Kurt Tucholsky (1890 - 1935)


Seminararbeit, 2000

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wer war Kurt Tucholsky?
2.1 Die gespaltene Kindheit
2.2 Erinnerungen an die Schul- und Studienzeit

3 Kurt Tucholsky – eins von vielen Pseudonymen?
3.1 „Pseudonyme sind wie kleine Menschen“

4 Die Zeitschrift „Weltbühne“

5 Literarisches Werk

6 Kurt Tucholsky im Exil

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Wenn man heute von den „Goldenen zwanziger Jahren“ fast wie von einem Mythos spricht, dann meint man eigentlich nur die Kunst dieser Zeit. Entscheidend waren nicht Politik und Wirtschaft, sondern das neue Lebens- und Kunstgefühl, das den Charakter dieser Zeit bestimmte.

Das zeigte damals nicht nur „... die gesteigerte Verbreitung von Massenliteratur, die in der Weimarer Republik eine neue Qualität annahm und somit eine zusätzliche Beeinträchtigung schriftstellerischer Arbeit darstellte,“[1] sondern auch die rasche Expansion vieler literarischen Richtungen.

Mit der vorliegenden Arbeit versuche ich den Menschen und den Literaten Kurt Tucholsky so darzustellen, daß sein literarisches Werk im Vordergrund steht. Die Art und Weise seines kurzen aber vielseitigen Lebens beweisen die Größe und die Ungewöhnlichkeit seiner Persönlichkeit.

2 Wer war Kurt Tucholsky?

„Ein Schriftsteller von ungewöhnlicher Begabung, unerschöpflich an Einfällen, ein kluger Humorist, ein Satiriker von Format und – ein Kämpfer für die ewigen Menschenrechte...“[2]

Wenn man heute auf den Schriftsteller Kurt Tucholsky zurückblickt, erinnert man sich vielleicht: da war einer, der auf allen Ebenen für Wirbel sorgte, oder vielleicht: einer, der Deutschland über alles gleichzeitig lieben und hassen konnte. Man schreibt ihm Frechheit sowie Höflichkeit gleichermaßen zu, was ihn in seiner literarischen Tätigkeit noch mehr anspornte.

2.1 Die gespaltene Kindheit

Kurt Tucholsky war das Kind einer gutbürgerlich-jüdischen Familie. Seine Eltern, Bankkaufmann Alex und seine ehemalige Cousine Doris Tucholsky gehörten bereits zur zweiten Generation assimilierter Juden, die durch Fleiß und Ausdauer den Aufstieg ins Bürgertum geschafft hatten.

Der Vater Alex Tucholsky arbeitete sich in der „Berliner Handels-Gesellschaft“ zum Direktor hoch, wurde 1892 nach Stettin in eine Filiale versetzt, und schließlich kehrte er als Bereichsleiter der Firma Lenz & Co. mit seiner Familie nach Berlin zurück. Er kümmerte sich sehr um seine Familie und wollte sie versorgt sehen, bevor er starb. Alex Tucholsky starb im November 1905 an Syphilis. Kurt Tucholsky hat diesen frühen Verlust des geliebten und verehrten Vaters nie überwunden, er blieb fast zeitlebens auf der Suche nach einem „Vaterersatz“. Noch kurz vor seinem Tod 1935 empfand er es als fast unerträglich, „... daß ein so wertvoller Mann wie Papa sterben mußte, als er an der Schwelle der Ernte seines Lebens war.“[3]

Nach Kurt wurde 1895 dessen Bruder Fritz geboren, mit dem er bis zu seinem Tod eng verbunden blieb; 1897 folgte die Schwester Ellen.

2.2 Erinnerungen an die Schul- und Studienzeit

Als besonders fleißiger Schüler tat sich Tucholsky nicht hervor, zwar begabt, aber ohne Ehrgeiz. Seinen Mitschülern blieb er in Erinnerung als „... ein fröhlicher Kamerad und ein echter Rebell, den wir gerade dann am ernstesten nahmen, wenn er uns zum Lachen brachte...“.[4] Ähnlich negativ wie auf seine Mutter reagierte er auch auf seine Schulzeit. Damals galten noch Ehre, Vaterland und Heldentod als mindestens genauso wichtig, wie das Einmaleins und die Grammatik.

1903 wechselte er zum Gymnasium nach Berlin. Die Lehrer konnten sich für den neuen Schüler, der unter der Bank bereits die demokratisch-pazifistische „Welt am Montag“ las, nicht gerade begeistern. Nach dem Tode seines Vaters sackten seine Leistungen rapide ab. Teilweise mit der Tendenz zu „mangelhaft“, bekam er durchweg nur „genügend“ ins Zeugnis. Der rebellische Schüler mit der „Neigung zum Schwatzen“, wie im Zeugnis 1906 vermerkt stand, hatte das Gefühl, „... nicht sonderlich viel gelernt zu haben; was er wisse, habe er sich mühsam selbst angeeignet.“[5] Laut Zeugnis, der deutschen Sprache nur „mangelhaft“ mächtig – das sah der verantwortliche Redakteur des „Ulk“[6] doch etwas anders und veröffentlichte im gleichen Jahr zwei kleinere Arbeiten von Kurt Tucholsky, wenn auch noch anonym: Märchen[7] und Vorsätze.

An einer privaten Schule bereitete sich Tucholsky auf das Abitur vor, das er schließlich 1909 auch bestand. Die Noten schwankten zwischen „gut“ und „genügend“. Unmittelbar danach immatrikulierte er sich an der Juristischen Fakultät zu Berlin. Für ein Semester nach Genf gewechselt, konnte er den Unterschied zwischen der weltoffenen genfer Atmosphäre und der kaisertreuen Gesinnung weimarer Professoren erleben. In seinen ersten veröffentlichen Artikeln über Studium warf ihnen Tucholsky Rückständigkeit und Praxisferne[8] vor.

Nach seinem Jurastudium und der Promotion über Hypothekenrecht, nahm er am 1. Weltkrieg über drei Jahre lang teil. Nach dem Krieg, während der Inflation, als ein schriftstellerischer Verdienst in Deutschland noch nicht möglich war, nahm er eine Anstellung in einer Bank als Privatsekretär an.

[...]


[1] Deutsche Literaturgeschichte, Metzler Verlag, 1994, S. 347

[2] Wilhelm Herzog, 1936. In: Hepp, S. 176

[3] Kurt Tucholskys Brief an Bruder Fritz vom 3.6.1935, Gesamtausgabe 21, S. 247

[4] Hepp, Michael, Kurt Tucholsky, S. 14

[5] Hepp, Michael, Kurt Tucholsky, S. 15

[6] Die satirische Wochenbeilage zum renommierten „Berliner Tageblatt“

[7] In dem Märchen wird die Geschichte eines Kaisers erzählt, der in seiner Schatzkammer neben Juwelen auch eine Flöte hatte.

[8] „ [...]Tucholsky klagte darüber, daß die Studenten nicht für die praktische Arbeit ausgebildet, sondern daß [...] Theorien über die Gesetze der alten Römer und Germanen breitgetreten würden.“ Hepp, Michael, Kurt Tucholsky, S. 19/20

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Kurt Tucholsky (1890 - 1935)
Hochschule
Universität Mannheim  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
PS Berlin - Literarisches und kulturelles Leben in den 20er jahren
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V5122
ISBN (eBook)
9783638131155
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tucholsky, Berlin, Emigration
Arbeit zitieren
Ivanka Steber (Autor), 2000, Kurt Tucholsky (1890 - 1935), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5122

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