Demonstrativer Konsum. Die Theorie der feinen Leute von Thorstein Veblen und die Theorie des Habitus von Pierre Bourdieu


Hausarbeit, 2014

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erklärungsversuch des Konsums anhand von Vehlens Theorie der feinen Leute
2.1. Die müßige Klasse als Voraussetzung des demonstrativen Konsums
2.2. Prestige und demonstrativer Konsum

3. Erklärungsversuch des Konsums anhand von Bourdieus Theorie des Habitus
3.1. Kapitalarten
3.1.1. Definition von Kapital nach Bourdieu
3.1.2. Das ökonomisches Kapital
3.1.3. Das kulturelle Kapital
3.1.4. Das soziale Kapital
3.1.5. Das symbolische Kapital
3.2. Die sozialen Klassen
3.3. Der Habitus, Lebensstile und Geschmack als Motivation des Konsums

4. Kritische Auseinandersetzung der Erklärungsversuche Bourdieus und Vehlens als Intention des demonstrativen Konsums
4.1. Kritische Betrachtung der vorgestellten Theorien
4.2. Aktuelle Relevanz und Zustimmung der Theorien
4.3. Mögliche Beantwortung der Fragestellung

5. Schluss

6. Literaturhinweise

1. Einleitung

Die Menschen konsumieren, seit es Güter zum Konsumieren gibt. Doch welche Intention verbirgt sich dahinter? Gibt es Merkmale in einer Gesellschaft, welche den Konsum erklären? Thorstein Veblen hat mit seinem Werk „Theorie der feinen Leute“ einen Versuch unternommen, die Konsummotivation der Menschen zu erläutern. In seiner Arbeit stellt er die These des demonstrativen Konsums auf, welche aufzeigen soll, aus welcher Motivation heraus Menschen konsumieren. Ebenfalls hat sich Pierre Bourdieu mit der Frage des Konsums beschäftigt und versucht, in seiner Theorie des Habitus eine Erklärung für die Motivation des Konsums zu finden. Die Erklärungsversuche beider Autoren können unter der Überschrift „demonstrativer Konsum“ genannt werden, da sie von derselben Idee ausgehen, und zwar sind beide Wissenschaftler der Auffassung, dass ein Hauptgrund des Konsums die Demonstration des ökonomischen Wohlstands des jeweiligen Individuums ist (Hahn 2005: 57).

In dieser Hausarbeit werde ich eine kritische Auseinandersetzung mit den Erklärungsversuchen des Konsums anhand der Theorie der feinen Leute von Thorstein Veblen und der Theorie des Habitus von Pierre Bourdieu vornehmen. Es soll untersucht werden, inwieweit Argumente für diese Erklärungsversuche zulässig oder inwieweit sie veraltet oder nicht mehr repräsentativ sind. Ob man den Konsum anhand dieser Theorien erklären kann oder ob nur Teilaspekte verständlicher gemacht werden.

Um eine kritische Auseinandersetzung mit den Erklärungsversuchen des demonstrativen Konsums zu gewährleisten, müssen wir zuerst verstehen, was der demonstrative Konsum nach Veblen ist (Kap. 2). Dafür muss zuvor die müßige Klasse (Kap. 2.1.) beschrieben werden, um dem Gedankengang folgen zu können. Anschließend wird das Prestige als Grund des demonstrativen Konsums (Kap. 2.2.) beleuchtet. Hiernach müssen wir uns Bourdieu widmen und seiner Theorie des Habitus (Kap. 3). Die Kapitalsorten (Kap. 3.1.) wie die sozialen Räume (Kap. 3.2.) und der Habitus, Lebensstile und Geschmack (Kap. 3.3.) müssen hier genauer untersucht werden, um zu verstehen, was Bourdieu als demonstrativen Konsum auffasst und welche Bedeutung diesem in Bourdieus Theorie zukommt. Erst wenn die Gedanken beider Autoren näher beleuchtet wurden, können wir mit einer kritischen Betrachtung beginnen (Kap. 4.). Diese startet mit einer kritischen Betrachtung (Kap. 4.1.) des voran Geschriebenen, erweitert sich mit der aktuellen Relevanz und Zustimmung der Theorien (Kap. 4.2.) und endet mit einer möglichen Beantwortung der Fragestellung (Kap. 4.3.). Zum Schluss (Kap. 5.) werde ich das Fazit dieser Arbeit aufzeigen.

2. Erklärungsversuch des Konsums anhand von Vehlens Theorie der feinen Leute

Im Folgenden kann nicht auf die gesamte Theorie der feinen Leute eingegangen werden, da dies den Umfang der Hausarbeit übersteigen würde. Hiernach werden nur die für die Fragestellung relevanten Punkte angesprochen: welche die müßige Klasse und ihr Verhältnis zum Rest der Gesellschaft, das Prestige des Privateigentums und den demonstrativen Konsum beinhalten. Auf den Begriff der Muße und demonstrative Muße habe ich mit Absicht verzichtet, da dies nicht unmittelbar für die Fragestellung relevant erscheint und den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde. Für nähere Informationen empfehle ich Kapitel 3. der Theorie der feinen Leute (vgl. Veblen 1958: 51 ff).

Vehlens Theorie basiert auf den Beobachtungen und Vergleichen von Güterkonsum und gesellschaftlichem Wohlstand. Ökonomische Prozesse sind nur im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Institutionen wie Klassen, Ständen, Milieus oder Gruppen und ihren speziellen Normen und Werten zu charakterisieren. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Milieu erlaubt den Konsum spezieller Güter und grenzt Mitglieder anderer Milieus davon aus. Die Unterteilung in eine Zwei-Stände-Gesellschaft ist charakteristisch für Vehlens Theorie der feinen Leute: die arbeitende Klasse und die müßige Klasse.

2.1. Die müßige Klasse als Voraussetzung des demonstrativen Konsums

Als Voraussetzung für den demonstrativen Konsum nennt Veblen die Bildung einer vornehmen Klasse. Diese obere Schicht betätigt sich nicht als produktive Arbeitskraft, sondern hat das Privileg, nicht arbeiten zu müssen und somit zu einer müßigen Klasse werden zu können (Veblen 1958: 21). König unterstreicht dies, indem er sagt, dass die Reichen Freizeit haben, was zu der damaligen Zeit ungewöhnlich war, da für den Lebensunterhalt sehr lange gearbeitet werden musste (König 2000: 129). Veblen schreibt dieser Klasse vier Tätigkeiten zu: „Das Regieren, der Krieg, die religiösen Ämter und der Sport“ (Veblen 1958: 22), dies sind die einzigen Tätigkeiten, welche für diese Klasse in Frage kommen. Allerdings muss eine gewisse Gesellschaftsform mit speziellen soziokulturellen Aspekten entstehen, bevor sich die Klasse der feinen Leute entwickeln kann. Die Gesellschaft muss ökonomisch einen Überschuss erwirtschaften und eine „Räuberkultur“ (Veblen 1958: 38) innehaben, welche sich in der Jagd und dem Krieg charakterisiert, als Voraussetzung für die Entstehung der müßigen Klasse. Bei „der Transition zu einer produktiveren Entwicklungsstufe muss folglich das Privateigentum entstanden sein, das gleichzeitig zum Symbol einer herrschaftlichen, räuberischen Klasse wurde“ (Palitzsch 1995: 237). Veblen sieht die Klasse der feinen Leute, also die obere Schicht, als ein Überbleibsel alter patriarchalischer Klassen an, welche durch Gewalt und Macht an die Spitze der Gesellschaft gekommen sind (Palitzsch 1995: 268). Ebenso meint Veblen, dass alle unteren Klassen sich an den Normen und Werten der müßigen Klasse orientieren und danach streben, in der Hierarchie aufzusteigen. Aus diesem Grund sind die Grenzen der verschiedenen Klassen flüssig und lassen sich nicht deutlich ausmachen (Veblen 1958: 92). Zu beachten ist hierbei, dass Veblen davon ausgeht, dass sich keine Klasse dem demonstrativen Konsum entziehen kann (Veblen 1958: 93). Durch den Besitz wertvoller Güter steigen das Ansehen und die Ehre des Besitzers. Veblen benennt „diesen Kampf um Besitz als einen Kampf ums Dasein“ (Veblen 1958: 42). Wer am meisten Güter besitzt, kann am meisten Güter verbrauchen und beweist mit dem Verschwenden dieser seinen Reichtum, seinen Einfluss und seinen Machtbereich. Dies führt uns zum Prestige und zum demonstrativen Konsum.

2.2. Prestige und demonstrativer Konsum

„In jeder industrialisierten Gesellschaft beruht das Prestige letzten Endes auf der finanziellen Stärke, und die Mittel, um diese in Erscheinung treten zu lassen, [dies ist der] demonstrativeKonsum“ (Veblen 1958: 93).

Unter demonstrativem Konsum versteht Veblen den Konsum und die Verschwendung von Luxusgütern. Um zu beweisen, dass man so viel Geld hat und es sich leisten kann, verschwenderisch zu sein. „Durch den demonstrativen Konsum wertvoller Güter erwirbt der vornehme Herr Prestige“ (Veblen 1958: 85). Prestige kann in diesem Fall als Anerkennung, Respekt und Ehre deklariert werden. Im demonstrativen Konsum geht es nicht um Bedürfnisbefriedigung im herkömmlichen Sinne, sondern es handelt sich um Angeben, seinen Reichtum zu präsentieren, um die Hierarchie in der Gesellschaft zu bekräftigen und zu erhalten. Denn je mehr Reichtum sich ansammelt, desto schwieriger wird es, den gesamten Besitz zur Schau zu stellen (Veblen 1958: 85). Dafür werden extra große, pompöse Feste organisiert oder teure Geschenke verteilt. Die Gäste oder die Beschenkten wiederum treten dann als stellvertretende Konsumenten auf und sind damit stellvertretende Verbraucher des Reichtums des obersten Herren, welcher dadurch wiederum Prestige der anderen Stände erhält (Veblen 1958: 87). „Der Aufwand für das Fest und die Kostspieligkeiten der Geschenke demonstrieren den Überfluß des eigenen Vermögens“ (Haselberg 1962: 56) und machen den Gast zum Zeugen des Reichtums. Stellvertretender Konsum ist hiernach aller Konsum, welcher der oberste Herr bezahlt, allerdings nur zu dem Zwecke, das eigene Prestige zu erhöhen oder zu vermehren (Veblen 1958: 87). Haselberg beschreibt diese Gastfreundschaft als eine Nachahmung des Machtverhältnisses des Unterworfenen zum Mächtigen (Haselberg 1962: 57). So wird demonstrativer Konsum als Demonstration der Macht gegenüber der gesamten Gesellschaft als Strategie für den Erhalt an Prestige anerkannt und genutzt (Lenger / Priebe 2013: 96).

„Die gesamte Geschichte des demonstrativen Verbrauchs - handle es sich nun um den Verbrauch von Gütern, Dienstleistungen oder menschlichem Leben - wird natürlich von einer Bedingung beherrscht, nämlich der, dass die Ausgaben, sollen sie das Ansehen des Konsumenten auch wirklich erhöhen, überflüssig sein müssen. Nur Verschwendung bringt Prestige.“ (Veblen 1958: 103). Die Kemaussage des demonstrativen Konsums lautet daher Verschwendung. Wer die höchste Verschwendung darbietet, hat den höchsten anerkannten Status. Aller Konsum, welcher sich nach wirklichen Lebensbedürfnissen richtet wie Kleidung gegen Kälte oder Nahrung gegen Hunger, sind demnach trivial und bringen kein Prestige. Riesman analysiert den Konsum von Veblen daher richtig, indem er sagt, „Veblen regards all consumption - and leisure behavior in general - as determined mainly by the desire to impress others“ (Riesman 1953: 174). Es geht beim demonstrativen Konsum allein darum, durch seinen Reichtum und durch seinen gesellschaftlichen Stand andere Menschen zu beeindrucken und den Neid, welcher einem von den unteren Klassen entgegenschlägt, als Prestige anzunehmen, um dadurch seinen Stand in der Hierarchie zu festigen.

3. Erklärungsversuch des Konsums anhand von Bourdieus Theorie des Habitus

Bourdieus Versuch, die Motivation des Konsums zu erklären, unterscheidet sich zu den Bemühungen von Veblen in spezifischer Art und Weise. Dennoch haben beide Autoren ähnliche Ansätze, was im Folgenden aufgezeigt wird. Wie zuvor werden hier nur für die Fragestellung relevante Aspekte aufgeführt, welche sich mit der Konsumfrage beschäftigen.

Um die These von Bourdieu zu verstehen, muss man sich Bourdieus Theorie des Habitus, welche in seinem Werk „Die feinen Unterschiede“ erläutert wird, widmen. Der Autor definiert darin soziale Klassen, welche sich durch verschiedene Kapitalfelder benennen lassen, aus denen der jeweils individuelle Habitus hervorgeht. Ebenso spielt der Geschmack der spezifischen Klassen für die Motivation von Konsum eine übergeordnete Rolle und muss mit in die Analyse einbezogen werden. Daraus folgert das weitere Vorgehen in dieser Arbeit. Erst müssen die verschiedenen Kapitalarten näher beleuchtet werden, um anschließend die verschiedenen Klassen zu erläutern, um demnach den Habitus und den Geschmack in Hinsicht auf die Fragestellung zu erklären.

3.1. Kapitalarten

Das hier Geschriebene gibt nur einen Umriss der Kapitalarten wieder. Nähere Informationen sind in Bourdieus Werk „Die verborgenen Mechanismen der Macht“ (vgl. Bourdieu 1992: 49-79) zu finden. Er beschreibt darin drei verschiedene Kapitalarten. Das ökonomische Kapital, das kulturelle Kapital und das soziale Kapital. Das symbolische Kapital ist eine spezielle Form des Kapitals, welches für die Fragestellung als sehr relevant zu deuten ist.

3.1.1. Definition von Kapital nach Bourdieu

„Kapital ist akkumulierte Arbeit, entweder in Form von Material oder in verinnerlichter, “inkorporierter“ Form“ (Bourdieu 1992: 49). Die Aneignung von Kapital ermöglicht die Aneignung von sozialer Energie, welche sich in verschiedenen Auswirkungen bemerkbar macht und sich auf die objektiven wie subjektiven Strukturen einer Gesellschaft auswirken kann (Bourdieu 1992: 49). Das Kapital kann sich vermehren, wachsen oder Profite erzeugen. Die verschiedenen Kapitalarten geben die Struktur der Gesellschaft vor und beschreiben die gesellschaftliche Wirklichkeit mit all ihren Zwängen und Erfolgschancen (Bourdieu 1992: 50). Weiter sagt Bourdieu, dass „alle Handlungen [...] auf die Maximierung materiellen oder symbolischen Gewinns ausgerichtete Handlungen“ sind (Bourdieu 1976: 357) und somit der Gewinn von Kapital im Vordergrund jeder Handlung steht, was für die Fragestellung ein relevanter Punkt ist, da nach dieser These jede Art des Konsums den Gedanken der Gewinnmaximierung beinhaltet.

3.1.2. Das ökonomisches Kapital

„Das ökonomische Kapital ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in der Form des Eigentumsrechts“ (Bourdieu 1992: 52). Aus diesem Grund ist das ökonomische Kapital eines der wichtigsten Kapitale der heutigen Zeit und spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Frage des Konsums geht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Demonstrativer Konsum. Die Theorie der feinen Leute von Thorstein Veblen und die Theorie des Habitus von Pierre Bourdieu
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Einführung in die materielle Kultur
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V511991
ISBN (eBook)
9783346090942
ISBN (Buch)
9783346090959
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pierre Bourdieu, Thorstein Veblen, Konsum, Kritik, Theorie des Habitus, Theorie der feinen Leute, Ethnologie, Soziologie
Arbeit zitieren
Cristian Claus (Autor), 2014, Demonstrativer Konsum. Die Theorie der feinen Leute von Thorstein Veblen und die Theorie des Habitus von Pierre Bourdieu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511991

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