Diese Arbeit stellt dar, wie der Mathematikunterricht der Grundschule sprachsensibel gestaltet werden kann. Dafür werden im ersten Teil grundlegende Begriffe und Konzepte beschrieben, welche für diesen Ansatz relevant sind. Im Anschluss daran werden die unterschiedlichen Rollen der Sprache im Mathematikunterricht aufgeführt, um zu zeigen, wie stark sprachliche Kompetenzen im Fach Mathematik vertreten sind. Es folgt die Planung eines sprachsensiblen Mathematikunterrichts und anschließende Durchführung eines solchen Unterrichts. Dabei werden die Methoden und Konzepte beschrieben, welche bei der Realisierung berücksichtigt und verwendet werden können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegende Begriffe und Konzepte
2.1 Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit
2.2 Sprachsensibler Unterricht
2.3 Bildungssprache
2.4 Fachsprache
2.5 Alltags- und Umgangssprache
3. Rollen der Sprache im Mathematikunterricht
3.1 Sprache als Lerngegenstand
3.2 Sprache als Lernmedium
3.3 Sprache als Lernvoraussetzung
3.4 Sprache als Lernhindernis
3.5 Sprache im Lehrplan
4. Sprachsensiblen Mathematikunterricht planen
4.1 Bedarfsanalyse
4.2 Lernstandsanalyse
4.3 Unterrichtsplanung
5. Sprachsensiblen Mathematikunterricht durchführen
5.1 Unterrichtsinteraktion
5.2 Unterrichtliche Sprachverwendung und Gesprächsführung der Lehrkraft
5.3 Einbezug der vier kommunikativen Aktivitäten
5.4 Transparenz
5.5 Darstellungsvernetzen
5.6 Wortspeicher
5.7 Spielerische Aktivitäten zur Sprachförderung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle von Sprache im Mathematikunterricht der Grundschule und plädiert für die Implementierung eines sprachsensiblen Unterrichtskonzepts. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrkräfte durch gezielte methodische Ansätze sprachliche Hürden abbauen und damit die mathematische Kompetenzentwicklung sowie die Chancengleichheit für alle Schülerinnen und Schüler, insbesondere jene mit Deutsch als Zweitsprache, effektiv fördern können.
- Bedeutung der Sprache als Lernmedium und Lernvoraussetzung im Mathematikunterricht
- Differenzierung zwischen Bildungs-, Fach- und Alltagssprache
- Phasen der Planung: Bedarfs-, Lernstandsanalyse und Unterrichtsplanung
- Methoden der Durchführung: Unterrichtsinteraktion, kommunikative Aktivitäten und Wortspeicher
Auszug aus dem Buch
5.1 Unterrichtsinteraktion
Die Unterrichtsinteraktion eines sprachsensiblen Unterrichts sollte anders als die eines herkömmlichen Unterrichts aussehen und bestimmte Prinzipien befolgen, um ein lernförderliches Sprachverhalten zu schaffen. Diese Prinzipien sind unabhängig vom Unterrichtsfach, sollten aber auch für einen sprachsensiblen Mathematikunterricht selbstverständlich sein.
Zum einen sollte die Lehrkraft darauf achten ihren Redeanteil so zu kontrollieren, dass auch die Lernenden genügend Zeit und Möglichkeiten bekommen, um eigene zusammenhängende Äußerungen in das Unterrichtsgeschehen einzubringen. (vgl. Thürmann und Vollmer 2012: 11).
Bei komplexeren Antworten der SuS ist es nun bedeutend als Lehrperson auf den Inhalt zu reagieren. Es ist wichtig, dass sich Lehrkräfte von ihrer gewünschten Antwort lösen und wertschätzen, was die Kinder zu sagen haben. Durch eine Reaktion seitens der Lehrperson auf den Inhalt wird die Interaktion authentischer und SuS mit Deutsch als Zweitsprache werden so möglicherweise motiviert, sich sprachlich zu beteiligen. Treten sprachliche Mängel in der Antwort auf, sollten die korrekten Inhalte von der Lehrkraft unkommentiert rekodiert werden und dabei das richtige Sprachverhalten und passende Fachbegriffe verwendet werden. Da die Fehler somit nicht explizit betont werden, führt es zu einer geringeren Frustration der SuS und ihr Sprachverhalten in Mathematik kann dadurch dennoch verbessert werden (vgl. Kniffka 2012: 219; Meyer und Tiedemann 2017: 88).
Insgesamt ist es förderlich die Unterrichtsinteraktion zu verlangsamen. Dies ist einerseits auf das Sprechtempo des Lehrpersonals bezogen und andererseits auf die Zeit, welche die SuS für die Formulierung einer Antwort bekommen. Sie benötigen genügend Zeit, um die Aussagen und Fragen der Lehrperson zu verarbeiten und ihre eigenen sprachlichen Äußerungen zu planen (vgl. Kniffka 2010: 3; Meyer und Tiedemann 2017: 88).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Notwendigkeit sprachsensiblen Unterrichts im Fach Mathematik vor dem Hintergrund zunehmender kultureller und sprachlicher Heterogenität in der Schülerschaft.
2. Grundlegende Begriffe und Konzepte: In diesem Kapitel werden zentrale Definitionen wie Deutsch als Zweitsprache, Bildungssprache, Fachsprache sowie Alltags- und Umgangssprache erläutert.
3. Rollen der Sprache im Mathematikunterricht: Es wird analysiert, wie Sprache als Lerngegenstand, Lernmedium, Lernvoraussetzung oder Lernhindernis fungiert und wie diese Anforderungen im Lehrplan verankert sind.
4. Sprachsensiblen Mathematikunterricht planen: Dieses Kapitel beschreibt die drei Phasen einer sprachsensiblen Unterrichtsplanung: Bedarfsanalyse, Lernstandsanalyse und konkrete Unterrichtsplanung.
5. Sprachsensiblen Mathematikunterricht durchführen: Hier werden methodische Ansätze wie Unterrichtsinteraktion, der Einbezug kommunikativer Aktivitäten, Transparenz, Darstellungsvernetzen, Wortspeicher und spielerische Aktivitäten vorgestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine konsequente sprachsensible Förderung im Mathematikunterricht essenziell für den Lernerfolg ist und keine Seltenheit, sondern zum Normalfall werden sollte.
Schlüsselwörter
Sprachsensibler Unterricht, Mathematikunterricht, Grundschule, Deutsch als Zweitsprache, Fachsprache, Bildungssprache, Sprachförderung, Scaffolding, Unterrichtsplanung, Kommunikation, Darstellungsvernetzen, Wortspeicher, Sprachregister, Mehrsprachigkeit, Chancengleichheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit, Mathematikunterricht in der Grundschule sprachsensibel zu gestalten, um allen Kindern, unabhängig von ihrer sprachlichen Herkunft, den Zugang zum Fachwissen zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentral sind die theoretische Fundierung verschiedener Sprachregister (Fach-, Bildungs-, Alltagssprache), die unterschiedlichen Funktionen von Sprache im mathematischen Lernprozess sowie praktische Planungs- und Durchführungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften Methoden an die Hand zu geben, mit denen sie sprachliche Barrieren im Mathematikunterricht abbauen und die fachsprachliche Kompetenz der Lernenden gezielt fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Synthese bestehender Konzepte (wie Scaffolding) für den mathematischen Kontext basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Rollenklärung der Sprache im Mathematikunterricht sowie in einen umfassenden Praxisteil, der Planungsschritte und konkrete Methoden wie Wortspeicher oder spielerische Aktivitäten detailliert vorstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem sprachsensibler Unterricht, Fachsprache, Deutsch als Zweitsprache, Sprachförderung und Darstellungsvernetzen.
Warum ist das "Darstellungsvernetzen" laut der Arbeit so wichtig?
Das Darstellungsvernetzen ermöglicht den Lernenden, zwischen verschiedenen Repräsentationsebenen (ikonisch, symbolisch, verbal) zu wechseln, was das Verständnis mathematischer Strukturen vertieft und den Erwerb von Fachsprache erleichtert.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei der Fehlerkorrektur im sprachsensiblen Unterricht?
Die Lehrkraft sollte Fehler unkommentiert durch "Rekodieren" verbessern, das heißt, sie wiederholt die Aussage des Kindes korrekt unter Verwendung der richtigen Fachbegriffe, ohne den Schüler explizit auf den Fehler hinzuweisen.
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- Anonym (Author), 2018, Sprachsensibler Mathematikunterricht in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512158