Was bedeutet Musische Erziehung in der Schule? Unerfahrene in diesem Bereich werden ihre ersten Assoziationen dazu mit dem Musikunterricht in Verbindung bringen. Zwar lassen sich Parallelen zur Musik ziehen, doch primär ist der Begriff fächerübergreifend und erweitert sogar über den Schulbetrieb hinaus zu betrachten. Nachfolgend werden die Fragen nach der zeitlichen Zuordnung und dem inhaltlichen Schwerpunkt, insbesondere im Vergleich mit dem Prinzip des formalen Kunstunterrichts und der inhaltlichen Aktualität, im Mittelpunkt stehen. Danach geht es um die Frage der konkreten Anwendung und den zentralen Punkt nach Aktualität der Musischen Erziehung.
Möchte man die Musische Erziehung zeitlich einordnen, so lassen sich ihre Anfänge grob nach dem zweiten Weltkrieg festmachen. Anzumerken ist, dass dieser Krieg beinahe die Kulturzeugnisse einer gesamten Generation zerstört hat. Vor Kriegsbeginn lassen sich zwar auch schon Musische Tendenzen ausmachen, doch wird dies unter den Begriff der deutschen Jugendbewegung (1898-1914) gefasst. Eine der ersten Verschriftlichungen zur Musischen Erziehung lässt sich in Otts "Urbild der Seele" aus dem Jahre 1949 festmachen. Auf Seite Acht heißt es: "Können ist kein Kriterium für Kunst, denn sie ist sein". Das heißt, es wird der völlige Ausschluss des handwerklichen Könnens betrieben, und damit die Grundlage der Schulkunstbeurteilung in Frage gestellt. Außerdem verweist das Vorwort des Dozenten Winklers auf die Parallele der Individualentwicklung der Ontogenese zur Stammesgeschichte der Phylogenese. Die möglichen Übereinstimmungen sind jedoch fallabhängig zu klären und schwer auf ein Tertium Comparationis festzulegen. Es wird für die Einrichtung eines "Instituts zur Erforschung der Ur- und Frühformen des künstlerischen Ausdrucks" an Universitäten der Kunsterziehung plädiert. Somit könnten die pädagogischen Anwendungen und das Problem der Eingrenzung spezialisiert untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung- Was bedeutet Musische Erziehung?
2 Grundbausteine der Musischen Erziehung
2.1. Zeitliche Eingrenzung
2.2. Leitprinzipien und erste Kritik
3 Anwendung und Wandlung
3.1 Gesellschaftlicher Wert der Musischen Erziehung
3.2 Welche Wandlung vollzieht sich in der Erziehung DURCH Kunst hin zur Erziehung ZUR Kunst?
3.3 In welcher Form käme Musische Erziehung für den heutigen Unterricht in Frage?
4. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der Musischen Erziehung und hinterfragt deren Bedeutung sowie Aktualität für den modernen Kunstunterricht. Dabei wird insbesondere das Spannungsfeld zwischen traditioneller, ästhetisch-praktischer Orientierung und dem formalen, fachspezifischen Kunstunterricht analysiert.
- Historische Einordnung und theoretische Grundlagen der Musischen Erziehung
- Gegenüberstellung von Musischer Erziehung und formalem Kunstunterricht
- Analyse des gesellschaftlichen Mehrwerts und der sozialen Relevanz künstlerischer Bildung
- Übertragung musischer Prinzipien auf aktuelle Herausforderungen und Medien
Auszug aus dem Buch
3.2 Welche Wandlung vollzieht sich in der Erziehung DURCH Kunst hin zur Erziehung ZUR Kunst?
Die Musische Erziehung wird vom formalen Kunstunterricht abgelöst, und durch „realistische Grundlagen für den Unterricht“ ersetzt. Pfennig kritisiert das Prinzip: „alles vom Kinde aus“ und ersetzt es durch das Prinzip: „Der Mensch ist ein auf Erziehung angelegtes Wesen“. Unterrichtsinhalt soll nicht das Begnügen an reiner kindlicher Phantasie sein. Und der Kunstunterricht soll auch nicht als „musisches Fach am Rande des ernsten Schulalltags“ abgewertet werden. Doch bleibt die Bewertung des Schöpferischen und der Entfaltung und Heranbildung kreativer, menschlicher Kräfte weiterhin Unterrichtsbestandteil.
Doch die „Eigenschaften die zu Kreativität führen, kann man nur an vorhandenen ästhetischen Prozessen und Situationen entwickeln, die schon da sind“, heißt es weiter bei Pfennig. Unterrichtsthema soll die Begründung der Bildnerischen Aufgabe und nicht das Motiv sein. Das heißt eine feste Problemstellung soll „das Bedürfnis zur Gestaltung wecken und die Triebkraft der Neugier“. Das Erarbeiten von Gesichtssinnerlebnissen braucht Motive, doch diese seien ohne kunstpädagogische Bedeutung, wenn sie nicht ein bildnerisches Problem aufwürfen. Ein Beispiel hierfür wäre die Problemstellung: Festes Gerüst wird überwuchert und teilweise zerstört. Die Problemstellung weckt gezielt die „Triebkraft der Neugier“ und das „Bedürfnis zur Gestaltung“. Und bei der Lösungsbewertung steht die Idee über der Technik. Denn der Kunstunterricht ist „ein Ort im Unterricht, an dem Erfindung mehr gilt als Nachahmung“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung- Was bedeutet Musische Erziehung?: Der Einstieg beleuchtet die etymologische Herleitung des Begriffs Musisch und stellt Bezüge zur Antike sowie zum Verständnis künstlerischer Inspiration her.
2 Grundbausteine der Musischen Erziehung: Dieses Kapitel definiert den zeitlichen Rahmen der Musischen Erziehung nach dem Zweiten Weltkrieg und diskutiert zentrale Leitprinzipien sowie erste pädagogische Kritikpunkte.
3 Anwendung und Wandlung: Hier wird der gesellschaftliche Wert der Erziehung untersucht und der Wandel von der freien kindlichen Entfaltung hin zu einer strukturierteren Erziehung zur Kunst analysiert.
4. Reflexion: Der abschließende Teil reflektiert die praktische Umsetzung, betont die Bedeutung von Medienkompetenz und plädiert für einen ganzheitlichen Kunstbegriff im Schulalltag.
Schlüsselwörter
Musische Erziehung, Kunstunterricht, Kunstdidaktik, Ästhetische Forschung, Kreativität, Erziehung durch Kunst, Erziehung zur Kunst, Medienkompetenz, Bildnerische Gestaltung, Pädagogik, Schulkunst, Anthropologischer Kunstbegriff, Sozialisation, Kunsterziehung, Inspiration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem pädagogischen Konzept der Musischen Erziehung und deren theoretischen sowie historischen Fundamenten im Kontext des Schullebens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen zählen die historische Entwicklung der Kunstdidaktik, die Abgrenzung zur Erziehung zur Kunst sowie die Integration aktueller gesellschaftlicher Phänomene in den Unterricht.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu erörtern, inwiefern die Musische Erziehung trotz ihrer historischen Herkunft eine zeitgemäße und relevante Form für den heutigen Unterricht darstellen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie eine reflektierte Verknüpfung von pädagogischen Positionen mit eigenen Erfahrungen aus dem Schulpraxissemester.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundbausteine, den gesellschaftlichen Wert der Musischen Erziehung und vollzieht den Wandel von der freien kindlichen Kreativität hin zu formalen Gestaltungsaufgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kunstdidaktik, Musische Erziehung, Kreativitätsentwicklung, Medienkompetenz und den anthropologischen Kunstbegriff charakterisiert.
Wie lässt sich der Unterschied zwischen Erziehung durch Kunst und Erziehung zur Kunst prägnanter fassen?
Erziehung durch Kunst betont die freie Entfaltung des Kindes und das schöpferische Potenzial, während die Erziehung zur Kunst stärker auf bildnerische Probleme, technische Reflexion und fachliche Systematik setzt.
Welche Rolle spielt die Medienpädagogik im Kontext der Musischen Erziehung?
Medien, wie beispielsweise das Spiel Pokemon-Go, dienen als moderne Anknüpfungspunkte, um den Grundgedanken nach Inspiration und Bewegung im Kontext von zeitgemäßer Kunsterziehung kritisch zu reflektieren.
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- Annika Haas (Autor), 2016, Musische Erziehung. Kann diese Form von Unterricht zeitgemäß sein?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511864