Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank während der Finanzkrise

Welche Auswirkungen hatte sie auf die Märkte und das Ersparte der Bürger?


Seminararbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

IV. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Traditionelle Geldpolitik
2.1 Ziele und Aufgaben der Geldpolitik
2.2 Instrumente traditioneller Geldpolitik
2.3 Grenzen traditioneller Geldpolitik in der Krise

3. Unkonventionelle Geldpolitik der EZB während der Finanzkrise
3.1 Ziele und Aufgaben unkonventioneller Geldpolitik
3.2 Instrumente unkonventioneller Geldpolitik
3.3 Kommunikationspolitik der EZB
3.4 Bewertungen der unkonventionellen Geldpolitik

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildungen im Text:

-Abb. 1: Leitzinsen und Geldmarktzinsen im Euro-Raum, aus: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Dossier/Service/schule_und_bildung_kapitel_6.html?docId=145094&notFirst=true, letzter Zugriff 10.01.2018

-Abb. 2: Geldmenge M3 und Kredite an private Nichtbanken, aus: http://www.institutional-money.com/news/maerkte/headline/leitender-research-stratege-der-lbbw-kommenden-wochen-werden-entscheidend-47440/, letzter Zugriff 10.01.2018

-Abb. 3: Der Draghi-Effekt auf 10-Jährige Staatsanleihen, aus: https://fred.stlouisfed.org/series/IRLTLT01USM156N#0 in eigener Anlehnung

-Abb. 4: Wirkung von EZB-Maßnahmen auf die Anleihenmärkte ausgewählter Euroraumländer, aus Joebges und Grabau, 2013, S. 27

IV. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Die Kommunikation einer Zentralbank ist heute ein Kernelement der Geldpolitik, und eigentlich ist sie selbst ein geldpolitisches Instrument. Selbst diejenigen, die sich wenig für das Zentralbankwesen interessieren, stoßen ständig auf Äußerungen des einen oder anderen Notenbankers in den Zeitungen. Am Ende lesen sie vielleicht sogar den ganzen Artikel, und sei es auch nur, weil Aussagen von Zentralbankern beträchtliche Auswirkungen auf Finanzmärkte und somit auf ihre Ersparnisse haben können.“ (Mario Draghi, 2014)

Im Mittelpunkt der vorliegenden Seminararbeit steht die Frage, wie die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), gerade im turbulentesten Abschnitt ihrer noch jungen Amtszeit, Auswirkungen auf die Finanzmärkte und in der Folge auf das Ersparte jedes einzelnen Bürgers, genommen hat. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf Bürgern des Eurosystems.

Um ein Grundverständnis für die weiteren Ausführungen zu schaffen, wird im zweiten Kapitel auf die traditionelle Geldpolitik der EZB eingegangen. Dazu zählen die Ziele und Aufgaben, welche im Rahmen des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegt sind. Des Weiteren werden die Instrumentarien, die von Seiten der EZB eingesetzt werden können, um die Geldpolitik zu gestalten, zu lenken und zu beeinflussen, näher erläutert. Abschließend betrachtet dieses Kapitel die Grenzen der Wirksamkeit von zuvor beschriebenen Instrumenten, welche sich während der Finanzkrise herauskristallisierten haben und eine Änderung der Geldpolitik, zur Stabilisierung der Finanzmärkte, seitens der EZB unerlässlich gemacht hat.

Im darauffolgenden dritten Kapitel, werden insbesondere zur besseren Veranschaulichung der Unterschiede der beiden verschiedenen Arten von Geldpolitik, zunächst die Ziele und Aufgaben der unkonventionellen Geldpolitik erläutert. Anschließend werden die Instrumentarien, welche von der EZB im Zuge der Finanzkrise ergriffen worden und im Weiteren als unkonventionelle Sondermaßnahmen zu verstehen sind, näher beschrieben. Darauf wird das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegen. Dem folgend, wird die Kommunikationspolitik der EZB, insbesondere unter dem Gesichtspunkt von Stabilisierung und Beruhigung der Finanzmärkte, herausgestellt und analysiert. Schließlich folgt die kritische Bewertung unkonventioneller Geldpolitik während der Finanzkrise.

2. Traditionelle Geldpolitik

In den nachfolgenden drei Unterkapiteln wird die traditionelle Geldpolitik der EZB hinsichtlich ihrer Ziele und Aufgaben, ihrer Instrumente sowie deren Grenzen beleuchtet.

2.1 Ziele und Aufgaben der Geldpolitik

Das oberste Ziel des Eurosystems, welches den derzeit 19 nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedsstaaten welche den Euro eingeführt haben und der EZB besteht, wird in Artikel 127 Absatz 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEU-Vertrag) wie folgt definiert:

„Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken (im Folgenden `ESZB´) ist es, die Preisstabilität[1] zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union, um zur Verwirklichung der in Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union festgelegten Ziele der Union beizutragen. Das ESZB handelt im Einklang mit dem Grundsatz einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb, wodurch ein effizienter Einsatz der Ressourcen gefördert wird, und hält sich dabei an die in Artikel 119 genannten Grundsätze.“ (AEU-Vertrag, 2009)

Die Europäische Union verfolgt unterschiedliche Wirtschaftliche Absichten. Darunter ein kontinuierlicher Fortschritt Europas auf dem Fundament eines konstanten Wirtschaftswachstums sowie von Preisstabilität und einer konkurrenzfähigen sozialen Marktwirtschaft, welche Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt beabsichtigt. Preisstabilität ist daher nicht nur das zentrale Augenmerk der EZB, sondern auch ein Vorhaben der Europäischen Union als Gesamtheit. Das Abkommen über die Vorgehensweise, sowie der Vertrag über die Europäischen Union, bilden somit eine eindeutige Rangfolge der Ziele des Eurosystem, wobei aus ihnen deutlich absehbar ist, dass Preisstabilität der oberste Beitrag ist, welche die Geldpolitik zu einem guten wirtschaftlichen Umfeld und einer hohen Beschäftigungsquote beisteuern kann. Die grundlegenden Aufgaben des Eurosystems bestehen gemäß Artikel 127 Absatz 2 des AEU-Vertrags darin, die Geldpolitik des Euro-Währungsgebiets zu bestimmen und umzusetzen, Devisengeschäfte abzuwickeln, die offiziellen Währungsreserven der Mitgliedsstaaten zu bewahren als auch zu beaufsichtigen sowie das ungehinderte Praktizieren der Zahlungssysteme zu unterstützen. (Vgl. European Central Bank, 2018)

2.2 Instrumente traditioneller Geldpolitik

Das Eurosystem schaltet sich nicht unmittelbar in die Kreditpolitik der Banken ein. Es nimmt respektive passiv Einfluss und bedient sich dabei der Tatsache, dass die Banken eine permanente Nachfrage an Zentralbankgeld haben. In herkömmlichen Zeiten wird das Wirtschaftsgeschehen des Eurosystems vor allem über die Abwandlung der drei Zinssätze für Zentralbankgeld, die so genannten Leitzinsen, beeinflusst. Darunter sind im Eurosystem die Zinssätze für das Hauptrefinanzierungsgeschäft (HRG), die Einlagenfazilität sowie die Spitzenrefinanzierungsfazilität zu verstehen. Im spezifischeren Sinn handele es ich bei Leitzinsen um die von der Zentralbank festgelegten Zinssätze, zu welchen Geschäftsbanken bei der Zentralbank Liquidität beziehen oder überschüssige Reserven anlegen können. Somit stellen Leitzinsen das wesentliche geldpolitische Instrumentarium dar, denn sie verändern grundlegend die Zinsverhältnisse am Geldmarkt und daher auch die geltende Zinsentwicklung. (Vgl. Deutsche Bundesbank, o.J.b)

Wie in Kapitel 2.1 beschrieben, ist im gesamten Euro-Währungsraum das ESZB verantwortlich für die Durchführung der Geldpolitik. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden und eine aktive Geldpolitik zu betreiben, verfügt das Eurosystem zudem über eine Vielzahl geldpolitischer Instrumente. Hierzu zählen das Durchführen von Offenmarktgeschäften, das Anbieten von ständigen Fazilitäten und die Forderung an die Kreditinstitute nach dem Aufbau von Mindestreserven auf Konten im Eurosystem.

Zunächst wird im Folgenden auf die Offenmarktgeschäfte und ihre wichtige Rolle in der Geldpolitik des Eurosystems eingegangen. Dem nachfolgend wird ein Überblick über die Ständigen Fazilitäten, sowie die Mindestreserven als abschließendes Instrumentarium der Geldpolitik des Eurosystems gegeben.

Die Offenmarktgeschäfte des Eurosystems lassen sich ausgehend ihrer Ausrichtung, der Wiederkehr ihrer Anwendung sowie der jeweilig angewandten Handlungsweisen in vier Kategorien einteilen: HRGs, längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (LRGs), Feinsteuerungsoperationen und strukturelle Operationen, welche aufgrund ihrer Unterschiede im Folgenden ebenfalls kurz behandelt werden.

Zu Beginn der Betrachtung stehen die wesentlichsten Offenmarktgeschäfte des Eurosystems, die HRGs. Darunter zu verstehen sind regelmäßig stattfindende liquiditätszuführende befristete Transaktionen in wöchentlichen Intervallen mit einer Gültigkeitsdauer von hauptsächlich einer Woche. Diese Transaktionen werden von den nationalen Zentralbanken (NZBen) im Rahmen von Standardtendern[2] abgewickelt.

Wohingegen LRGs liquiditätszuführende befristete Transaktionen in monatlichen Intervallen mit einer Dauer von in der Regel drei Monaten sind. Durch dieses Instrument sollen weitere längerfristige Refinanzierungsmittel bereitgestellt werden und erfolgen ebenso von den NZBen im Wege von Standardtendern. Generell wird vom Eurosystem mit diesen Geschäften nicht die Absicht verfolgt, dem Markt Signale zu geben, vielmehr tritt es daher als Preisnehmer auf.

Feinsteuerungsoperationen werden zur Lenkung der Marktliquidität und der Zinssätze angewandt, vor allem um Auswirkungen unvorhergesehener marktmäßiger Liquiditätsschwankungen auf die Zinssätze vorzubeugen und erfolgen über befristete Transaktionen, sowie in Form von Devisenswapgeschäften oder unter Hinzufügung von Termineinlagen. Diese Operationen werden in der Regel von den NZBen in Form von Schnelltendern oder bilateralen Geschäften abgewickelt. Zudem kann der EZB-Rat bestimmen, dass in Sonderfällen bilaterale Feinsteuerungsoperationen von der EZB selbst durchgeführt werden.

Schlussendlich kann das Eurosystem im Rahmen der Offenmarktgeschäfte strukturelle Operationen über die Emission von EZB-Schuldverschreibungen, befristete Transaktionen und verbindliche Käufe bzw. Verkäufe durchführen. Diese Instrumente werden angewandt, wenn die EZB die systematisierte Liquiditätsposition des Finanzsektors gegenüber dem Eurosystem anpassen will. Befristete Transaktionen oder die Emission von Schuldtiteln werden von den NZBen über Standardtender abgewickelt, wohingegen endgültige Käufe bzw. Verkäufe in der Regel über bilaterale Geschäfte durchgeführt werden. Zudem kann auch hier der EZB-Rat bestimmen, dass in Sonderfällen bilaterale Feinsteuerungsoperationen von der EZB selbst durchgeführt werden.

Als weiteres Instrumentarium für die Geldpolitik des Eurosystems dienen die Ständigen Fazilitäten, welche dezentral von den NZBen verwaltet werden. Ihre Hauptaufgabe ist Übernachtliquidität bereitzustellen oder zu absorbieren. Dadurch werden Signale für die Ober- und Untergrenze von Tagesgeldsätze des allgemeinen Kurses der Geldpolitik gesetzt. Es können zwei Arten von Ständigen Fazilitäten unterschieden werden, die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagefazilität, auf welche aus Platzgründen im Speziellen nicht weiter eingegangen wird. Abschließend bilden die Mindestreserven das letzte Instrument der Geldpolitik und gelten für Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet. Im Kern dient dieses Werkzeug dazu, die Geldmarkzinsen zu festigen und eine geordnete Liquiditätsknappheit herbeizuführen oder auszuweiten. Dabei wird die Reservepflicht des jeweiligen Instituts durch bestimmte Aspekte der Bilanz zugrunde gelegt. Die Mindestreserveguthaben der Institute werden zum Zinssatz der HRGs verzinst.

(Vgl. European Central Bank, 2012, S. 9 f.; Joebges und Grabau, 2013, S. 14 f.)

Wie in Abb. 1 zu sehen ist, wurden die Leitzinsen durch die EZB nach Ausweitung der Finanzkrise ab Ende 2008 von zuletzt 4,25 % mehrfach bis auf 1 % gesenkt. Im Jahre 2011 wurden aus Sorge vor Inflationsgefahr zwar die Zinsen vorübergehend angehoben, allerdings im Zuge der sich ausbreitenden Eurokrise anschließend auf ein Niveau von 0,75 % gesenkt. Diese Maßnahmen wurden, wie in der Abb. ersichtlich, für die ständigen Fazilitäten, also die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagenfazilität durchgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Leitzinsen und Geldmarktzinsen im Euro-Raum

Die voranstehende Abbildung (Abb.) stellt ebenfalls den Verlauf der drei Leitzins Instrumentarien über die letzten 10 Jahre, insbesondere während der Finanzkrise dar.

Zudem wird aus der Grafik der Euro Overnight Index Average (EONIA) ersichtlich. Dieser ist ein nach Herkunft von real getätigten Umsätzen ermittelter Durchschnittszinssatz für Tagesgeld im Euro-Interbankengeschäft. Zur Berechnung ermittelt jede der rund 30 berichtenden Banken Tag für Tag das Gesamtvolumen der Bruttoeinnahmen mit nicht besichertem Übernachtgeld und verrechnet dies mit den gewichteten Durchschnittszins für das Tagesvolumen. Anhand dieser Daten berechnet die EZB wiederum einen gewichteten Durchschnittszins den EONIA. (Vgl. Deutsche Bundebank, o.J.d)

2.3 Grenzen traditioneller Geldpolitik in der Krise

Im Zuge der Finanzkrise von 2008 bis 2009 wurde deutlich, dass die Mittel der traditionellen Geldpolitik alleine nicht genügen, um die sichtbar werdenden Probleme auszuräumen. Die eingangs beschriebenen Leitzinssenkungen der EZB wurden zwar in den Kreditzinsen weitergereicht, jedoch oftmals zeitverzögert und nicht immer in vollem Umfang. (Vgl. Joebges und Grabau, 2013, S. 19)

[...]


[1] „Preisstabilität herrscht, wenn sich das Preisniveau trotz des Auf und Ab der einzelnen Preise an den Märkten nur wenig verändert. Der EZB-Rat misst Änderungen des Preisniveaus im Euroraum anhand des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) und definiert das Ziel der Preisstabilität auf mittlere Sicht als eine jährliche Steigerung des Verbraucherpreisniveaus von ‚unter, aber nahe 2 %‘.“ (Deutsche Bundesbank, o.J.a)

[2] „Standardisiertes Ausschreibungs- und Zuteilungsverfahren für regelmäßige Offenmarktgeschäfte, die das Eurosystem den dafür zugelassenen Banken (Geschäftspartnern) anbietet. Werden vor allem für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte verwendet. Können in Form von Mengentendern oder Zinstendern durchgeführt werden.“ (Deutsche Bundesbank, o.J.c)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank während der Finanzkrise
Untertitel
Welche Auswirkungen hatte sie auf die Märkte und das Ersparte der Bürger?
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede  (Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Koblenz)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V511782
ISBN (eBook)
9783346093516
ISBN (Buch)
9783346093523
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geldpolitik, Fiskalpolitik, EZB, Europäische Zentralbank, konventionelle Geldpolitik, unkonventionelle Geldpolitik, Finanzkrise
Arbeit zitieren
Stefan Schmillen (Autor), 2018, Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank während der Finanzkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511782

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