Beobachtungen zum truren im Werk des Tristan von Gottfried von Straßburg


Hausarbeit, 2000

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Hintergründe zu Gottfried v. Straßburg und sein Epos "Tristan und Isolde"
2.1. Der Dichter
2.2. Vorbild und Nacheiferer Gottfrieds
2.3. Gottfrieds Publikum und die Absicht des Dichters mit diesem Werk

3. Das truren im Tristan-Fragment, seine Folgen und Wirkungen
3.1. Tristans Geburt
3.2. Die Notwendigkeit des truren
3.3. Die Petitcriu-Episode

4. Schlußgedanke

5. Literatur
5.1. Primärliterur
5.2. Sekundärliteratur

Beobachtungen zum truren im Werk des Tristan I von Gottfried von Straßburg

1. Einleitung

Diese Arbeit über Gottfried von Straßburgs "Tristan und Isolde" soll als zentrales Thema die Trauer und das Leid behandeln, die von Anfang an präsent sind und von denen alle wesentlichen Figuren erfasst werden.

Die Textgrundlage bildet besonders der Aufsatz von Silke Philipowski "Mittelbare und Unmittelbare Gegenwärtigkeit", in der die Trauer in der Petitcriu-Episode untersucht wird und der Text von Tomas Tomasek "Überlegungen zum truren im Tristan Gottfrieds von Straßburg".

Zum besseren Verständnis wird zuerst auf den Dichter, sein Leben und die Entwicklung seines Werkes eingegangen.

2. Hintergründe zu Gottfried von Straßburg und sein Epos "Tristan und Isolde"

2.1 Der Dichter

Über die Person Gottfried von Straßburg wissen wir nahezu gar nichts. Zwar sind in der Großen Heidelberger Liederhandschrift Gedichte eines meister Gotfrit von Strâzburg überliefert, man kann jedoch nicht mit absoluter Bestimmtheit sagen, daß dieser Dichter mit dem Verfasser des "Tristan" übereinstimmt. Es besteht lediglich die Vermutung, daß der Autor des "Tristans" entweder in Straßburg geboren , dort aufgewachsen ist, längere Zeit dort gelebt hat, seinen Wirkungskreis in der Region oder gar in der Stadt selbst hatte oder vielleicht nur während der Schaffensperiode des "Tristan" dort gewohnt hat. Keine dieser Spekulationen kann eindeutig bewiesen werden, da keine schriftlichen Zeugnisse vorhanden sind. Lediglich die Tatsache, daß die frühesten Handschriften Dialektmerkmale des Elsasses vorweisen, bestätigen die Vermutung einer Verbindung des Verfassers des "Tristan" mit dieser Region, denn die mittelalterlichen Autoren Ulrich von Türheim, Heinrich von Freiberg und Rudolf von Ems bezeugen zudem in ihren Tristan-Werken, daß Gottfried ihre Quelle ist. Es ist jedoch nicht sicher geklärt, welchem Stand Gottfried angehörte bzw. welche gesellschaftliche Position er innehatte. Es wird lediglich vermutet, daß er ein Stadtbürger war. Im Prolog begegnet man einem Initialenachrostichon, woraus Dietrich wohl als Auftraggeber hervorgeht, G wohl für Gottfried und T und I wohl für Tristan und Isolde stehen. Es besteht jedoch keine absolute Gewißheit über diese Vermutung.

2.2 Vorbild und Nacheiferer Gottfrieds

Viele Dichter des Mittelalters haben schon vor Gottfried den Tristan-Stoff aufgegriffen. Diese Tatsache beruht darauf, daß das Publikum bekannte Stoffe bevorzugte, da es deren Wahrheitsgehalt ,überprüfen` konnte. Folglich suchten sich die Dichter Vorbilder, deren Themen sie neu bearbeiten bzw. übersetzen konnten. Das Übersetzen wurde nicht nur durch die Möglichkeit des Quellennachweises begünstigt, sondern eröffnete vor allem neue Chancen, alte Texte zu aktualisieren und Bezüge zur zeitgenössischen Wirklichkeit herzustellen, so daß das Publikum Parallelen zum eigenen Leben ziehen konnte. Anhand von Gottfrieds "Tristan" läßt sich dies deutlich aufzeigen.

Im Prolog des "Tristan" erwähnt Gottfried, daß er lange nach der ,originalen` Vorlage gesucht habe, bis er auf die Bearbeitung Thomas von Britanniens gestoßen ist. Dieser hat laut Gottfried als einziger die Geschichte von Tristan und Isolde richtig erzählt, was letztendlich wohl auch den Ausschlag gegeben hat, seine Fassung als Vorlage zu verwenden.

Auch Thomas erfand den Tristan-Stoff nicht selbst, sondern bearbeitete den altirischen "Tristan-Stoff, vermutlich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Gottfrieds um 1210 verfaßtes Tristan-Fragment wurde noch im 13.Jahrhundert von Ulrich von Türheim und Heinrich von Freiberg aufgegriffen. Diese beiden Autoren verwendeten Gottfrieds 11 Vollhandschriften und 15 Fragmente als Vorlage für ihre eigenen Konzepte. Sie setzten andere Schwerpunkte und veränderten einige Episoden. Für sie bot das Fragment anscheinend eine ideale Voraussetzung, um ein dem Publikum bekanntes Thema fortzusetzen, ohne daß sie lange nach einem geeigneten Stoff suchen mußten. Anscheinend begnügten sie sich nicht damit, daß diese Erzählung einen offenen Schluß hatte. Für sie schien es so, als ob Gottfried, aus welchen Gründen auch immer, den "Tristan" nicht zu Ende bringen konnte und deshalb konstruierten die beiden nach ihrem eigenen Ermessen einen Schluß, der den Erwartungen des Publikums gerecht werden sollte.

Es stellt sich nun aber die Frage, weshalb es kein abgeschlossenes Ende der Geschichte gibt. Zumindest gibt einige Erklärungsansätze auf diese Frage. Es wird angenommen, daß Gottfried vor Beendigung der Geschichte gestorben ist. Ebenso könnte es sein, daß es dem Auftraggeber an den notwendigen Zahlungsmitteln mangelte. Bei vielen Forschern gilt es als am Wahrscheinlichsten, daß Gottfried den fragmentarischen Charakter beabsichtigt hat. Der ,,offene Schluß" bot die einzige Möglichkeit für Gottfried, seinem Konzept treu zu bleiben und sich nicht selbst zu widersprechen, indem er sich den Werten der Gesellschaft fügt. Er ,,versöhnte" sich auch dadurch mit der Gesellschaft, da es für das moralische Publikum so schien, als ob die Kritik Gottfrieds nur in der Theorie bestehen konnte, es aber keine Möglichkeit gab, sie zu realisieren.

2.3 Gottfrieds Publikum und die Absicht des Dichters mit diesem Werk

Im Prolog wendet sich Gottfried, wie es scheint, an ein eingeschränktes Publikum. Er teilt somit die Welt in zwei Parteien, die aller werlde und den edelen herzen, mit denen er sich verbunden fühlt.

Dieser Kreis der edelen herzen wird jedoch nicht, wie einige Forscher meinen, von vorne herein festgelegt, vielmehr kann jeder zu diesem Publikum gehören, solange er das Leid, das unweigerlich ein Bestandteil der Liebe ist, akzeptiert. Fragt man sich nun, welche Absicht Gottfried mit dieser Dichtung verfolgt, so antwortet er selbst: ,,ein senelichez maere". Er sieht sie also als Liebesgeschichte, die denen Trost und Ablenkung bieten soll, die selbst an den Begleitumständen der Liebe leiden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Beobachtungen zum truren im Werk des Tristan von Gottfried von Straßburg
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V51182
ISBN (eBook)
9783638472173
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr breiter Seitenrand - bei der Preisfindung berücksichtigt
Schlagworte
Beobachtungen, Werk, Tristan, Gottfried, Straßburg
Arbeit zitieren
Charlotte Diez (Autor), 2000, Beobachtungen zum truren im Werk des Tristan von Gottfried von Straßburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51182

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