1 Einleitung
Eine Handvoll fachkompetenter und angesehener Sprachwissenschaftler setzen sich so an einen runden Tisch und bereden wichtige aktuelle Probleme der Sprachkonzipierung. Wie oft hat man solche Debatten im Fernsehen gesehen und vergeblich zu verfolgen versucht; wie oft hat man aufgegeben mit dem Gedanken, die werden es schon richtig machen? Ein schlechter Zug.
In dem Buch ,,Norme i normiranje hrvatskoga standardnoga jezika"1, das als Grundlage für die vorliegende Arbeit gebraucht wurde, sind zum ersten mal einige für unsere Problematik relevante Beiträge der kroatischen Sprachwissenschaftler gesammelt und zusammengefaßt worden, die sich mit der Normierung und Standardisierung der kroatischen Sprache vom 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts befassen. Die Textauswahl hat Marko Samardžija getroffen; sie ist sehr interessant und repräsentativ, sie bietet einen breiten Einblick in die Geschichte der sprachlichen Entwicklung und Formgebung an: vom ältesten und dem heutigen breiten Leserpublikum weniger bekannten Adolf Veber Tkalčević2, über den unumgänglichen Stjepan Babić bis zu den jüngst vertretenen Sprachforschern Branka Tafra und Josip Lisac.
Über zwei beachtlichen Texte von Stjepan Babić, einer über die Problematik der Normierung, und der andere über die Standardisierung und Stabilisierung der kroatischen Sprache, werde ich in den nächsten Kapiteln zusammenfassend berichten. Das vierte und letzte Kapitel dieser Arbeit enthält den spannenden Verlauf der äußerst interessanten sprachwissenschaftlichen Diskussion vom März 1998, welche auf höchstem Niveau abgehalten wurde, die wichtigsten Normprobleme und diesbezüglichen Überlegungen.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Frage der Sprachnorm nach Stjepan Babic
2.1 Phonologie
2.2 Morphologie
2.3 Lexik
2.4 Syntax
2.5 Stilistik
3 Standardisierung führt zu Stabilisierung der Literatursprache
4 Linguistische Abhandlung
4.1. Einführung
4.2. Meinungen und Argumente
5 Schlußwort
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Normierung und Standardisierung der kroatischen Sprache auseinander, basierend auf den Beiträgen führender kroatischer Sprachwissenschaftler. Das primäre Ziel ist es, den historischen und aktuellen Prozess der Sprachformgebung sowie die damit verbundenen normativen Herausforderungen in verschiedenen linguistischen Teilbereichen zu beleuchten.
- Analyse der sprachwissenschaftlichen Positionen zur Normierung (insb. Stjepan Babic)
- Untersuchung normativer Fragestellungen in Phonologie, Morphologie, Lexik, Syntax und Stilistik
- Diskussion über den Zusammenhang von Standardisierung und sprachlicher Stabilisierung
- Dokumentation einer fachwissenschaftlichen Expertenrunde zu aktuellen Normproblemen
Auszug aus dem Buch
2.1 Phonologie
Auf dem Gebiet der Orthoepie gibt es, so Babic, am meisten Probleme in der Intonation, bzw. Akzentsetzung. Dieses Problem stammt noch aus Karadžics Zeiten und ist keinesfalls unbedeutend. Bei den meisten ein- oder zweisilbigen Wörtern ist eine einheitliche Norm klar, sie ist übersichtlich und leicht durchführbar, doch bei vielen der drei- und mehrsilbigen Wörtern, sowie bei den meisten Fremdwörtern (asistent, docent, okupator...) und Zusammen Setzungen (kupoprodaja, poljoprivreda, poslijeratni...), wird die angestrebte Standardnorm mehr zu einer Tendenz als zur Praxis. Eine detaillierte Darlegung und die Erörterung weiterer Beispiele, die die unausgereifte Normbeständigkeit bei der Akzentsetzung belegen, würde uns zu weit vom eigentlichen Hauptthema entfernen.
Doch im Bezug auf die Laute konnte ein wesentlicher Problem gelöst werden, die Aussprache des langen „jat“-es. Seit hundert Jahren, betont Babic, verlangt die Kodifikationsnorm, daß man an der Stelle des langen „jat“-es drei Phoneme ausspricht: i-j-e, wie z.B. in bijes, bijel, mlijeko, vrijedna. In der Sprachpraxis diese Norm aber selten, nur in einigen regionalen Sprachräumen, zur Geltung, im Allgemeinen wurde sie schlichtweg ignoriert. Die Forderung, daß man von dieser traditionellen, nicht angenommenen Norm absehen sollte, setzte sich 1994 in Hrvatski pravopis endgültig durch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik der kroatischen Sprachnormierung unter Bezugnahme auf ausgewählte Beiträge namhafter Linguisten.
2 Frage der Sprachnorm nach Stjepan Babic: Detaillierte Untersuchung normativer Aspekte in den Bereichen Phonologie, Morphologie, Lexik, Syntax und Stilistik.
3 Standardisierung führt zu Stabilisierung der Literatursprache: Theoretische Herleitung der Notwendigkeit von Standardisierung für eine stabile Literatursprache.
4 Linguistische Abhandlung: Dokumentation einer fachwissenschaftlichen Diskussionsrunde über aktuelle Herausforderungen und Argumente zur Sprachnormierung.
5 Schlußwort: Fazit der Diskussion und Zusammenfassung der Erkenntnisse über den laufenden, dynamischen Prozess der Sprachnormierung.
Schlüsselwörter
Kroatische Sprache, Sprachnorm, Standardisierung, Kodifikation, Linguistik, Stjepan Babic, Orthoepie, Sprachwandel, Literatursprache, Lexikographie, Sprachpflege, Grammatik, Synonymie, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Normierung und Standardisierung der kroatischen Literatursprache, insbesondere im Hinblick auf den theoretischen Diskurs kroatischer Linguisten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt verschiedene Bereiche der Sprachwissenschaft ab, darunter Phonologie, Morphologie, Lexik, Syntax und die allgemeine Theorie der Sprachstandardisierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse des aktuellen Standes der kroatischen Sprachnormierung und die Untersuchung, wie Sprache durch bewusste Planung und Kodifizierung stabilisiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung primärsprachlicher Fachliteratur sowie der Dokumentation einer Experten-Diskussion basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Normprobleme der kroatischen Sprache und bietet einen Einblick in den Verlauf einer hochkarätigen sprachwissenschaftlichen Fachdiskussion aus dem Jahr 1998.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kroatische Sprache, Sprachnorm, Standardisierung, Kodifikation, Linguistik und Sprachwandel.
Welche Rolle spielt Stjepan Babic in der Arbeit?
Stjepan Babic fungiert als zentrale Referenzfigur, dessen normativistische Beiträge die theoretische und praktische Grundlage für die Analyse der kroatischen Sprachnorm bilden.
Warum ist die Standardisierung laut der Arbeit niemals abgeschlossen?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Sprache ein dynamisches Kommunikationsmittel ist, das sich ständig weiterentwickelt, weshalb eine endgültige, statische Norm weder möglich noch erstrebenswert ist.
- Quote paper
- Ivanka Steber (Author), 2000, Probleme der Normierung der kroatischen Standardsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5118