Geschlechterdarstellung in Schulbüchern


Hausarbeit, 2016

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Was ist ein Schulbuch/ Lehrbuch? - Ein Definitionsversuch
1.2. Antidiskriminierende Sprachempfehlungen - problematisch?
1.3. Das Bild im Schulbuch

2. Schulbücher der Vergangenheit
2.1. Schulbücher im Nationalsozialismus
2.2. Schulbücher als Herrschaftssicherungsinstrument der SED

3. Schulbücher der Gegenwart
3.1. Beispielbücher einer 9.-Klässlerin – meine Oberstufenbücher
3.2. Sind diese Lehrmittel noch zeitgemäß?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Was ist ein Schulbuch/ Lehrbuch? - Ein Definitionsversuch

Unter einem Schulbuch versteht man ein Lehrmittel, welches in der Schule gebraucht wird. Es ist „ein Buch das bereits bekanntes Wissen und Fertigkeiten vermittelt und erklärt“, wie es bei Petterson heißt.1 Weiter heißt es ebd.:

„Lehrbücher sind für die Verwendung im Unterricht gemacht und so aufgebaut, dass sie den schulischen Lehrplänen und den darin formulierten Zielen folgen. Daher ist ein Lehrbuch vorhersehbar und selten für Überraschungen gut. Lehrbücher gestalten in der Regel das, was die Gesellschaft als wichtige Kenntnisse ansieht und wie diese Kenntnisse verwendet werden sollen. Ein gutes Lehrbuch soll sich an die Lehrpläne halten, eine an das Alter der Schüler angepasste Sprache verwenden und zur Reflexion anregen. Die Lehrbücher sollen außerdem die Erfahrungen der SchülerInnen widerspiegeln und davon ausgehend eine Basis für sinnvolles Lernen bilden. Man kann das Lehrbuch als „ein multimodales Artefakt [betrachten], in welchem Text, Bild und Layout zusammenwirken, um sinnvolle, aber ‚vielschichtige‘, Inhalte zu schaffen“. Text meint also nicht nur Buchstaben, sondern auch Bilder und grafische Gestaltung.“ (Hervorheb. Des. Verf.)

Die hier erwähnten Bilder in den Schulbüchern, werden in einem der nachfolgenden Kapitel genauer unter die Lupe genommen. Zusammenfassend ist die Bezeichnung als „multimodale[s] Artefakt“ eine Aussage, die das Zusammenspiel vieler Faktoren bei der Schulbuchentstehung berücksichtigt und auch unterbewusste Wirkungen auf den Rezipienten erklären kann. Wie obiges Zitat erkennen lässt, soll im Schulbuch die Definition von bereits bekanntem Wissen und Fertigkeiten im Mittelpunkt stehen, also herrscht eine gewisse Vorhersehbarkeit, die mit Lehrplantreue und Anpassung auf das Schüleralter einhergehen sollte. Außerdem sollten Reflexionsanregungen vorhanden sein. Dabei sollte auch die Frage nach dem Autor geklärt werden, um evtl. im Gender-diskurs beleuchtet werden zu können. Doch was meint überhaupt Geschlechtergerechtigkeit? Eine Berliner Universität hat sich für schriftliche Gleichberechtigung in Schulbüchern (bzw. allgemeinen Schriftmedien) folgende Modelle überlegt. Diese werden im folgenden Kapitel beleuchtet.

1.2. Antidiskriminierende Sprachempfehlungen - problematisch?

2 Eine Uni in Berlin hat sich mehrere Formen für Geschlechtergerechtigkeit in der Schriftsprache erarbeitet. Eine Möglichkeit stellt die A-Form dar. Hierbei wird ein „a“ als neutrale Endung an männliche/weibliche Substantive/ Pronomen angehängt. Bsp.: „Unsa Lautsprecha ist permanent auf Demos unterwegs. Ea erfreut sich hoher Beliebtheit.“ Eine andere Form bietet das @-Zeichen. Hängt man dieses an Substantive an, sollen alle Geschlechterformen gemeint sein. Bsp.: „human“ wird zu „hum@an“. An dieser Berliner Uni ist es auch möglich ausschließlich die weibliche Form zu verwenden, und z.B. ihre Doktorarbeit im generischen Femininum zu absolvieren. Eine weitere Möglichkeit stellt die X-Form oder Sternchenform dar. Bsp.: „Dix Studierx hat in xs Vortrag darauf aufmerksam gemacht, dass es unglaublich ist, wie die Universität strukturiert ist, dass es nur so wenige Schwarze/ PoC Professxs gibt.“ [PoC: „Persons of Colour“, farbige Menschen].

In wieweit kann diese Gendersensibilität in Schulbüchern kritisch gesehen werden?

Verschärfte Leseschwierigkeiten (z.B. Zuschauer/-innen) könnten Folge davon sein. Oder die Verpflichtung auch in Hausaufgaben/ Klausuren eine Gendersensibilität einfordern zu müssen. Außerdem stellt sich die Frage, wie lange Bücher und die Schriftsprache an sich noch zeitgemäße Lernmittel sind, oder ob die neuen Medien z.B. „Lecture Performances“ an Überhand gewinnen und nur noch die gesprochene Sprache, bzw. das Medium Film im Fokus liegt. Es könnte auch zu beobachten sein, dass durch die verstärkte Problematisierung von Gender, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern vergrößert werden, und zur erhöhten Wahrnehmung der Verschiedenheit, und letztlich zur Diskriminierung beitragen. In der Schrift, ebenso wie in der Bildauswahl könnte eine „gute Mischung“ die Lösung sein, die auf Gendersensibilität bedacht ist, ohne zu übertreiben, und sich somit der Lächerlichkeit preiszugeben.

1.3. Das Bild im Schulbuch

3 Betrachtet man Bilder in Schulbüchern, so ist erst einmal wichtig zu beachten, welches Fachbuch man zur Hand nimmt. Die Bildanzahl in einem Mathebuch ist geringer, als die Bilder in einem Deutsch- oder Politikbuch. Zudem sind im Mathebuch eher äußere Bilder, d.h. Fotos, die oftmals Ausschnitte der äußeren Wirklichkeit darstellen, während Gemälde eher in den Deutschbüchern eine innere Wirklichkeit, der/ des Künstlerin/Künstlers ausdrücken. Doch ob wir wollen oder nicht sind wir ständig visuellen Eindrücken ausgeliefert. An öffentlichen Plätzen, Kino, Fernsehen, Büchern, Verpackungen, Zeitungen) wobei viele Bilder im Medienrausch untergehen, und von einer Art mentaler Umweltzerstörung gesprochen werden kann. Dabei ist auffällig, dass z.B. in Schulbüchern Bilder in Anzahl, Fläche und Qualität bei gleichem Seitenumfang zugenommen haben. B. waren also früher Mangelware und heute lösen sie sich im Gebrauch gegenseitig ab. D.h. dass nicht mehr die Beschaffung sondern die Auswahl eine gewisse Verantwortung mit sich bringt. Für die Lehrkraft bedeutet das im Speziellen: Die Wahl des Schulbuchs sollte mit Sorgfalt erfolgen! Bilder können als Texteinstieg dienen, aber auch die Aufmerksamkeit vom Text abziehen. Mehr Bilder verringern den Textumfang und vergrößern die Gefahr eines zu stark verdichteten Textes, so dass die erzählerische Redundanz verloren geht und die Verständlichkeit leidet.4 Allerdings bieten Bilder auch eine sehr leichte Zugänglichkeit und somit darf die informative Seite nicht unterschätzt werden. Bei Lehrbuchbildern ist die grafische Information oft durch Wort-Bild-Zusammenwirken gekennzeichnet, da man durch verschiedene Formen der Darstellung leichter lernt. Diese Informationsbilder haben bestimmte Zielsetzungen (vgl. Abb.1) Sie sollen eine Botschaft vermitteln, für bestimmte Empfänger in einem bestimmten Medium. Diese B. müssen für die aktuelle Situation relevant und an die Zielgruppe angepasst sein. Jedes Info. B. Muss lesbar, leserlich und lesenswert sein. Es muss einen deutlichen Zweck und einen erklärenden Bildtext besitzen. Der Rezipient sollte sich die geltenden Bedingungen klar machen und gegenüber Info. B. Immer eine kritische Haltung einnehmen. Welche Fakten und Gefühle vermittelt das Bild? Wer ist der Absender? Warum erscheint das B. in diesem Zshg? 5 Die Wissensbilder besitzen einen Fokus auf das jeweilige Fach und oftmals informative Funktion und können auch als instrumentelle Bilder bezeichnet werden. Das Bsp. Abb1. Zeigt ein Wissensbild aus einem aktuellen Biologiebuch, welches sich um die Reproduktionsmedizin dreht. Dieses Thema stellt eine gute Grundlage dar um neben dem biologischen Aspekt von Geschlecht auch einen Verweis auf das „Doing-Gender“ anzubringen. Leider fällt in dem ganzen Biobuch (auch im Bereich Genetik) kein einziges Wort über Mehrgeschlechtlichkeit, oder stereotype Geschlechterrollen. Themen in aktuellen Schulbüchern sollen in einem weiteren Kapitel angesprochen werden, doch zuvor steht die Schulzeit vor über 30 Jahren im Fokus, und welche Geschlechterdiversitäten dort zu finden sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wissensbild/ Instrumentelles Bild

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 äußere Bilder

2. Schulbücher der Vergangenheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Bund Deutscher Mädel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Heimabend nur für Jungen

2.1. Schulbücher im Nationalsozialismus

Betrachtet man die Fibel im Nationalsozialismus, dann ist auffällig, wie stereotyp Mann und Frau, bzw. Junge und Mädchen abgebildet sind. Es werden nur Mädchen/ Frauen in Kleidern dargestellt und den Männern allein steht das Tragen von Hosen zu. (Vgl. Abb.2). Außerdem herrscht im Kindesalter eine strenge Geschlechtertrennung, die sich in den Büchern widerspiegelt. Während Jungen beim Heimabend sitzen (Abb.3.) sind Mädchen in ihrem eigenen Verein dem Bund deutscher Mädels unter sich. Im Erwachsenenalter wird diese Trennung im Berufsalltag weitergeführt. Frauen sind in der Nationalsozialistischen Ideologie allein für Haus und Herd und als Gebärmaschinen zur Arterhaltung von Nutzen. Dabei ruht der Vorbildcharakter auf dem Soldatentum der Männer. In Schulbüchern werden die Kinder nach dieser Ideologie sozialisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Militärverherrlichung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Soldatentum

Vgl. Abb. 5. Jungen beobachten die Soldaten bei der Aufstellung. Bzw. Abb.4: Das „brave“ Mädchen mit Schürze und langen, zu Zöpfen gebundenen Haaren ruft den kleinen „frechen“ Bruder zu angemessenem Benehmen auf, während die restliche Familie die Soldaten mit dem Hitler-gruß begrüßt. Dabei ist die Frau auch wieder stereotyp in ein langes Kleid gehüllt.

[...]


1 Petterson, Rune: Bilder in Lehrmitteln, Baltmannsweiler 2011. S. 18.f.

2 Gender-Wahnsinn. So will eine Berliner Uni unsere Sprache verunstalten. URL: http://www.pravda-tv.com/2014/04/gender-wahnsinn-so-will-eine-berliner-uni-unsere-sprache-verunstalten/ (Zugriff: 28.03.16)

3 Süßen, Ulrich Weber (Hg.): Biologie Oberstufe. Kursstufe Baden-Württemberg. Berlin 2010. S. 95. S. 110.

4 Petterson, Rune: Bilder in Lehrmitteln, Baltmannsweiler 2011. S.5..

5 Ders. S.18

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Geschlechterdarstellung in Schulbüchern
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Ethisch Philosophisches Grundlagenstudium II
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V511868
ISBN (eBook)
9783346086600
ISBN (Buch)
9783346086617
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlechterdarstellung, schulbüchern
Arbeit zitieren
Annika Haas (Autor), 2016, Geschlechterdarstellung in Schulbüchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511868

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