Die Verhaltensgenetik beschäftigt sich mit der Beeinflussung des Verhaltens durch genetische Faktoren. Einen Schwerpunkt der Verhaltensgenetik bildet die Betrachtung der Anlage-Umwelt-Forschung. In der Vergangenheit wurden Extrempositionen vertreten, nach denen z. B. die Intelligenz ausschließlich vererbt oder durch Umwelteinflüsse erlangt wird. Inzwischen sind die Forscher zu dem Ergebnis gekommen, dass sowohl das Erbgut als auch die Umwelt eine Rolle bei der Bildung von Verhaltensmerkmalen spielen.
Die Forschungsansätze in der Verhaltensgenetik sind Zwillings- und Adoptionsstudien. Die vorliegende Arbeit skizziert, hauptsächlich Bezug nehmend auf Peter Borkenaus Werk „Anlage und Umwelt – Einführung in die Verhaltensgenetik“, ebendiese Studien. Um dem Leser vorab einen Einstieg in die Materie zu ermöglichen, werden zunächst einige wichtige Begriffe der Genetik erklärt. Anschließend wird ein kurzer Überblick darüber gegeben, wie die Ergebnisse verhaltensgenetischer Studien in der Vergangenheit gewertet wurden. Im Hauptteil werden Zwillings- und Adoptionsstudien erklärt. Hierbei wird auf die Thematik von geteilter und spezifischer, also nicht geteilter Umwelt und auf die genetischen Einflüsse eingegangen. Zur Verdeutlichung werden zwei Beispielstudien herangezogen. Abschließend wird im Ausblick gezeigt, welche zukünftigen Ansätze für die Forschung möglich und wünschenswert sind.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Begriffserläuterungen
III. Historie
IV. Zwillings- und Adoptionsstudien
a) Zwillingsstudien
b) Adoptionsstudien
c) geteilte und spezifische Umwelt
d) genetische Einflüsse
V. Minnesota Twin Family Study
a) MICTAR Studie an getrennt aufgewachsenen Zwillingen
b) MICTAR Studie zur Erblichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen
VI. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen auf die menschliche Verhaltensbildung. Ziel ist es, basierend auf verhaltensgenetischer Forschung zu skizzieren, welchen Anteil Anlage und Umwelt an der Ausprägung von Persönlichkeitsmerkmalen und Intelligenz haben.
- Methodische Grundlagen der Verhaltensgenetik
- Analyse von Zwillings- und Adoptionsstudien
- Unterscheidung von geteilter und spezifischer Umwelt
- Genetische Einflüsse und Anlage-Umwelt-Interaktion
- Ergebnisse der Minnesota Twin Family Study
Auszug aus dem Buch
d) genetische Einflüsse
Es gibt drei Komponenten der genotypischen Varianz: 1) die additive Genwirkung, also die Summe der Einzelwirkungen, 2) die auf Dominanzabweichungen zurückgehende Wirkung (genetische Dominanz) und 3) die auf Epistase zurückgehende Varianz, d. h. die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Genen. Das Epistasis-Gen wird dann dominant, wenn beide Komponenten rezessiv sind. Borkenau nennt hier zudem noch als vierten Punkt die auf selektive Partnerwahl zurückgehende Varianz.
Weiterhin lassen sich drei Typen von Anlage-Umwelt-Kovariation nach Plomin, DeFries, Loehlin (1977) unterscheiden: 1) Die passive Anlage-Umwelt-Kovariation. Dies sind Kovariationen, bei denen die Merkmalsträger nicht für das Zustandekommen verantwortlich sind, z. B. Anlage-Umwelt-Kovariation, die aus der unterschiedlichen familiären Herkunft der Individuen resultieren. D. h. zum einen wird hier Intelligenz vererbt, zum anderen stellt eine intelligenzfördernde Umwelt einen ebenso wichtigen Aspekt dar. 2) Die reaktive Anlage-Umwelt-Kovariation: Die Individuen werden durch ihre Umwelt beeinflusst und beeinflussen umgekehrt ihre Umwelt. „Die von einem Individuum erlebte Umwelt ist mithin selbst wieder ein Ergebnis seines Verhaltens[…]“.
3) Die aktive Anlage-Umwelt-Kovariation: Das Individuum gestaltet seine Umwelt selbst und wählt diese aktiv aus (Berufswahl, Wahl der Peer-Group etc.) Auch hier ist die Umwelt zum Teil Konsequenz des eigenen Verhaltens. Dabei muss auf das Konzept der Anlage-Umwelt-Interaktion hingewiesen werden. Denn genetische Effekte und Umwelteffekte müssen sich nicht unbedingt addieren, sondern profitieren auch mal voneinander.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Themenfeld der Verhaltensgenetik ein und erläutert die Relevanz der Anlage-Umwelt-Forschung sowie den Aufbau der Arbeit.
II. Begriffserläuterungen: Es werden grundlegende genetische Termini wie Gen, Genotyp, Phänotyp und Allele definiert, um ein Verständnis für die biologischen Grundlagen der Vererbung zu schaffen.
III. Historie: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Erblichkeitsforschung von Plato über Lamarck bis hin zu Darwin und Mendel nach.
IV. Zwillings- und Adoptionsstudien: Hier werden die methodischen Ansätze erläutert, mit denen der Einfluss von Genen und Umwelt bei Menschen (aufgrund ethischer Grenzen von Feldstudien) untersucht wird.
V. Minnesota Twin Family Study: Anhand der MICTAR-Studie werden konkrete Ergebnisse zur Erblichkeit von Intelligenz und Persönlichkeitsmerkmalen bei getrennt und gemeinsam aufgewachsenen Zwillingen dargelegt.
VI. Ausblick: Der Ausblick diskutiert notwendige zukünftige Forschungsansätze, insbesondere hinsichtlich der Messmethodik und der Bedeutung spezifischer Umweltvariablen.
Schlüsselwörter
Verhaltensgenetik, Anlage-Umwelt-Forschung, Zwillingsstudien, Adoptionsstudien, Erblichkeit, Heritabilität, Intelligenz, Persönlichkeitsmerkmale, Monozygoten, Dizygoten, Genotyp, Phänotyp, Anlage-Umwelt-Interaktion, MICTAR, Minnesota Twin Family Study
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Verhaltensgenetik und untersucht, wie genetische Faktoren und Umwelteinflüsse gemeinsam das menschliche Verhalten und bestimmte Merkmale prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Zwillings- und Adoptionsstudien, die Abgrenzung von geteilter und spezifischer Umwelt sowie die verschiedenen genetischen Einflüsse auf die Varianz von Merkmalen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis der Fachliteratur darzulegen, wie groß der jeweilige Einfluss von Genen und Umwelt auf Persönlichkeitsausprägungen und Intelligenz ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die insbesondere die verhaltensgenetischen Forschungsansätze und die Ergebnisse großer Zwillings- und Adoptionsstudien auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Erklärung von Zwillings- und Adoptionsforschungen, die Differenzierung von Umwelt- und Erblichkeitsfaktoren sowie die detaillierte Vorstellung der Ergebnisse der Minnesota Twin Family Study.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Verhaltensgenetik, Erblichkeit, Heritabilität, Zwillingsstudien, Adoptionsstudien, Intelligenz, Anlage-Umwelt-Interaktion und MICTAR.
Welche Bedeutung hat die "selektive Platzierung" für die Ergebnisse?
Die selektive Platzierung bezeichnet den Prozess, bei dem Adoptivkinder in Familien gegeben werden, die ihren biologischen Eltern in bestimmten Merkmalen ähneln, was zu einer Verzerrung und potenziell zu überhöhten Erblichkeitsschätzungen führen kann.
Wie unterscheiden sich geteilte und spezifische Umwelteinflüsse?
Die geteilte Umwelt umfasst Einflüsse, die von Geschwistern in einer Familie gemeinsam erfahren werden, während die spezifische Umwelt individuelle Erfahrungen bezeichnet, die dazu führen, dass selbst Geschwister sich unterschiedlich entwickeln.
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- Nicole Singler (Author), 2005, Zwillings- und Adoptionsstudien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51200