Die religiöse Entwicklung bei Vorschulkindern


Diplomarbeit, 2006

79 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Islam in Österreich
1.1. Wie der Islam nach Österreich kam
1.2. Rechte der Muslime
1.3. Wie die Muslime organisiert sind
1.4. Religionen in Zahlen

2. Religiöse und moralische Entwicklungstheorien
2.1. Entwicklung des moralischen Urteils nach Kohlberg
2.2. Entwicklung des religiösen Urteils nach Fritz Oser und Paul Gmünder
2.3. Funktionen der Familie und ihre Rolle bei der Erziehung
2.3.1 Biologische Funktion
2.3.1.Soziale Funktion
2.4. Die Rolle der Familie bei der Erziehung

3. Die Entwicklung der Religiosität bei Vorschulkindern
3.1. Auswertung der Untersuchung
3.1.1. Die persönlichen Daten der Mütter
3.1.2. Daten über die religiöse Lebensweise der Mütter
3.1.3. Daten über die Mutter-Kind Beziehung: allgemein
3.1.4. Daten über die Mutter-Kind Beziehung: religiöse Themen
3.2. Hypothese 1
3.3. Hypothese 2
3.4. Hypothese 3
3.5. Hypothese 4

4. Schlussfolgerung

Anhang: Fragebogen

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ich danke Dir, mein Allah, wie es Deiner Erhabenheit gebührt. Ohne Deine Hilfe wäre ich niemals mit meiner Arbeit fertig.

Was denken die Heranwachsenden über die Religion, was wissen sie schon darüber, wie könnte man sie darüber besser informieren(erziehen)? In den Disziplinen der Psychologie und Soziologie wäre die Erläuterung dieser Fragen durch ihre Methode besser möglich. Ich habe aber in meiner kleinen Arbeit versucht, das religiöse Verständnis der Kinder zu beschreiben und betrachtete das Thema aus ihrer Sicht. Aus vielen Fragen, die ich mir diesbezüglich stellte, sind folgende Hypothesen entstanden.

1. Weil 4-7jährige Kinder noch in ihrer Denkstruktur projektiv sind, kennzeichnen sie Allah mit menschlichen Eigenschaften und schreiben ihm anthropormorphische Eigenschaften zu.
2. Für Kinder in diesem Alter ist der Gottesdienst zwar an Allah erinnerndes Motiv, wird aber nur wörtlich verstanden.
3. Kinder glauben an einen Allah, der sie nicht erschreckt, sondern der sie liebt. Angst vor Allah hängt mit der religiösen Erziehung der Mütter zusammen.
4. Unter den Personen, die dem Kind religiöse Erkenntnisse am einfachsten beibringen, ist die Mutter an erster Stelle.

Bei dieser Befragung wurden die allgemeinen religiösen Mutter-Kind Beziehungen und die religiösen Entwicklungen des Kindes untersucht.

Erkenntnisse, die aus dieser Untersuchung gewonnen werden, können sehr hilfreich für die zukünftigen Arbeiten und besonders für den islamischen Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen sein.

Im ersten Teil dieser Arbeit werden Migrationsgeschichte, religiöse und moralische Modelle von Entwicklungstheorien angesprochen. Auswertung der Untersuchung ist im zweiten Teil dieser Arbeit untergebracht. Im Anhang ist der Fragebogen in vier Sprachen zu finden.

Mein aufrichtiger Dank gilt allen, die mir bei der Verwirklichung dieser Arbeit geholfen haben, vor allem Herrn Dr. E. Aslan für seine Hilfe bei der Literatursuche und Konzept, meiner Familie für ihre Geduld, meinem Sohn Ömer Faruk für die Mithilfe beim Schreiben, Elisabeth Cargnelli für die sprachliche Überprüfung der Texte, Süleyman Tunca für die Mithilfe bei der Übersetzung ins Arabische und insbesondere meiner Nichte Nurcan Bag für ihre unermüdliche Unterstützung bei der Befragung der Mütter.

Ich hoffe von Allah (teala), dass Er diese Arbeit annimmt und segnet.

Mehmet Bağ Wien,18.03.2006

1. Islam in Österreich

Menschen aus der Türkei, aus Bosnien, Syrien, Ägypten oder Pakistan wanderten im Laufe der letzten Jahrhunderte aus unterschiedlichen (meist wirtschaftlichen) Gründen nach Österreich aus.

Orientalische Geschäfte, Gebetsräume, anderssprachige Kinder an den Schulen, Frauen mit Kopftüchern und langem Mantel am Hubertusdamm machen Islam in Österreich lebendig.

Dennoch werden Muslime und ihre Religion von vielen in Österreich als fremd erlebt. Historisch und geographisch betrachtet sind Zu- und Auswanderungen in Österreich kein neues Phänomen.

Die Zahl der Muslime hat sich in Österreich in den Achtziger-Jahren mehr als verdoppelt: 1981 bekannten sich insgesamt 76.939 (1%) Personen zum Islam.

Laut jüngster Volkszählung 2001 wurde der Islam gesondert. Die Ergebnisse wiesen den Islam bei einer Mehrheit von römisch-katholischen Einwohnern (84 Prozent) und evangelischen Bekenntnissen (6 Prozent) als drittstärkste Religionsgemeinschaft Österreichs aus (4,2 Prozent): es wurden 338.998 Muslime gezählt.

Der überwiegende Teil davon stammt dabei aus der Türkei (127.226 Personen).

Den höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil wies Wien mit (121.149) = (7,8 %) gezählten Personen auf, gefolgt von Oberösterreich (55.581), Niederösterreich (48.730), Vorarlberg (29.334), Tirol (27.117), Salzburg (23.137) und Steiermark (19.007).

Die Muslime bilden jedenfalls eine der größten Gruppen innerhalb der ausländischen Bevölkerung in Österreich. Die konfessionelle, nationale, ethnische, religiöse und soziale Vielfalt des Islam in Österreich zeichnet dabei das Bild eines äußert vielschichtigen Islam. Auch hinsichtlich der religiösen Praxis ist eine Vielfalt von Praktiken, Bräuchen und Sitten festzustellen.

1.1. Wie der Islam nach Österreich kam

Kontakte zu Muslimen hat es in Österreich in der Vergangenheit wiederholt gegeben. Diese waren aber vornehmlich kriegerischer Natur: So beteiligte sich Österreich von 1147 bis 1229 an den Kreuzzügen: die spanischen Habsburger kämpften in zahlreichen Kriegen gegen den Islam auf der Iberischen Halbinsel und in den darauf folgenden Jahrhunderten bestimmten Türkenbelagerungen und ein permanenter Kleinkrieg an der Grenze zum Osmanischen Reich die Beziehungen zu Muslimen.

Mit der Okkupation der beiden Provinzen Bosnien und Herzegowina im Jahre 1878 kam zum ersten Mal eine kompakte muslimische Bevölkerung von über einer halben Million in den Herrschaftsbereich Österreichs. Die Einwohner des Staates Bosnien-Herzegowina waren bis 1908 türkische Staatsbürger, die unter österreichischer Besatzungsherrschaft lebten. Die Muslime bezeichneten sich zur Unterscheidung von den übrigen Türken als Bosniake, dennoch wurden sie auch von den Nichtmuslimen des Landes als „Türken“ betrachtet. Die Okkupation tat den Souveränitätsrechten der muslimischen Bevölkerung keinen Abbruch: die Verwaltung schützt die Gewohnheiten, die Religion, die Sicherheit der Person und das Eigentum der Muslime. Der Islam war in der Monarchie seit 1874 als Religionsgesellschaft anerkannt.

In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg, bis in die sechziger Jahre hinein, war die Zahl der Muslime in Österreich äußerst gering. Es kam daher auch nie zur Bildung einer Gemeinde. Zu Beginn der Sechziger Jahre waren nur rund 3.000 Muslime in Österreich anwesend, wovon etwa 500 Personen ständig im Land lebten und 40 bis 50 die österreichische Staatsbürgerschaft besaßen. Die stärksten islamischen Gruppen waren in Wien, Klagenfurt, Graz und Innsbruck anzutreffen. Bei den Muslimen handelte es sich zumeist um Türken und Bosnier, es befanden sich aber auch Albaner, Perser, Kurden, Mazedonier, Pomaden und Araber in Österreich. Die Mehrheit bekannte sich zum hanefitischen Ritus des sunnitischen Islam.

Signifikante muslimische Anwesenheit auf österreichischem Staatsgebiet gibt es erst ab den Siebziger-Jahren. So kamen in mehreren Wellen Arbeitnehmer (Gastarbeiter) aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien nach Österreich.

Durch die in Wien errichteten Sitze der UNO und OPEC waren auch Diplomanten, hohe Beamte und reiche Geschäftsleute in der Stadt, die meisten Muslime gehörten aber der Arbeiterschicht an. Auch heute bilden Akademiker und Diplomanten nur eine dünne Oberschicht.

Zu Beginn machte man sich im Westen über die Folgen im Hinblick auf die gesamtgesellschaftliche Entwicklung nur wenig Gedanken. So war man keineswegs darauf vorbereitet gewesen, dass etwa „Jugoslawen“, Türken oder Marokkaner ihre eigenen Familien, ihre Lebensweise und Kultur, somit auch ihre Religion, mitbringen könnten.

Zunächst sollten sich die Arbeiter im Westen ja auch nur befristet aufhalten - ohne ihre Familien. Tatsächlich ist die Entwicklung jedoch anders verlaufen. Entgegen den ursprünglichen Erwartungen sind die meisten Gastarbeiter geblieben und haben ihre Familien nachkommen lassen.

1.2. Rechte der Muslime in Österreich

Der rechtliche Status der Muslime in Österreich ist europaweit einmalig. Einzig in Österreich ist der Islam als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Die Anerkennung von Religionsgemeinschaften ist bereits im Anerkennungsgesetz von 1987 geregelt. Durch das Islamgesetz von 1912 wurde diese Anerkennung bekräftigt und in einigen Einzelheiten erweitert. Dieses Islamgesetz stellt die Grundlage auch für die heutige rechtliche Situation der Muslime als „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ dar.

Ab Mitte der Sechziger-Jahre sind bereits die ersten Ansätze für die Gründung einer islamischen Kultusgemeinde zu finden. 1979 erteilte das zuständige Unterrichtsministerium per Bescheid die Genehmigung zur Errichtung der ersten Wiener Islamischen Religionsgemeinde.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat als Dachorganisation und oberste Religionsbehörde die zentrale Verwaltung der Muslime übernommen. Die Mehrheit der Muslime in Österreich erkennt die Verfassung und die Richtlinien der Islamischen Glaubensgemeinschaft an. Diverse innerislamische Spannungen sind zwar vorhanden, gelangen aber nicht immer in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat sich auch stets um positive Beziehungen zu den österreichischen Behörden und Institutionen bemüht.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat vor allem Verwaltungsaufgaben der Muslime in Österreich inne. In Österreich ist etwa der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ein Recht von anerkannten Religionsgemeinschaften. Auch die Islamische Glaubensgemeinschaft macht von diesem Recht Gebrauch. Etwa 350 Religionslehrer, verteilt in ganz Österreich, unterrichten ungefähr 40000 muslimische SchülerInnen. Und die Kosten dafür, sowie für Lehrmaterial, werden vom Staat Österreich bezahlt.

1.3. Wie die Muslime organisiert sind

Das eigentliche religiöse Leben wird in Österreich von einzelnen Vereinen und Moscheen bestimmt. Die Begriffe Moscheen und Muslimverein sind dabei meist synonym zu verwenden.

Bereits nach der staatlichen Anerkennung des Islam ist eine relativ hohe Anzahl von Vereinen gegründet worden. In der Regel schließen sich einige Privatleute zusammen und gründen einen Verein, der in der praktischen Ausführung ein Mittelding zwischen Moschee und Club ist. Die Betreiber können aber auch ein islamisches Land, eine Europaorganisation oder ein größerer Dachverband sein.

Die Vereine verfügen im Allgemeinen über einen Gebetsraum, einen Freizeitclub und ein Geschäft. Als ideelle Mittel zur Erreichung des Vereinzweckes werden genannt: Veranstaltung von Gottesdiensten, Versammlungen, gesellige Zusammenkünfte.

Die erforderlichen finanziellen Mittel werden durch Mitgliedsbeiträge und durch freiwillige Spenden aufgebracht. Am häufigsten finden sich türkische Organisationen, gefolgt von arabischen und iranischen Vereinen. Die türkischen Vereine sind in Wien, Tirol, Oberösterreich und Vorarlberg sehr zahlreich und aktiv. Manchmal betreibt eine Gruppe gleichzeitig mehrere Moscheen.

Unterscheiden kann man bei den türkischen Vereinen zwischen „Islamischen Kulturzentren“ (Süleymanli-Bewegung“: diese verfügen über mehr als 20 gut ausgestattete Vereine mit Zentrum im Wien), „ ATIB- Vereinen“, die über die türkische Botschaft geleitet werden (Avusturya Türk Islam Birligi: bundesweit existieren etwa 40 Vereine), und Vereinen der IGMG (islam toplumu milli görüs: etwa 30 Vereine).

Weiters gibt es arabische Muslimvereine (Wien, Graz, Linz, Innsbruck und Bregenz), bosnische Vereine, die meist in den Neunziger-Jahren entstanden, Vereine der Alleviten, Pakistani, Iraner, Albaner; Kurden sowie schiitische und Sufivereine.

Die Mehrzahl der in Österreich lebenden Muslime zeigt sich weder politisch besonders engagiert, noch fällt sie durch ihre religiöse Glaubenspraxis auf.

Die Anerkennung als öffentlich rechtliche Körperschaft und die damit verbundenen Rechte und Pflichten haben wesentlich zu einer gerechten und friedlich- entspannten Situation der Muslime in Österreich beigetragen. Es finden sich zwar auch einzelne fantastische Gruppierungen und fundamentalistisch eingestellte Muslime, der Großteil der österreichischen Muslime hat aber andere Sorgen als Politik oder Islamisierung des Westens. Das Leben dieser Muslime ist vielmehr geprägt von Existenzproblemen, Glaubenskrisen und kulturellen Anpassungsschwierigkeiten. Diese Muslime, die in Frieden mir der österreichischen Gesellschaft leben möchten, geben sich meist damit zufrieden, wenn sie die eigenen religiösen Vorschriften erfüllen und einhalten können.

1.4. Religionen in Zahlen

Viele Menschen haben das Bedürfnis zu erfahren, wie viele „Gläubige“ sich zu einer Religion bekennen. Obwohl immer wieder Statistiken auftauchen, ist die Quellenlage zumeist fraglich. Daher sollte stets beachtet werden, dass solche Statistiken im besten Falle nur etwas über die Anzahl der Mitglieder einer Religionsgemeinschaft und über die Ideologie der Statistik veröffentlichter aussagen. Darüber hinaus gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen der Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Beispielsweise werden zum Judentum häufig auch diejenigen gerechnet, die sich als Atheisten bezeichnen, zum Christentum in Deutschland alle Kirchensteuerzahler, auch wenn sie nicht gläubig sind.

Statistik: Stand Mitte 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden (Quelle David B. Barrett)

- Islam ( 1,313 Milliarden)
- Römisch-Katholische Kirchen ( 1,119 Milliarden)
- Hinduismus ( 870 Millionen)
- Nichtreligiös ( 769 Millionen)
- Unabhängige Christliche Kirchen ( 427 Millionen)
- Traditionelle Chinesische Religionen 405 Millionen)
- Buddhismus ( 379 Millionen)
- Protestantische Kirchen ( 376 Kirchen)
- Ethnoreligionen ( 256 Millionen)
- Orthodoxe Kirchen ( 220 Millionen)
- Atheismus ( 152 Millionen)
- Afrikanische Religionen ( 100 Millionen)
- Neue Religionen ( 108 Millionen)
- Anglikaner ( 80 Millionen)
- Sikhismus ( 25 Millionen)
- Judentum ( 15 Millionen)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Religiöse und moralische Modelle von Entwicklungstheorien

Das Aufwachsen in heutiger Zeit ist geprägt durch den Einfluss der Medien, durch Multikulturalität und nicht zuletzt durch schwierige soziale, gesellschaftliche und (umwelt-) politische Probleme, denen sich Kinder stellen müssen. Im privaten Bereich werden die Heranwachsenden mit vielfältigen familiären Lebensformen konfrontiert (Fremdengefühl, Traditionen aus den Herkunftsländern die kontrovers sind o.ä). Eine ähnliche Entwicklung ist in der religiös gelebten Praxis erkennbar. Die traditionelle Religion- und Moralerziehung in der Familie findet nur noch selten statt.

Wie und in welchem Umfang religiöse Kindererziehung stattfinden soll, das zu entscheiden ist das Recht der Eltern. Andererseits tragen sie dafür aber auch die Verantwortung im Rahmen ihrer gesetzlich und religiös festgelegten Erziehungspflicht.

Wenn Eltern ihren Kindern über Religion etwas beibringen wollen, sind sie manchmal ratlos, verunsichert und überfordert, begegnen sie den unerwarteten überraschenden Fragen der Kinder, die sie nicht beantworten können. Im Folgenden sollen mögliche Hilfestellungen in Form von entwicklungspsychologischen Theorien vorgestellt werden. Diese versuchen die moralische und religiöse Entwicklung im Kindesalter zu beschreiben. Wie meistens in Erziehungsfragen, geht es nicht darum ein „Rezeptbuch“ vorzulegen. Wie bei allen Theorien, unterliegt auch der Begriff Entwicklung verschiedenen Definitionen. Biologisch versteht man unter Entwicklung z.B. Wachstum und Entfaltung. In der Psychologie meinte Entwicklung früher so viel wie „innere Reifung“. Mit dem Erwachsenenalter schien die körperliche und geistige Entwicklung abgeschlossen.1

Im Gegensatz zur traditionellen Kinder- und Jugendpsychologie berücksichtigt die neuere Entwicklungspsychologie die gesamte Lebensspanne, also auch die pränatale Entwicklung und das Säuglingsalter bzw. das mittlere und hohe Erwachsenenalter.2

Entwicklung im heutigen Sinne bezeichnet also einen dynamischen, sich stets in Wechselbeziehung zur Umwelt, vollziehenden Prozess, der das gesamte Leben umfasst. Zur weiteren Entwicklung gehören Phasen der Stagnation oder auch des Rücktritts.3

Es steht heute außer Frage, dass, wie oben beschrieben, die psychische und geistige Entwicklung eines Menschen das gesamte Leben umfasst. Die moderne Psychologie hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf wissenschaftlicher Basis mögliche Gesetzmäßigkeiten zu definieren. Im Laufe der Jahre formierten sich verschiedene Strömungen der Entwicklungspsychologie. Zunächst versuchte man Entwicklung in Phasen und Altersstufen zu unterteilen. Davon ausgehend, dass wesentliche Potentiale des Kindes angeboren sind, schien Entwicklung chronologisch fixierbar. Es galt als eindeutig, wie ein/e Sechsjährige/r geistig, psychisch und körperlich entwickelt sein musste, um als normal zu gelten. Als bekannter Vertreter der klassisch psychoanalytischen Entwicklungspsychologie gilt Sigmund Freud mit seiner Unterteilung der frühen Kindheit in eine orale, anale u. ödipale Phase, in Weiterführung Erikson.

Im Gegensatz dazu führen so genannte exogene Theorien die Entwicklung des Menschen auf äußere Faktoren zurück: der Mensch wird passiv geprägt. Watson und Skinner sprechen in diesem Zusammenhang von Konditionierung. Heute geht man davon aus, dass das Kind nicht passiv reift oder ausschließlich geprägt ist, sondern von Anfang an ein aktives und soziales Wesen ist. Ein wichtiger Vertreter letztgenannter Theorie ist Jean Piaget. 4

Seine Erkenntnisse führten zum Bewusstmachen kindlicher Theorien über die Herkunft und das Wesen der Dinge sowie über die Entwicklung von Moral.5

Wie entwickeln sich Moralität und Religiosität bei Kindern? Zur Klärung dieser Frage entwickelte Lawrence Kohlberg die Arbeiten von Jean Piaget das moralische Urteil beim Kinde weiter. Als Untersuchungsinstrument verwendete er so genannte Dilemmageschichten. Diese Geschichten enden mit einem offenen Problem und fordern die Zuhörer auf, zu einem eigenen Urteil zu gelangenenannte "Heinz - Dilemma" nach Kohlberg: Um das Leben seiner Frau zu retten, müs und dieses zu begründen. Zu den bekanntesten Geschichten gehört das so gste Heinz in eine Apotheke einbrechen und das ihm sonst nicht zugängliche lebensnotwendige Medikament für seine Frau stehlen. Kohlberg interviewte ungefähr siebzig 10-16 jährige Kinder und Jugendliche zu der Frage, ob Heinz zu diesem Zweck stehlen dürfe und kam zu folgendem Ergebnis.3

2.1. Entwicklung des moralischen Urteils nach Kohlberg

4 Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kohlberg kam zu der Überzeugung, dass die Abfolge der Stufen ein festes Muster darstellt, welches nicht übersprungen oder beliebig verändert wird. Ein Kind wird demnach zunächst mit Blick auf möglichst positive persönliche Folgen handeln. Erst später weitet sich der Blick hin zu gesellschaftlichen Normen und Regeln, die es einzuhalten gilt, um schließlich auch die Sichtweise anderer einzubeziehen. Diese Entwicklung gilt es zu unterstützen, denn um tatsächlich moralisch urteilen zu können, muss man frei handeln und entscheiden können.

Fritz Oser und Paul Gmünder1 stellten wie Kohlberg in ihren Untersuchungen zur Entwicklung des religiösen Urteils fest, dass die gefällten Entscheidungen grundsätzlich der Suche nach Gerechtigkeit erwachsen. Dies gilt für alle Entwicklungsstufen. Zur Verdeutlichung auch hierzu eine Dilemmageschichte.

Paul, ein junger viel versprechender Arzt, gibt Gott in einem Gebet während der scheinbar ausweglosen Situation eines Flugzeugabsturzes das Versprechen, bei seiner Rettung sein weiteres Leben in den Dienst der Entwicklungshilfe zu stellen. Als Gegenleistung verspricht er, auf sein persönliches und berufliches Glück zu verzichten und seine Freundin nicht zu heiraten. Paul überlebt wie durch ein Wunder. Kurz darauf wird ihm von einer Privatklinik eine lukrative Stelle angeboten. Paul erinnert sich an sein gegebenes Versprechen. 1

2.2. Entwicklung des religiösen Urteils nach Fritz Oser und Paul Gmünder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sicherlich ist man als Erziehende/r versucht1, die Heranwachsenden und sich selbst in die oben dargestellten Stufenmodelle einzuordnen. Die vorgestellten Theorien fördern das Verständnis für den Denkhorizont von Kindern und Jugendlichen und helfen, die eigene religiöse und moralische Entwicklung zu reflektieren.2 Dennoch können sie nur Orientierungshilfe sein. Bei den vorgestellten Untersuchungen wurde nämlich lediglich die jeweilige Denkleistung beachtet, ohne emotionale Faktoren einzubeziehen. Wie sehr aber gerade die Gefühle unsere Entscheidungen beeinflussen können, ist hinlänglich bekannt und wird täglich erfahrbar.

Eine andere Schwierigkeit liegt darin, dass nicht bekannt ist, inwieweit die Wertung durch die Autoren die Stufenreihenfolge bedingt hat. Es bleibt offen, ob die Befragten sich verständlich ausgedrückt haben bzw. ob das Gesagte so verstanden wurde, wie es gemeint war. Ebenso bleibt die Zuordnung der Stufen zu verschiedenen Lebensaltern fragwürdig. Zudem wird bei den vorgestellten konstruierten Dilemmageschichten die tatsächliche Verhaltensebene der Befragten (wie würden sie tatsächlich in der Situation handeln?) vernachlässigt.

Carol Gilligans1 machte diesbezüglich vor allem auf die unterschiedliche Moralentwicklung von Mädchen und Frauen gegenüber Jungen und Männern aufmerksam. Sie benutzte für ihre Untersuchungen reale Fragestellungen in moralischen Konfliktsituationen, wie z.B. „Soll eine bestehende Schwangerschaft abgebrochen werden?".2 Dennoch, bei Berücksichtigung der oben genannten Schwachpunkte und der Vermeidung, Heranwachsende zu klassifizieren, stellen die Theorien zur moralischen und religiösen Urteilsfähigkeit einen hilfreichen Leitfaden dar (s.o.). Gilt Gleiches für die Theorien zur Entwicklung des religiösen Denkens?

Beeinflusst von Kohlberg, Piaget und Erikson erarbeitete James W. Fowler (1991)3 ein e strukturgenetische Theorie der Glaubensentwicklung. Sein Interesse lag weniger auf der Untersuchung konkreter Glaubensinhalte oder religiöser Bekenntnisse, als vielmehr auf dem Glauben (faith) im Sinne von existentieller Sinnsuche und -findung.4 Diese Vorgehensweise scheint der Situation, mit der Heranwachsende heute konfrontiert sind, angemessen zu sein. Den Menschen sieht Fowler als „kognitive und emotionale Ganzheit". Fowler versuchte die entwicklungstheoretischen Erkenntnisse mit Theorien des „Lebensglaubens" zu verknüpfen. Er führte biografische Interviews durch und entwarf sechs Entwicklungsstufen des Glaubens. Dabei kam er zu ähnlichen Ergebnissen, wie die oben vorgestellten Theorien.5 Er geht davon aus, dass sein Modell nicht nur die christliche und jüdische Glaubensentwicklung beschreibt (hierauf bezieht sich vor allem sein empirisches Material), sondern auch die agnostisch denkender Menschen:

- Stufe 0: der erste, undifferenzierte Glaube ist die vorsprachliche Haltung des Säuglings, die auf dem zwischenmenschlichen Vertrauen beruht.
- Stufe 1 : der intuitive - projektive Glaube ist der Glaube des Vorschulkindes. Hier werden auf der Basis von Erfahrungen, erzählten Geschichten, Gefühlen und Imagination grundlegende Glaubensbilder geformt, aber noch nicht logisch reflektiert.
- Stufe 2: der mythisch-wörtliche Glaube reicht bis in die Pubertät. In dieser Zeit wird aufgrund der Bilder und Geschichten, die wörtlich verstanden werden, ein stimmiges Bild des Glaubens entwickelt.
- Stufe 3: der synthetisch - konventionelle Glaube der Jugendlichen entsteht durch die Übernahme und Verinnerlichung der Glaubensinhalte anderer wichtiger Menschen, insbesondere Gleichaltriger.
- Stufe 4: der individuend - reflektierende Glaube kennzeichnet den jungen Erwachsenen. Aufgrund der erreichten Individualität werden frühere Glaubensinhalte kritisch reflektiert, um einen eigenständigen Standpunkt zu beziehen.
- Stufe 5: der verbindliche Glaube im späteren Erwachsenenalter ermöglicht dem Einzelnen, seinen eigenen Standpunkt zu relativieren, andere Standpunkte anzuerkennen und widersprüchliche Erfahrungen des eigenen Lebens in ein umfassendes Glaubenssystem zu integrieren.
- Stufe 6: de r universalisierende Glaube basiert auf einer umfassenden Perspektivenübernahme und umgreift das gesamte Sein und Dasein. Er bildet nach Fowler das ideale Ziel der religiösen Entwicklung, das nur von herausragenden Persönlichkeiten, wie z. B. Gandhi, erreicht wird.1

Unabhängig von den Kritiken an strukturgenetischen Entwicklungstheorien und standardisierten Erhebungsverfahren stützen sich neuere Forschungen zur moralischen und religiösen Entwicklung zunehmend auch auf Ansätze der qualitativen Sozialforschung. Ein Verfahren aus der qualitativen Sozialforschung, das auch mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt wurde und das deshalb hier etwas ausführlicher vorgestellt wird, ist das Gruppendiskussionsverfahren. Um dieses Verfahren für Fragen nach der religiösen und moralischen Entwicklung einzusetzen, erfolgte zum einen eine Orientierung an den erprobten Methoden der Kinderphilosophie. Zum anderen wurde von Kohlberg die Idee übernommen, für den Diskussionseinstieg moralische bzw. religiöse Dilemmata zu formulieren, allerdings solche, die möglichst an die Alltagserfahrung von Kindern und Jugendlichen anschließen. Nach dem Vorlesen des Dilemmas erfolgt eine Einladung an die Kinder bzw. Jugendlichen, ihre Überlegungen dazu miteinander zu besprechen. Dabei hält sich die Gesprächsleiterin bzw. der Gesprächsleiter soweit wie möglich zurück. Der Vorteil von Gruppendiskussionen im Vergleich zu Einzelinterviews besteht darin, dass sich die Gesprächsteilnehmer/innen in ihrer Peergruppe wechselseitig aufeinander beziehen und sich weniger an den vermuteten Erwartungen der Gesprächsleiter/innen orientieren. Damit können sie ihre eigenen Relevanzsysteme deutlicher zur Geltung bringen. Die Gruppendiskussionen werden dann wörtlich transkribiert und Satz für Satz analysiert, und zwar sowohl hinsichtlich einzelner Meinungsäußerungen, Erfahrungsschilderungen und Argumentationsweisen, als auch hinsichtlich sozialer Aushandlungsprozesse in der Peergruppe, die für die Herausbildung von Einstellungen, Werthaltungen und Deutungsmustern von besonderem Interesse sind.1

2.3. Funktionen der Familie und ihre Rolle bei der Erziehung

Unter einer Familie versteht die Soziologie eine engere Verwandtschaftsgruppe (im weiteren Sinn umfasst sie auch Schwiegerfamilien).

Das Wort entstammt dem lateinischen Begriff familia (von famulus, Haussklave), wo es zunächst nicht das Ehepaar und dessen Kinder bezeichnete, sondern Name für die Gesamtheit der zum Hausstand gehörenden Familienangehörigen, Freigelassenen und Sklaven war.

Im westlichen Kulturkreis wird heute unter „Familie" meist die so genannte Kernfamilie verstanden, d.h. Vater, Mutter und deren Kinder. Da die verschiedenen Familienformen nach unterschiedlichen Kulturen auch unterschiedlich charakterisiert werden, ist es schwierig, eine konkrete Liste für die Funktionen der Familie zu erstellen. Dennoch gibt es aber Funktionen, die allgemein gültig sind.

2.3.1. Biologische Funktion

Allah, der Erhabene, hat den Menschen als Seinen Stellvertreter auf der Erde geschaffen, damit er sie bebaut und regiert. Dieser Zweck kann natürlich nur erfüllt werden, wenn die Menschheit sich fortpflanzt, lebt und webt, anbaut, herstellt und die Anweisungen des Schöpfers ausführt. Demgemäß hat der Schöpfer bestimmte Triebe und Regungen in den Menschen hineingelegt, damit er zu den verschiedenen Handlungen bewegt wird, die den Fortbestand der Spezies sichern. Zu diesen Trieben, die der Mensch befriedigen muss, um als Einzelner zu überleben, gehört das Verlangen nach Speise und Trank. Der Sexualbetrieb andererseits dient dem Fortbestand der Gattung. Die Sexualität ist ein starker Antrieb im Menschen, der Befriedigung und Erfüllung seiner Rolle verlangt.

Der Weg besteht darin, die Befriedigung dieses Triebes zu regulieren, ihn in bestimmten Grenzen wirksam werden zu lassen und ihn weder zu unterdrücken noch ihm völlig freie Bahn zu lassen. Dies ist die Haltung der Offenbarungsreligionen, die die Ehe eingerichtet und Hurerei und Ehebruch verboten haben. Insbesondere der Islam anerkennt die Bedeutung des Geschlechtstriebes, erleichtert seine Befriedigungen durch rechtmäßige Ehe und verbietet ebenso streng Sexualität außerhalb der Ehe sowie alles, was dazu führt. Er verbietet außerdem den Zölibat und das allgemeine Meiden der Frau.

Dies ist die angemessene und ausgewogene Einstellung. Wäre die Ehe nicht erlaubt, könnte die Sexualität ihre Rolle für den Fortbestand der Menschheit nicht erfüllen. Wären Hurerei und Ehebruch nicht verboten, würde die Familie nicht gedeihen. Ohne Frage entwickeln sich nur im Schatten einer beständigen Familie Mitgefühl, Liebe, Barmherzigkeit und Zuneigung, sowie die Fähigkeit, für andere Opfer zu bringen – Gefühle, ohne die eine Gesellschaft keinen Zusammenhalt entwickeln kann. Wenn es also keine Familien gäbe, dann gäbe es auch keine Gesellschaft, durch die der Mensch sich zur Vervollkommnung weiter entwickeln kann.1

2.3.2. Soziale Funktion

Es lassen sich drei elementare soziale Funktione n hervor heben:

- die „Sozialisations-Funktion“ (auch: erzieherische Funktion) wird durch ihre Fähigkeit zur sozialen Kontrolle, zur Erleichterung der Sozialisation und der Formierung von Motivationen und Fähigkeiten von Heranwachsenden erleichtert (vgl. hier z.B. Gelehrtenfamilie); sie bildet ein erstes dichtes soziales Netzwerk bereits für den Säugling und bildet Kinder und Jugendliche auch primär aus.
- die wirtschaftliche Funktion ist für viele Familien eine wichtige Funktion. So erbringt sie Schutz und Fürsorge (auch materielle) für Säuglinge, aber auch für kranke und alte Familienangehörige, ernährt, kleidet und behaust sie,
- die politische Funktion ist zunächst eine verortende: für in ihr geborene Kinder erbringt sie eine legitime Platzierung in der jeweiligen Gesellschaft. Sonst ist die politische Funktion in neuzeitlichen staatlich verfassten Gesellschaften fast erloschen, findet sich dort aber oft noch informell in der Oberschicht. In nichtstaatlichen Gesellschaften tritt sie jedoch als einziger politischer Rückhalt durch Verwandtschaft (Sippe, Clan) deutlich hervor.

Aus diesen können weitere Funktionen abgeleitet werden:

- die religiösen Funktionen lassen sich aus der Sozialisations-Funktion ableiten, etwa vor dem Essen. Das ist in modernen Kleinfamilien unauffällig (Beispiele: Vater spricht Besmele hörbar aus; Eltern verrichten das tägl. Gebet),
- die rechtliche Funktion ist verfassungs- und privatrechtlich (dort im Familienrecht) auch heute noch lebendig. Nach dem Grundgesetz steht die Familie unter besonderem staatlichem Schutz. Im privatrechtlichen Bereich hat sie zahlreiche Gestaltungsrechte (so im Vormundschafts- und Erbrecht),
- die „Freizeit- und Erholungs-Funktion“ ist eine moderne Variante der Wirtschaftsfunktion. Sie fasst Basisleistungen zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit der Familienmitglieder und die Bereitstellung von Erholungsmöglichkeiten bzw. Ausgleichsleistungen der Familie gegenüber bestehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Organisationsformen zusammen.

In modernen Gesellschaften werden politische, religiöse, wirtschaftliche und erzieherische Funktionen der Familie z.T. auf andere gesellschaftliche Institutionen (z.B. Staaten, politische Gemeinden, Versicherungsanstalten, Schulwesen, Sport) übertragen und treten im Familienalltag dann zurück, was sich in Notzeiten durchaus rasch ändern kann.

2.4. Die Rolle der Familie bei der Erziehung

Erziehung ist ein lebenslanger Prozess, der bereits vor der Geburt beginnt, uns die Kindheit und Jugend hindurch begleitet und später in die Selbsterziehung des Erwachsenen mündet. Erziehung ist zum einen die aktive, bewusst beeinflussende Vorbereitung des Menschen auf seine künftigen Aufgaben in diesem Leben, aber zum anderen auch der Prozess der Sozialisation, der automatischen Beeinflussung des Menschen durch seine Umgebung.

Kinder werden im Islam als „Glücksgut“1 bezeichnet. Sie sind ein Geschenk, aber auch ein Vertrauenspfand Allahs für das in erster Linie die Eltern Verantwortung tragen. Deshalb sollten die Eltern auch die Zeit der Schwangerschaft nutzen, um an sich selber, ihrem eigenen Charakter und ihrer eigenen Frömmigkeit zu arbeiten, so wie uns Allah dazu im Heiligen Qur´an auffordert:

„Und diejenigen, welche bitten: „O unser Herr! Gewähre uns an unseren Frauen und Kindern Augentrost und mache uns zu einem Vorbild für die Rechtschaffenen.“ 2

Muslimische Eltern in einem nicht-islamischen Land müssen sich klar machen, dass die Erziehung ihrer Kinder überwiegend auf ihren Schultern ruht. Sie sind es, die hier die Weichen stellen, entweder durch ihr Tun, oder aber auch durch ihr Unterlassen. Abu Hurayre (r) berichtet in einem Sahih-Hadith*, dass unser Prophet (s.a.s.) erklärt hatte:

„ Jedes Kind wird mit der Fitra * gebo ren, und seine Eltern machen dann aus ihm entweder einen Juden, einen Christen oder einen Sabäer (Feueranbeter). Genauso wie das Tier, das ein Tier zur Welt bringt: siehst du darin Unstimmigkeiten ?“3

Es kommt also darauf an, dieses neugeborene Kind, das Emanat, das uns Allah (teala) zu treuen Händen übergeben hat, gemäß seiner Bestimmung zu erziehen. Diese Bestimmung definiert Allah (teala) im Heiligen Qur`an absolut unmissverständlich folgendermaßen:

Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie Mir d ienen.“ 4

„ O ihr, die ihr glaubt! Schützt euch selbst und eure Familien vor einem Feuer, dessen Brennstoff die Menschen und die Steine sind….5

[...]


1 Bitter, G. u.a . (Hrsg.): Neues Handbuch religionspäd. Grundbegriffe,München,2002,S.192

2 Baltes, P .: Entwicklungspsychologie d. Lebensspanne,1990,S.41

3 e.bd.: S.193

4 Piaget ,J.: Das moralische Urteil des Kindes, Frankfurt/M.,1979

5 Bitter,G.:a.a.O.,S.180-185

3 Bosold,I./Kliemann,P.: Ach, Sie unterrichten Religion,München,2003,S.130

4 Kohlberg,L.: Die Psychologie der Moralentwicklung, ,Frankfurt/M.;1995

1 Oser,F./Gmünder,P.: Der Mensch-Stufen seiner religiösen Entwicklung.E.str.gen.Ans.;Gütersloh,1982

1 e.bd.:S.89

1 Noormann, H.u.a.(Hrsg.):Ökumenisches Arbeitsbuch Religionspädagogik, ,Stuttgart/ Berlin/Köln S.62-65

2 Bosold,I./Kliemann,P.: Ach, Sie unterrichten Religion,München,2003,S.135f

1 Gilligan,C.: Die andere Stimme,lebenskonflikte u.Moral d.Frau,München,2001

2 Bosold,I./Kliemann,P.(Hrsg.):a.a.O.,S.129-136

3 James W.F.: Stufen des Glaubens,Gütersfloh,1991(amerik.EA1981)

4 Bitter,G.:a.a.O.S.205f

5 Noormann,H.u.a.(Hrsg.):a.a.O.S.65-70

1 Henning ,C./Nestler,E.u.a.(Hrsg.): Einf.in d.Rel.psychologie,München,2003,S.125-126

1 e.bd.: S.131

1 Al-Qaradawi,Y.: Erlaubtes u.Verbotenes im Islam;Übersetzung:Ahmad v.Denffer,München,1998,S.130

1 Quran:71:13

2 Quran:25:75

* Sahih-Hadith: makellose Überlieferung unseres Propheten , dessen Überlieferungskette lückenlos, sämtliche Tradenten ein fehlerfreies Erinnerungsvermögen (dabit),hohes Moralwert (adl),keinen versteckten Fehler (illa) und auch keinen Widerspruch (schuzuz) beinhaltet.

* Fitra: bedeutet wörtlich menschliche Natur bzw. natürliche Veranlagung - d.h. natürlich veranlagt mit der Gottergebenheit (= als Muslim)

3 Rassoul,M.A.:Al-Buharry,Köln,1996,S. 219,Hadith Nr.: 1385

4 Quran:51:57

5 Quran: 66:6

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
Die religiöse Entwicklung bei Vorschulkindern
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
79
Katalognummer
V512359
ISBN (eBook)
9783346104885
ISBN (Buch)
9783346104892
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, vorschulkindern
Arbeit zitieren
Mehmet Bag (Autor), 2006, Die religiöse Entwicklung bei Vorschulkindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512359

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