Der demographische Wandel in Deutschland und seine Wirkungen auf den Sport


Diplomarbeit, 2005

150 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stand der Sportwissenschaft
2.1 Methodisches Vorgehen
2.2 Ganzheitliche Bezüge zum demographischen Wandel
2.3 Ergebnisse der Literaturanalyse
2.3.1 Suchergebnisse in sportwissenschaftlichen Periodika
2.3.2 Suchergebnisse in nichtperiodischen Veröffentlichungen
2.4 Untersuchungsergebnisse in sportwissenschaftlichen Teilbereichen
2.5 Fazit

3. Allgemeine Informationen zur Demographie
3.1 Definition der Begriffe "Demographie" und "Bevölkerungswissenschaft"
3.2 Bevölkerungsvorausberechnungen
3.2.1 Methoden der Bevölkerungsvorausberechnung
3.2.2 Institutionalisierung der deutschen Bevölkerungswissenschaft
3.3 Geschichtliche Aspekte der Bevölkerungsforschung
3.3.1 Von der Theorie zur eigenständigen Wissenschaft
3.3.2 Die Rolle der Bevölkerungswissenschaft im Nationalsozialismus
3.3.3 Die demographische Forschung der Moderne
3.3.4 Der bevölkerungswissenschaftliche Status Quo in Deutschland
3.4 Globale demographische Tendenzen
3.4.1 Das Modell des „Demographischen Übergangs“
3.4.2 Globale demographische Problembereiche

4. Der demographische Wandel Deutschlands von 1945-2004
4.1 Die demographische Entwicklung in BRD und DDR von 1949-1990
4.2. Quantitative Bevölkerungsentwicklung in BRD und DDR
4.2.1 Begründung der demographischen Entwicklung
4.2.1.1 Migration
4.2.1.2 Fertilität
4.3 Die demographische Entwicklung im wiedervereinigten Deutschland
4.3.1 Begründung der demographischen Entwicklung
4.3.1.1 Lebenserwartung/Mortalität
4.3.1.2 Migration
4.3.1.3 Fertilität

5. Die demographische Zukunft Deutschlands bis
5.1 Die „10. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung“
5.1.1 Forschungsleitende Annahmen
5.1.1.1 Die Außenwanderung
5.1.1.2 Die Fertilität
5.1.1.3 Die Lebenserwartung/Mortalität
5.2 Die Ergebnisse der mittleren Variante
5.3 Die Rolle der Zuwanderung

6. Demographischer Wandel und die Zukunft des Sports
6.1 Formalstatistische Konsequenzen für den Vereinssport
6.1.1 Die Entwicklung im Altersbereich der unter 20-Jährigen
6.1.2 Die Entwicklung im Altersbereich der über 60-Jährigen
6.2 Kommunale Aspekte der Sportinfrastrukturgestaltung
6.2.1 Demoökonomische Aspekte regionaler Sportentwicklungsplanung
6.2.2 Kommunalpolitischer Reformzwang
6.2.3 Die Notwendigkeit demographischer Bezugnahmen
6.2.4 Die Studie „2020 – Die demografische Zukunft der Nation“
6.2.4.1 Die Hauptergebnisse der Studie
6.3 Gesundheitspolitische Handlungsansätze zur sozialen Absicherung
6.3.1 Die involvierten Teilbereiche des Sozialsystems
6.3.2 Die Generationengerechtigkeit des deutschen Rentensystems
6.3.3 Politische Umsetzung und Planungssicherheit für den Sport
6.3.4 Gesundheitspolitischer Gesinnungswechsel?
6.4 Sozialintegrative Aspekte des organisierten Vereinssports
6.4.1 Zuwanderungspolitik als gesellschaftliches Spannungsfeld
6.4.1.1 Wachstumspotenziale für den organisierten Vereinssport?
6.4.1.2 Reformbedarf im deutschen Vereinssport
6.4.2 Die integrativen Effekte des Seniorensports
6.4.2.1 Sozialstrukturelle Veränderungen nach Tews
6.4.2.2 Konkurrierende Alternstheorien
6.4.2.3 Zur Lebenssituation der „neuen Alten“
6.4.2.4 Das Freizeitverhalten der „jungen Alten“

7. Demographiebezogene Maßnahmen des Sports
7.1 Seniorensport
7.2 Sportinfrastrukturelle Anpassungen
7.3 Das NRW-Landesprogramm „Sport mit Aussiedlern“
7.4 Kieser Training – Gesundheitsorientierter Muskelaufbau
7.5 Kinder- und Jugendsport

8. Zusammenfassung und Ausblick

9. Glossar

10. Anhang
10.1 Literaturverzeichnis
10.2 Internetadressen
10.3 Abbildungsverzeichnis
10.4 Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Ginge es nach der Bevölkerungswissenschaft, dann käme der gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den bevorstehenden Veränderungen im Bevölkerungsaufbau Deutschlands sicherlich weitaus mehr Bedeutung zu, als es derzeit tatsächlich der Fall ist. Zwar finden sich in den letzten Jahren vor allem in der Politik[1] gelegentliche Anzeichen einer gesteigerten Bezugnahme zu Aspekten der gesellschaftlichen Alterung, jedoch kann aktuell weder hier noch im Sport, dem Kerngebiet der vorliegenden Diplomarbeit, von einer der komplexen Problematik insgesamt angemessenen Berücksichtigung die Rede sein

Es sind demzufolge vornehmlich Demographen wie Herwig Birg, Direktor des Instituts für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik an der Universität Bielefeld, die in der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung eine der größten nationalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sehen (BIRG, 2003, S. 10f.). Und auch für den Sport, eines der bedeutenden gesellschaftlichen Subsysteme, scheinen in diesem Zusammenhang nachhaltige Konsequenzen unvermeidlich zu sein

Vor der eingehenden thematischen Überleitung hierhin soll jedoch zunächst die Klärung einiger wesentlicher Aspekte des Umgangs mit Inhalten der bevölkerungswissenschaftlichen Forschung und Lehre im Mittelpunkt stehen. Hierdurch kommt möglicherweise bereits einleitend die ganz grundsätzliche Problembehaftung der theoretischen Auseinandersetzung mit demographischen Fragestellungen zum Ausdruck, die sich letztlich auch im Hinblick auf diese Diplomarbeit keineswegs erleichternd auswirkten

Die Eckpunkte des oben angesprochenen demographischen Umbruches lauten in Deutschland vorrangig „Alterung“ und „Bevölkerungsabnahme“. Birg spricht in diesem Zusammenhang von sich zuspitzenden Verteilungskämpfen zwischen Jung und Alt, Familien mit und ohne Kindern sowie qualifizierten deutschen Staatsangehörigen und weniger gut ausgebildeten Zuwanderern. Der „gewohnte, schrittweise Ausbau unseres Sozialstaats“ ist hiermit de facto beendet (BIRG, 2003, S. 12). Doch anstatt fester Bestandteil einer offenen Debatte zu sein, geistern bevölkerungswissenschaftliche Inhalte, wenn überhaupt, zumeist recht inhaltslos in der Bezeichnung als „Demographischer Wandel“ durch die politische Landschaft

Woran liegt das? Wie kann es sein, dass eine wissenschaftliche Disziplin, deren Ergebnisse gerade im Hinblick auf die kommenden Jahrzehnte wichtige Kenngrößen der Entwicklung deutschen Wohlergehens widerspiegeln, ganz offensichtlich über einen Mangel an öffentlicher Reputation verfügt? Möglicherweise bringt es Bernhard vom Brocke damit auf den Punkt:

„Als staatsnahe, politikberatende und politisierende Disziplin war die Bevölkerungswissenschaft [...] wie kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin in die Umbrüche, Zusammenbrüche, Verwerfungen der deutschen Geschichte und in den Kampf der Ideologien verwickelt“ (VOM BROCKE, 1998, S. 11)

Gemeint sind hier zuvorderst die fachlichen Verfehlungen rassistisch motivierter Bevölkerungswissenschaftler zu Zeiten des Dritten Reiches, weshalb die Disziplin bis heute als historisch vorbelastet gilt (vgl. Kapitel 3.2). Die daraus resultierende reflexartige politische Abwehrhaltung gegenüber demographischen Inhalten erscheint in diesem Zusammenhang als geradezu traditionelles Postulat – hierfür gibt es prominente Vordenker

Konrad Adenauer, erster Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland hat einmal gesagt: „Kinder kriegen die Leute sowieso“ (UCHATIUS, Die Zeit)

Heute - über 50 Jahre danach - darf und muss mit Blick auf Adenauers Aussage wohl zweierlei behauptet werden:

1. Zum einen wird vor der manifesten demographischen Wirklichkeit klar, dass Adenauer mit seiner Einschätzung schlicht und ergreifend irrte. In Deutschland sterben seit 1972[2] jährlich mehr Menschen, als geboren werden (STATISTISCHES BUNDESAMT, 2005, S. 8). Zum aktuellen Zeitpunkt bleibt darüber hinaus rund jede dritte deutsche Frau zeitlebens kinderlos; bei Akademikerinnen sind es sogar fast 40% (BUNDESINSTITUT FÜR BEVÖLKERUNGSFORSCHUNG, 2004, S. 25ff.)
2. Zum anderen kommt in Adenauers Aussage neben aller ungebotenen Sorglosigkeit möglicherweise auch bereits eben jener politische Opportunismus im Umgang mit bevölkerungswissenschaftlichen Themen zum Ausdruck, in dessen Folge sich in Deutschland seit nunmehr über dreißig Jahren ein bislang nie da gewesener demographischer Wandel vollziehen konnte, dessen sicht- und spürbare Verstärkung unmittelbar bevorsteht

Sicherlich stellt politischer Handlungsspielraum in der komplexen Kausalität demographischer Veränderungen, die im Laufe der Arbeit noch genauer erörtert werden sollen, lediglich einen Aspekt unter vielen dar. Und dennoch haftet der Positionierung deutscher Politiker zu demographischen Fragen etwas beinahe Schicksalhaftes an, infolgedessen die Zwangsläufigkeit der bevorstehenden demographischen Problematik von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Dies hat gesamtgesellschaftlichen Signalcharakter:

So ergab eine 2003 im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgeführte Umfrage, dass mehr als 50% der Befragten noch nie vom „Demographischen Wandel“ gehört hatten (BERTELSMANN-STIFTUNG, 2003, S. 5). Birg betont daher zurecht:

„Diese Möglichkeiten ungenutzt zu lassen, weil die Demographie in einer bestimmten Phase unserer Geschichte für eine totalitäre Politik [...] missbraucht wurde, läuft darauf hinaus, die katastrophalen Auswirkungen der Nazizeit über das Unvermeidliche hinaus zu verlängern und zu verewigen“ (BIRG, 2003, S. 14)

Die Konsequenzen des demographischen Wandels indes, der als langfristig unumkehrbar erachtet werden muss, werden sich auf breiter gesellschaftlicher Ebene widerspiegeln

So auch - und vielleicht gerade - im Sport, dessen traditionelles Streben nach Leistungsfähigkeit und Jugendlichkeit in Zukunft nur noch erschwert mit den bevölkerungswissenschaftlichen Kennziffern unserer alternden Gesellschaft in Gleichklang zu bringen sein dürfte. Zudem erhält der demographische Wandel im organisierten deutschen Vereinssport eine entscheidende quantitative Bezugsgröße; schließlich handelt es sich beim Deutschen Sportbund (DSB) mit seinen derzeit etwa 27 Millionen Mitgliedern und ungefähr 90.000 Vereinen um die mit Abstand größte nationale Personenvereinigung (DEUTSCHER SPORTBUND, 2003a, S. 5 u. 11). Die Zeiten sprunghafter Mitgliederzuwächse sind jedoch vorbei. Darauf weisen nicht zuletzt die jährlich vom DSB herausgegebenen Bestandstabellen eindeutig hin (vgl. Kap. 6.1). Was läge demnach näher als zu vermuten, dass auch hier bedingt durch die sich ausdünnenden Nachwuchsjahrgänge aber auch durch die zu beobachtende positive Entwicklung im Seniorensportbereich in Zukunft völlig neue Wege bestritten werden müssen. Denn soviel ist klar:

Dem gesamten deutschen Sport, egal ob fremd- oder eigenorganisiert, ob gemeinnützigen oder kommerziellen Ursprungs, muss es gelingen, einen nachhaltigen strukturellen Ausgleich zur bevorstehenden demographischen Wirklichkeit zu schaffen. Alles andere käme unweigerlich einem Funktions- und Ansehensverlust gleich[3]. Fragen nach (1) der Effizienzsteigerung zukünftiger Nachwuchsförderung, nach (2) einer Verbesserung der Integration von in Deutschland lebenden ethnischen Minderheiten, nach (3) einer verbesserten Nutzung der primärpräventiven Potenziale des Sports nach (4) einem inflationären Bedeutungszuwachs des Seniorensports sowie nach (5) einer bedarfsgerechteren Planung sportinfrastruktureller Bau- und Instandsetzungsmaßnahmen drängen sich vor dem Hintergrund der im Verlauf dieser Diplomarbeit dargestellten bevölkerungswissenschaftlichen Daten geradezu auf

Andreas Klages spricht daher in einem Positionspapier des DSB aus dem Jahr 2004 von den großen demographischen Herausforderungen, die auch der Sport in Zukunft zu bewältigen habe (www.dsb.de). Antworten auf die bevorstehende Problematik bleiben hier, aber auch andernorts bisweilen häufig ungenannt; zumal auch die Sportwissenschaft bis dato als impulsgebende Instanz lediglich partiell in Erscheinung tritt. So sind Publikationen, die den demographischen Umbruch als zukunftsorientierten Wirkkomplex ganzheitlich und damit auch ursächlich erfassen, in der Sportwissenschaft (noch) rar gesät (vgl. Kap. 2). Hieraus bezieht das Thema „Demographie und Sport“ aus der Sicht des Autors seine Forschungsleitende Relevanz

Es ist somit das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit, die demographische Entwicklung Deutschlands umfassend zu beleuchten und über die detaillierte Darstellung ihrer gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Konsequenzen realistische Problemfelder aber auch Chancen für den Sport zu erörtern und in Addition zum derzeitigen sportwissenschaftlichen Kenntnisstand zu bewerten

Nach der Einleitung erfolgt im zweiten Kapitel eine auf der inhaltlichen Verknüpfung sportwissenschaftlicher Publikationen mit bevölkerungswissenschaftlichen Inhalten basierende literarische Bestandsaufnahme

Das dritte Kapitel bildet den allgemeinen theoretischen Rahmen der Arbeit: Hierin enthalten sind eine differenzierte Definition des Terminus „Demographie“, ein Überblick über bevölkerungswissenschaftliche Arbeitsweisen sowie eine Aufstellung der institutionalisierten demographischen Forschung in Deutschland. Zum Abschluss des Kapitels werden Einblicke in die bevölkerungswissenschaftliche Theoriebildung und sich abzeichnende globale demographische Trends gewährt

Ziel des vierten Kapitels ist es, die bevölkerungswissenschaftliche Erkenntnislage eines sich zwangsläufig zuspitzenden demographischen Wandels soziohistorisch zu begründen. Zu diesem Zweck erfolgt eine detaillierte Beschreibung der demographischen Entwicklung Deutschlands von 1945 bis 2004, welche die sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen explizit mit einbezieht

Basierend auf den Ergebnissen der „10. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung“ des Statistischen Bundesamtes gewährt Kapitel 5 einen umfassenden Ausblick in die demographische Zukunft Deutschlands

Im sechsten Kapitel werden die Bereiche „Demographie“ und „Sport“ perspektivisch miteinander verknüpft. Dabei gilt es, die sich andeutenden Entwicklungspotenziale und Problemfelder für den Sport hervorzuheben

In Kapitel 7 folgt eine exemplarische Beschreibung und Bewertung bereits vollzogener bzw. geplanter Maßnahmen des organisierten sowie kommerziellen Sports gegen den demographischen Wandel

Eine abschließende Zusammenfassung und Bewertung erfolgt im achten Kapitel dieser Arbeit. Hierin enthalten sind zudem weiterführende, spezifischere Fragestellungen, die nach Meinung des Autors hinsichtlich möglicherweise nachfolgender Untersuchungen von Belang sein könnten

2. Stand der Sportwissenschaft

Ein mögliches Indiz dafür, dass die inhaltliche Verknüpfung der prinzipiell um Anwendbarkeit bemühten Sportwissenschaft und der ihrem Wesen nach futurologisch/zukunftsorientierten Demographie grundsätzlich möglich, ja fördernswert erscheint, lieferte Heinemann bereits 1975 mit folgendem sportwissenschaftlichen Postulat:

„Ziel einer Sportwissenschaft muss es sein, „sportliches Verhalten“, also Verhalten im und zum Sport, zu beschreiben, zu erklären und unter Umständen auch prognostizierbar zu machen [...] “ (HEINEMANN, 1975, S. 12f)

2.1 Methodisches Vorgehen

Mit Verweis auf Heinemann gilt es im Verlauf dieses Kapitels, die einleitend aufgeworfene These einer der bevorstehenden Bevölkerungsproblematik gegenüber insgesamt lediglich vordergründigen Bezugnahme sportwissenschaftlicher Publikationen zu demographischen Forschungs- und Lehrinhalten empirisch sowie argumentativ zu untermauern

Dabei ist mit Blick auf das methodische Vorgehen anzumerken, dass die zukunftsorientierte Auseinandersetzung mit sich verändernden Bevölkerungsgrößen und -strukturen einen entscheidenden Einfluss auf die Recherche nach entsprechenden sportwissenschaftlichen Veröffentlichungen hatte. So erschien es dem Autor angebracht, neben deskriptiven Textelementen in Anlehnung an Horch & Schütte vor allem präskriptive, d. h. perspektivisch ausgelegte sportwissenschaftliche Publikationen als prädestinierte Fundstellen möglicher Verbindungen zu bevölkerungsprognostischen Aussagen anzusehen (HORCH & SCHÜTTE, 2003, S. 30f.). Zur argumentativen Stützung der Untersuchungsergebnisse dieses Kapitels soll damit auch eine Reihe exemplarisch ausgewählter sportwissenschaftlicher Veröffentlichungen miteinbezogen werden, die sich inhaltlich zwar eindeutig der Frage nach möglichen Veränderungen im deutschen Sport widmen, jedoch im demographischen Wandel keinen nennenswerten Zukunftsaspekt erkennen lassen. Inhaltlich werden in der aus den folgenden beiden Teilbereichen bestehenden Textanalyse ausschließlich deutschsprachige Publikationen berücksichtigt:

1. Im ersten Teil der Analyse soll unter Fokussierung auf die elektronisch katalogisierten Lesebestände der Zentralbibliothek der Deutschen Sporthochschule Köln untersucht werden, ob und wo das Problem des demographischen Wandels im derzeit erfassten Spektrum sportwissenschaftlicher Publikationen bereits ganzheitlich behandelt und auf der Basis monothematischer Textelemente (Kapitel/Teilkapitel) mit einbezogen wurde. Dabei orientierte sich der Autor zunächst an den mittels Schlagworteingabe und -verkettung erzeugten computerisierten Suchergebnissen der Bibliothek
2. Im zweiten Teil der Bestandsaufnahme werden die für den weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit maßgeblichen sportwissenschaftlichen Teilgebiete des Senioren-, des Nachwuchs-, des Ausländer- des Präventionssports sowie Publikationen über sportinfrastrukturelle/regionale Entwicklungen gezielt mit einbezogen. Dabei gilt es, erkennbare Unterschiede in der Bezugnahme besagter sportwissenschaftlichen Teilbereiche zur Demographie vergleichend darzustellen und zu bewerten

2.2 Ganzheitliche Bezüge zum demographischen Wandel

Bereits die computergestützte Literaturrecherche in der Zentralbibliothek der Deutschen Sporthochschule Köln darf nach Meinung des Autors als erster signifikanter Hinweis für eine insgesamt wenig fortgeschrittene Bezugnahme sportwissenschaftlicher Publikationen zur bevölkerungswissenschaftlichen Forschung und Lehre verstanden werden. So ergab, um an dieser Stelle lediglich die Rechercheergebnisse der vermeintlich plausibelsten aller verwendeten Suchbegriffe anzuführen, die Eingabe der Worte Demographie, Demografie, Bevölkerungswissenschaft, Bevölkerungsentwicklung, demographisch(er), soziodemographisch(er) sowie bevölkerungswissenschaftlich(er) lediglich ein Ergebnis mit erkennbar sportbezogenem Inhalt (Stand: 13.04.2005). Jedoch konnte auch die von Combrink im Jahr 2004 vorgelegte Untersuchung für den weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit keine brauchbaren Erkenntnisse liefern, da sie sich hierin im betreffenden Teilkapitel „Soziodemographische Daten“ einer Alters- und Sozialstrukturanalyse der im deutschen Sport tätigen Jugendvorstands- und Präsidiumsmitglieder widmet (COMBRINK, 2004, S. 104ff.)

2.3 Ergebnisse der Literaturanalyse

Somit dürfen sämtliche im folgenden angeführten sportwissenschaftlichen Textelemente, die eine thematische Affinität zur Demographie aufweisen, als das Ergebnis einer weiträumigen Literaturrecherche im Spektrum sinnverwandter Suchbegriffe wie Sozialer Wandel (90 Einträge), Perspektiven (465 E.) oder Zukunft (313 E.) sowie der gezielten Suche in Publikationen der thematisch eingegrenzten Bereiche des zweiten Teils dieser Literaturanalyse betrachtet werden

2.3.1 Suchergebnisse in sportwissenschaftlichen Periodika

Die einleitende Recherche in den sportwissenschaftlichen Periodika bzw. Zeitschriften Sportwissenschaft (1995-1997/1999-2005) ; Sport und Gesellschaft (2004-2005) ; SportZeiten – Sport in Geschichte, Kultur und Gesellschaft (2001-2005) sowie der DVS-Schriftenreihe (2001-2005) blieb - was den inhaltlich berücksichtigten Anteil hintergründiger demographischer Aspekte betrifft - weitestgehend erfolglos

Lediglich bei BREUER (2003), SCHMIDT (1997, S. 144f.), KRUSE et al. (1999, S. 298) und LUH (2004, S. 65f.) konnten in den jeweils angegebenen Zeiträumen erwähnenswerte Verbindungen zu bevölkerungswissenschaftlichen Inhalten nachgewiesen werden. So widmet sich Breuer (Sportwissenschaft) hierin unter einleitender Andeutung eines aus sportwissenschaftlicher Perspektive möglicherweise bevorstehenden Bedeutungszuwachses von demographischen Forschungsinhalten der Frage nach der „Stabilität sportlicher Aktivität im Lebensverlauf“ (BREUER, S. 263-279). Luh (SportZeiten) geht dagegen in seiner sporthistorischen Abhandlung im Zusammenhang mit der Etablierung des deutschen Seniorensports auf die Anfänge der gesamtgesellschaftlichen Alterung im Verlauf des 20. Jahrhunderts ein (LUH, 2004, S. 65ff.)

2.3.2 Suchergebnisse in nichtperiodischer Veröffentlichungen

Aus dem Bereich nichtperiodischer sportwissenschaftlicher Publikationen bieten DENK & PACHE im „Handbuch Alterssport“ (2003, S. 23-54) derzeit wohl einen der umfassendsten monothematischen Einblicke in die komplexe Welt bevölkerungswissenschaftlicher Befunde. Hierin erscheint der demographische Wandel auf differenzierte Art und Weise als ein separater, zukunftsorientierter Wirkkomplex, der nicht nur für den Seniorensport von nachhaltiger Bedeutung sein wird. So beziehen Denk & Pache in ihrer sportbezogenen Beleuchtung demographischer Einflussgrößen über den Seniorensport hinaus auch die Bereiche Alterssicherung, Generationenverhältnis und Gesundheitswesen mit ein (DENK & PACHE, S. 42-54). Daneben liegen mit MEUSEL (1996, S. 5f.), KOLB (1996, S. 23ff.) und SCHWIER (1998, S. 13ff.) weitere Fundstellen zum Thema Seniorensport vor (s. u.). Explizite, teils differenzierte Hinweise zum demographischen Wandel finden sich ebenfalls bei RUMMELT (1998, S. 90ff.), RITTNER & BREUER (2000, S. 25 u. 249f.) sowie BREUER (2005, S. 22f.), die thematisch allesamt dem Bereich perspektivischer Sportinfrastrukturplanungen zuzuordnen sind

Mit SCHMIDT et al. (2003, S. 19 u. 44f.) und SCHRÖDER (1991, S. 12-36) liegen zudem zwei sportwissenschaftliche Publikation aus dem Bereich des Kinder- und Jugendsports vor, von denen vor allem Schmidt et al. einen problemorientierten demographischen Zukunftsbezug aufweisen

Bei Schröder ist der inhaltliche Bezug zur Demographie dagegen in erster Linie rückwärtsgewandten Charakters. Zwar finden sich auch hier altersspezifische Prognosedaten bis in die dritte Dekade des 21. Jahrhunderts, jedoch widmet er sich ansonsten, den Zeitraum von 1980-1989 betreffend, in erster Linie den quantitativen Zusammenhängen zwischen (1) demographischer Entwicklung und (2) sinkender DSB-Vereinszugehörigkeit im Altersbereich der 7-18-Jährigen

2.4 Untersuchungsergebnisse in sportwissenschaftlichen Teilbereichen

Im nun folgenden Teil der Literaturrecherche werden die für den weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit bedeutsamen sportwissenschaftlichen Teilbereiche gesondert hinsichtlich charakteristischer Merkmale in der Bezugnahme zu bevölkerungswissenschaftlichen Inhalten untersucht

Senioren- und Präventionssport

Im Bereich des Seniorensports ist die sportwissenschaftliche Bezugnahme zu bevölkerungswissenschaftlichen Forschungsdaten nach Meinung des Autors eindeutig am weitesten fortgeschritten

Hier lassen sich, möglicherweise bedingt durch die im Vergleich zu anderen demographischen Problembereichen der Zukunft bereits erkennbare gesellschaftliche Alterung Deutschlands (vgl. Kap. 5), in einer Vielzahl sportwissenschaftlicher Publikationen explizite, teils differenzierte Hinweise und Veranschaulichungen zu bevölkerungsstrukturellen Veränderungen finden. So gehen, wie oben bereits angedeutet, Denk & Pache aber auch Kolb in ihren Arbeiten zum Seniorensport ausführlich auf die demographische Situation in Deutschland ein, wobei sich Kolb unter gesonderter Berücksichtigung der beständig gestiegenen Lebenserwartung sowie dem Rückgang der Geburtenraten vor allem den zurückliegenden bevölkerungsstatistischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts annimmt (KOLB, S. 23ff.)

So auch bei Denk & Pache, die sich dem demographischen Wandel darüber hinaus auch ursächlich widmen und gleichzeitig die Ergebnisse internationaler sowie nationaler Bevölkerungsvorausberechnungen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts mit einbeziehen (DENK & PACHE, S. 29-55.). Analog zu den bevölkerungswissenschaftlichen Darstellungen des fünften Kapitels dieser Arbeit heißt es hier: „Während die Relation der Gruppe der über 60-Jährigen zur Bevölkerungsgruppe der 20- bis 60-Jährigen z. Zt. bei 4:10 liegt, wird sich diese Relation bis zum Jahr 2030 auf ca. 7,5:10 verändern“, wobei bis 2050 sogar mit einer Umkehrung der Größenverhältnisse zwischen „Jung“ und „Alt“ zu rechnen sei (ebd., S. 25f.)

Weitere Hinweise zum demographischen Wandel finden sich bei SCHWIER (S. 14f.), TOKARSKI (1989, S. 60ff.), LUH (s. o.) und MEUSEL (S. 5ff.), von denen vor allem bei Schwier parallel Informationen zum gesellschaftlichen Status der Älteren zu finden sind (Einkommen, Singularisierung)

Zudem liegen zum Thema Seniorensport zwei Diplomarbeiten aus dem Jahr 1991 vor, von denen sich vor allem Karisch ausführlich dem demographischen Geschehen Deutschlands nähert. In Anlehnung an Kolb finden sich auch hier neben allgemeinen historischen Bevölkerungsdaten aus dem 20. Jahrhundert Informationen zur gestiegenen Lebenserwartung und zum Geburtenrückgang. Darüber hinaus stellt sie einen kurzen demographischen Vergleich zwischen Deutschland und dem von ihr mit Blick auf den Seniorensport gesondert untersuchten Großraum Köln an (KARISCH, 1991, S. 4ff.). Bei Möltgen-Rettig fällt der Bezug zur Demographie insgesamt wesentlich kürzer aus (MÖLTGEN-RETTIG, 1991, S. 5f.)

Den Beweis dafür, dass der demographische Wandel im Seniorensport darüber hinaus bereits Teil verbands- und vereinsorientierter Anpassungsarbeit geworden ist, liefert die vom Deutschen Sportbund Ende 1997 in Frankfurt verabschiedete „Sportpolitische Konzeption zum Seniorensport“. Hierin verweist der DSB explizit auf die Notwendigkeit, angemessen auf die sich wandelnde demographische und gesellschaftliche Stellung der in Deutschland lebenden Senioren zu reagieren (DSB, 1997, S. 4ff.). Es gelte, „den Herausforderungen des demographischen und gesellschaftlichen Wandels in Bezug auf eine regelmäßige sportliche Betätigung Älterer Rechnung zu tragen und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen [...]“ (ebd. S. 5)

In einem 1998 verabschiedeten „Rahmenplan zur Förderung des Seniorensports“ stellten die Mitgliederorganisationen und Fachverbände des DSB unter gesonderter Berufung auf den demographischen Wandel zudem ein Konzept zur Erstellung „verbandseigener Seniorensportpläne“ vor (DSB, 1998, S. 3f.). Über konkrete Umsetzungen und Programme der vom DSB und seinen Unterorganisationen verabschiedeten Richtlinien informiert im weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit exemplarisch Kapitel

Es bleibt jedoch bereits an dieser Stelle festzuhalten, dass die vom Autor angeführten Veröffentlichungen zum Seniorensport primär unter dem Aspekt einer von der Sportwissenschaft sowie den betreffenden Sportverbänden gleichsam wahrgenommenen Chance signifikanter Mitglieder- und Funktionsgewinne zu betrachten sind (vgl. dazu auch SCHERER, 2002, S. 560). Stellvertretend sei hier Hans Hansen, DSB-Ehrenpräsident, erwähnt, welcher dem Seniorensport „aufgrund der demographischen Entwicklung zukünftig einen noch höheren Stellenwert“ innerhalb der deutschen Gesellschaft beimisst (HANSEN, 2002, S. 347f.)

Mit Blick auf den Präventionssport, dessen Wachstumspotenziale zukünftig hauptsächlich im Ursache-Wirkungs-Komplex fortschreitender gesellschaftlicher Alterung und steigender Gesundheitskosten zu suchen sind (vgl. Kap. 6.3), sind es ebenfalls Denk & Pache, die eine demographiebezogene perspektivische Einordnung vornehmen. Hier heißt es im Anschluss an den bereits angedeuteten Problemaufriss zum deutschen Gesundheitswesen:

„Angesichts dieser Situation ist es naheliegend, künftig vermehrt auf Prävention und Rehabilitation zu setzen und die Gesundheits- und Pflegeversorgung durch eine Aktivierung der Präventionspotenziale in ihrer bisher sehr einseitigen Ausrichtung auf die kurative Versorgung korrigierend zu ergänzen“ (DENK & PACHE, S. 51.)

Dagegen gibt Breuer mit seiner zukunftsgerichteten Dissertation „Perspektiven des Präventivsports im Gesundheitssystem“ aus dem Jahr 1999 Grund zur Annahme, dass im Präventionssport - anders als im Seniorensport – zumindest noch nicht von einer gewachsenen Bezugnahme zur Demographie gesprochen werden kann. Zwar bezieht auch Breuer vereinzelt der Bevölkerungswissenschaft durchaus nahe stehende Bestimmungsfaktoren wie den „sozialen Wandel“ (BREUER, 1999, S. 36) oder „soziodemographische Merkmale“ (ebd., S. 160) mit ein. Jedoch weist er im Gesamtverlauf seiner Arbeit weder monothematisch (z. B. über ein separates Kapitel), noch im Zusammenhang mit weiteren Determinanten (vgl. Gesamtkostenverteilung im Gesundheitswesen, ebd., S. 51) auf die sich verändernde Bevölkerungsstruktur Deutschlands hin

Nachwuchssport

Im Bereich des Nachwuchssports findet sich mit der 2003 veröffentlichten Untersuchung „Erster Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht“ von SCHMIDT et al. (2003, S. 19 u. 44f.) eine vergleichsweise detaillierte bevölkerungsstatistische Darstellung der bevorstehenden Nachwuchsproblematik. Jedoch kann aufgrund der Gesamtbetrachtung aller vom Autor untersuchten Textstellen zum Thema „Nachwuchs“ derzeit (noch) nicht von einer dem Seniorensport vergleichbar homogenen Berücksichtigung der im Grunde alarmierenden bevölkerungswissenschaftlichen Vorausberechnungen in die sportwissenschaftliche Theorie und Forschung gesprochen werden (vgl. Kap. 5). Passend dazu wird die Gefahr demographisch bedingter Nachwuchsprobleme in perspektivisch ausgerichteten Publikationen wie etwa bei BAUR & BRETTSCHNEIDER (1994, S. 27) oder bei EMRICH (2002, S. 79f.) nach Meinung des Autors nur unzureichend erfasst. Darüber hinaus sieht, um auch verbandsnahe Publikationen inhaltlich zu berücksichtigen, NORBERT PETRY, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend (DSJ), seine Organisation mit bewusst kritischem Blick in die Zukunft vor allem konzeptionell und organisationsstrukturell gefährdet. Exogene Faktoren wie der demographische Wandel bleiben auch bei ihm ungenannt (PETRY, 2000 , S. 15ff.). Woran könnte das liegen?

Dies mag zum einen (1) daran liegen, dass sich die Sportwissenschaft, isoliert den Kinder- und Jugendbereich betreffend, in der Vergangenheit vor allem auf die mit den veränderten Lebensbedingungen einer „modernisierten Kindheit“ verbundenen erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen konzentriert hat (vgl. KLEINE & SCHULZ, 1999, S. 7f.). Dies mag jedoch gerade bei weniger aktuellen sportwissenschaftlichen Publikationen (vgl. BAUR & BRETTSCHNEIDER, s. o.) auch darauf (2) zurückzuführen sein, dass die massiven Geburtenausfälle der vergangenen drei Jahrzehnte bislang aufgrund positiver Migrationseffekte (vgl. Kap. 5) noch keinen der gesamtgesellschaftlichen Alterung vergleichbaren Niederschlag in den Bevölkerungsstatistiken sowie DSB-Bestandserhebungen gefunden haben. Möglicherweise haben daher (3) gerade beim DSB die auf nationaler Ebene bis dato zwar nur noch vergleichsweise langsam, jedoch stetig angewachsenen Mitgliederzahlen im Bereich des Nachwuchssports zu einer verzerrten Wahrnehmung der über Jahrzehnte hinweg unabwendbaren demographischen Entwicklung beigetragen

Was hingegen die kleinräumigere Mitgliederentwicklung betrifft, deutet sich derzeit - ausgehend von Ostdeutschland - eine nachhaltige Trendwende der Mitgliederentwicklung an, welche maßgeblich durch die defizitären Geburtenraten Deutschlands determiniert zu sein scheint. In diesem Zusammenhang kann jedoch auch die inhaltliche Analyse der Internetauftritte der Deutschen Sportjugend (DSJ) sowie der im nationalen Vergleich bereits heute de facto vom Geburtenrückgang der frühen 1990er Jahre betroffenen Landessportbünde Sachsens, Sachsen-Anhalts, Thüringens, Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns das bislang skizzierte Bild einer Minderbeachtung demographischer Vorausberechnungen durch den Sport nicht korrigieren[4]. So geht die DSJ unter der Rubrik „Kinder und Gesellschaft“ explizit auf das derzeitige Geburtendefizit Deutschlands ein („1,3 Kinder pro Frau“), ohne jedoch die hohe Wahrscheinlichkeit negativer Konsequenzen für den organisierten Jugendsport plausibel kenntlich zu machen (www.dsj.de)

Sport der in Deutschland lebenden ethnischen Minderheiten

Mit BLECKING (1995, S. 114) und SONNENSCHEIN (1999, S. 82f.) lassen sich auch im Bereich des „Ausländersports“ demographische Bestandsdaten über die in Deutschland lebenden ethnischen Minderheiten finden. Jedoch sind diese primär unter dem noch jungen sportwissenschaftlichen Postulat nach rückwärtsgewandten Integrationsverbesserungen (vgl. BADE, 2004, S. 136) zu betrachten. So schreibt Sonnenschein unter Berufung auf diverse Autoren (vgl. Kap. 6), dass es dem organisierten Vereinssport in Deutschland aufgrund einseitig-assimilativ ausgerichteter Wertvorstellungen bislang nur unzureichend gelungen sei, zugewanderten Bevölkerungsgruppierungen eine den - je nach Abstammung - kulturell/religiösen Differenzen zur Aufnahmegesellschaft angemessene sportliche Heimat zu sein. Gerade in der quantitativ dominierenden Bevölkerungsgruppe türkischer Zuwanderer zeichne sich in diesem Zusammenhang eine Welle eigenethnischer Vereinsgründungen und -mitgliedschaften ab. Somit wird deutlich, dass sich auch die beim DSB derzeit erkennbaren Bemühungen um eine zeitgemäße Korrektur traditioneller Integrationsmuster nicht auf die von Seiten der Demographie prognostizierte (ökonomische) Notwendigkeit einer massiv ansteigenden Zuwanderung, sondern eher auf rückwärtsgewandte Aspekte des organisierten Sports von in Deutschland ansässigen ethnischen Minderheiten beziehen (vgl. die inhaltliche Darstellung der kürzlich verabschiedeten Grundsatzerklärung „Sport und Zuwanderung“ in Kapitel 6.4.1). Es ist daher festzuhalten, dass demographische Daten im Bereich des „Ausländersports“ zwar eine gewichtige gegenwarts- sowie vergangenheitsbezogene Rolle spielen, jedoch den nach Meinung des Autors ebenso entscheidenden Aspekt einer perspektivischen Auseinandersetzung mit bevölkerungswissenschaftlichen Wanderungsszenarien weitestgehend nicht berücksichtigen

Sportinfrastrukturell orientierte Publikationen

Was den Bereich der kommunalen/regionalen Sportstättenentwicklungsplanung betrifft, ist es vor allem den Arbeiten von RUMMELT (1998), BREUER & RITTNER (2000) bzw. BREUER (2005) zu verdanken, dass im abschließenden Teilaspekt dieser Bestandsanalyse von einer voranschreitenden Berücksichtigung demographischer Untersuchungsdaten gesprochen werden kann. So befinden BREUER & RITTNER zum Einstieg in den von ihnen vorgenommenen regionaldemographischen Vergleich der Stadt Essen sowie des Landkreises Rhein-Sieg-Kreis, dass „Routinedaten zur Bevölkerungsentwicklung“ für Zwecke der Sportstättenentwicklungsplanung „elementar“ seien (2000, S. 249)

Demgegenüber darf jedoch der erst 2004 vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) vorgelegte „Leitfaden zur Sportstättenentwicklungsplanung“ nach Meinung des Autors als Indiz dafür verstanden werden, dass auch in der regionalen Sportstättenentwicklungsplanung noch nicht von einer einheitlichen, regionaldemographische Szenarien explizit berücksichtigenden, Theorie gesprochen werden kann (BUNDESINSTITUT FÜR SPORTWISSEN- SCHAFT, 2004)

Analog dazu heißt es im einleitenden Teil des Leitfadens, dass zukünftig vermehrt Bevölkerungsbefragungen mit einzubeziehen seien, ohne jedoch auch regionaldemographische Entwicklungstrends als Planungsparameter explizit anzuführen. Bestätigung findet dieser Einwand zudem in einer vom Bundesinstitut und dem DSB vorab veröffentlichten Agenda zur „Bad Blankenburger Sportstättentagung“ (31. Mai – 2. Juni 2005), die anhand der kurz vorgestellten Redebeiträge keinen monothematischen Bezug zur demographischen Problematik aufweist (BÜCH, 2004)

Ebenfalls ohne signifikanten Bezug zur demographischen Entwicklung bleibt eine 2003 von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sportämter in Auftrag gegebene Befragung über die perspektivische kommunale Sportförderung in 144 Baden-Württembergischen Städten und Gemeinden. Zwar findet sich im einleitenden Teil ein kurzer Hinweis auf den Bestimmungsfaktor „Demographischer Wandel“, der jedoch im Verlauf der Ergebnisdarstellungen und auch in den Schlussbetrachtungen (ARBEITSGEMEINSCHAFT KOMMUNALER SPORTÄMTER, 2003, S. 29ff.) im Gegensatz zum mehrfach mit einbezogenen kommunalen Sparzwang keine zweckdienliche Vertiefung erfährt

2.5 Fazit

Abschließend bleibt festzuhalten, dass nach Meinung des Autors derzeit vor allem im Seniorensport von einer den anstehenden demographischen Problemkreisen[5] entsprechend homogenen Berücksichtigung bevölkerungswissenschaftlicher Befunde durch den Sport gesprochen werden kann

Darüber hinaus lassen sich in einer Vielzahl gegenwartsbezogener sowie perspektivisch ausgerichteter sportwissenschaftlicher Publikationen vereinzelte Hinweise auf die sich wandelnden gesellschaftlichen Struktur- und Größenverhältnisse finden. Jedoch wäre an dieser Stelle zu hinterfragen, ob hier angesichts der (1) immensen anstehenden demographischen Veränderungen und (2) der hohen Komplexität bevölkerungswissenschaftlicher Befunde von einer insgesamt angemessenen Verhältnismäßigkeit in Art und Umfang der sportwissenschaftlichen Wahrnehmung gesprochen werden kann

Hierzu könnte die eingangs dieser Arbeit angeführte Befragung durch die Bertelsmann-Stiftung, der zufolge auch 2003 mehr als 50% der Befragten noch nie vom demographischen Wandel gehört hatten, einen wesentlichen Hinweis liefern. Um der als manifest zu bezeichnenden demographischen Zukunft angemessen begegnen zu können, sollte es nach Meinung des Autors insbesondere auch für den Sport darum gehen, gleichermaßen wissenschaftliche Transparenz und wissenschaftlichen Anstoß zu schaffen. Dies kann jedoch nicht über die vereinzelte, exemplarische Darstellung inhaltlich und ursächlich wenig aussagekräftiger bevölkerungswissenschaftlicher Daten und Verweise geschehen (vgl. BERG & KOCH, 1996, S. 161f.; ARBEITSGEMEINSCHAFT KOMMUNALER SPORTÄMTER, s. o.). Es gilt daher gerade in Anbetracht der Langatmigkeit und Komplexität demographischer Veränderungen auch für die Sportwissenschaft, differenziert und ausführlich auf den immensen soziodemographischen Wandel einzugehen. Andernfalls wäre eine theoretisch fundierte Anpassung des Sports an die sich zusehends verändernden quantitativen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich gefährdet

Möglicherweise kann die vorliegende Diplomarbeit hierzu mit der Schaffung eines vergleichsweise ganzheitlichen Bildes über Entstehung, Stand, Zukunft und sportbezogene Wirksamkeit des demographischen Wandels einen bescheidenen Beitrag leisten. Jedoch werden darüber hinaus in Zukunft weitaus spezifischere, kleinräumigere Problemstellungen beantwortet und erforscht werden müssen. Hierauf soll im weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit mehrfach hingewiesen werden

3. Allgemeine Informationen zur Demographie

Im nun folgenden Kapitel geht es um die Vermittlung demographischer Basisinformationen, die im Hinblick auf den weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit erste wichtige Erkenntnisse für den theoretischen Umgang mit bevölkerungswissenschaftlichen Inhalten aufzeigen sollen

3.1 Definition der Begriffe "Demographie" und "Bevölkerungswissenschaft"

Die synonyme Verwendung der Begriffe „Demographie“ und „Bevölkerungswissenschaft“ ist in Deutschland sowohl im alltäglichen als auch im wissenschaftlichen Sprachgebrauch weit verbreitet. Dies kommt in der folgenden Definition von Haupt & Kane exemplarisch zum Ausdruck. Hier heißt es:

„Die Demographie, auch Bevölkerungswissenschaft, vereinigt Elemente von Soziologie, Geographie, Medizin und Ökonomie. Sie beinhaltet die wissenschaftliche Untersuchung menschlicher Populationen, analysiert Größe, Zusammensetzung, Verteilungen, Dichte, Wachstum und andere Eigenschaften von Populationen sowie ihre Veränderungen und betrachtet deren Ursachen und Folgen“ (zitiert nach www.berlin-institut.org)

Jedoch finden sich in der demographischen Fachliteratur darüber hinaus auch Hinweise, die eindeutig auf einen begriffshierarchischen Unterschied beider Termini hinweisen. Analog dazu heißt es in der deutschsprachigen Fassung des „Mehrsprachigen Demographischen Wörterbuches“ von Charlotte Höhn: „Die Bevölkerungswissenschaft umfasst über die Demographie hinaus außerdem die Untersuchung der Beziehung zwischen demographischen Tatbeständen einerseits und ökonomischen und gesellschaftlichen andererseits [...]“ (HÖHN et al., 1987, S. 19)

Damit ordnet Höhn die Bevölkerungswissenschaft der Demographie de facto hierarchisch über, was der eingangs angeführten Sprachregelung eindeutig zuwiderläuft. Woraus jedoch resultiert dieser definitorische Widerspruch? Zur Klärung des Sachverhaltes bedarf es zunächst einer detaillierten Beschreibung der von Höhn sowie Haupt & Kane gleichsam implizierten bevölkerungswissenschaftlichen Interdisziplinarität

Die Interdisziplinarität der Bevölkerungswissenschaft

Bei der Bevölkerungswissenschaft handelt es sich um ein interdisziplinäres Geflecht verschiedener Teildisziplinen, die sich „zwar der grundlegenden demographischen Methoden und Kennziffern bedienen, diese aber auf ihre fachspezifischen Fragestellungen beziehen“ und demzufolge „Bevölkerungsvorgänge vor dem Hintergrund ihres Wissenschaftsverständnisses analysieren“ (SCHIMANY, 2003, S. 51)

Damit trägt die moderne Bevölkerungswissenschaft der „wechselseitigen Durchdringung von Theorie und Empirie“ Rechnung (ebd., S. 50), infolgedessen sie sich nicht nur als rein deskriptiv/statistisches Instrument, sondern als theoriegeleitete, an gesellschaftlichen Fragen orientierte Wissenschaft verstanden wissen möchte. Bevölkerungswissenschaftliche Teildisziplinen wie die Bevölkerungssoziologie, die Bevölkerungsgeographie oder die Bevölkerungsökonomie arbeiten demzufolge als so genannte Bindestrichdisziplinen auf der Basis valider demographischer Daten, worin jedoch gleichzeitig auch die hierarchische Differenz zwischen der „Bevölkerungswissenschaft“ und der „Demographie“ zum Ausdruck kommt. Denn:

Die Demographie liefert den oben genannten Teildisziplinen lediglich das zur Analyse und Theoriebildung benötigte Datenmaterial, ohne jedoch, um ihre nachfolgende Definition nach Höhn partiell vorwegzunehmen, selbst qualitativ zu forschen. Dadurch kann die Demographie allein den oben angeführten bevölkerungswissenschaftlichen Anforderungen moderner Prägung nicht gerecht werden und ist, wenn auch als „Kerndisziplin“ (BIRG, 2004, S. 17), de facto nur Bestandteil der Bevölkerungswissenschaft

„Demographie-Definition“ nach Charlotte Höhn

In der deutschsprachigen Fassung des Mehrsprachigen Demographischen Wörterbuches definiert Höhn „Demographie“ wie folgt:

„Die Demographie, im deutschsprachigen Raum auch als Bevölkerungswissenschaft im engeren Sinne bezeichnet, befasst sich überwiegend quantitativ mit der wissenschaftlichen Untersuchung menschlicher Bevölkerung hinsichtlich ihrer Größe, Struktur, Entwicklung und ihrer allgemeinen Merkmale. Sie ist die Kerndisziplin der Bevölkerungswissenschaft im weiteren Sinne [...]“ (HÖHN et al., 1987, S. 17)

Hiermit weist Höhn indirekt auf die unterschiedliche Verwendung des Begriffes „Demographie“ im deutschen gegenüber dem anglistischen Sprachgebrauch hin, was letztlich auch als Schlüssel für die eingangs dargestellte Widersprüchlichkeit anzusehen ist. Dies bestätigte auf Nachfrage der bereits angesprochene Bielefelder Demograph Herwig Birg am 12.01.2005 in einer E-Mail an den Autor dieser Arbeit:

"Bevölkerungswissenschaft dient im Deutschen als Oberbegriff für die Theorie, die Methodenlehre und die angewandte Bevölkerungswissenschaft. Im Englischen ist dagegen "Demography" als Oberbegriff im Gebrauch. Das führt zu Verwechslungen, denn im Deutschen wird mit "Demographie" meist nur die Methodenlehre bezeichnet. Da die deutsche Wissenschaftssprache zunehmend die englischen Begriffe verwendet, hat das Wort „Demographie“ in der deutschen Literatur zwei Bedeutungen - als Oberbegriff (stellvertretend für Bevölkerungswissenschaft; der Autor) und als Unterbegriff für die Methodenlehre."

Somit erscheint trotz besagter definitorischer Widersprüchlichkeit beides zulässig zu sein, weshalb die Begriffe „Demographie“ und „Bevölkerungswissenschaft“ zwecks Vermeidung von Mehrfachnennungen auch im weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit synonym verwendet werden sollen

3.2 Bevölkerungsvorausberechnungen

Ein Grundanliegen demographischer Forschung besteht darin, verschiedene wissenschaftliche Disziplinen sowie politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger mit zuverlässigen Daten über den Altersaufbau und die Strukturmerkmale von Bevölkerungen in Gegenwart und Zukunft zu versorgen

Während dabei aktuelle Zahlen den Datenbeständen der amtlichen Statistik (z. B. Einwohnermeldeämter, Sterbe- und Geburtsurkunden) entnommen werden können, beruht der Blick in die demographische Zukunft eines Staates bzw. eines im Vorfeld geographisch definierten Gebietes prinzipiell auf den Erkenntnissen sogenannter Bevölkerungsvorausberechnungen. Diese sind, wie bereits erwähnt, durch ein hohes Maß an Komplexität gekennzeichnet (vgl. BIRG, 2003, S. 83), da ihre Forschungsergebnisse in der Regel auf wissenschaftlichen Annahmen über das Entwicklungspotenzial der folgenden drei - prinzipiell variablen - demographischen Faktoren beruhen:

1. Die Geburtenrate/Fertilität
2. Die Sterberate/Mortalität
3. Die Wanderungsbilanz/Migration

Die Formulierungen der wissenschaftlichen Annahmen basieren auf intensiven Analysen über die zurückliegenden demographischen Entwicklungen[6] innerhalb des betreffenden Untersuchungsgebietes, wobei Birg ihre qualitative Bedeutung für bevölkerungswissenschaftliche Untersuchungsergebnisse wie folgt einstuft:

„Die Qualität einer Bevölkerungsvorausberechnung ist stets identisch mit der Qualität bzw. dem Realitätsgehalt der ihr zugrunde liegenden Annahmen. Stimmen die Annahmen über die Geburten- und Sterberate und über die Wanderungsrate in der Zukunft mit der Realität genau oder näherungsweise überein, dann trifft auch die Bevölkerungsvorausberechnung genau oder näherungsweise zu“ (BIRG, 2004, S. 7)

Die Genauigkeit zurückliegender Berechnungen

Dass es in der Tat möglich ist, realistische demographische Zukunftsbilder zu entwerfen, beweisen die Ergebnisse älterer Bevölkerungsvorausberechnungen. Zum Beweis ihrer Zuverlässigkeit führt Birg eine 1958 von der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen (UNPD) vorgelegte bevölkerungswissenschaftliche Untersuchung für das Jahr 2000 an, der zufolge zur Jahrtausendwende unwesentlich mehr als 6,2 Milliarden Menschen auf der Erde hätten leben sollen. Tatsächlich wird die Erde derzeit von etwa 6,1 Milliarden Menschen bevölkert, was de facto einer marginalen Abweichung entspricht (BIRG, 2003, S. 89). Entscheidend ist dabei jedoch, dass sich der diffizile demographische Aspekt der Migration auf globaler Ebene insgesamt aufhebt und somit in der Regel nur in einem zu vernachlässigenden Maße zur Ungenauigkeit derartiger Berechnungen beitragen kann

Anders sieht es dagegen bei der demographischen Betrachtung einzelner Staaten bzw. definierter Regionen aus. Hier kann sich der Faktor „Migration“ aufgrund politischer Steuerungsmöglichkeiten sowie sich verändernder sozialer, demographischer und ökonomischer Ausgangslagen in den potenziell am Wanderungsgeschehen beteiligten Herkunfts- und Zielländern (vgl. Kap. 5) zu einem hohen prognostischen Unsicherheitsfaktor entwickeln. Dennoch zeigt auch hier die Vergangenheit, dass selbst kleinräumig/national angelegte Vorausberechnungen zuverlässig sein können. Ein Indiz hierfür liefert erneut Birg mit einer von ihm selbst durchgeführten Berechnung:

Basierend auf den Daten der im Jahr 1970 durchgeführten Volkszählung errechnete er in einer Projektion den Bevölkerungsstand Deutschlands bis zum Jahr 1985 und verfehlte das reale Ergebnis letztlich mit einer knapp 1%-igen Abweichung (BIRG, 2003, S. 89)

3.2.1 Methoden der Bevölkerungsvorausberechnung

Bei der „Bevölkerungsvorausberechnung“ handelt es sich lediglich um den demographischen Oberbegriff zukunftsgerichteter Forschungsarbeiten, welcher sich - je nach Zielsetzung der Forscher - in mehrere Unterkategorien aufteilt. Nachfolgend werden die beiden inhaltlich bedeutsamsten kurz gegenübergestellt:

1. Die Bevölkerungsprojektion
2. Die Bevölkerungsprognose

Die notwendige Mehrdimensionalität von Bevölkerungsprojektionen

Gerade im Hinblick auf langfristig angelegte Untersuchungszeiträume (die Ergebnisse der 10. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes reichen beispielsweise bis 2050, Kap. 5) ist zu beachten, dass sich innerhalb der demographischen Bestimmungsfaktoren Fertilität, Mortalität und Migration im Laufe der Zeit größere Schwankungen ergeben können. „Deshalb werden hier keine punktgenauen Prognosen, sondern alternative Vorausberechnungen“ (BIRG, 2003, S. 97) - besagte Bevölkerungsprojektionen - angewandt

Ziel solcher Projektionen ist es, ein aus verschiedenen Varianten resultierendes Prognoseintervall zu schaffen, welches vorhersagt, wie sich die Bevölkerungssituation unter bestimmten Voraussetzungen – d. h. Annahmen – entwickeln wird. Bevölkerungsprojektionen haben damit Modellcharakter, was die Frage nach ihrer Aussagegenauigkeit im Unterschied zur Prognose de facto auf eine Vielzahl unterschiedlicher Betrachtungsperspektiven ausweitet. Dabei dienen seitens der Forscher festgelegte Maximal- und Minimalannahmen über die oben benannten demographischen Faktoren als die quantitative Begrenzung des dazwischen befindlichen Gesamtspektrums

Bevölkerungsprognosen bemühen sich hingegen um exakte, eindimensionale Aussagen. Entsprechend hoch ist hier die Gefahr von Abweichungen zur zeitlich versetzten realen Bevölkerungsentwicklung

3.2.2 Institutionalisierung der deutschen Bevölkerungswissenschaft

Die Homepage des Bundesinstituts für Bevölkerungswissenschaft (BIB) gewährt einen detaillierten Überblick über entscheidende nationale sowie internationale Wissenschaftsinstitute, die sich inhaltlich in erster Linie demographischen Fragestellungen widmen. Dabei kann die insgesamt geringe Anzahl der angeführten deutschen Forschungseinrichtungen in Anlehnung an VOM BROCKE (1998, S. 16ff.) durchaus als Hinweis dafür verstanden werden, wie spärlich die Institutionalisierung der Bevölkerungswissenschaft hierzulande verglichen mit anderen Nationen noch immer ausgebildet ist. Im Hinblick auf die Gründe, die zu dieser Entwicklung führten, lieferte bereits die Einleitung dieser Diplomarbeit erste Hinweise, deren Vertiefung im anschließenden Teilkapitel erfolgen soll. Bei besagten Instituten handelt es sich um (www.bib-demographie.de):

- Lehrstuhl für Bevölkerungswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
- Lehrstuhl Bevölkerungswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin
- Institut für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik (IBS) an der Universität Bielefeld
- Lehrstuhl für Demographie und Ökonometrie an der Universität Rostock
- Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock
- Institut für angewandte Demographie Berlin-Brandenburg (IFAD)
- Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung

3.3 Geschichtliche Aspekte der Bevölkerungsforschung

Analog zu klassischen Wissenschaftsfeldern wie der Physik oder der Biologie reichen auch bevölkerungswissenschaftliche Ansätze bis in die Zeit der Antike zurück

Vor dem Hintergrund bereits vorhandener Kenntnisse über Geburtenkontrolle und Familienplanung (WIERSCHOWSKI, 1994, S. 377f.) befassten sich vor allem in Griechenland Philosophen und Historiker mit den vorherrschenden demographischen Strukturen ihrer Zeit. Geprägt war diese Frühphase demographischen Denkens von zum Teil utopischen Anschauungen über einen geradezu idealtypischen Bevölkerungsaufbau (SCHIMANY, S. 34f.). Basierend auf der bevölkerungstheoretischen Auffassung, dass die politische und ökonomische Leistungsfähigkeit im antiken Griechenland lediglich durch ein moderates Bevölkerungswachstum zu gewährleisten sei, schrieb Platon (427 - 347 v. Chr.) in diesem Zusammenhang:

„Es müssen [...] die besten Männer den besten Weibern möglichst oft beiwohnen, und die schlechtesten Männer den schlechtesten Weibern möglichst selten, und die Kinder der einen muss man aufziehen, die der andern aber nicht, wenn die Herde möglichst vorzüglich sein soll“ (PLATON, Der Staat, S. 282f.)

Mit seinem Streben nach programmatischen, exogenen Eingriffen in das gesellschaftliche Fortpflanzungsverhalten ist Platon im bisherigen Geschichtsverlauf kein Einzelfall geblieben. So entwarfen im 16. und 17. Jahrhundert auch Thomas Morus (1478-1535) und Francis Bacon (1561-1626) in ihren Werken „Utopia“ und „Neu-Atlantis“ vergleichbare Wunschbilder

Eine weitere antike Überlieferung stammt aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Der griechische Historiker Polybios (ca. 200 - 120 v. Chr.) stellte mit Bezug zur offenbar stark sinkenden Fertilität in seiner Heimat fest:

"In der Zeit, in der wir leben, ist in ganz Griechenland die Zahl der Kinder [...] in einem Maße zurückgegangen, dass die Städte verödet sind [...], obwohl wir weder unter Kriegen von langer Dauer noch unter Seuchen zu leiden hatten [...] weil die Menschen der Großmannssucht, der Habgier und dem Leichtsinn verfallen sind, weder mehr heiraten noch, wenn sie es tun, die Kinder, die ihnen geboren werden, großziehen wollen, sondern meist nur eins oder zwei, damit sie im Luxus aufwachsen und ungeteilt den Reichtum ihrer Eltern erben [...]" (zitiert nach BIRG, 2004, S. 29)

Aus bevölkerungswissenschaftlicher Sicht darf Polybios heute mit seinen kritischen zeitgenössischen Ausführungen als positiver antiker Impulsgeber betrachtet werden (BIRG, 2004, S. 29). Im Vergleich zur von Platon propagierten, mit staatsautoritären und eugenischen Zielvorgaben versehenen Herangehensweise, steht Polybios den sozialwissenschaftlich geprägten Leitideen deutscher Nachkriegsdemographie bereits sehr nahe

Inhaltlich kann und muss jedoch auch das von Polybios entworfene Bild einer im Zuge sinkender Geburtenraten verödenden Gesellschaft aus heutiger Sicht erschrecken. Zu sehr ähneln die von ihm angeführten Aspekte aktuellen bevölkerungswissenschaftlichen Szenarien über die vergreisende deutsche Bevölkerung (ebd., S. 21)

3.3.1 Von der Theorie zur eigenständigen Wissenschaft

Bedingt durch die starke Zersplitterung Europas bei gleichzeitigen marginalen Bevölkerungszuwächsen fand über das gesamte Mittelalter hinweg keine nennenswerte theoretische Auseinandersetzung mit demographischen Fragestellungen statt. Ihren wissenschaftlichen Ursprung hat die Demographie damit streng genommen erst in der neuzeitlichen Einführung systematischer, periodischer Volkszählungen[7]:

Mit der Ausformung frühmoderner Staatsgebilde hatte sich in Europa der Merkantilismus eingenistet; die Entstehung von Handelsbeziehungen, der Kolonialismus und die sich damit verändernden Wirtschaftsstrukturen beflü-

gelten das ökonomische Denken jener Zeit. Die Substanz einer Bevölkerung war nun nicht mehr nur militärische, sondern gleichzeitig auch wirtschaftliche Kenngröße – je mehr, desto besser

Dadurch wurde der Begriff „Bevölkerung“[8] zusehends zu einem politischen wie auch wissenschaftlichen Zielobjekt, dessen vordergründige Beschaffenheit in der Auswertung besagter Volkszählungen zum Ausdruck kommen sollte. Und auch wenn es sich hierbei zunächst um die Gewinnung rein quantitativen Datenmaterials handelte (SCHIMANY, S. 35f.), war diese Phase unreflektiert/deskriptiven demographischen Forschens für die disziplinäre Weiterentwicklung des 18. Jahrhunderts äußerst bedeutsam. Erstmals in der Geschichte verfügte die Demographie über eine empirische Basis, die späteren Forschungen als Vergleichsdaten dienen konnte

Das positive Menschenbild Johann Peter Süßmilchs

1741 war es Johann Peter Süßmilch (1707-1767), promovierter Physiker und ordentliches Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, der mit seinem Hauptwerk „Die Göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts“ die erste systematische bevölkerungswissenschaftliche Abhandlung verfasste. Gestützt auf Daten, die er aus preußischen Kirchenbüchern und über deren Einträge zu Geburten, Taufen, Eheschließungen und Todesfällen gewonnen hatte, erschuf er einen empirischen Nachweis über den demographischen Grundzustand seiner Umgebung (VOM BROCKE, 1998, S. 37). Hierin versuchte Süßmilch, die soziologischen Zusammenhänge der von ihm untersuchten Veränderung zu erfassen und erkannte beispielsweise Zusammenhänge zwischen der sinkenden Heiratsquote Preußens und den parallel dazu steigenden universitären Immatrikulationszahlen (SCHIMANY, S. 37; vgl. Kap. 4.3.1.3)

Mit Blick auf die agrarische Leistungsfähigkeit seiner Zeit prägte Süßmilch den Begriff von der „Tragfähigkeit der Erde" und erschuf damit eine Kenngröße für die Maximalzahl an Erdbewohnern, die seiner Meinung nach mit den global verfügbaren Ressourcen ernährbar sei. Auf der Basis seiner eigenen Berechnungen setzte er das Maximum zunächst bei sieben, später (1765) sogar bei 14 Milliarden Menschen an (BIRG, 2003, S. 9). Süßmilch, stets optimistischer Aufklärer und gleichzeitig scharfer Kritiker der „zeitgenössischen Sozialverhältnisse“, vertrat die These einer von Gott gewollten Bevölkerungszunahme als Zeichen sicheren Glücks und gesteigerter gesellschaftlicher Wohlfahrt. Damit prägte sein positives Menschenbild auch die Phase preußischer „Peuplierungspolitik“ (s. Fußnote), mit welcher die Zahl der im 30jährigen Krieg getöteten Soldaten und Zivilisten unter anderem durch die systematische Einbürgerung französischer Hugenotten kompensiert werden sollte (VOM BROCKE, 1998, S. 39)

Die reformpessimistischen Ansichten von Thomas Robert Malthus

Zu einem diametral entgegengesetzten Ansatz gelangte in der Folgezeit der Mathematiker und anglikanische Geistliche Thomas Robert Malthus (1760-1834) aus Cambridge. In einer 1798 zunächst anonym publizierten Streitschrift mit dem Titel "An Essay on the Principle of Population" sah er die Tragfähigkeit der Erde mit der damaligen Gesamtbevölkerung von etwa einer Milliarde Menschen bereits fast überschritten

In der Formulierung seines „Bevölkerungsgesetzes" betrachtete Malthus das menschliche Bedürfnis nach Nahrung und Sexualität im Kontext einer unumstößlichen, weil von Gott gegebenen, Naturkonstante. Hieraus zog er den Schluss, dass die irdische Kraft zur Bereitstellung von Nahrungsmitteln der Kraft menschlicher Fortpflanzung auf Dauer nicht standhalten könne, worin er den notwendigen Beweis für die grundsätzliche Sinnlosigkeit sozialer Reformen sah. Denn, so seine weiterführende These, jedwede ökonomische Verbesserung der proletarischen Lebensbedingungen führe zwangsläufig zu einer Steigerung der Fertilität und im Umkehrschluss zu einer vitalen Verknappung der Lebensmittelbestände (SCHIMANY, S. 39f.). Dem aus seiner Sicht bestehenden Handlungsbedarf verlieh Malthus durch die Hoffnung auf zukünftige Kriege, Seuchen und Hungersnöte, aber auch durch die Forderung nach sexueller Enthaltsamkeit Nachdruck (MARSCHALCK, 1984, S. 15)

Die Weiterentwicklung im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert erfolgten aus bevölkerungswissenschaftlicher Perspektive zwei parallel verlaufende Prozesse:

1. Unter den führenden Denkern fand eine kontroverse Aufarbeitung der Untersuchungsergebnisse von Malthus statt:

Während sich Charles Darwin (1809-1882) zur Erläuterung seiner Evolutionstheorie wohlwollend malthusianischen Gedankenguts bediente (BIRG, 2004, S. 31), sah Karl Marx (1818-1883) in Malthus´ Ansichten über die Vermehrung der Menschen als Ursache von Verelendung im Kapitalismus eine zynische „Apologie des Elends der Arbeiterklasse“. Friedrich Engels (1820-1895) sprach sogar von einer offenen „Kriegserklärung der Bourgeosie gegen das Proletariat“ (VOM BROCKE, 1998, S. 40)

Die intensiv geführte, kontroverse und zunehmend kritische Auseinandersetzung mit den Theorien von Malthus führte einen ersten bevölkerungswissenschaftlichen Paradigmenwechsel herbei. Mit der sich zusehends verstärkenden argumentativen Loslösung von Gott und der damit verbundenen Abkehr von der Grundannahme, dass alles vorbestimmt sei, konnte sich die Demographie von nun an auf gesellschaftliche Zusammenhänge konzentrieren (SCHIMANY, S. 41f.)

2. Die Institutionalisierung demographischer Forschung:

Während der „Herausbildung des modernen Interventions- und Sozialstaats“ begann mit dem flächendeckenden Aus- und Aufbau statistischer Ämter auch die vermehrte Einbindung bevölkerungswissenschaftlicher Inhalte in die Register der „Staatswissenschaftlich-statistischen Universitätsseminare“ (VOM BROCKE, 1998, S. 41). Mit ihrer disziplinären Institutionalisierung trug die Entwicklung der Bevölkerungswissenschaft einer anhaltenden Phase starker Bevölkerungszuwächse innerhalb der europäischen Industrienationen Rechnung. So hatte sich, anders als noch im Bevölkerungsgesetz von Malthus prophezeit, auch die deutsche Bevölkerung in der Zeit zwischen 1815 und 1914 parallel zu sprunghaftem Wirtschaftswachstum (HARDACH, 1977, S. 27f.) und verbesserten Lebensbedingungen von 20 auf 65 Millionen Menschen mehr als verdreifacht

Die Phase der wissenschaftlichen Ausdifferenzierung

Neben Teildisziplinen mit in erster Linie ökonomischem oder bereits soziologischem Bezug interessierten sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt Biologen und Mediziner für demographische Zusammenhänge, was einerseits den Beginn der interdisziplinären Ausrichtung, andererseits aber auch, und das speziell für den weiteren Verlauf in Deutschland, einen fatalen Wendepunkt im transnationalen bevölkerungswissenschaftlichen Denken darstellte

Vom Bestreben geprägt, die Gesellschaft nach wissenschaftlichen Kriterien neu zu gestalten, wollte die medizinisch-biologische Fraktion unter den Demographen in der Folgezeit die Nachkommenschaft der sogenannten „Erbgesunden“ fördern (VOM BROCKE, 1998, S. 57ff.), womit de facto ein erneuter fachlicher Paradigmenwechsel eingeleitet wurde:

Auf der Basis eugenischer Sichtweisen ging es den Forschern erstmals nicht mehr primär um die Erkundung rein quantitativer Bevölkerungsgrößen, sondern um deren qualitative Beschaffenheit (SCHIMANY, S. 44)

Mit zumeist pseudowissenschaftlichen Argumenten übten Eugeniker wie der deutsche Biologe Ernst Haeckel (1834-1919) oder der Brite Francis Galton (1822-1911) einen enormen Einfluss auf das demographische, politische und gesellschaftliche Denken ihrer Zeit aus (MARSCHALCK, 2002, S. 109). Bereits in der Weimarer Republik war die deutsche Demographie damit weitestgehend vom neuen Geist rassenhygienischer Demagogie unterwandert. Begriffe wie positive und negative Eugenik oder der speziell im Nationalsozialismus angewandte Terminus der Euthanasie ließen gerade hierzulande die Bevölkerungswissenschaft auch lange nach der Zerschlagung des Dritten Reiches im Zwielicht einer von latentem Rassismus unterwanderten Wissenschaft erscheinen

Haar bemerkte hierzu: „Tatsächlich entbanden die Nationalsozialisten die sozialhygienischen Gesellschaftsutopien besagter Experten nur aus den rechtlichen Fesseln der demokratischen Grundordnung der Weimarer Republik." (HAAR, www.berlin-institut.org)

3.3.2 Die Rolle der Bevölkerungswissenschaft im Nationalsozialismus

Im Zuge des nationalsozialistischen Terrors, der sich in der Vollendung seines Strebens nach der Auslöschung „lebensunwerten Lebens“ (KLEE, 1983, S. 11) immer wieder auf die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner dogmatisierten Demographen bezog, erfuhr die deutsche Bevölkerungswissenschaft ein Maximum staatlicher Förderung (Vom BROCKE, 2002, S. 53). Die ideologische Verstrickung mit dem NS-Regime führte schließlich in eine disziplinäre Selbstisolierung, die auf internationalen Kongressen, wie z. B. im August 1935 in Berlin, deutlich erkennbar wurde. Hier verteidigten "Rassenhygieniker" wie Eugen Fischer[9] die demographischen NS-Errungenschaften gegenüber der nach rationalen Gesichtspunkten voranschreitenden Forschung ausländischer Kollegen (VOM BROCKE, 1998, S. 13f.)

Nachbetrachtend bleibt festzuhalten, dass Bevölkerungspolitik und Bevölkerungswissenschaft im Nationalsozialismus komplementär agierten. Der demographischen Forschung kam hierbei die Rolle eines dogmatisierten, die nationalsozialistische Rassenideologie stützenden, „Ordnungsstifters“ zu, nach dessen Maßstäben die zu verändernde Gesellschaft statistisch durchleuchtet und in der Theorie neu zusammengesetzt werden sollte. Laut Haar kam es hierbei jedoch nie zu einer expliziten Verschmelzung demographischer Vordenker mit den ausführenden Kräften des NS-Regimes unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach (HAAR, www.berlin-institut.org)

In der Folgezeit prägten „Verschweigen, Verdrängen“ und „partieller Gedächtnisverlust“ den zögerlichen Neubeginn der nachkriegsdeutschen Bevölkerungswissenschaft, die eine schonungslose Aufarbeitung ihrer fachlichen Verfehlungen bis zum heutigen Tage vermissen lässt (VOM BROCKE, 1998, S. 109). Somit kam es hierzulande auch nach 1945 zu einer Vermischung von Publikationen teils angesehener Demographen wie Gerhard Mackenroth (1903-1955), teils jedoch auch tief in die rassenideologischen Prozesse des Dritten Reiches verstrickter Dogmatiker wie Hans Harmsen (1899-1989). Die deutsche Bevölkerungswissenschaft konnte daher bis zu ihrer allmählichen Reinstitutionalisierung Anfang der 70er Jahre internationalen demographischen Standards nicht genügen und fiel schlicht zurück

3.3.3 Die demographische Forschung der Moderne

Besagter Gerhard Mackenroth war es auch, der 1953 das erste und für lange Zeit einzige bevölkerungswissenschaftliche Standardwerk Deutschlands schuf. Unter der Bezeichnung „Bevölkerungslehre - Theorie, Soziologie und Statistik der Bevölkerung" legte er, wie dem Titel unschwer zu entnehmen ist, den Grundstein für die Etablierung der Sozialwissenschaft als Leitwissenschaft deutscher Demographie (BIRG, 2004, S. 32f.). Darüber hinaus bildete seine Ausarbeitung der im folgenden Teilkapitel 3.4 detailliert beschriebenen Transitionstheorie einen weiteren wichtigen Beitrag für die moderne bevölkerungswissenschaftliche Lehre

Internationale Bevölkerungsprojektionen

Seit Beginn der 1970er Jahre arbeitet die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen (United Nations Population Division, UNPD) an der Erstellung regelmäßiger Berichte über globale demographische Tendenzen - so genannte internationale Bevölkerungsprojektionen

Mit diesem Schritt wurde die internationale Demographie im Zuge sich abzeichnender globaldemographischer Herausforderungen um eine zukunftsweisende Komponente erweitert, wobei sich zunächst die allenfalls vagen Informationen über das demographische Innenleben einer Vielzahl der Entwicklungsländer als problematisch erwiesen. Den Vereinten Nationen war es daher erst 1973 möglich, den ersten der mittlerweile im Zyklus von zwei Jahren aktualisierten globalen Berichte mit dem Titel "1968er Revision" vorzulegen. Seither konnten sich parallel dazu eine ganze Reihe ebenfalls auf dem Parkett internationaler Bevölkerungsprojektionen agierender Unternehmungen etablieren. So startete 1978 die Weltbank mit der Veröffentlichung teils eigenständiger internationaler Bevölkerungsprojektionen; das Zensusbüro der Vereinigten Staaten von Amerika (U.S. Census Bureau) folgte, um lediglich die Wichtigsten zu nennen, im Jahre 1985 (BÜTTNER, www.berlin-institut.org)

Internationale Bevölkerungskonferenzen

Parallel dazu findet die kontroverse Analyse und Einordnung besagter Projektionen seit 1974 im Abstand von etwa zehn Jahren auf Weltbevölkerungskonferenzen der Vereinten Nationen statt

Den Anfang machte - jedoch unter dem Diktat des Kalten Krieges - die Weltbevölkerungskonferenz in Bukarest (1974). Strikt weltanschaulich getrennt standen sich hier die USA nebst Verbündeten einem Block sozialistisch regierter Staaten sowie einer Fraktion von Entwicklungsländern gegenüber. Der Westen propagierte dabei im Hinblick auf Entwicklung, Frieden und Sicherheit in der Welt eine rasche Eindämmung des globalen Bevölkerungswachstums durch gezielte internationale und staatliche Kampagnen. Demgegenüber vertraten die Kontrahenten die Meinung, dass ein rasches Bevölkerungswachstum nicht zwangsläufig katastrophale Folgen haben müsse und forderten eine weltweite Angleichung der Lebensbedingungen und damit eine neue globale Wirtschaftsordnung ein (vgl. Süßmilch u. Malthus)

Formal sollten in Bukarest die Vertreter des Sozialismus und der Entwicklungsländer mit ihrem Ruf nach mehr Gerechtigkeit Erfolg haben, denn in seinen Kernpunkten sah der Abschlussbericht der Konferenz eine fairere Verteilung des Reichtums und mehr Chancengleichheit auf der ganzen Erde vor. Der wahre Wert von Bukarest trat hingegen nur wenig später anhand der Verabschiedung antinatalistischer Maßnahmenpakete in Indien und China offen zu Tage; und das, obwohl beide 1974 - weltanschaulich indoktriniert - noch strikt gegen die westlichen Forderungen nach staatlicher Einflussnahme zur Bekämpfung des Bevölkerungswachstums argumentiert hatten

Bereits im Umfeld der nächsten Weltbevölkerungskonferenz in Mexiko City (1984) geriet die Gefahr des globalen Bevölkerungswachstums bedingt durch die inzwischen weit verbreitete Einführung antinatalistischer Programme und vor dem Hintergrund der mit Ausnahme von Afrika und Teilen Asiens weltweit allesamt rückläufigen Geburtenraten zusehends aus dem Blickwinkel. Stattdessen fanden nun auch neue Strömungen in einem sich langsam wandelnden bevölkerungswissenschaftlichen Selbstverständnis Raum, so dass bereits bei der dritten internationalen Konferenz in Kairo (1994) die Befürworter feministisch orientierter Programme in den Vordergrund traten. Sie sahen in den vielfach „männlich dominierten“ staatlichen Maßnahmen sowohl die Gesundheit als auch die rechtliche Stellung der Frauen als eminent gefährdet an und forderten neben einem verbesserten Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen und der Restriktion inakzeptabler Abtreibungspraktiken eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Steigerung des gesellschaftlichen Ansehens weiblicher Bevölkerungsanteile (SINDING, www.berlin-institut.org)

3.3.4 Der bevölkerungswissenschaftliche Status Quo in Deutschland

Die Reinstitutionalisierung der Disziplin geht in Deutschland auf die Gründung des „Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung“ (BIB) im Jahre 1973 zurück (SCHIMANY, S. 46). Auch die Bundesrepublik konnte es sich nun vor dem Hintergrund des raschen Weltbevölkerungswachstums nicht mehr erlauben, auf zeitgemäße demographische Kenntnisse zu verzichten. Hiermit gingen folgende Veränderungen einher:

1. Die amtliche Bevölkerungsstatistik, d. h. die deskriptive Bevölkerungswissenschaft, begann sich allmählich als eine auch qualitativ arbeitende Disziplin zu verstehen (SCHWARZ, 1979, S. 27)
2. Es kam zur Etablierung sozialwissenschaftlicher Inhalte in die bevölkerungswissenschaftliche Lehre Deutschlands (MAYER, 1989, S. 255ff.)
In der Folgezeit entstanden deutschlandweit eine ganze Reihe von demographischen Lehrstühlen und Instituten (s. o.), was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass das Fach im internationalen Vergleich mit den USA, Frankreich oder England noch immer zurückliegt

Hier bedarf es gerade in Anbetracht der bevorstehenden demographischen Veränderungen einer Menge institutioneller Aufbauarbeit. Gleichzeitig liegt der Verdacht nahe, dass der Sport bedingt durch den noch nicht abgeschlossenen bevölkerungswissenschaftlichen Selbstfindungsprozess in naher Zukunft nicht zu einem anerkannten Teilbereich institutioneller demographischer Forschung heranreifen dürfte

3.4 Globale demographische Tendenzen

Das in vielen Industrienationen zu beobachtende Problem gesellschaftlicher Alterung wird in Zukunft zwangsläufig zu einem globalen Phänomen heranreifen, da auch eine Vielzahl der wenig entwickelten Länder der Erde mittlerweile sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartungen verzeichnen (SCHULZ, 2000, S. 267ff.)

Bis dahin - Experten wie Charlotte Höhn sehen den Scheitelpunkt des Weltbevölkerungswachstums in etwa 200 Jahren erreicht - wird sich die Zahl der Erdbewohner bedingt durch die Dynamik demographischer Entwicklungen von derzeit 6 auf über 11 Milliarden Menschen erhöhen (BIB, 2004, S. 73). Die Gesamtzahl aller jemals geborenen Menschen beläuft sich hingegen nach Schätzungen von Birg bis dato auf etwa 80 Milliarden (BIRG, 1996, S. 13), wobei die nachfolgende Grafik verdeutlichen soll, dass es sich hierbei nicht um eine lineare Entwicklung handelte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Weltbevölkerungswachstum bis zum Jahr 2200

Quelle: Schimany, 2003. Eigene Darstellung

3.4.1 Das Modell des „Demographischen Übergangs“

Das Modell des „Demographischen Übergangs“ (auch Transitionstheorie genannt) entstammte ursprünglich einem länderübergreifenden Bestreben, das heftig umstrittene Bevölkerungsgesetz von Malthus (vgl. Kap. 3.3.1) durch eine „ernst zu nehmende wissenschaftliche Theorie abzulösen“ (BIRG, 2004, S. 51). Malthus´ naturalistisch und ideologisch geprägten Ansichten folgend, hätte das Bevölkerungswachstum Europas im auslaufenden 19. Jahrhundert primär aus einer Erhöhung der Geburtenzahlen resultieren müssen (SCHMID, 1983, S. 75), was sich rückblickend jedoch nicht bestätigte. Im Gegenteil: Die Wachstumsbeschleunigung erfolgte „ausschließlich“ durch sinkende Sterberaten bei zunächst gleichbleibend hohen Geburtenziffern (BIRG, 2004, S. 50)

Ein entsprechendes, auf den soziodemographischen Gegebenheiten der westlichen Industrienationen beruhendes Modell erhielt 1945 unter Notestein (Office for Population Research, University of Princeton) als eine Wissenschaftstheorie mit hohem formalstatistischem Aussagewert Einzug in die internationale Demographie. Das Modell entsprach dabei der traditionellen bevölkerungswissenschaftlichen Wunschvorstellung, Regelmäßigkeiten im komplexen Ablauf demographischer Veränderungen erfassen und einheitlich darstellen zu können. Genauer:

Notestein verfolgte das Ziel, die in den westlichen Industriestaaten beobachteten Übergänge von hohen zu niedrigen Geburten- und Sterberaten in eine generalisierende, global anwendbare Theorie umzusetzen, deren heuristischer, d. h. erkenntnisfördernder Wert Schimany zufolge heute zwar unbestritten ist (SCHIMANY, S. 82f.), die jedoch in globaler Perspektive aufgrund allzu großer Schablonenhaftigkeit rasch an ihre Grenzen stieß

Das zumindest förderte die aus rein demographischer Perspektive verunglückte Entwicklungshilfepolitik der Vereinten Nationen ab Mitte des 20. Jahrhunderts offen zu Tage. Ohne die soziokulturellen Gegebenheiten der unterstützten Entwicklungsländer Afrikas zu berücksichtigen, nahmen die Dinge hier einen der Theorie abgewandten Verlauf

Bevor dieser Aspekt abschließend vertieft wird, erfolgt zum Zwecke einer erleichterten Orientierung die Darstellung der aktuellen Ausformung der Transitionstheorie (BIRG, 2004, S. 57ff.):

Abb. 2: 6-Phasen-Modell des demographischen Übergangs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Phase I
Die vorindustriellen Gesellschaften sind durch hohe Geburten- und Sterberaten gekennzeichnet. Die Sterblichkeit schwankt stark, sodass auch die durchschnittliche Lebenserwartung gering ausfällt. Das Bevölkerungswachstum ist gering
Phase II
Im Zuge gesellschaftlicher Modernisierung sinkt die Sterblichkeit deutlich, was eine Erhöhung der Lebenserwartung zur Folge hat. Bedingt durch gleichbleibend hohe Geburtenraten beginnt ein signifikantes Bevölkerungswachstum (1. Demographischer Übergang)
Phase III
Die Phase des hypergeometrischen Bevölkerungswachstums infolge einer sehr niedrigen Mortalität und sich erst allmählich senkender Geburtenraten
Phase IV
Familien reagieren auf die sich modernisierende Gesellschaft und die sinkende Säuglings- und Kindersterblichkeit mit rationaler Geburtenkontrolle. Die Geburtenraten sinken, und das Bevölkerungswachstum geht wieder zurück
Phase V
Bei Notestein besteht am Ende des Demographischen Übergangs ein erneutes Gleichgewicht zwischen Geburtenentwicklung und Sterblichkeit. Fertilität und Mortalität stagnieren auf niedrigem Niveau
Phase VI
Die Realität vieler Industrienationen zeigt, dass die demographische Transition nicht zwangsläufig auf ein Gleichgewicht zwischen Geburten- und Sterbefällen zusteuert. Es kommt zur Überschneidung der Mortalitäts- und Fertilitätskurven (2. Demographischer Übergang). Dies bedeutet Bevölkerungsrückgang

Quelle: SCHIMANY, 2003. Eigene Darstellung

Unterschiede in Theorie und Praxis

„Moralisch [...] gerechtfertigt“, jedoch ohne die Berücksichtigung soziokultureller sowie -ökonomischer Besonderheiten (SCHIMANY, S. 83), starteten die Vereinten Nationen 1950 multilaterale Entwicklungshilfeprogramme, denen zufolge die Sterblichkeit durch den Einsatz hoch wirksamer Arzneimittel sowie erntesichernder Schädlingsbekämpfungsmittel vielerorts stark zurückging (MÜNZ & ULRICH, www.berlin-institut.org)

Die demographischen Folgen hingegen waren verheerend; denn anders als in den Industriestaaten, wo die Bevölkerung der Theorie entsprechend auf das Sinken der Sterblichkeit mit Geburtenbeschränkung rational reagierte (Phase III), änderten die Menschen in den Entwicklungsländern ihr generatives Verhalten bedingt durch zumeist „pronatalistisch/religiöse Glaubensvorstellungen“ nicht in einer der Theorie entsprechenden Art und Weise:

„Es muss sich erst noch erweisen, ob in Afrika die für das reproduktive Verhalten wichtigen kulturellen Traditionen [...] die verhaltensändernden Effekte der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nicht vielleicht stärker kompensieren als dies in anderen Kulturräumen der Fall war“ (BIRG, 1996, S. 62)

3.4.2 Globale demographische Problembereiche

Ein entscheidender Aspekt des aktuellen Weltbevölkerungswachstums ist die Tatsache, dass es sich hierbei nicht um eine alle Staaten einheitlich betreffende Entwicklung, sondern um die Summe von teils „wachsenden, stagnierenden und schrumpfenden Populationen“ handelt (BIRG, 1996, S. 6). Daraus lassen sich drei zentrale Problembereiche ableiten:

1. Die Wachstumsbedingte Problematik der Entwicklungsländer
2. Die Stagnations- und Schrumpfungsproblematik der Industrienationen
3. Die Verknüpfung beider Bereiche durch internationale Wanderungsströme

[...]


[1] z. B. ausgehend von der am 16. November 1999 auf Beschluss des Deutschen Bundestages eingesetzten Enquête-Kommission „Demographischer Wandel“, vgl. S. 81 u

[2] mit Ausnahme von 1990, vgl. Statistisches Bundesamt, 2005, S

[3] BREUER bemerkt in diesem Zusammenhang: „Augrund der Logik von Freiwilligen-Assoziationen ist eine Machtsteigerung jedoch insbesondere durch eine Steigerung der Mitgliedszahlen möglich“ (BREUER, 1999, S. 42)

[4] vgl. dazu die Darstellung der Mitgliederverluste im Altersbereich der vom DSB zu statistischen Zwecken berücksichtigten Alterskategorie der 7-14-Jährigen in Kapitel

[5] vgl. hierzu die Darstellungen aktueller Bevölkerungsvorausberechnungen in Kapitel

[6] Eine detaillierte Schilderung der für den Argumentationsverlauf dieser Diplomarbeit maßgeblichen demographischen Veränderungen Deutschlands erfolgt in Kapitel 4. Berücksichtigt wird hierbei der Zeitraum von 1945 bis

[7] Den Beginn dieser Entwicklung lokalisiert Schimany mit der Entstehung systematischer regionaler Bevölkerungsbestandsanalysen in Italien (Venedig: Anfang des 17.Jht.), Spanien und England (SCHIMANY, 2003, S. 31)

[8] Der Begriff „Bevölkerung“ wird erstmals im Jahr 1691 durch den deutschen Sprachforscher Caspar Stieler (1632-1707) klassifiziert. Dabei handelte es sich ursprünglich um die eingedeutschte Form des damals gebräuchlichen Wortes „peuplieren“, d. h. die von der Obrigkeit vollzogene systematische „Bevölkerung“ eines Gebietes mit Menschen. Im heutigen Sprachgebrauch steht „Bevölkerung“ stellvertretend für die Einwohnerschaft eines Staates, eines Bundeslandes bzw. eines nach anderen Gesichtspunkten abgegrenzten Gebietes (vgl. dazu FLASKÄMPER, 1962, S. 37f)

[9] Eugen Fischer (1874-1936) veröffentlichte 1921 zusammen mit Erwin Baur (1875-1933) und Fritz Lenz (1887-1976) unter dem Titel Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene die „wissenschaftliche Bibel“ der Eugeniker des NS-Regimes. Hitler selbst nahm hiervon erstmals 1923 während seiner Festungshaft in Landsberg Notiz, worauf inhaltliche Rückbezüge in Hitlers Pamphlet Mein Kampf eindeutig hinweisen (VOM BROCKE, 2002, S. 49)

Ende der Leseprobe aus 150 Seiten

Details

Titel
Der demographische Wandel in Deutschland und seine Wirkungen auf den Sport
Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln  (Institut für Europäische Sportentwicklung)
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
150
Katalognummer
V51205
ISBN (eBook)
9783638472357
Dateigröße
999 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wandel, Deutschland, Wirkungen, Sport
Arbeit zitieren
Stephan Hartmann (Autor), 2005, Der demographische Wandel in Deutschland und seine Wirkungen auf den Sport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51205

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