Die qualitative Untersuchung. Leitfadeninterview, Fallauswahl, Inhaltsanalyse


Einsendeaufgabe, 2019
31 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Anlagenverzeichnis

1 Aufgabe C1: Die Konzeption eines qualitativen Interviewleitfadens
1.1 Qualitative Leitfadeninterviews
1.2 Die Fragen des Interviews
1.3 Ablauf einer empirischen Untersuchung

2 Aufgabe C2: Die qualitative Fallauswahl
2.1 Die Definition der Stichprobe
2.2 Die qualitative Stichprobe
2.3 Das repräsentative Stichprobeverfahren

3 Aufgabe C3: Die Inhaltsanalyse
3.1 Quantität versus Qualität
3.2 Die qualitative Inhaltsanalyse

Anlagen

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Generelles Ablaufschema qualitativer Inhaltsanalysen

Anlagenverzeichnis

Anlage 1: Der Leitfaden

Anlage 2: Grundgesamtheit und Stichprobe

1 Aufgabe C1: Die Konzeption eines qualitativen Interviewleitfadens

Im folgenden Unterkapitel 1.1 wird vorerst das qualitative Leitfadeninterview definiert und in das Spektrum der qualitativen Interviewformen eingeordnet. Unterkapitel 1.2 befasst sich mit der Auswahl der Fragen, die im Interview gestellt werden und die Bedeutung dahinter. Abschließend zu Kapitel 1 wird in Unterkapitel 1.3 das Vorgehen im Rahmen einer empirischen Untersuchung verdeutlicht. Hierfür werden zuerst die Rahmenbedingungen und das grobe Vorgehen beschrieben, worauf eine Vorstellung der untersuchten Personengruppe folgt. Danach werden die qualitative Stichprobe und die Durchführung der Interviews genauer erläutert. Letztendlich wird aufgezeigt, mit welcher Methode die Interviews ausgewertet werden können.

1.1 Qualitative Leitfadeninterviews

Ob Interviews, Beobachtungen, Inhaltsanalysen oder qualitative Experimente: sie sind alle Formen der qualitativen Datenerhebung, die durch eine hohe Gegenstandsnähe, das Ziel einer präzisen Fallbeschreibung verfolgen.1 Das Interview wird dabei am häufigsten als Forschungsinstrument zur Gewinnung von Informationen eingesetzt, wobei man hier zwischen drei Formen unterscheiden muss: das standardisierte, halbstandardisierte und nichtstandardisierte Interview.2 Da sich diese Einsendeaufgabe allerdings unteranderem mit der Konstruktion und Konzeption eines qualitativen Interviewleitfaden (siehe Anlage 1 in Anlagen) befasst, wird im folgenden Verlauf lediglich das halbstandardisierte Interview besprochen.

Das Thema des Interviews ist die Kundenbindung bei Abonnementzeitungen. Ziel dieser Datenerhebung sind konkrete Aussagen von ausgewählten Rezipienten, zu verschiedenen Themenbereichen von Abonnementzeitungen. Solche verbalen Daten werden in der qualitativen Forschung am effektivsten mithilfe eines Leitfadeninterviews gesammelt.3 Sie gehören zu den halbstandardisierten Interviewformen und bezeichnen jegliche Art der Datenerhebung, die mithilfe eines vorformulierten Leitfadens durchgeführt wird.4 Auch das Leitfadeninterview lässt sich in weitere Formen unterteilen, wobei die beiden Hauptformen das problemzentrierte und fokussierte Interview sind. Während sich das problemzentrierte Interview mit spezifischen gesellschaftlichen Problemen befasst, bezieht sich das fokussierte Interview auf die Reaktionen und Meinungen von Befragten auf bestimmte Objekte, wie in diesem Fall die Abonnementzeitungen.5

Der Leitfaden dient dem Interviewer als inhaltliche Orientierung, um während des überwiegend freien Gespräches mit dem Interviewten nicht zu weit von der Hauptthematik abzuweichen und eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse mehrerer Rezipienten zu gewährleisten.6 Dieser Leitfaden wird bereits vor Untersuchungsbeginn angefertigt, sodass relevante Aspekte des Themas, die unbedingt in das Gespräch miteinfließen müssen, rechtzeitig identifiziert werden.7 Zu beachten ist hierbei die Formulierung von offenen Fragen, sodass genug Spielraum für die Beantwortung bleibt und sich der Interviewte nicht zu sehr in seinen Antwortmöglichkeiten eingeschränkt fühlt. Es ist dem Interviewer in Bezug auf das eben gesagte selbst überlassen zu entscheiden, wann eine Antwort zu ungenau oder nicht themenorientiert ist.8 Um das Gespräch dann wieder zum Kernthema hinzuführen, kann der Interviewer auf Nebenfragen oder Stichwörter zurückgreifen.

Es lassen sich drei Arten von Fragen unterscheiden: einleitende Fragen, Leitfadenfragen und Nachfragen. Einleitende Fragen werden meist vor Beginn des eigentlichen Interviews gestellt, um die Stimmung zwischen dem Interviewer und dem Interviewten zu entspannen und den Gesprächspartner auf die Situation einzugewöhnen. Die Leitfadenfragen bilden die Kernthematik und sind wie bereits erwähnt das Gerüst des Interviews an denen sich der Fragende orientieren kann. Falls eine Antwort zu oberflächlich ist, kann man sie durch Nachfragen weiter ausführen und nicht vorher eingeplante Aspekte vertiefen.9

Der hohe Grad an Offenheit und Kommunikation in qualitativen Interviewgesprächen, forciert den Interviewer dazu, sich bei den Fragen inhaltlich am Befragten zu orientieren und diese so zu formulieren, dass sie Erzählungen anregen.10 Die Offenheit des Gespräches in einem Leitfadeninterview hat im Gegensatz zu anderen Interviewformen den Vorteil, dass man mit der Antwort auch einen Einblick in persönliche Interessensschwerpunkte und Erfahrungen des Gesprächspartners bekommt. Andererseits haben halbstandardisierte Interviews höhere Anforderung an den Interviewer und sind komplizierter in der Durchführung als standardisierte Interviews.11 Da beispielsweise das Gespräch weitestgehend durch den Interviewten gelenkt wird, kann es leicht zu Abschweifungen vom Thema kommen. Hierbei liegt es in der Verantwortung des Forschenden im richtigen Moment einzugreifen und mithilfe des Leitfadens zurück zur eigentlichen Frage zu gelangen, ohne dabei den Befragten zu unterbrechen oder ihn zu einer bestimmten Antwort zu drängen.

Wie die Fragen für ein Interview formuliert werden können, wird im folgenden Unterkapitel mithilfe des Leitfadens dieser Einsendeaufgabe, welcher in den Anlagen zu finden ist, gezeigt. Neben den Hauptfragen werden ebenfalls die jeweiligen Nebenfragen erläutert und begründet.

1.2 Die Fragen des Interviews

Das Interview setzt sich aus sechs Leitfadenfragen zusammen, die während des Gespräches unbedingt gestellt werden müssen. Falls der Befragte zu einer Frage keine Antwort geben kann oder der Inhalt der Antwort zu allgemein ist, stehen Nebenfragen als Hilfestellung zur Verfügung. Zu jeder Nebenfrage gibt es Stichwörter, die als Orientierung für den Interviewer dienen, aber auch Denkanstöße für den Interviewten darstellen. Grundlage für die Ausformulierung der Fragen ist die vorangegangene Operationalisierung des Konstrukts „Kundenbindung bei Zeitungen“ von Rogall12. Hierbei wird das Konstrukt in die Dimensionen habituelle Mediennutzung, Variety Seeking, Kundenzufriedenheit, soziale & ökonomische Wechselhemmnisse und Produktfunktionen unterteilt, welche grundlegend an der Kundenbindung beteiligt sind. Die Dimensionen werden dann in Kategorien segmentiert, die wiederrum ebenfalls in Indikatoren aufgeteilt werden. Aus einer Dimension wird im Leitfaden eine Hauptfrage formuliert, während die Kategorien in Nebenfragen und die Indikatoren in Stichwörter umgewandelt werden.

Die Frage nach der habituellen Mediennutzung soll die Faktoren herausstellen, welche das Lesen einer Zeitung zur Gewohnheit machen. Der Interviewte kann sich in seiner Antwort auf das Design der Zeitung oder den Nutzen, den diese für ihn hat, beziehen. Interessant könnte auch das Muster sein, nach dem der Leser die Zeitung konsumiert, wie beispielsweise bestimmte Angewohnheiten beim Lesen. Wenn die Faktoren klar sind, können sie dazu genutzt werden, den Leser unauffällig aber gezielt an die Zeitung zu gewöhnen und ihn zugleich daran binden, indem sie habituell genutzt wird, sodass der Einsatz anderer Methoden, wie zum Beispiel Werbung, die meist eher als nervig empfunden wird, minimiert werden kann.

Die Frage zur Dimension des Variety Seeking beschäftigt sich mit dem Phänomen, dass Menschen oftmals das Eine haben wollen, was sie nicht besitzen. Wenn also ein Nutzer einer Abonnementzeitung eigentlich vollkommen zufrieden mit seinem derzeitigen Produkt ist, warum würde er sich dann nach weiteren, ähnlichen Zeitungen umsehen? Hier soll unteranderem festgestellt werden, ob sich der Leser mehr Abwechslung wünscht, weil er sich vielleicht durch sein jetziges Abonnement gelangweilt fühlt und deswegen eher Neuerscheinungen ausprobieren möchte. Dabei ist es ebenfalls von Interesse herauszufinden, welche Konkurrenzmedien, aus welchen Gründen genutzt werden. Mithilfe dieser Informationen kann man den Reizen nach Variety Seeking effektiv entgegenarbeiten, um den Zeitungsabonnenten als Kunden nicht zu verlieren. Die Informationen können ebenfalls dafür genutzt werden, um Kunden anderer Zeitungen zu gewinnen.

Die Kundenzufriedenheit stellt eine weitere Dimension dar und soll, wie der Begriff schon erahnen lässt, die Zufriedenheit des Kunden bestimmen. Dabei soll der Interviewte auf seine Zufriedenheit mit der gesamten Zeitung oder mit Teilen der Zeitung eingehen. Solch eine Rezension kann maßgeblich dazu dienen, das Produkt stetig zu verbessern, indem auf konstruktive Kritik eingegangen und gemeinsam mit den Kunden nach Lösungswegen gesucht wird. Auf diese Weise fühlt sich der Leser miteinbezogen und geschätzt, was wiederum zur Kundenbindung beiträgt.

Die folgenden beiden Dimensionen beziehen sich auf mögliche soziale und ökonomische Wechselhemmnisse, die die Kunden von Abonnementzeitungen haben könnten, wenn sie ihr laufendes Abonnement kündigen und zu einer anderen Zeitung wechseln möchten. Anders als bei berechenbaren ökonomischen Faktoren, kann das soziale Umfeld Einflüsse ausüben, die für die Zeitungshersteller unberechenbar und unkontrollierbar sind. So kann beispielsweise die Nutzung einer bestimmten Zeitung als Familientradition gelten oder mit der Region, in der man lebt, assoziiert werden, wodurch das Wechseln zu anderen Medien möglicherweise ausgeschlossen wird. Diese Faktoren kann eine Zeitung zwar nicht beeinflussen, jedoch können die Informationen für nachfolgende Studien oder Themen von Bedeutung sein. Mit den ökonomischen Einflüssen sind unteranderem die finanziellen Aspekte gemeint, wie der Preis der Zeitung oder das Preis-Leistungsverhältnis. Diese Einflüsse können jedoch von den Zeitungsherstellern manipuliert werden, sodass man potenzielle Kunden durch Rabattaktionen zum Wechseln überzeugt. Auf der anderen Seite kann die Information zu ökonomischen Wechselhemmnissen ebenso dazu eingesetzt werden, um bereits bestehende Kunden vom Wechsel abzuhalten. So greifen Telefonanbieter oftmals auf großzügige Treuvorteile oder Angebote zurück, wenn ein Kunde das Abonnement kündigen möchte.

Die letzte Frage bezieht sich auf die Produktfunktionen und -eigenschaften. Der Befragte kann hier die verschiedenen Funktionen aufzählen und bewerten, die die Zeitung für ihn erfüllt. Des Weiteren sollen die charakterisierenden Eigenschaften des Produkts beschrieben und beurteilt werden. Hierzu können ebenfalls die Eigenschaften aufgezählt werden, die eine Zeitung im Allgemeinen immer erfüllen sollte. Die Beurteilung kann sich zum Beispiel auf die Übersichtlichkeit, Handhabbarkeit oder Glaubwürdigkeit beziehen. Durch die Bewertung der Produktfunktionen und -eigenschaften kann ein Feedback erstellt werden, sodass Stärken erkannt und Schwächen minimiert werden.

1.3 Ablauf einer empirischen Untersuchung

Nachdem die Bedeutung hinter den Fragen des Interviews verdeutlicht wurde, kann nun das Vorgehen in einer empirischen Untersuchung erläutert werden. Hierzu werden in diesem Unterkapitel die einzelnen Aspekte beschrieben, die in einer empirischen Untersuchung von Bedeutung sind. Die Ausführungen beziehen sich dabei stets auf das Interviewbeispiel der Einsendeaufgabe.

Eine idealtypische empirische Untersuchung beinhaltet vor Beginn der eigentlichen Untersuchung meist die Wahl einer Forschungsfragestellung, eine theoretischen Literaturrecherche zum ausgewählten Thema sowie eine Hypothesenableitung und die Operationalisierung des vorliegenden Konstrukts.13 Da diese Aspekte jedoch in der Aufgabenstellung miteinbegriffen sind und somit bereits feststehen, werden sie im weiteren Verlauf nicht näher erläutert. Wenn die Operationalisierung des Konstrukts „Kundebindung bei Zeitungen“ vorliegt und die Untersuchungsform feststeht, kann mit der Planung der Untersuchung begonnen werden. In diesem Fall ist damit die Konstruktion eines Leitfadens für ein halbstrukturiertes Interview gemeint, welcher bereits in den vorangegangenen Unterkapitel hinreichend erörtert wurde.

Nach der Ausarbeitung des Leitfadens müssen im nächsten Schritt der Untersuchungsplanung Interviewpersonen ausfindig gemacht, kontaktiert und letztendlich angeworben werden.14 Unabhängig davon, wie die potentiellen Interviewpartner angeworben werden, ist es Voraussetzung, dass sie Rezipienten von Abonnementzeitungen sein müssen. Wie oben erwähnt, soll nämlich die Kundenbindung bei Abonnementzeitungen ermittelt werden, was indirekt die Befragung von eben diesen Kunden impliziert. In einem qualitativen Untersuchungsdesign muss eine Stichprobe stets dem Inhalt der Forschungsfrage entsprechen und in der Lage sein, genügend Informationen dazu liefern zu können. Diese bewusste Art der Fallauswahl sollte fehlerfrei ablaufen, sodass zum Beispiel niemand befragt wird, der für die Beantwortung der Forschungsfrage von geringem Wert ist, da das Ergebnis sonst unwiderruflich verfälscht wird. Mithilfe von verschiedenen Sampletechniken kann der Forscher solchen Fehlern vorbeugen.15 Nähere Ausführungen zur qualitativen Fallauswahl werden in Kapitel 2 gezeigt.

Potentielle Interviewpartner lassen sich entweder auf indirektem oder direktem Wege finden und kontaktieren. Der indirekte Kontakt kann beispielsweise durch das sogenannte Schneeballsystem erfolgen, bei dem eine Personen angesprochen wird, die die Informationen dann an andere Personen weitergibt. Diese mündliche Weitergabe kann solange erfolgen, bis sich ein geeigneter Rezipient von Abonnementzeitungen zurückmeldet. Dieses Verfahren kann jedoch durch seine Unberechenbarkeit zu einer hohen Ungleichartigkeit in der Fallauswahl führen, da sehr wahrscheinlich mehrere unterschiedliche soziale Milieus erreicht werden.16 Der direkte Kontakt hingegen kann sich durch verschiedenen Recherchestrategien gezielter an bestimmte Personengruppen richten. So kann man beispielsweise über das Internet nach aktiven Zeitungsabonnenten suchen, indem man auf gewissen Foren für Zeitungen oder auf Homepages von Zeitungsherstellern die Nutzer direkt kontaktiert. Des Weiteren kann man Suchanzeigen in verschiedenen Druckmedien aufgeben oder bei Zeitungsmessen und -ständen die Besucher direkt ansprechen.17

Hat man dann die potentiellen Interviewpartner ausfindig gemacht, muss man als Forscher ersten Kontakt suchen. Die Erstkontaktaufnahme kann entweder telefonisch, schriftlich per Brief oder Face-to-Face erfolgen. Hierbei gilt: der erste Eindruck zählt. Ein vorformulierter Text mit allen wichtigen Informationen zum Interview und dessen Thema, sollte daher unbedingt für das erste Gespräch vorbereitet werden, damit der Befragte weiß für wen das Interview durchgeführt wird, was das Ziel der Untersuchung ist, warum ausgerechnet er für das Interview von Interesse ist, welche Erwartungen man an ihn hat und was mit seinen Daten passiert.18

Nachdem die Phase der Kontaktaufnahme nun abgeschlossen ist, folgt die Phase des Gesprächseinstiegs. Hierbei soll sich der Interviewte an die Situation gewöhnen und Vertrauen zum Interviewer aufbauen, sodass eine positive Gesprächsbasis entstehen kann. Am ehesten wird dieses Ziel durch einen Smalltalk erreicht oder durch Fragen, die das Interesse des Interviewten hinsichtlich zum Thema wecken sollen. In dieser Phase sollte man außerdem die Gelegenheit ergreifen sich einander vorzustellen und sich ausdrücklich für die Zeit des Befragten zu bedanken. Einleitend zum Interview wird dann nochmals das Thema und die Zielsetzung erklärt, die geschätzte Dauer des Interviews vorausgesagt und die Nutzung der Daten geschildert. Das Ende der Eröffnungsphase muss mit einer deutlichen Ankündigung des Interviewstarts verdeutlicht werden. Bei der Durchführung des Interviews kann sich der Interviewer nun an dem Leitfaden orientieren und das Gespräch bei inhaltlichen Abschweifungen, wenn nötig zum Thema zurückführen.19 Dabei darf jedoch der offene Gesprächsraum des Befragten nicht zu stark eingeschränkt werden, da diese Fremdsteuerung die subjektiven Antworten der Person beeinflussen könnte.20 Wenn alle Leitfadenfragen gestellt wurden und das Interview beendet werden soll, kann man dem Befragten noch Zeit für mögliche Rückfragen oder Anmerkungen geben.21 Das offizielle Ende wird durch die Unterzeichnung der Datenschutzerklärung und einer höflichen Verabschiedung markiert.

Den letzten Aspekt einer empirischen Untersuchung bilden die Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten. In diesem Fall bietet sich eine Transkription der Tonaufnahmen an, bei der die akustischen Informationen verschriftlicht werden. Hierbei werden im ersten Schritt alle Antworten markiert, damit sie danach in Kategorien eingeordnet werden können. Im dritten Schritt werden logische Verbindungen zwischen diesen Kategorien hergestellt und anschließend in einem weiteren Schritt verschriftlicht. Danach folgt die Erstellung einer Auswertung, die aus einem Text und Interviewausschnitten besteht, sodass am Ende im letzten Schritt ein Bericht verfasst werden kann.22

2 Aufgabe C2: Die qualitative Fallauswahl

Um den Stichprobenbegriff verstehen zu können, muss dieser im folgenden Unterkapitel 2.1 erst definiert werden. Unterkapitel 2.2 befasst sich dann im engeren Sinne mit der qualitativen Stichprobe und den spezifischen Verfahren. In Unterkapitel 2.3 werden dann als Vergleich, die Unterschiede zu repräsentativen Stichprobeverfahren aufgeführt.

2.1 Die Definition der Stichprobe

Sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsansätze arbeiten bei der Datenerhebung mit einer Auswahl von Fällen, also Stichproben. Diese werden in der qualitativen Forschung als Fallauswahl und in der quantitativen Forschung als Stichprobenziehung bezeichnet. Damit eine Stichprobe überhaupt erstellt werden kann, muss sie als Teilmenge aus der Gesamtheit aller potentiellen Untersuchungsobjekte, auch Grundgesamtheit genannt, gezogen werden. Hierbei kann sich der Forscher prinzipiell zwischen einer Vollerhebung und einer Teilerhebung entscheiden. Der Unterschied besteht darin, dass mit der Vollerhebung alle Fälle untersucht werden, während bei der Teilerhebung nur eine Stichprobe von Fällen ausgewählt wird. Die Vollerhebung wird eher bei einer kleinen Gesamtheit potentieller Fälle eingesetzt, wie bei Mitarbeitern in einem Unternehmen. Sobald der Forscher jedoch weiß, dass die Grundgesamtheit unendlich groß ist, nicht komplett bekannt ist, durch die Untersuchung negativ beeinflusst wird oder in der Durchführung zu aufwändig wäre, kann eine Vollerhebung nicht stattfinden.23

Teilerhebungen oder eben Strichprobenuntersuchungen sind hingegen schneller und kostengünstiger durchzuführen, weswegen sie der Vollerhebung auch meistens vorgezogen werden. Jede Stichprobe zeichnet sich durch ihre Art und ihren Umfang aus. Bei der Stichprobenart kann man zwischen zufallsgesteuerten und nicht-zufallsgesteuerten Auswahlmethoden unterscheiden, wobei die zufällige Auswahl für quantitative Untersuchungen und die nicht-zufällige Auswahl für qualitative Untersuchungen geeignet ist. Hingegen bestimmt der Stichprobenumfang die Aussagekraft einer Studie und wird entweder erst im Laufe der Untersuchung endgültig benannt oder bereits im Vorfeld festgelegt. Fällt eine Stichprobe zu klein oder zu groß aus, wird dieser Umstand Auswirkungen auf die Genauigkeit haben. Diese Abweichungen werden im sogenannten Stichprobenfehler ausgedrückt.24

Bei der Ziehung der Stichprobe lassen sich drei Phasen unterscheiden: die Stichprobenkonstruktion, die Rekrutierung und die Stichprobenerhebung. In der ersten Phase, der Phase der Konstruktion, wird die Art, der Umfang und der Plan der Stichprobe ermittelt. Hier stehen methodische Fragen im Hinblick auf die Aussagekraft der Stichprobe im Fokus. Nach der Konstruktion werden dementsprechend die potentiellen Untersuchungsobjekte rekrutiert und abschließend in der Erhebungsphase befragt. Die Rekrutierung sollte sich an praktischen und organisationsfreundlichen Zielen orientieren, sodass schnell und kostengünstig ausreichend Untersuchungsobjekte angeworben werden.25

2.2 Die qualitative Stichprobe

Die qualitative Stichprobe ist Teil des oben besprochenen Interviews und wurde daher bereits kurz erwähnt. In diesem Unterkapitel soll jedoch genauer auf die Definition der qualitativen Fallauswahl eingegangen werden.

Qualitative Studien fokussieren sich bei der Datenerhebung stets auf einen einzigen Fall zur selben Zeit, wodurch insgesamt ein hoher Arbeitsaufwand entsteht, der sich nur bei kleinen Stichproben als forschungsökonomisch tragbar erweist. Das Ziel ist eine auf Interpretationen beruhende, detaillierte Rekonstruktion jedes einzelnen Falls.26 Hierbei wird die Stichprobe mithilfe einer bewussten und nicht-zufallsgesteuerten Auswahlmethode gezogen, weil nur so in der Grundgesamtheit nach bestimmten Merkmalen, die für die Forschungsfrage wichtig sind, gesucht werden kann. Abhängig vom Ziehungsverfahren kann sich eine Stichprobe besonders im Vorgehen und in der Zusammensetzung unterscheiden. Eine bewusste Stichprobenziehung erfolgt in der qualitativen Forschung entweder durch ein Bottom-up-Verfahren, bei dem die Kriterien für eine Stichprobe im Verlauf der Untersuchung bestimmt werden, oder durch ein Top-down-Verfahren, das die Ziehungskriterien bereits vor Beginn der Untersuchung determiniert. Unabhängig vom gewählten Verfahren kann sich der Forscher bei der Stichprobenauswahl zwischen einer homogenen oder heterogenen Zusammensetzung der Fälle entscheiden, was bedeutet, dass die Fälle entweder gleichartig oder unterschiedlich sind.27

[...]


1 Vgl. Misoch (2019), S. 12-13

2 Vgl. Westhoff/Strobel (2017), S. 838-839

3 Vgl. Flick (1999), S. 114

4 Vgl. Misoch (2019), S. 65

5 Vgl. Hussy/Schreier/Echterhoff (2013), S. 226

6 Vgl. Misoch (2019), S. 66

7 Vgl. Hussy/Schreier/Echterhoff (2013), S. 225

8 Vgl. Flick (1999), S. 112-113

9 Vgl. Hussy/Schreier/Echterhoff (2013), S. 225-226

10 Vgl. Kruse (2017), S. 1388

11 Vgl. Schnell/Hill/Esser (2018), S. 353

12 Vgl. Rogall (2000), S. 150-151

13 Vgl. Renner/Heydasch/Ströhlein (2012), S. 21

14 Vgl. Kruse (2014), S. 255

15 Vgl. Misoch (2019), S. 199-200

16 Vgl. Kruse (2014), S. 255

17 Vgl. Kruse (2014), S. 257

18 Vgl. Kruse (2014), S. 258-259

19 Vgl. Reinhardt (2015), S. 21-22

20 Vgl. Kruse (2014), S. 258-267

21 Vgl. Reinhardt (2015), S. 22

22 Vgl. Mühlfeld et al. (1981), S. 336

23 Vgl. Döring/Bortz (2016), S. 292-293

24 Vgl. Döring/Bortz (2016), S. 294

25 Vgl. Döring/Bortz (2016), S. 296-297

26 Vgl. Döring (2017), S. 1627

27 Vgl. Hussy/Schreier/Echterhoff (2013), S. 194-195

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Die qualitative Untersuchung. Leitfadeninterview, Fallauswahl, Inhaltsanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
31
Katalognummer
V512393
ISBN (eBook)
9783346098566
ISBN (Buch)
9783346098573
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Wissenschaftliches Arbeiten, qualitative Untersuchung, Interview, Leitfaden, Leitfadeninterview, Inhaltsanalyse, Fallauswahl, qualitative Fallauswahl, halbstandardisiertes Interview
Arbeit zitieren
Stefan S. (Autor), 2019, Die qualitative Untersuchung. Leitfadeninterview, Fallauswahl, Inhaltsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512393

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