Laut einer Umfrage von 2014 befürworten rund 46% die offizielle Legalisierung der Beihilfe zum Suizid und rund 37% wünschen sogar eher die Einführung der aktiven Sterbehilfe. In den Niederlanden und einigen anderen Ländern ist dies schon seit Jahren möglich. In Deutschland gibt es immer wieder viele Diskussionen um das Thema Sterbehilfe. Inhalt dieser Debatten ist nicht nur, ob man die aktive Sterbehilfe erlauben sollte oder nicht, sondern auch, was dies für Konsequenzen hat, worin die Gründe für solch eine Forderung liegen und welche Alternativen es möglicherweise gibt. In unserer heutigen hochentwickelten Gesellschaft ist der Wunsch der vollständigen Kontrolle über das Leben und die absolute Selbstbestimmung sehr stark ausgeprägt. Wenn wir so viele Entscheidungen treffen müssen, wie wir unser Leben gestalten, warum können wir also nicht auch über unseren Tod selbstbestimmt entscheiden? Viele Menschen wünschen sich Sterbehilfe, damit sie autonom bestimmen können, wann und wie sie aus dem Leben scheiden.
Doch natürlich gibt es auch einige Gegner, die mit der Legalisierung der Sterbehilfe eine Art Völkermord oder Wiederholung der Ereignisse des Nationalsozialismus befürchten. Auch diese Seite muss berücksichtigt werden. Die Palliativmedizin bietet vielen Patienten eine Möglichkeit in Ruhe und geborgen zu sterben, doch stellt sie die neue Alternative zur Sterbehilfe dar? Zusätzlich muss hinterfragt werden, welche Ursachen für die hohe Sterbehilfebefürwortung es noch gibt, medizinische Entwicklungen haben dabei einen großen Einfluss.
In dieser wissenschaftlichen Studienarbeit soll geklärt werden, worum es in der Diskussion um die Sterbehilfe geht und welche verschiedenen Argumentationsansätze es gibt.
Dabei wird auf die Stellung zweier Philosophen der heutigen Zeit eingegangen, die Ansätze verschiedener Religionen werden betrachtet und die medizinischen Fortschritte und deren Einfluss auf die Entscheidungen um die Sterbehilfe werden genauer untersucht. Zusätzlich wird ein kurzer Bezug zum Ausland und zu historischen Meinungen gebracht. Zum Schluss werden alle Positionen, die Hintergründe dafür und mögliche Alternativen miteinander verglichen, woraus sich eine persönliche Stellungnahme ergibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Definitionen verschiedener Begriffe der Sterbehilfe
2.1 Allgemeine Begriffserklärungen der Sterbehilfe und der Euthanasie
2.2 Unterscheidung in verschiedene Arten
2.2.1 Aktive (direkte) Sterbehilfe
2.2.2 Indirekte Sterbehilfe
2.2.3 Passive Sterbehilfe
2.2.4 Ärztlich assistierter Suizid
3. Historische Ansichten
3.1 Antike Ansicht mit Einbezug von Seneca
3.2 Aufklärerische Ansichten nach Immanuel Kant
3.2.1 Bewertung Kants Position
4. Philosophische Darlegung des Problems der Sterbehilfe
4.1 Philosophische Ansichten von Peter Singer
4.1.1 Bewertung Singers Position
4.2 Philosophische Ansichten von Norbert Hoerster
5. Religiöse Sichtweisen der Euthanasie
5.1 Stellung des Judentums zur Sterbehilfe
5.2 Stellung des Buddhismus zur Sterbehilfe
6. Einfluss der medizinischen Entwicklung auf die Sterbehilfe
6.1 Historie der medizinischen Möglichkeiten
6.2 Palliativmedizin – Alternative zur Sterbehilfe?
7. Sterbehilfe in anderen Ländern mit dem Beispiel der Niederlande
8. Befragungen zum Thema Sterbehilfe
8.1 Auswertung der ersten Befragung
8.2 Auswertung der zweiten Befragung
8.3 Auswertung der dritten Befragung
8.4 Auswertung der vierten Befragung
8.5. Kurzer Vergleich der Befragungen
9. Fazit mit persönlicher Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ethischen, philosophischen, religiösen und medizinischen Dimensionen der Sterbehilfe vor dem Hintergrund einer zunehmend selbstbestimmten Gesellschaft, mit dem Ziel, die verschiedenen Argumentationsansätze kritisch zu beleuchten und eine persönliche Stellungnahme zu formulieren.
- Grundlagen und Definitionen der verschiedenen Arten von Sterbehilfe.
- Philosophische Perspektiven von Peter Singer und Norbert Hoerster.
- Religiöse Sichtweisen und die Rolle medizinischer Entwicklungen.
- Vergleichende Analyse durch Experteninterviews und internationale Beispiele.
Auszug aus dem Buch
4.1 Philosophische Ansichten von Peter Singer
Der australische Philosoph, und Professor of Bioethics am Center for Human Values der Princeton University und Laureate Professor am Center for Applied Philosophy and Public Ethics der Universität von Melbourne, Peter Singer, wurde 1946 in Melbourne geboren und ist inzwischen Autor und Herausgeber vieler Werke. In seinem mehrfach überarbeiteten Buch „Praktische Ethik“ befasst er sich unter anderem mit dem Begriff der Sterbehilfe und wie man diese rechtfertigen kann. Singer selbst vertritt die konsequentialistische Ethik des (Präferenz-) Utilitarismus in welcher Handlungen danach beurteilt werden, welchen Nutzen bzw. welchen Zuwachs an Glück die jeweiligen Folgen für alle Betroffenen haben. Sie basiert darauf, „dass wir immer das tun sollten, was Lust oder Glück vermehrt und Schmerz oder Unglück verringert.“ Eigene Wünsche und Interessen, die sogenannten Präferenzen, müssen dabei immer in ein Verhältnis der Präferenzen aller anderen gesetzt werden, damit eine universale Ethik geschaffen wird. Allerdings bringt Singer in seinem Buch auch immer wieder Argumente anderer Moralauffassungen vor.
Die Grundlage seiner Haltung zur Euthanasie, welche ihm viel Kritik entgegenbrachte, besteht darin, dass er die Mitglieder menschlicher Spezies nicht vor andere stellt, nur weil sie eben dieser Spezies angehören und somit einen höheren Wert besitzen. Er stellt somit die allgemein in der Gesellschaft verankerte „Heiligkeit des menschlichen Lebens“ als nicht korrekt dar, da sie einzig und allein auf christlichen Ansichten und Prägungen besteht. Singer unterscheidet in „Mitglieder der Spezies Homo sapiens“ und „Personen“, welche rationale und selbstbewusste Wesen sind, welche einen „Sinn für die Zukunft“ besitzen und ein Verständnis von sich selbst, dem Raum und der Zeit haben. Mit dieser Definition ordnet er Neugeborene, Föten und schwerstbehinderte Menschen ausschließlich der ersten Kategorie zu, während ein dressierter Schimpanse durchaus zur zweiten Kategorie gehören kann. Unterscheiden wird demnach auch die Tötung von Personen und Mitglieder der Spezies Homo sapiens, wobei das Töten einer Person stärker verurteilt wird, da „Personen in ihren Präferenzen, sehr zukunftsorientiert sind“ und mit der Tötung werden all diese Wünsche und Zukunftspläne durchkreuzt und ausgelöscht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Einführung in die gesellschaftliche Debatte um Sterbehilfe, ihre rechtlichen Hürden und die Notwendigkeit, unterschiedliche Standpunkte zu untersuchen.
2. Definitionen verschiedener Begriffe der Sterbehilfe: Klärung der begrifflichen Vielfalt und Unterteilung in aktive, indirekte, passive Sterbehilfe sowie assistierten Suizid.
3. Historische Ansichten: Betrachtung antiker Auffassungen (Seneca) und aufklärerischer Positionen (Kant) sowie deren Bewertung im Kontext der heutigen Zeit.
4. Philosophische Darlegung des Problems der Sterbehilfe: Detaillierte Analyse der utilitaristischen Position von Peter Singer und der interessenethischen Ansätze von Norbert Hoerster.
5. Religiöse Sichtweisen der Euthanasie: Auseinandersetzung mit der ablehnenden Haltung des Judentums und den buddhistischen Perspektiven, die den Fokus auf Karma und spirituelle Reifung legen.
6. Einfluss der medizinischen Entwicklung auf die Sterbehilfe: Untersuchung des medizinischen Fortschritts als Schlüsselfaktor für die Debatte und der Palliativmedizin als möglichem Mittelweg.
7. Sterbehilfe in anderen Ländern mit dem Beispiel der Niederlande: Analyse der liberalen Gesetzgebung in den Niederlanden als Referenzpunkt für die deutsche Debatte.
8. Befragungen zum Thema Sterbehilfe: Auswertung von Experteninterviews mit Vertretern aus Medizin, Psychologie, Kirche und Buddhismus.
9. Fazit mit persönlicher Stellungnahme: Zusammenfassende Einschätzung der Autorinnen und Autoren sowie ein eigener Vorschlag für eine zukünftige Regelung.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Euthanasie, Patientenverfügung, Palliativmedizin, Ethik, Utilitarismus, Selbstbestimmung, assistierter Suizid, Medizinethik, Sterbeprozess, Patientenhoheit, Religion, Lebensqualität, Verantwortung, Gesetzesregelung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die vielschichtige Problematik der Sterbehilfe durch die Brille der modernen Medizin und Philosophie, um die aktuelle deutsche Debatte besser zu verstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben medizinischen und juristischen Grundlagen stehen philosophische Positionen, religiöse Sichtweisen und die Rolle der Palliativpflege im Fokus der Untersuchung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie die Diskussion um Sterbehilfe einzuordnen ist und welche verschiedenen Argumentationsansätze für oder gegen eine Legalisierung existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Studie verwendet?
Die Autorinnen haben eine fundierte Literaturrecherche durchgeführt und ergänzend Interviews mit verschiedenen Fachkräften (Psychologie, Medizin, Religion) geführt, um die Thematik praxisnah zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Ansätzen der Philosophen Peter Singer und Norbert Hoerster, betrachtet die religiösen Haltungen des Judentums und Buddhismus und beleuchtet den Einfluss des medizinischen Fortschritts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Sterbehilfe, Selbstbestimmung, Patientenverfügung, Ethik, Palliativmedizin und der Einfluss der modernen Medizin.
Wie bewerten die befragten Experten das Konzept der Patientenverfügung?
Alle interviewten Experten halten die Patientenverfügung für absolut notwendig, da sie den individuellen Willen des Patienten am Lebensende rechtlich absichert und als zentrales Instrument der Autonomie dient.
Warum wird im Fazit ein "Gesetzesvorschlag" erwähnt?
Die Verfasser schlagen ein Modell vor, das eine verpflichtende Aufklärung zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr sowie eine stärkere Einbindung von Fachpersonal vorsieht, um Patientenwillen besser zu erfassen und Missbrauch zu verhindern.
Wie steht die Autorin zu dem Konflikt zwischen Medizin und Sterbehilfe?
Die Arbeit sieht in der Palliativmedizin einen wichtigen Mittelweg, plädiert aber dennoch dafür, individuelle Möglichkeiten der aktiven Sterbehilfe unter strengen Auflagen zuzulassen, um unerträgliches Leid zu mindern.
Gibt es einen Unterschied zwischen "Töten" und "Sterben lassen"?
Ja, in der Arbeit wird explizit auf die Unterscheidung zwischen aktiven Handlungen (Töten) und Unterlassungen (Sterben lassen/passive Sterbehilfe) eingegangen, wobei insbesondere Singer diese Differenzierung als moralisch problematisch kritisiert.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2018, Sterbehilfe aus philosophischer und medizinischer Perspektive, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511918