als-historisches- phaenomen.1310.de.html?dram:article_id=370474 (Stand: 11.04.2019)

3 Brown, David S.: “An Intellectual Biography – Richard Hofstadter”, University of Chicago Press, 2008

4 Ebd.

5 Hofstadter: “The Paranoid Style in American Politics”

6 Lammert: „Der paranoide Stil der amerikanischen Politik“

7 Hofstadter: “The Paranoid Style in American Politics”

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Chua, Amy: „How America’s identity politics went from inclusion to division”, The Guardian, 2018 https://www.theguardian.com/society/2018/mar/01/how-americas-identity-politics-went-from-inclusion- to-division (Stand: 11.04.2019)

11 Vgl. Hofstadter: “The Paranoid Style in American Politics”

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die aktuelle Gesundheitspolitik in den Vereinigten Staaten unter der Regierung von Donald Trump
Untertitel
Wie Paranoia ein gesamtes Land spaltet
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V511616
ISBN (eBook)
9783346082909
ISBN (Buch)
9783346082916
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paranoia, Trump, Politik, politische Lage, Mc Carthy Era, Mc Carthy, Gesundheitspolitik, Hofstadter, Richard J. Hofstadter, Richard Hofstadter, The Paranoid Style in American Politics
Arbeit zitieren
Catharina Henning (Autor), 2019, Die aktuelle Gesundheitspolitik in den Vereinigten Staaten unter der Regierung von Donald Trump, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511616

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