Probleme der Normierung der kroatischen Standardsprache


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Frage der Sprachnorm nach Stjepan Babić
2.1 Phonologie
2.2 Morphologie
2.3 Lexik
2.4 Syntax
2.5 Stilistik

3. Standardisierung führt zu Stabilisierung der Literatursprache

4 Linguistische Abhandlung
4.1. Einführung
4.2. Meinungen und Argumente

5 Schlußwort

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Eine Handvoll fachkompetenter und angesehener Sprachwissenschaftler setzen sich so an einen runden Tisch und bereden wichtige aktuelle Probleme der Sprachkonzipierung. Wie oft hat man solche Debatten im Fernsehen gesehen und vergeblich zu verfolgen versucht; wie oft hat man aufgegeben mit dem Gedanken, die werden es schon richtig machen? Ein schlechter Zug.

In dem Buch „Norme i normiranje hrvatskoga standardnoga jezika“[1], das als Grundlage für die vorliegende Arbeit gebraucht wurde, sind zum ersten mal einige für unsere Problematik relevante Beiträge der kroatischen Sprachwissenschaftler gesammelt und zusammengefaßt worden, die sich mit der Normierung und Standardisierung der kroatischen Sprache vom 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts befassen. Die Textauswahl hat Marko Samardžija getroffen; sie ist sehr interessant und repräsentativ, sie bietet einen breiten Einblick in die Geschichte der sprachlichen Entwicklung und Formgebung an: vom ältesten und dem heutigen breiten Leserpublikum weniger bekannten Adolf Veber Tkalčević[2], über den unumgänglichen Stjepan Babić bis zu den jüngst vertretenen Sprachforschern Branka Tafra und Josip Lisac.

Über zwei beachtlichen Texte von Stjepan Babić, einer über die Problematik der Normierung, und der andere über die Standardisierung und Stabilisierung der kroatischen Sprache, werde ich in den nächsten Kapiteln zusammenfassend berichten. Das vierte und letzte Kapitel dieser Arbeit enthält den spannenden Verlauf der äußerst interessanten sprachwissenschaftlichen Diskussion vom März 1998, welche auf höchstem Niveau abgehalten wurde, die wichtigsten Normprobleme und diesbezüglichen Überlegungen.

2 Frage der Sprachnorm nach Stjepan Babić

Wenn man die Sprachnorm als System von Sprechern angenommener Regeln bezeichnet, mit denen man mit Gewißheit bestimmen kann, was in einem Idiom korrekt ist und was nicht, dann darf man, so Samardžija in Predgovor zu genanntem Buch, zwischen einer spontan durchgeführten und einer bewußt geplanten Norm unterscheiden.[3] Die erste ist die wichtigste Grundeigenschaft der organischen Idiomen[4], und die zweite dagegen vor allem für die jeweilige Standardsprache typisch. In der traditionellen Klassifikation der Sprachnormen unterscheidet man zwischen graphischer, orthographischer, phonologischer (einschließlich der prosodischen), orthoepischer, grammatischer (oder morpho-syntaktischer), lexiko-semantischer, stilistischer, pragma-linguistischer und rhetorischer Norm.[5]

Als langjähriger Redakteur der renommierten Zagreber Zeitschrift „Jezik“ beschäftigt sich Babić sehr intensiv mit den theoretischen, aber auch praktischen Grundfragen der sprachlichen Normen und Formen. In seinen normativistischen Beiträgen findet man wichtige oft auch nur angenommene Bemerkungen und Beurteilungen über die sprachliche Norm der kroatischen Literatursprache. Babić neigt zu zeitweiligen Übertreibungen,[6] besonders wenn es sich um sein Metier, um die Lexik, handelt. Er lehnt strikt alle Arten von Fremd- und Lehnwörter im Kroatischen ab, ist eifrig bestrebt, selbige durch die Verwendung von Archaismen und Neologismen zu ersetzen.

Warum eine Literatursprache normiert werden muß, steht außer Frage: es gibt keine Literatursprache ohne Norm.[7] Ebenso gilt aber auch, behauptet zu Recht Babić, daß eine Literatursprache nicht einmal für immer normiert werden kann. Jede Sprache, gleich wie alt, wie festgesetzt und ausgebaut sie auch sein mag, hat gewisse Normprobleme, weil sich immer wieder Innovationen bemerkbar machen, die oft schwer mit der alten Norm zu vereinbaren sind. Das gleiche geschieht somit auch mit der kroatischen Literatursprache.

Das Kroatische besitzt einen logischen Sprachbau, ist in seiner Substanz und Struktur sehr bestimmt. Auf die Frage: Wie man etwas auf Kroatisch sagt?, kann man fast immer (!) mit Sicherheit eine Antwort geben.[8] Dies scheint mir aber nicht unbedingt ein zuverlässiges Argument für das ‚Konkretsein‘ einer Sprache, wie das Babić in dem Beitrag Problem norme u hrvatskom standardnom jeziku anführt.

[...]


[1] Samardžija, Marko, Matica hrvatska, Zagreb 1999

[2] Mit dem Beitrag: Ustroj hrvatskoga jezika, (1856)

[3] Im Vorwort zu Norme i normiranje, S. 7

[4] Organskim idiomom ili mjesnim govorom u jezikoslovlju se naziva idiom („govor“) koji služi kao komunikacijski kod određene zatvorene i homogene (ruralne) etničke zajednice, tj. govor “konkretnog sela ili skupine uže povezanih sela, odnosno zaselaka”. (D. Brozović, in: Predgovor zu Norme i normiranje, S. 6)

[5] vgl. Vorwort zu Norme i normiranje, S. 8

[6] Pranjković, Ivo, führt im Nachwort zu Norme i normiranje hrvatskoga standardnoga jezika, Matica hrvatska, Zagreb 1999, im Rückblick auf die zwei Beiträge Babićs Folgendes an: „Ima naime pone što pretjeranog zaziranja od posuđenica te ponešto pretjerane sklonosti arhaizaciji i neologizaciji leksika.“ S. 357

[7] vgl. Babić, Problem norme, S. 183

[8] vgl. Ebenda, S. 184

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Probleme der Normierung der kroatischen Standardsprache
Hochschule
Universität Mannheim  (Slavisches Seminar)
Veranstaltung
HS Kroatisch und Serbisch am Ende des 20. Jahrhunderts
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V5118
ISBN (eBook)
9783638131131
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Normierung, Kroatisch, Standardsprache
Arbeit zitieren
Ivanka Steber (Autor), 2000, Probleme der Normierung der kroatischen Standardsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5118

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