Die vorliegende Arbeit widmet sich zunächst dem Märchen als Gattung und zeigt auf, durch welche Eigenschaften sich diese Form der Erzählung auszeichnet. Interessant wird hierbei vor allem das Volksmärchen. Danach werden stereotypische weibliche Märchenmotive, wie zum Beispiel die Hexe, näher erläutert. Da im deutsch- sprachigen Raum insbesondere die Gebrüder Grimm einen großen Beitrag zur Verbreitung und Bekanntheit der Märchen geleistet haben und es in einem späteren Teil dieser Arbeit auch hauptsächlich um von ihnen veröffentlichte Märchen gehen soll, leistet diese Ausarbeitung darauffolgend einen kleinen, aber dennoch ausreichenden Überblick auf das Leben und Schaffen der Brüder, wobei auch darauf eingegangen wird, inwiefern die Darstellung der Frauenfiguren in ihren Märchen erfolgt.
Märchen gehören zu den mitunter ältesten Textgattungen unserer Geschichte. Sie entführen uns in eine Welt, die wir uns in unseren wunderbarsten Träumen nicht vorstellen könnten und die uns unsere Alltagssorgen vergessen lässt. Während sie anfangs mündlich überliefert wurden, haben sie sich heutzutage ihren Weg in zahlreiche Kinderbücher bis hin auf die Leinwände Hollywoods gebahnt. Gerade in einem Zeitalter, in dem sich die Menschheit im Internet zu verlieren scheint, wird das Märchen, das Reich des Phantastischen, des Irrealen, erneut interessant.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Märchen
2.1. Kunstmärchen
2.2. Volksmärchen
2.3. Hexe und Stiefmutter im Märchen
3. Die Gebrüder Grimm
3.1. Die Frauenfiguren in den Märchen der Gebrüder Grimm
3.1.1. Die Frau als passiver Typ
3.1.2. Die aktive Frau
3.1.3. Die Frau zwischen Aktiv und Passiv
3.1.4. Die bösen Figuren
3.1.5. Die Frau als gute Figur
4. Dornröschen
4.1. Inhaltsangabe
4.2. Analyse und Interpretation Dornröschens
4.3. Filmische Gestaltung Dornröschens
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild in den Märchen der Gebrüder Grimm, mit besonderem Fokus auf das Märchen "Dornröschen". Ziel ist es, die vielschichtigen Frauenfiguren anhand von sozialen und moralischen Kategorien zu analysieren und ihre Rolle im Kontext der historischen und patriarchalen Strukturen der Zeit zu beleuchten.
- Die literarische Gattung Märchen und deren Abgrenzung zwischen Kunst- und Volksmärchen.
- Die historisch geprägte Darstellung der Hexe und Stiefmutter als negative Frauenbilder.
- Die Typologie der Frauenfiguren bei den Gebrüdern Grimm (passiv vs. aktiv).
- Die Analyse der Frauenrollen in "Dornröschen" im literarischen und filmischen Vergleich.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Frauenfiguren in den Märchen der Gebrüder Grimm
Nachdem das Motiv der Hexe in Märchen näher dargestellt wurde, ist es nun von Interesse, sich die Darstellung der Frau im Allgemeinen zu betrachten. Da es in dieser Ausarbeitung gezielt um Werke der Gebrüder Grimm geht, wird nicht der Stereotyp Frau im Märchen per se untersucht, sondern welche Eigenschaften und Merkmale die Gebrüder Grimm den in ihren Märchen auftauchenden Frauen zugeschrieben haben. Dabei werden diese weiblichen Figuren auf spezielle Verhaltensmuster oder auch Charakterzüge analysiert. Grundlegend lässt sich festhalten, dass unter anderem in den Kinder- und Hausmärchen vielschichtige Frauenentwürfe in zum Teil unterschiedlichsten familiären Situationen, sozialen Rollen oder auch äußerlichen Erscheinungen vorzufinden sind. Deshalb wird der Typus der Frau in folgende Kategorien unterteilt, welche helfen sollen, allen Stereotypen weiblicher Darstellungen in den Märchen der Gebrüder Grimm gerecht zu werden.
Zum einen lässt sich die Frau in Märchen der Gebrüder Grimm anhand ihres sozialen Verhaltens einordnen. Einerseits kann sie als eine passive Figur auftreten, deren Verhalten durch Zurückhaltung, ja sogar eine gewisse Teilnahmslosigkeit, gekennzeichnet ist. Andererseits kann der weibliche Charakter auch in einer aktiven Rolle auftreten, die dem Bild der passiven Frau offenkundig entgegentritt. Hierbei werden üblicherweise die geschlechterspezifischen Erwartungen an das Rollenbild der Frau überwunden, wodurch sie den Problemen engagiert begegnet. Letztendlich ist auch eine Mischform der passiven sowie aktiven Persönlichkeit möglich, die anfangs vielleicht zurückhaltend agiert, sich im Laufe der Handlung jedoch als aktive Gestalterin und Bekämpferin etabliert. Zum anderen lässt sich die Frauenfigur nach moralischen Gesichtspunkten kategorisieren. Es bietet sich die Einordnung in prinzipiell gute und schlechte Figuren an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Märchen als Textgattung und Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Analyse von Frauenfiguren in den Grimmschen Märchen.
2. Märchen: Definition und Merkmale des Märchens sowie Abgrenzung zwischen Kunst- und Volksmärchen und Einführung stereotypischer Motive wie der Hexe.
3. Die Gebrüder Grimm: Überblick über das Leben und Wirken der Gebrüder Grimm und eine detaillierte Typologie der weiblichen Figuren in ihren Märchen.
4. Dornröschen: Spezifische Analyse und Interpretation des Märchens "Dornröschen" inklusive einer Betrachtung der filmischen Umsetzung.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Märchenanalyse und Bestätigung der vielschichtigen, jedoch oft historisch bedingten Rollenbilder der Frau.
Schlüsselwörter
Märchen, Gebrüder Grimm, Dornröschen, Frauenbild, Volksmärchen, Hexe, Stiefmutter, Passivität, Aktivität, Rollenbilder, Literaturanalyse, Märchendidaktik, Patriarchat, Gender, Märchenmotive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Frauenbild in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, wobei die Typologie der weiblichen Rollen im Zentrum steht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten zählen die Gattungsmerkmale des Märchens, das historische Bild der Hexe, die Einteilung von Frauen in "aktiv" und "passiv" sowie die moralische Einordnung in gute und böse Figuren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie weibliche Figuren in den Märchen der Gebrüder Grimm dargestellt werden und inwiefern diese Darstellungen von den damaligen sozialen und patriarchalen Rollenerwartungen beeinflusst sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine textbasierte Literaturanalyse durchgeführt, die durch den Vergleich von Märchentexten und eine ergänzende filmische Analyse von "Dornröschen" methodisch gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Märchen, eine umfassende Typologisierung der Frauenfiguren bei den Gebrüdern Grimm und die tiefgehende Analyse von "Dornröschen".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geschlechterstereotypen, die Dichotomie von Gut und Böse im Märchen, der Reifungsprozess und die Rolle der Frau zwischen Tradition und Emanzipation.
Wie unterscheidet sich die Rolle von Dornröschen von anderen Märchenheldinnen?
Im Gegensatz zu aktiveren Heldinnen wie in "Hänsel und Gretel" zeichnet sich Dornröschen durch eine ausgeprägte Passivität aus, da ihr Handeln durch den hundertjährigen Schlaf begrenzt ist.
Welche Bedeutung kommt der dreizehnten Fee in der filmischen Interpretation zu?
Im Film von Walter Beck wird die dreizehnte Fee im Vergleich zur literarischen Vorlage differenzierter dargestellt und entwickelt sich von einer rachsüchtigen zu einer moralischen Instanz.
- Arbeit zitieren
- Marcel Brand (Autor:in), 2019, Das Frauenbild in Dornröschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512123