Buddha und die Musik. Einfluss des Buddhismus auf die musikalische Kultur Japans


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Buddhismus – kurzer historischer Überblick
2.1 Grundlage des Buddhismus
2.2 Buddhismus in Japan

3. Musik im Buddhas Leben (500-100 v.Chr.)
3.1 Die Musik in frühen Mönchtum
3.2 Integration der Musik in dem östlichen Buddhismus (300-1000 n. Chr.)
3.3 Die Einwirkung des Buddhismus auf die japanische Musik
3.3.1 Lernmethoden
3.3.2 Individualismus auf dem Kunstweg
3.3.3 Die Geheimüberlieferungen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Was tut man eigentlich beim musizieren? Und was ist das Ziel des Musizierens und der Musik? In der buddhistischen Philosophie erkannte die Auffassung der Musik den Weg von dem Verführungsmittel bis zu dem Wahrheitssuche. Um den Weg zu verfolgen und zu verstehen werde ich erstmals die Entwicklung des Buddhismus, die Grundlagen der Lehre, die verschiedene Richtungen des Buddhismus in Japan betrachten. Danach werde ich mich mit der Rolle der Musik im Buddhas Leben und im frühen Mönchtum beschäftigen. Als letzte werde ich die buddhistische Einflüsse auf die musikalische Kultur des Japans darlegen.

2. Buddhismus – kurzer historischer Überblick

Der Buddhismus entstand im 5. Jh. v. Chr. im Nordosten Indiens nahe der heutigen Grenze zu Nepal durch Siddhārtha Gautama – Buddha („der Erleuchtete“). Man kann den Buddha aus drei verschiedenen Perspektiven betrachten: einmal als den Mensch, der „den dharma der Befreiung erkannte und das Wissen über den Weg zur Befreiung dem samgha (Gemeinschaft) anvertraute“.[1] Gleichfalls wird Buddha als geistiges Prinzip oder als Buddha-Natur verstanden. In diesem Zusammenhang wird er Tathāgata genannt. Der Name bedeutet diejenigen, der so gekommen oder gegangen ist. Und als letztes wird Buddha in seinem verklärten Körper betrachtet.[2]

2.1 Grundlage des Buddhismus

Das Ziel eines Buddhisten ist die Erlösung vom leidvollen Zyklus der Wiedergeburten (samsāra). Laut Buddhismus gibt es zwei kontrastierende Wirklichkeiten. Die Welt, die man kennt ist von Leiden und Vergänglichkeit geprägt. Die andere Wirklichkeit wird durch Negation der bekannten Wirklichkeit beschrieben, nämlich sie ist ohne Leid, ohne Geburt und Tod. Das Leid wird durch die „vier edle Wahrheiten“ analysiert:

1. Die Welt ist voll von Leiden. (duhkha)
2. Die Ursache des Leidens ist die Begierde ( tŗşņā )
3. Es gibt aber einen Zustand, in dem man frei von der Begierde sei (nirodha)
4. Diesen Zustand kann man durch den „ edlen achtgliedrigen Weg“ (ā rya-astāngika-mārga) erreichen[3]

Der “edle achtgliedrige Weg” besteht aus rechter Anschauung, rechtem Entschluss, rechter Rede, rechtem Tun, rechtem Lebensunterhalt, rechter Anstrengung, rechter Achtsamkeit und rechter Vertiefung.[4] Acht Glieder des Weges sind keine Stufen, die nacheinander erreicht werden, sondern sie werden alle gleichzeitig geübt. Durch den „edlen achtgliedrigen Weg“ kann man die Fesseln der bekannten Wirklichkeit reißen um in die andere Wirklichkeit zu gelangen.

Grundlegende Ausgangspunkte, die menschliche Natur und Existenz beschreiben sind Leidhaftigkeit, Vergänglichkeit und Nichtpersönlichkeit.[5] Die Verdrängung des Begreifen der eigenen Vergänglichkeit lässt den Mensch eine Welt aus Dingen und Wünschen um sich herum bauen. „Er möchte Dinge besitzen um sich Halt zu verschaffen, und gaukelt sich vor, das Ich sei permanent, indem es seinen Wunsch nach außen auf Dinge projiziert. Dieser Versuch misslingt aber, denn die von den Wünschen des Ich aufgebaute Welt ist eine Illusion.“[6] Das Erkenntnis, dass diese Welt keine Wirklichkeit sei, ruft eine Frustration bzw. Leiden (duhkha) hervor.

Auch das Glauben an ein Selbst ruft das Leiden hervor. Das Ich könnte man als eine Art der Berührung mit der Welt verstehen, die wiederum schmerzlich sei. So entsteht die Lehre des Nicht-Selbst (Anatta). Laut dieser Lehre entsprechen solche Begriffe wie Ich und Mein nicht der wahren Wirklichkeit.[7]

Das Ziel des Buddhismus ist nicht den metaphysischen Ursprung der Leiden zu erklären. Die Buddhisten scheinen in dem Bereich sehr praktisch zu sein. Das Ziel ist zu analysieren wie die Leiden in der menschlichen Natur entstehen. So werden drei Bewusstseinsverunreinigungen unterschieden, die sehr eng miteinander verbunden sind, nämlich Unwissenheit (moha), Gier (raga) und Hass (dvesa). Buddhas Aufgabe ist den Weg der Befreiung von Leiden zu lehren, aber allein von dem Gläubigen kann die Befreiung vollzogen werden.[8] „Wessen Bewusstsein völlig gereinigt ist, so dass das ich-hafte Begehren vollständig erloschen ist, wer also die vollkommene Projektionsfreiheit verwirklicht hat, der ist im Bewusstseinszustand des nirvāna.“[9]

Buddhas Lehre ist keine Dogma, sie ähnelt sich eher einem Weg. Das begünstigte die Herausbildung viele Strömungen im Buddhismus. In Tibet gibt es sogar die Meinung, dass es so viele Arten des Buddhismus wie Lamas gebe. Man kann zwei Hauptströmungen erkennen, nämlich Hīnayāna und Mahāyāna.[10] Hīnayāna wird „Kleines Fahrzeug“ übersetzt. Mahāyāna wird „Großes Fahrzeug“ übersetzt. Mahāyāna ist junger und hat sich aus Hīnayāna heraus geformt . In der Mahāyāna- Bewegung bildet sich die Figur des Bodhisattvas aus. Bodhisattva ist ein Wesen, das Erleuchtung schon erreicht hat, stellt aber die eigene endgültige Erlösung zurück um den anderen auf dem Weg zur Erleuchtung zu helfen.[11]

2.2 Buddhismus in Japan

Buddhismus wurde durch chinesischen kulturellen Einfluss in der Mitte des 6. Jahrhunderts nach Japan importiert. Buddhismus wurde leicht und schnell angenommen, verbreitete sich in der Bevölkerung von oberen nach unteren Schichten. Allmählich wurde neue Religion japanisiert.[12] Zum Beispiel wurden Totenrituale eingeführt, obwohl dieser Gedanke sehr weit von der ursprünglichen Buddhas Lehre mit dem Gewicht auf die Entscheidung und Verantwortung des einzelnen den Weg des dharma zu gehen ist. Aber auch Japan wurde durch Buddhismus verändert. Die Vielfalt des chinesischen Buddhismus wird auch in Japan zur keinen einheitlichen geistigen bzw. sozialen Bewegung.[13]

Die Geschichte des Buddhismus in Japan lässt sich grob in fünf Perioden unterteilen:

1. Die Epoche seit der Einführung des Buddhismus bis zum Ende der Nara-Zeit (6. Jh. bis 794). Diese Zeit ist durch die Ausbildung des ersten Staatsbuddhismus und die sechs Nara-Schulen geprägt: Jōjitsu, Sanron, Hossō, Kusha, Ritsu und Kegon. Die letzte Schule unterstützte eine „staatstragende Weltanschauung“[14] und sie spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Buddhismus in Japan.
2. Die Heian-Zeit (794 – 1185) ist durch das Aufkommen der Shingon- und Tendai- Schule geprägt. Tendei-Schule wurde von dem Mönch Saichō im Jahr 805 in Gang gesetzt. Im nächsten Jahr wurde die Shingon-Schule von Kūkai eingeführt. Zwei Bergen, Hiei und Kōya, wurden zu den Zentren der Schulen. Beide Schulen verstanden sich als Gegensatz zur Orthodoxie der Schulen der Nara -Zeit. Laut ihrer Lehre hatten alle Lebewesen die Befreiungsmöglichkeit, denn alle die Buddha-Natur in sich verbergen. In der Shingon-Schule entfaltet sich das Ästhetisieren der Wirklichkeit und der Kultformen, was mit dem japanischen Lebensstil übereinstimmte.
3. Das japanische Mittelalter (1185 – 1600), das KamakuraAshikaga – und Momoyama-Zeit einschließt, ist durch die Entwicklung der neuen Schulen geprägt: Jōdo, Nichiren und Zen. Alle drei Schulen stammen von dem Tendai -Buddhismus ab. Jede Schule hält aber unterschiedliche praktische Übungen für bedeutend. Jōdo beruht auf dem Vertrauen in das Gelübde Amidas. Nichiren basiert auf der Lotos-Sūtra-Praxis. Zen beschränkt sich auf die Meditation. Diese Schulen wurden zur bedeutendsten Schulen der japanischen Buddhismus. Die eigenständige japanische Jōdo-shū wurde von Hōnen (1133-1212) im Jahr 1175 begründet. Wie schon frühe erwähnt wurde, verließ er sich auf das Gelübde Amidas. In der Jōdo-Lehre gibt es zwei Begriffe für zwei Arten der geistigen Wege, nämlich jiriki und tariki. Jiriki bedeutet die Befreiung, die durch eigene Kraft erreicht wurde. Tariki bedeutet hingegen die Befreiung, die durch die „andere Kraft“, nämlich das Vertrauen auf das Gelübde Amidas, erlangt wurde. Aber die Philosophie der Jōdo-Schule geht weiter und versucht die Kluft zwischen Subjekt und Objekt zu überbrücken. „Amidas Gelübde und die Zuflucht zu ihm ist Ausdruck der Nicht-Dualität: das „Andere“ und das „Eigene“, die Welt um mich und die Welt in mir, sind nur zwei Seiten ein und derselben Sache.“[15] Nichiren (1222-1282), der Gründer der Nichiren-shū, wollte ganze Japan durch die Einheit des Buddhismus auf der Grundlage Lotos-Sūtra vereinigen. Eigenständige Zen-Schū in Japan wurde von dem Mönch Eisei (1141-1214) eingeführt. Seine Zen-Schule kann man durch drei Besonderheiten charakterisieren: „packende Unmittelbarkeit der Erfahrung ohne jede systematische Philosophie, unerbittliches Fordern des Schülers...und doch tiefe menschliche Wärme hinter einer strenge Zazen-Praxis.“[16] (Die erste und zweite Besonderheit treffen wir später auch in der Methode des Musikweges.) Ein weiterer wichtiger Zen-Meister, Dōgen (1200-1253) trug zur Entwicklung der Zen-Shule bei. Er verfasste philosophische Schriften, in denen man erkennen kann, dass

- das Üben (zazen) und das Erwachen für ihn verschmelzen
- das gedankenfreies Sitzen (shikantaza) und Achtsamkeit im alltäglichen Leben werden von ihm verbunden
- „Alle Wesen sind Buddha-Natur“

Dies bedeutet, dass die Erleuchtung in jedem alltäglichen Handeln, bei jeder Meditation erreicht werden kann und die absolute Einheit aller Dinge der Welt. (Auch dieser Gedanke findet im musikalischen Bereich seinen Platz.)

Zen hat die japanische Ästhetik bzw. die Künste sehr stark beeinflusst: „von der Gedichtform des Heiku über die sparsame Tuschmalerei bis zum gehauchten Spiel des Shakuhachi-Flöte oder der ästhetischen Gegenwärtigkeit der Tee-Zeremonie“.[17] Im 13. Jh. haben die Anhänger des Zen die Shakuhachi-Flöte gespielt, wobei sie die Atemkontrolle und Klang als eine Art der Meditation verstanden haben. Durch drei Werte kann man die japanische Ästhetik darlegen: wabi, sabi und yugen. „Wabi ist die Suche nach Anmut im Einfachen. Es ist die Lust am Mangel, die im einsamen Sich-Sehnen und Schmachten nach Erfüllung besteht.“[18] Sabi ist die Wiederkehr zum Ursprung des Wahrnehmens, denn da liegt die Wahrheit und die Schönheit, die durch Entwicklung allmählich verlorengehe. Yugen das Erkennen der Einheit des Ganzen im jeden kleinen Ereignis. „Die abgründige Tiefe des Schönen ist danach in der Stille und Natürlichkeit jeder vergänglichen Gestalt wahrnehmbar, im alltäglichen Lebensvollzug, im fallenden Blatt, in der vorbeihuschenden Katze. Der Ursprung zeigt sich räumlich und zeitlich in jeder Erscheinung, er ist nirgends anders als hier.“[19]

4. Die Tokugawa-Zeit (1600-1868) ist durch die zunehmende staatliche Kontrolle der Religion gekennzeichnet. Staatskontrolle bremste allgemein die Weiterentwicklung des Buddhismus. Es gab allerdings eine Ausnahme, nämlich die Erneuerung des Rinai-Zen durch Hakuin Ekaku (1686-1769).
5. Die japanische Moderne (seit 1868). Die Reform des Kaisers Meiji hat Japan für europäische und amerikanische Kultur und Wissenschaft geöffnet. Dies hatte für Buddhismus anhaltende Folgen. Ende des 19. Jhs. wurde Buddhismus sogar kurze Zeit unterdrückt, Mönche laiisiert, viele Tempel zerstört. Die Umorientierung und Anpassung des Buddhismus an die Moderne findet heute noch statt.[20]

3. Musik im Buddhas Leben (500-100 v.Chr.)

In der Buddhas Biographie wird im Vergleich mit den Gründer anderer Weltreligionen der Musik deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Musik erklingt während mehreren zentralen Ereignisse in seinem Leben, erscheint aber praktisch immer auf gleiche Art und Weise, nämlich sie wird von Frauen für Gotama vorgetragen. Das Leben des Prinzen im Palast ist voll von Musik, Luxus, es ist geistig allerdings belanglos. „Gefangener der Frauen, die ihn in Liebesspielen schulten und die unersättliche Liebhaberinnen waren, gelangte er nicht vom Palast in die Außenwelt.“[21] Letzte Nacht vor der Flucht aus dem Palast hörte der Prinz noch mal die vertraute Musik. Die Musikerinnen erscheinen ihm aber widerlich, denn sie verkörpern seine frühere Berauschung. Musik erscheint noch mal als Verführungsmittel, sobald Buddha sich der höchsten Erleuchtung genähert hat und die Maras Töchter ihn den Weg zur Nirwana hindern versuchten. Also wird die Musik jedes mal als Verführungsmittel dargestellt, was die Haltung den früheren Buddhismus gegenüber der Musik beeinflusste.

Ein einziges Mal erscheint Musik dennoch im positiven Licht. Nach dem Buddhas Tod ehren ihn seine Nachfolger mit Tanz, Musik und Liedern. Dank dieser Passage hat die Musik später doch ihre Stelle im Buddhismus gefunden.[22]

[...]


[1] Von Brück, Michael, Buddhismus, S. 84

[2] Conze, Edward, Der Buddhismus, S.31-35

[3] Astley, Ian, Buddhismus in RGG 1, Sp. 1829-1831

[4] http://schul.heimat.eu/buddhismus/achtgliedriger_pfad.htm am 03.08.13

[5] Astley, Ian, Buddhismus in RGG1, Sp. 1831

[6] Von Brück, Michael, Weisheit der Leere, S. 42

[7] Conze, Edward, Der Buddhismus, S.16-18

[8] Von Brück, Michael, Buddhismus, S.104

[9] Ebda S. 105

[10] Conze, Edward, Der Buddhismus, S.57-64

[11] Schneider, Ulrich, Der Buddhismus, S. 177-183

[12] Von Brück, Michael, Buddhismus, S. 267-269

[13] Von Brück, Michael, Buddhismus, S. 239-242

[14] Ebda, S. 244

[15] Ebda, S. 249

[16] Ebda, S. 253

[17] Ebda, S. 258

[18] Von Brück, Michael, Zen Geschichte und Praxis, S. 68-69

[19] Ebda, S. 69

[20] Ebda, S. 239-274

[21] Buddhacarita II 13, Ausg. Johnstin, zitiert nach MGG, Sp. 226

[22] MGG, Sachteil, B.2, Sp. 225-226

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Buddha und die Musik. Einfluss des Buddhismus auf die musikalische Kultur Japans
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V512357
ISBN (eBook)
9783346103260
ISBN (Buch)
9783346103277
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buddhismus, Japan
Arbeit zitieren
Oksana Danych (Autor), 2013, Buddha und die Musik. Einfluss des Buddhismus auf die musikalische Kultur Japans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512357

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