Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, eine analytische Auseinandersetzung von Verhaltensweisen von Lehrpersonen zu vollziehen, die die Wahrscheinlichkeit des Eintretens von Störungen reduzieren. Ziel ist es, der Frage nachzugehen, warum sich der Unterricht bestimmter Lehrkräfte störungsärmer gestaltet als der Unterricht anderer Lehrpersonen.
Die strategische Bewältigung von Unterrichtsstörungen stellt einen wesentlichen Bestandteil des Lehrerberufs und des Lehreralltags dar. Ohne ein ausreichendes Maß an Disziplin im Klassenzimmer kann weder die Lehrkraft seine Unterrichtsziele erreichen, noch können die Schüler/innen ihre Lernprozesse erfolgreich gestalten. Nicht weniger zu beachten ist der Verlust aktiver Lernzeit, der durch das gehäufte Auftreten von Störungen, die eine Unterbrechung des Unterrichtsflusses zur Folge haben, zustande kommt.
In Lehrerbelastungsstudien wurde nachgewiesen, dass nicht nur die Wirksamkeit des Unterrichts, sondern auch die seelische Gesundheit der Lehrperson in erheblichem Maße durch permanente Unterrichtsstörungen beeinträchtigt werden kann. So werden Unterrichtsstörungen von Lehrkräften als wesentlicher Belastungsfaktor beim Unterrichten eingeschätzt.
In Anbetracht dieser Konsequenzen für die Gesundheit der Lehrperson und für die Unterrichtswirksamkeit, ist das Ausbildungsdefizit diesbezüglich Anlass zur Verwunderung, denn der Ausbildungsschwerpunkt angehender Lehrkräfte findet sich im Bereich der Methodik, Didaktik und der Fachkompetenz. Die Gründe für diese Schwerpunktsetzung sind vor dem Hintergrund der vielschichtigen Anforderungen des Lehrerberufs nachvollziehbar, dennoch ist die Signifikanz des "Disziplinmanagements" als wesentlicher Bestandteil der Professionalität des Lehrers nicht zu vernachlässigen.
Basierend auf den genannten Tatsachen und auf eigene Erfahrungen mit dem Phänomen im Rahmen des Praxissemesters soll eine lehrerzentrierte und praxisorientierte Auseinandersetzung mit Unterrichtsstörungen Kerngegenstand der vorliegenden Arbeit sein. Die in der Fachliteratur vorzufindenden Handlungsstrategien sind unterteilt in Interventionsstrategien, die Reaktionen auf bereits eingetretene Störungen darstellen, und präventive Strategien, die die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Störungen minimieren. Letztere spielen eine signifikantere Rolle, weil diese das Kernanliegen der täglichen Klassenführung sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dimensionen abweichendem Verhaltens im Unterricht
2.1 Unterrichtsstörung: eine Definition
2.2 Erscheinungsformen
2.3 Ursachen
3. Kounins Dimensionen des Lehrerverhaltens
3.1 Allgegenwärtigkeit
3.2 Reibungslosigkeit
3.3 Aufrechterhaltung des Gruppenfokus
3.4 Programmierte Überdrussvermeidung
4. Analyse präventiver lehrerzentrierter Strategien
4.1 Prävention durch breite Aktivierung
4.1.1 Motivation
4.1.2 Impulsgebung
4.1.3 Breite Kontrolle
4.1.4. Positive Kommentar-Impulse
4.1.5 Binnendifferenzierung zur Förderung der breiten Aktivierung im Fremdsprachenunterricht
4.2 Prävention durch Unterrichtsfluss
4.3 Prävention durch Präsenz- und Stoppsignale
4.4. Prävention durch Regeln
5. Fazit und Ausblick auf eine möglichst störungsarme Praxis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, durch eine theoretische Fundierung und eine analytische Auseinandersetzung mit lehrerzentrierten Verhaltensweisen zu ergründen, warum sich der Unterricht bestimmter Lehrpersonen grundlegend störungsärmer gestaltet als der anderer. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die präventiven Strategien der Klassenführung, um die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von Störungen nachhaltig zu reduzieren.
- Kounins Dimensionen des effektiven Lehrerverhaltens
- Präventive Strategien der Klassenführung
- Bedeutung der breiten Aktivierung im Unterricht
- Binnendifferenzierung im Fremdsprachenunterricht
- Die Rolle der Lehrperson als Autoritätsperson
Auszug aus dem Buch
3. Kounins Dimensionen des Lehrerverhaltens
Die Handlungskonzepte, die im Folgenden erörtert werden, stellen Methoden dar, die Lehrkräfte im Klassengeschehen selbst planen und umsetzen können. Diese wurden auf Grundlage empirischer Forschungen Jacob Kounins (vgl. Kounin 1976) zum Thema erstellt. Kounins Studie wird für die vorliegende Arbeit herangezogen, weil es einen Meilenstein in Bezug auf die Mikroebene des Lehrerverhaltens im Zusammenhang mit der Minderung von Störungen bildete. Bei der zweiten Videostudie, die durch Kounin und Mitforschenden an 49 Grundschulen durchgeführt wurden, gelangten diese zu eindeutigen Ergebnissen bezüglich effektivem Lehrerverhaltens bei der Prävention von und beim Umgang mit Unterrichtsstörungen (Kounin 2006: 65f.). Es stellten sich dabei vier Dimensionen des Lehrerverhaltens heraus, die wegweisend sind: Allgegenwertigkeit des Lehrers und Überlappung, Reibungslosigkeit und Schwung, Aufrechterhaltung des Gruppenfokus und programmierte Überdrussvermeidung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Störungsprävention für den Lehrerberuf und definiert das Ziel der Arbeit, präventive Strategien der Klassenführung zu untersuchen.
2. Dimensionen abweichendem Verhaltens im Unterricht: Dieses Kapitel definiert Unterrichtsstörungen und beleuchtet sowohl die Erscheinungsformen als auch die vielfältigen Ursachen von Schülerverhalten, das den Lernprozess beeinträchtigt.
3. Kounins Dimensionen des Lehrerverhaltens: Hier werden die vier zentralen, empirisch belegten Konzepte nach Jacob Kounin vorgestellt, die für ein störungsarmes Klassenmanagement entscheidend sind.
4. Analyse präventiver lehrerzentrierter Strategien: Das Hauptkapitel analysiert konkrete methodische Vorgehensweisen wie breite Aktivierung, Unterrichtsfluss, Signale und Regelsysteme zur Störungsprävention.
5. Fazit und Ausblick auf eine möglichst störungsarme Praxis: Das Fazit fasst zusammen, dass präventive Maßnahmen und ein reflektiertes, implizites Lehrerverhalten der Schlüssel zu einer störungsarmen Lernumgebung sind.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Klassenführung, Prävention, Lehrerverhalten, Kounin, breite Aktivierung, Störungsprävention, Binnendifferenzierung, Fremdsprachenunterricht, Disziplinmanagement, Unterrichtsfluss, schüleraktivierende Methoden, Lehrperson, Lernumgebung, Unterrichtsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Möglichkeiten der Lehrkräfte, durch präventive Strategien der Klassenführung Unterrichtsstörungen zu minimieren und einen störungsarmen Unterricht zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Kounins Dimensionen des Lehrerverhaltens, die verschiedenen Formen der Prävention durch breite Aktivierung sowie die Bedeutung der Binnendifferenzierung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis einer theoretischen Analyse zu verstehen, warum bestimmte Lehrkräfte durch ihr Verhalten den Unterricht störungsärmer gestalten als andere.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit fachdidaktischer Literatur, insbesondere auf die empirischen Forschungen von Jacob Kounin sowie Ansätze zur Klassenführung von Hans-Peter Nolting.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert lehrerzentrierte Strategien, darunter Motivation, Impulsgebung, Unterrichtsfluss, nonverbale Signale sowie die Etablierung eines Regelsystems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Klassenführung, Prävention, Unterrichtsstörungen, breite Aktivierung und Binnendifferenzierung.
Welche Rolle spielt die „Klassenbühne“ für das Lehrerverhalten?
Die Klassenbühne beschreibt das bewusste Auftreten der Lehrkraft, inklusive Stimme, Mimik, Gestik und Körperhaltung, um Aufmerksamkeit zu gewinnen und eine motivierende Lernatmosphäre zu schaffen.
Warum ist das „Rechenschaftsprinzip“ laut Kounin wichtig?
Das Rechenschaftsprinzip stellt sicher, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler aktiv in den Unterricht einbezogen werden, da das Wissen, jederzeit drangenommen werden zu können, störendem Verhalten entgegenwirkt.
Welchen Einfluss hat Binnendifferenzierung auf die Störungsprävention?
Binnendifferenzierung beugt Über- oder Unterforderung vor, wodurch Langeweile oder Frustration vermieden werden, die häufig Ursachen für störendes Verhalten im Klassenzimmer sind.
Warum sind drohende „Killerbotschaften“ laut der Arbeit kontraproduktiv?
Lehrkräfte, die durch ständiges Drohen kränken, erzeugen schlechte Voraussetzungen für den erfolgreichen Umgang mit Störungen und provozieren bei den Schülern oft Gegenaggressionen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Dimensionen und Prävention abweichenden Verhaltens im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511919