Problemstellung, Wertschöpfungsdefizit und Kostenproblematik
Der Erfolg und das Bestehen von Unternehmen im marktwirtschaftlichen Umfeld werden entscheidend durch den Absatzmarkt geprägt. Von dieser Gegebenheit ausgehend ist es notwendig, Signale, Bedürfnisse und weiterführende absatzmarktorientierte Anforderungen frühzeitig zu erkennen und zu berücksichtigen. Dies gilt in erster Linie für die Entwicklung und Konstruktion von Produkten in den Unternehmen. Die Integration europäischer Märke, die fortschreitende Globalisierung, die steigende Innovationsgeschwindigkeit sowie der härter werdende Wettbewerb, stellen für den Spagat zwischen marktgerechter Konstruktion und Ausführung sowie einer kostenminimalen aber qualitativ hochwertigen Herstellung eine große Herausforderung dar. Es genügt nicht, den „alten Hut“ ein wenig aufzubügeln, vielmehr muss die „neue Kopfbedeckung“ entdeckt und auch realisiert werden. Ein Prinzip wie „das haben wir schon immer so gemacht“ oder „schwer machbar und risikobehaftet“ lässt die Grauzone rund um die Entwicklung und Konstruktion nur unnötig weiter wachsen.1
Bereits 1998 bestand im Vergleich zu 1978 in Deutschland ein Wertschöpfungsdefizit von umgerechnet 500 Mrd. Euro. Dieses Defizit hätte nur durch neue, innovative Produkte, die an den Märkten eine überdurchschnittliche Akzeptanz erhalten, kompensiert werden können. Bei vielen Produkten deutscher Hersteller stellte sich jedoch die Situation von zu hohen Kosten und somit zu hoher Marktpreise ein. Mit dieser Gegebenheit lässt sich aber kein Wertschöpfungsdefizit aufholen.2 Von 1998 bis 2004 wurden die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland von 44,7 Mrd. auf 54,3 Mrd. Euro um ca. 21 % gesteigert.3 Da die zusätzlich entstehenden Kosten in dem Rahmen der Produkterstellung nicht 1:1 auf den späteren Marktpreis umgelegt werden können, gilt es Methoden der Kostenkontrolle und -senkung bei der Herstellung von Produkten einzusetzen. Für die Kostenplanung und -erfassung sowie für die damit verbundenen Prozesse gilt daher eine penible Durchgängigkeit und Transparenz, um ein erfolgreiches und wirtschaftliches Kostenmanagement zu erreichen.4
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1 Vgl. Verein Deutscher Ingenieure, von Diekhöner, G. W. (1993), S.19.
2 Vgl. Scholl, K. (1998), S. 1.
3 Vgl. BMBF (2005) – Bundesbericht Forschung 2004 (URL: http://www.bmbf.de/de/2303.php).
4 Vgl. Ehrlenspiel, K. et al. (2005), S. 449; vgl. Götze, U. (2004), S. 236.
Inhaltsverzeichnis
1 Hinführung zum Thema
1.1 Problemstellung, Wertschöpfungsdefizit und Kostenproblematik
1.2 Ziele dieser Arbeit
2 Konstruktionsbegleitende Kostenrechnung
2.1 Einflussgrößen auf die Kostenrechnung und deren Auswirkungen
2.2 Bottom-Up Simultaneous Engineering und Top-Down Target Costing
3 Anwendung der konstruktionsbegleitenden Kostenrechnung
3.1 Problemlösungszyklus, Synthese- und Bewertungsverfahren
3.2 Analyse-, Kalkulations- und Prognoseverfahren
3.2.1 Kostenschätzung
3.2.2 Mitlaufende Kalkulation
3.2.3 Kurzkalkulation
3.2.4 Detaillierte Kostenprognose und deren Modelle
4 Schlussbetrachtung und Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der konstruktionsbegleitenden Kostenrechnung als zentrales Instrument, um den Spagat zwischen marktgerechter Produktentwicklung und wirtschaftlicher Herstellung zu meistern. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, wie durch frühzeitige Kalkulationsmethoden und Kostenkontrollmechanismen in der Entwicklungsphase langfristige Kosteneinsparungspotenziale identifiziert und realisiert werden können.
- Bedeutung der frühen Kostenbeeinflussung im Produktentwicklungsprozess.
- Methoden des Kostenmanagements: Simultaneous Engineering und Target Costing.
- Analyse-, Kalkulations- und Prognoseverfahren zur Kostenermittlung.
- Integration computergestützter Kosteninformationssysteme.
- Realisierung von Kostensenkungspotenzialen durch konstruktive Überarbeitung.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Kostenschätzung
Kosten zu schätzen, geht schneller als diese zu berechnen. Doch aufgrund der Gefahr der Ungenauigkeit wird darauf oft verzichtet. Die Literatur gibt dem Kostenrechner hierfür vier Verfahren an die Hand, welche die Schätzgenauigkeit verbessern können. Mit unterteiltem Schätzen wird das Schätzobjekt in mehre Teile zerlegt, wobei den A-Teilen eine erhöhte und detaillierte Aufmerksamkeit gilt. Je mehr Teilschätzergebnisse herausgearbeitet werden, desto genauer wird die kumulierte Gesamtschätzung. Ähnlich genauigkeitssteigernd wirkt der Effekt, mehrere Personen schätzen zu lassen. Mehrere kompetente Personen müssen unabhängig von einander die Gesamtsituation abschätzen. In einem anschließenden gemeinsamen Dialog werden Ausreißer im Ergebnis überarbeitet und gemittelt.
Es ist möglich, eine Kombination aus Schätzung und statistischer Kostenermittlung zu erstellen. Insbesondere bei kostenbestimmenden A-Teilen werden möglichst viele greifbare Daten durch eine Vorkalkulation, im Vergleich mit früheren gefertigten Teilen und/oder durch Preisvergleichsangebote von Zukaufteilen, erfasst, sodass nur kleine Lücken geschätzt werden müssen. Für eine vergleichende Schätzung werden gewisse Stützpunkte (z. B. ähnliche Teile) sowie Erfahrungswerte für Zeit und Kostenrahmen herangezogen. Dies wird jedoch bei fast jeder Schätzung intuitiv vorgenommen. Nur bei neuen, innovativen Produkten wird dies aufgrund von fehlenden Daten fast nicht möglich sein. Die eingesparte Zeit in der Schätzung birgt neben der Ungenauigkeit aber auch weitere Nachteile. Schätzen ist Gefühlsache und im Nachhinein erkannte Fehler lassen sich oft nur schwer in zukünftige Beurteilungen einbauen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Hinführung zum Thema: Dieses Kapitel erläutert die ökonomische Relevanz der Kostenproblematik in der Produktentwicklung und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
2 Konstruktionsbegleitende Kostenrechnung: Hier werden die theoretischen Grundlagen und die wesentlichen Kostenmanagement-Modelle wie Simultaneous Engineering und Target Costing vorgestellt.
3 Anwendung der konstruktionsbegleitenden Kostenrechnung: Dieser Abschnitt beschreibt praxisnahe Methoden zur Problemlösung, Kalkulation und Prognose von Produktkosten im Entwicklungsprozess.
4 Schlussbetrachtung und Resümee: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und betont die Notwendigkeit fachgerechter Anwendung der Methoden für den Unternehmenserfolg.
Schlüsselwörter
Konstruktionsbegleitende Kostenrechnung, Kostenmanagement, Produktentwicklung, Target Costing, Simultaneous Engineering, Kalkulationsverfahren, Kostenprognose, Kostensenkung, Wertanalyse, Kostenschätzung, Kurzkalkulation, Konstruktion, Lebenszykluskosten, Wettbewerbsfähigkeit, Prozesskostenrechnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten und Methoden einer konstruktionsbegleitenden Kostenrechnung, um die Herstellkosten von Produkten bereits in der Entwicklungsphase effizient zu steuern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Kostenmanagement-Strategien, Methoden der Kostenschätzung, verschiedene Kalkulationsverfahren und die Verknüpfung von technischer Konstruktion mit betriebswirtschaftlichen Kosteninformationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie durch eine frühzeitige Kostenkontrolle in der Entwicklungsphase das Wertschöpfungsdefizit reduziert und die Wirtschaftlichkeit von Produkten gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Kostenmodelle und stellt praxisorientierte Verfahren wie die Kurzkalkulation, Suchkalkulation und computergestützte Prognosesysteme gegenüber.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Kostenbeeinflussung und die detaillierte Beschreibung operativer Analyse-, Kalkulations- und Prognoseverfahren, ergänzt durch Beispiele aus der Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind konstruktionsbegleitende Kostenrechnung, Target Costing, Simultaneous Engineering, Kostenschätzung und Produktentwicklung.
Was besagt die „Rule of ten“ im Kontext der Kostenentwicklung?
Die „Rule of ten“ verdeutlicht, dass Kosten für Fehlerbehebungen exponentiell ansteigen, je später sie im Produktlebenszyklus – von der Konstruktion über die Fertigung bis hin zum Kunden – entdeckt werden.
Welchen Vorteil bietet die Ähnlichkeitskalkulation?
Sie ermöglicht eine schnelle Kostenvorhersage für neue Bauteile, indem sie auf bestehende Daten ähnlicher Produkte zurückgreift und so den Informationsvorsprung in der frühen Entwicklungsphase nutzt.
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- Christian Heid (Author), 2005, Konstruktionsbegleitende Kostenrechnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51228