Avishai Margalit: Der Ring - Über religiösen Pluralismus


Essay, 2005

6 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

I. Textzusammenfassung: Avishai Margalit: Der Ring – Über religiösen Pluralismus

II. Die Ringparabel und ihre Auslegungen

III. Prüfung der Möglichkeit von religiösem Pluralismus durch indirekte Annäherung mit dem antipluralistischen Ein-Ring-Argument

I. Textzusammenfassung: Avishai Margalit: Der Ring – Über religiösen Pluralismus

Die Ausgangsfrage des Autors lautet: Können Judentum, Christentum und Islam pluralistisch verfasst sein?

Margalit stellt klar, dass es nicht um wechselseitige Toleranz gehen soll, sondern die Frage nach gegenseitiger Akzeptanz der unterschiedlichen, im Widerstreit stehenden Lebensweisen der Religionen soll im Vordergrund stehen.

Zudem wird ein möglicher interreligiöser Pluralismus die Grundlage für die Überlegungen sein und nicht ein Intrareligiöser.

Margalit zieht zu seinen Ausführungen nun die Ringparabel hinzu, die den Diskussionen um religiösen Pluralismus nach seiner Meinung schon immer zur Seite stand. Der Autor geht zunächst auf unterschiedliche Lesarten der Parabel ein, in denen es zum einen um die Anzahl der echten Ringe, zum anderen um die Frage danach, wann der Ring überhaupt echt ist geht. Zudem erläutert Margalit kurz die Auslegungen der Varianten der Ringparabel.

Im nächsten Abschnitt des Textes will sich der Autor indirekt an den religiösen Pluralismus annähern und zwar anhand des antipluralistischen Arguments, dass nur ein echter Ring existiert. Margalit geht nun in der Form vor, dass er sechs Prämissen und eine entsprechende Konklusion darlegt und anschließend die einzelnen Prämissen überprüft.

II. Die Ringparabel und ihre Auslegungen

Die Ringparabel, die durch Lessings „Nathan der Weise“ berühmt wurde, geht auf unterschiedliche mittelalterliche Vorläufer zurück. In aller Kürze kann man den Plot der Geschichte wie folgt zusammenfassen. Ein König hinterlässt seinen drei Söhnen drei Ringe. Nur einer davon ist echt und bestimmt eigentlich den legitimen Thronfolger. Die zwei anderen Ringe sind völlig gleiche Imitate. Analog dazu kann man den König als himmlischen Vater und die drei Söhne als Moses, Jesus und Mohamed betrachten. Der eine echte Ring stellt die Offenbarung dar, symbolisiert also die einzig wahre Religion.

Lessings Ringparabel geht von einem echten Ring aus. Analog dazu gibt es nur eine „echte“ Religion. Allerdings ist unbekannt, welcher der Ringe der echte ist. Der Zweifel soll zu einer Haltung von Achtung und Skepsis führen, denn analog kann niemand sicher sein welche Religion im Besitz der Wahrheit ist. Der Wert des Rings äußert sich also durch die Haltung des Trägers. Glaubt man nicht an die Kraft des Ringes, so ist er wertlos. Alle drei Ringe können also sowohl wertvoll als auch wertlos sein.

Eine antipluralistische Lesart geht auch davon aus, dass nur ein echter Ring existiert, also auch nur eine wahre Religion. Die anderen beiden unechten Ringe sind wertlos. Sie können durch die Vortäuschung von Echtheit sogar schädlich sein.

Eine weitere, wesentlich radikalere Lesart nimmt an, dass keiner der Ringe echt ist. Der echte befindet sich irgendwo anders und die drei Ringe sind nur ein Mittel um den Einen zu finden. Zu dieser Lesart gibt es zwei Deutungsrichtungen. Zum einen bedeutet es, dass keine der drei traditionellen Religionen den Grad an religiöser Vollkommenheit erreichen kann wie die eine wahre. Zum anderen wird der echte Ring als die Philosophie angesehen, denn nur sie ermöglicht das höchste religiöse Wissen zu erlangen, das heißt Vollkommenheit. Den drei unechten Ringen kommt bei der philosophischen Deutung allerdings auch eine Wirkung zu. Sie stellen eine Hilfe bei der Schaffung einer Gesellschaftsordnung, die es möglich machen soll den einen echten Ring zu finden.

Margalit spricht einen weiteren Auslegungsansatz, in dem es um die Frage geht, wann der Ring überhaupt echt ist. Eine Möglichkeit der Betrachtung ist, dass der Glaube wahr ist, wenn das Material des Rings so ist wie es sein soll. Als zweite Möglichkeit steht zur Debatte, dass der Ring echt ist, wenn er wirksam ist, das heißt, dass der Glaube an seine Echtheit zu wünschenswerten Handlungen führt. Analog bedeutet dies, dass die Religion echt ist, wenn sie eine Folge angemessener Verehrung Gottes ist. Der Ring kann aber auch als echt angesehen werden, wenn er den wahren legitimen Erben bestimmt. Er bestimmt so die Quelle wahrhafter religiöser Autorität, das heißt den wahren Propheten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Avishai Margalit: Der Ring - Über religiösen Pluralismus
Hochschule
Universität Stuttgart  (Philosophie)
Veranstaltung
Hauptseminar "Toleranz"
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
6
Katalognummer
V51233
ISBN (eBook)
9783638472562
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ohne Sekundärliteratur
Schlagworte
Avishai, Margalit, Ring, Pluralismus, Hauptseminar, Toleranz
Arbeit zitieren
Marie-Christin Pollak (Autor), 2005, Avishai Margalit: Der Ring - Über religiösen Pluralismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51233

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