In dieser Seminararbeit werden zu Beginn die Begriffsdefinitionen von Gender und Geschlecht sowie deren Unterschiede erklärt. Danach werden die Geschlechterunterschiede in der Bildungswahl durch eine Tabelle näher erläutert. Im darauffolgenden Punkt geht es um geschlechtsspezifische Schulleistungen, wobei hier näher auf die Leseleistung und auf Mathematik und Naturwissenschaften eingegangen wird. Im Anschluss werden mögliche Ursachen der Geschlechterunterschiede im Bildungserfolg erläutert und der letzte Punkt der Arbeit handelt von der Geschlechtergerechtigkeit in der Schule. Den Schluss der Seminararbeit bildet ein persönliches Resümee, das sich nach der Bearbeitung des Themas eingestellt hat.
Die Diskussion um das Genderthema im Bildungswesen ist bereits seit einigen Jahren präsent. Mit einem steigenden Frauenanteil, unter dem Schlagwort "Feminisierung des Lehrerberufs", werden negative Entwicklungen im Bildungswesen in Verbindung gebracht. Es ist die Rede von der Bevorzugung von Mädchen, einer "Verweiblichung" des Schulklimas und von einer Diskriminierung der Buben. Durch die PISA-Ergebnisse sowie durch den ersten nationalen Bildungsbericht wurde die Aufmerksamkeit auf die neue Problemthematik gelenkt: "Jungen sind in der Schule weniger erfolgreich als Mädchen." PISA hat im Gegensatz zu Deutschland in Österreich nur ein sehr geringes mediales und politisches Echo ausgelöst. Dies ist jedoch überraschend, da das österreichische Bildungssystem bekanntlich stark selektiv ist und die Bildungschancen auch davon abhängen, welches Geschlecht man hat.
In Europa ist die Gleichstellung der beiden Geschlechter bereits seit längerem ein wichtiges gestecktes Ziel. 1970 wurde bereits damit begonnen, einen Grundstein für die Gleichbehandlung und die Chancengleichheit der Geschlechter in Europa zu setzen. Doch die Umsetzung bereitet immer noch große Schwierigkeiten. In den meisten Staaten bilden die Frauen an den Hochschulen und Universitäten zwar die Mehrheit, jedoch ist ihr Verdienst im späteren Beruf im Gegensatz zu den Männern immer noch geringer. In der Allgemein- und Berufsbildung gibt es ebenfalls geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf den Bildungserfolg und die Wahl der Bildungsgänge. Über die letzten Jahrzehnte hinweg gab es starke Veränderungen, wenn man die Differenzen zwischen den Geschlechtern in der Bildung betrachtet und sie sind im Zusammenhang mit dem Bildungserfolg auch komplexer geworden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Unterschiedliche Auffassungen von Gender, Geschlecht und Geschlechterunterschieden
3. Geschlechterunterschiede in der Bildungswahl
4. Geschlechtsspezifische Schulleistungen
4.1 Geschlechtsspezifische Muster in den Leseleistungen
4.2 Geschlechtsspezifische Muster in Mathematik und Naturwissenschaften
5. Ursachen der Geschlechterunterschiede im Bildungserfolg
6. Geschlechtergerechtigkeit in der Schule
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die bestehenden Geschlechterunterschiede im Bildungswesen zu analysieren, deren Ursachen zu beleuchten und die Notwendigkeit von geschlechtersensiblen Maßnahmen zu diskutieren, um Bildungsungleichheiten entgegenzuwirken.
- Begriffsdefinitionen von Gender und biologischem Geschlecht
- Analyse von geschlechtsspezifischen Bildungswegen und Schulleistungen
- Untersuchung der Differenzen in Lese- und mathematischen Kompetenzen
- Erörterung psychosozialer und struktureller Ursachen für Bildungserfolge
- Gender Mainstreaming als Ansatz zur schulischen Geschlechtergerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
4. Geschlechtsspezifische Schulleistungen
Die Unausgewogenheit der Geschlechterverteilung im Tertiärbereich ist ein typisches geschlechtsspezifisches Muster. An den Hochschulen und Universitäten ist das weibliche Geschlecht im Gegensatz zum männlichen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik eine Minderheit. Im Gegensatz dazu sind die Männer in den Erziehungswissenschaften und in Gesundheitsbereichen unterrepräsentiert. Möglicherweise ist der Bildungserfolg von Mädchen und Jungen in der Schule daran schuld, dass solche geschlechtsabhängigen Berufsentscheidungsmuster entstehen. Teilweise kann das auch mit dem Interesse und der Einstellung gegenüber gewissen Schulfächern zusammenhängen. Die analysierten geschlechtsspezifischen Unterschiede der Schulleistungen, betreffend der Fächer Mathematik und Naturwissenschaften, können durchaus die Antwort auf die Frage sein, warum das weibliche Geschlecht in diesen Sparten schwach vertreten ist. Und andererseits kann uns das Wissen um eine schlechtere Leseleistung von Jungen im Gegensatz zu Mädchen möglicherweise dazu verhelfen, um zu verstehen, warum Männer seltener die Bereiche Erziehungs- und Geisteswissenschaften in den höheren Bildungsebenen wählen (vgl. Eurydice, 2010).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Problematik der geschlechtsspezifischen Leistungsunterschiede im Bildungssystem dar und skizziert den Aufbau der Seminararbeit.
2. Unterschiedliche Auffassungen von Gender, Geschlecht und Geschlechterunterschieden: Dieses Kapitel definiert die Begriffe „Gender“ und „Geschlecht“ und stellt konservative sowie progressive Ansätze zur Interpretation von Geschlechterdifferenzen gegenüber.
3. Geschlechterunterschiede in der Bildungswahl: Auf Basis österreichischer Forschungsdaten wird untersucht, wie das Geschlecht die Bildungspartizipation und den Erfolg beim Übergang in die Sekundarstufe beeinflusst.
4. Geschlechtsspezifische Schulleistungen: Das Kapitel analysiert die Leistungsunterschiede in den Fächern Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften anhand internationaler Studien wie PISA und PIRLS.
5. Ursachen der Geschlechterunterschiede im Bildungserfolg: Hier werden verschiedene Erklärungsansätze diskutiert, darunter die „Feminisierung“ des Lehrerberufs, verhaltensbezogene Aspekte sowie entwicklungspsychologische Faktoren.
6. Geschlechtergerechtigkeit in der Schule: Dieser Abschnitt beschreibt Initiativen wie „Gender Mainstreaming“ und die Ziele zur Umsetzung einer geschlechtssensiblen Schulkultur.
7. Resümee: Das Resümee reflektiert die Problematik aus Sicht einer angehenden Lehrkraft und betont die Bedeutung von geschlechterbewusstem Handeln im Unterricht.
Schlüsselwörter
Gender, Geschlecht, Bildungswesen, Bildungsungleichheit, Schulleistungen, Lesekompetenz, Mathematik, Gender Mainstreaming, Geschlechtergerechtigkeit, Bildungsforschung, Sozialisation, Schulbildung, Lehrerberuf, Chancengleichheit, Bildungsabschluss.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Geschlechterunterschieden im Bildungswesen, speziell in Bezug auf Schulleistungen und die Wahl von Bildungswegen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die begriffliche Abgrenzung von Gender und Geschlecht, die Auswertung von Leistungsunterschieden in Kernfächern und die Diskussion um schulische Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Hintergründe für geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede besser zu verstehen, um dadurch fundierte Maßnahmen für ein geschlechtergerechteres Bildungssystem ableiten zu können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien und bildungspolitischer Berichte, darunter PISA, PIRLS und nationale Forschungsprojekte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Bildungswahlmustern, detaillierte Analysen zu fachspezifischen Leistungen und die Darstellung möglicher Ursachen für die beobachteten Disparitäten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Gender Mainstreaming, Geschlechtergerechtigkeit, Bildungschancen und geschlechtsspezifische Sozialisation.
Warum schneiden Mädchen laut Studie beim Lesen besser ab?
Die Arbeit verweist auf internationale Studien, die belegen, dass Mädchen insbesondere bei literarischen Texten Vorsprünge erzielen, während die Ursachen komplex sind und unter anderem in unterschiedlichen Freizeitaktivitäten liegen.
Welche Rolle spielt die „Feminisierung des Lehrerberufs“?
Dieser Aspekt wird als ein Erklärungsansatz für die schlechteren Leistungen von Jungen diskutiert, wobei die Arbeit betont, dass dies bisher nicht empirisch belegt ist.
Was versteht man unter den „GM-Clusterschulen“?
Dies ist ein Projekt zur Umsetzung von Gender Mainstreaming, bei dem Strategien für eine geschlechtersensible Unterrichts- und Schulkultur auf verschiedenen Ebenen erprobt wurden.
- Arbeit zitieren
- Eva Pennetzdorfer (Autor:in), 2017, Gender und Bildung. Geschlechtsspezifische Unterschiede im Bildungswesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511734