Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit beansprucht für sich, einen Erklärungsansatz für den Erfolg der AfD in den letzten Jahren zu liefern. Hierfür soll die Relevanz ihrer Positionierung bei der Flüchtlingsfrage ab 2015 untersucht werden.
Der Erfolg der rechtspopulistischen Parteien in Europa nimmt in den letzten Jahren immer weiter zu, so auch in Deutschland. Die AfD hat sich nach ca. einem halben Jahrzehnt in der deutschen Parteienlandschaft etabliert. Eine Partei, die ideologisch und politisch zu all den anderen Parteien in Deutschland im Gegensatz steht und in den letzten Jahren somit für großen medialen, als auch parteipolitischen Aufruhr sorgte. Während die großen Volksparteien im Bundestag zunehmend an Stimmen verlieren, wächst die rechtsorientierte Fraktion immer weiter und rasanter. Aufgrund dessen ist davon auszugehen, dass die AfD auch bei der nächsten Bundestagswahl 2021 weiterhin zulegen wird. Doch welche Faktoren führten zu einem solchen Erfolg der AfD? Wie so oft war es ohne Zweifel ein Zusammenspiel von vielen Faktoren, die der AfD die Gunst vieler Bürger bescherte. Wenn man sich die Erfolgsjahre der AfD anschaut, so stellt man fest, dass die AfD vor allem in einem Zeitraum an Erfolg gewonnen hat, der von der Flüchtlingsdebatte in Deutschland dominiert war. Es kommt also nicht von ungefähr diese beiden Faktoren zu verbinden.
Umso wichtiger erscheint eine wissenschaftliche Auseinandersetzung dieser Thematik. Gleichwohl die Volksparteien weiterhin die Mehrheit bilden und somit die Regierung stellen, ist eine Vertiefung dieser Thematik dringend notwendig. Denn diese Form der Auseinandersetzung und Vertiefung kann zum Verständnis rechtspopulistischer Parteien beitragen und könnte somit ein weiteres Erstarken der AfD vorbeugen bzw. entgegenwirken. Doch was veranlasst die Bürger der Bundesrepublik bei einer Bundestagswahl rechtspopulistische Parteien wie die AfD zu wählen? Wenn man die Theorien des Wahlverhaltens aus der Politikwissenschaft außer Acht lässt, so gibt es dennoch zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zum Thema „Erfolg der AfD“. Das Interessante jedoch, dass in der politikwissenschaftlichen Literatur nicht allzu häufig thematisiert wurde, ist das Zusammenspiel der öffentlich-gesellschaftlichen Nachfrage und das Angebot der AfD im Hinblick auf die Flüchtlingsfrage ab 2015. Die gleichzeitige Positionierung der AfD bei der Flüchtlingsdebatte, das mit dem Angebot einhergeht, spielt hierbei eine gesonderte Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Basis
2.1 Ergebnisse der Bundestagswahl 2017
2.2 Theorie des Erfolgs von Nischenparteien nach Bonnie M. Meguid
2.3 Ableitung einer Hypothese
3. Analyse
3.1 Die öffentliche Meinung zur Flüchtlingsfrage
3.2 Die Positionierung der Parteien in der Flüchtlingsfrage
3.3 Diskussion der Forschungsergebnisse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl 2017 und ihrer spezifischen Positionierung in der Flüchtlingsfrage ab 2015, wobei sie auf der Nischenparteientheorie von Bonnie M. Meguid aufbaut.
- Analyse des Wahlerfolgs der AfD im Kontext der Flüchtlingskrise
- Anwendung der Nischenparteientheorie nach Bonnie M. Meguid
- Untersuchung der öffentlichen Meinung zur Migrationspolitik
- Vergleich der Parteienpositionierungen anhand von Manifesto-Daten
- Diskussion über strategische Parteireaktionen wie die "adversarial-strategy"
Auszug aus dem Buch
2.2 Theorie des Erfolgs von Nischenparteien nach Bonnie M. Meguid
Das theoretische Fundament dieser wissenschaftlichen Hausarbeit bildet die Theorie „des Erfolgs von Nischenparteien“ der Politikwissenschaftlerin Bonnie Meguid. Sie differenziert zwischen zwei Arten von Parteienfamilien. Mainstreamparteien werden als Gruppe nicht näher definiert, da sie ganz einfach als der Teil eines Parteiensystems zu verstehen sind, der nicht den Kriterien einer Nischenpartei entspricht (Meguid 2005, S. 348). Nischenparteien sind nach Meguid diejenigen Parteien, die ihre Schwerpunkte und ihr Hauptaugenmerk auf unbesetzte Politikfelder setzen und sich damit jenseits der traditionellen Klassenstruktur von Mainstreamparteien befinden (Meguid 2005, S. 347). Meguid führt ein weiteres Kriterium auf, nämlich das der „single-issue-parties“. Demnach konzentrieren sich Nischenparteien im Gegensatz zu Mainstreamparteien programmatisch auf nur wenige Themen, mit denen jedoch eine sehr starke Identifikation stattfindet. Aus dieser Fokussierung resultiert, dass Nischenparteien in der öffentlichen Meinung zu diesem Thema als übermäßig kompetent angesehen werden (Meguid 2005, S.348). Das dritte und letzte Kriterium, welches Meguid in ihrer Veröffentlichung anführt, ist eine relativ heterogene Wählerschaft, die Nischenparteien besitzen. Diese Wählerschaft setzt sich nicht entlang der klassischen Cleavages zusammen, sie weist vielmehr eine Querstruktur zu den gesellschaftlichen Konfliktlinien auf.
Anhand der Auffassungen von Meguid wird für die vorliegende Arbeit die Alternative für Deutschland als rechtspopulistische Nischenpartei betrachtet. Diese Tatsache wird in der gesamten vorliegenden Arbeit als gegeben betrachtet, da eine analytische Erklärung dessen, den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet das Thema durch den Erfolg der AfD im Kontext der Flüchtlingsdebatte und legt die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen dar.
2. Theoretische Basis: Dieses Kapitel etabliert die Nischenparteientheorie von Bonnie M. Meguid und leitet die für die Arbeit zentrale Hypothese ab.
3. Analyse: Die Analyse untersucht die öffentliche Meinung zur Flüchtlingsfrage sowie die parteipolitischen Positionierungen und diskutiert diese im Lichte der Forschungshypothese.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die langfristigen Herausforderungen für den demokratischen Rechtsstaat im Umgang mit rechtspopulistischen Parteien.
Schlüsselwörter
AfD, Bundestagswahl 2017, Nischenpartei, Bonnie M. Meguid, Flüchtlingskrise, Flüchtlingsfrage, Einwanderung, Parteienwettbewerb, Wahlverhalten, rechtspopulistisch, Issue-Ownership, Adversarial-Strategy, Accomodative-Strategy, Politische Kommunikation, Parteienlandschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit der Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl 2017 mit ihrer spezifischen Positionierung zur Flüchtlingsfrage korreliert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind der Aufstieg der AfD, die öffentliche Wahrnehmung der Flüchtlingspolitik ab 2015 und die strategische Positionierung der Parteien im Parteienwettbewerb.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Erfolg der AfD theoretisch zu begründen und zu prüfen, ob die Positionierung in der Flüchtlingsfrage ein entscheidender Erklärungsfaktor war.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine theoretisch geleitete Analyse durchgeführt, die das Modell von Bonnie M. Meguid auf empirische Daten, wie Umfrageergebnisse und Wahlprogramm-Analysen des Manifesto-Projekts, anwendet.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Analyse der öffentlichen Meinung, die Untersuchung der Parteipositionen und die Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem zentralen Begriff der AfD sind dies vor allem Nischenparteientheorie, Flüchtlingskrise, Issue-Ownership und verschiedene Strategien des Parteienwettbewerbs wie die Adversarial-Strategy.
Welche Rolle spielt die "adversarial-strategy" laut der Analyse?
Die Arbeit argumentiert, dass die AfD durch ihre Gegenposition zur Flüchtlingspolitik der anderen Parteien ihre Sichtbarkeit und Attraktivität für unzufriedene Wähler erhöhen konnte.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich des "Böckenförde Dilemmas"?
Die Arbeit weist darauf hin, dass die Stabilität des Rechtsstaates von einer moralischen Affinität der Bürger zu den Verfassungswerten abhängt, was eine Herausforderung im Umgang mit antiliberalen Strömungen darstellt.
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- Benyamin Ziani (Author), 2019, Die AfD bei der Bundestagswahl 2017. Korreliert der Erfolg mit ihrer Positionierung bei der Flüchtlingsfrage ab 2015?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512372