Wertschätzende Klassengemeinschaften. Prävention von Gewalt- und Außenseitertendenzen in der Primarstufe


Bachelorarbeit, 2019
57 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärungen
2.1 Gruppe
2.2 Gemeinschaft
2.3 Klassengemeinschaft
2.4 Klassenklima
2.5 Außenseiter
2.6 Das Schulkind als Außenseiter
2.7 Mobbing
2.8 Zusammenfassung

3 Außenseiter in der Primarstufe
3.1 Gründe von sozialem Ausschluss
3.2 Negative Auswirkungen
3.2.1 Mobbing
3.3 Integration von Außenseitern
3.3.1 Gefühle als integrierender Faktor
3.3.2 Die Klassengemeinschaft als integrierender Faktor
3.4 Zusammenfassung

4 Gründe für eine wertschätzende Klassengemeinschaft
4.1 Bedeutung einer Klassengemeinschaft für die Schüler/innen
4.2 Bedeutung einer Klassengemeinschaft für die Lehrperson
4.3 Gründe für ein wertschätzendes Miteinander
4.4 Zusammenfassung

5 Einflussfaktoren einer Klassengemeinschaft
5.1 Die Rolle der Schüler und Schülerinnen
5.2 Die Rolle der Lehrperson
5.3 Menschliche psychosoziale Entwicklung mit Fokus auf die Schulzeit
5.4 Gruppendynamik
5.5 Soziale Kompetenzen
5.6 Einsatz von Interaktionsübungen
5.7 Zusammenfassung

6 Entwicklung einer Klassengemeinschaft
6.1 Orientierung und Kennenlernen
6.2 Die Einführung von Normen und miteinander umgehen
6.3 Probleme und Konflikte
6.4 Zusammenhalt und Produktivität
6.5 Abschied und Auflösung
6.6 Zusammenfassung

7 Entwicklung eines wertschätzenden Miteinanders
7.1 Ziele eines wertschätzenden Umgangs
7.2 Faktoren eines wertschätzenden Umgangs
7.2.1 Selbstfürsorge
7.2.2 Wertschätzung statt Beurteilung
7.3 Spiele zur Förderung eines wertschätzenden Miteinanders
7.4 Zusammenfassung

8 Resümee

9 Literaturverzeichnis
9.1 Gedruckte Literatur
9.2 Internet

10 Abbildungsverzeichnis

11 Tabellenverzeichnis

12 Anhangsverzeichnis

Kurzzusammenfassung

Eine Klassengemeinschaft ist eine soziale Einheit, in der ein großes Gemeinschaftsgefühl und das Gefühl von Zusammengehörigkeit in der Klasse vorhanden sind. Es hat sich herausgestellt, dass das Ausschließen sowie das Verschließen von Schülern oder Schülerinnen in einer positiv entwickelten Gemeinschaft nicht vorkommen sollten. In einer intakten Klassengemeinschaft handeln die Kinder integrierend sowie mit gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung. Jedes Kind kann sich in der Klasse wohlfühlen und sich den anderen Schüler und Schülerinnen sowie der Lehrperson gegenüber öffnen. Eine Klassengemeinschaft durchläuft 5 Phasen in ihrer Entwicklung. Werden diese Phasen gut gemeistert, kann ein soziales Miteinander und effektives Zusammenarbeiten resultieren. Lehrer und Lehrerinnen sollten über die menschlichen Entwicklungsphasen und Gruppendynamik Bescheid wissen, damit sie die Klassengemeinschaft positiv beeinflussen können. Des Weiteren sollten sie Aktivitäten zur Förderung von sozialen Kompetenzen sowie zu einem wertschätzenden Umgang kennen.

Vorwort

Ich konnte im Laufe des Studiums verschiedene Klassen in ihrem Umgang miteinander beobachten. Wenn Kinder in den Pausen oft alleine gesessen sind oder sich bei Gruppenarbeiten kaum aktiv beteiligt haben, habe ich mich immer wieder gefragt, wie diesen Kindern geholfen werden kann, um sie mehr in die Klasse integrieren zu können um einen Ausschluss aus der Gemeinschaft der Klasse zu verhindern. Es ist wichtig, dass sich die Kinder in der Klasse wohlfühlen können, weil eine lange gemeinsame Zeit miteinander verbracht wird. Ein effektives Zusammenarbeiten von Schülern und Schülerinnen, die sich gegenseitig mit Respekt und Hilfsbereitschaft begegnen, sorgt im Allgemeinen für eine angenehmere Atmosphäre im Klassenzimmer. Das soziale Verhalten der Schüler/innen hat einen hohen Stellenwert für den reibungslosen Ablauf des Schulalltages und der Zusammenarbeit in der Klassengemeinschaft, daher ist es mir als zukünftige Lehrkraft ein persönliches Anliegen, dass sich alle Kinder in der Klasse gegenseitig mit Wertschätzung und Respekt behandeln und habe mich in meiner Arbeit mit dem Thema der Entwicklung einer Klassengemeinschaft beschäftigt.

Besonders bedanken möchte ich mich bei meinen Eltern, die mich schon immer bestmöglich unterstützt haben, die mich trotz meines bereits abgeschlossenen Lehrberufes in Speditionslogistik darin bestärkt haben, meinen Traum, Lehrerin zu werden zu verwirklichen. Ohne sie wäre vieles viel Schwieriger zu bewältigen gewesen.

Ein weiterer Dank gilt meinem Bruder, meinem Freund sowie meinen Freundinnen, auf die ich mich immer verlassen kann und an die ich mich bei Fragen zu meiner wissenschaftlichen Arbeit immer wenden konnte.

Des Weiteren möchte ich mich bei meinen Studienkolleginnen, welche nun auch zu guten Freundinnen geworden sind - insbesondere bei Valentina, Sophia und Sarah für die besonders gute Zusammenarbeit bedanken.

Daneben gilt mein Dank Herrn Roman Ottenschläger, BEdMSc, der meine Arbeit und damit auch mich betreut hat. Vielen Dank für die Mühen und Geduld.

1 Einleitung

Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung einer wertschätzenden Klassengemeinschaft, in dieser jedes Kind integriert ist und sich im Miteinander wohlfühlt. In einem Klassenzimmer treffen oft Schüler/innen mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und verschiedenen sozialen Hintergründen aufeinander. Diese sehen sich in der Norm über viele Jahre fast täglich und sollten auch aus diesem Grund miteinander auskommen können. Der Zusammenhalt einer Klasse ist nicht von Anfang an gegeben, er wächst mit den Jahren, mit den Erfahrungen, welche die Schüler und Schülerinnen im Umgang miteinander sammeln, um eine gute Klassengemeinschaft bilden zu können.

Damit eine angenehme Atmosphäre im Klassenzimmer entsteht und um Mobbing vorzubeugen, trägt eine gute Klassengemeinschaft einen erheblichen Anteil. Jedes Kind soll sich in der Klasse wohlfühlen können und dazu gehört ein gutes Klassenklima.

Eine gute Klassengemeinschaft lässt sich wahrscheinlich nur schwer erzwingen. Da sie jedoch für eine positive Lernatmosphäre und das Wohlbefinden der Kinder eine bedeutende Rolle spielt, stellen sich folgende Fragen:

Wie kann der Begriff Klassengemeinschaft definiert werden?

Wie wird ein Kind zum Außenseiter oder zur Außenseiterin?

Wie kann die Entwicklung der Gemeinschaft in einer Schulklasse beeinflusst werden?

Wie entwickelt sich eine Klasse zu einer Gemeinschaft?

Wie kann ein wertschätzender Umgang in der Klasse gefördert werden?

Zuerst werden Begriffe, die mit der Arbeit zusammenhängen definiert und erklärt.

Für die Prävention von Außenseitern sollte in Erfahrung gebracht werden, wie Kinder in die Außenseiterrolle gelangen.

Diese Arbeit soll aufzeigen, dass eine positive Entwicklung einer Klassengemeinschaft, in der sich die Schüler und Schülerinnen gut aufgehoben fühlen, bedeutsam für viele Lernerfolge ist und Mobbing und Außenseiter in der Klasse gar nicht erst entstehen sollten. Stanford nennt fünf Phasen der Entwicklung von Gruppen. An Anlehnung seiner Theorie zur Gruppenentwicklung soll herausgefunden werden, wie sich eine Klassengemeinschaft entwickelt.

Es handelt sich um eine hermeneutische Arbeit, die durch Recherchen in Literaturen, befassend zu diesem Thema, die Fragestellungen zu beantworten versucht. Die Ausarbeitung erfolgt gemäß den Standards des wissenschaftlichen Arbeitens.

2 Begriffserklärungen

In diesem Kapitel werden Begriffsdefinitionen, gestützt auf fundamentierter Literatur, beschrieben.

Es benötigt weitere Begriffserklärungen, bevor die Klassengemeinschaft beleuchtet werden kann. Da eine Klassengemeinschaft eine Ausformung einer Gruppe darstellt, aus der eine Gemeinschaft aus einer sozialen Gruppe entsteht und die Klassengemeinschaft einen wesentlichen Einfluss auf das Klassenklima hat, wird zuerst der Begriff Gruppe, danach die Begriffe Gemeinschaft, Klassengemeinschaft und Klassenklima definiert. Für den Verlauf dieser Arbeit bedarf es auch der Begriffserklärungen zu Außenseiter und Mobbing.

2.1 Gruppe

Aus sozialpsychologischer Sicht ergibt sich eine Gruppe aus 3 bis 25 Personen, die über einen ausgedehnten, unbestimmten Zeitraum in einem Kommunikationsprozess stehen. Eine Gruppe ist eine sozialstrukturierte Ordnung mit einem Zusammenwirken von einzelnen Personen, die in einer relativ kontinuierlichen Beziehung zueinanderstehen und dessen Tun ein gemeinsames Ziel verfolgt. Mitglieder einer Gruppe haben gemeinsame Normen und Werte und erfahren ein Gemeinschaftsgefühl (vgl. Rechtien, 1999, S.13).

Damit aus einer Klasse eine Gruppe wird, muss jeder Schüler und jede Schülerin eine gewisse Entwicklung durchlaufen. Es kommt dennoch vor, dass Klassenkollegen/innen, wenn sie nicht effektiv zusammenarbeiten können, sich nie zu einer Gruppe entwickeln. Durch strukturierte Übungen und Aktivitäten kann das Verhalten der Gruppenmitglieder beeinflusst und das Klassenklima verbessert werden (vgl. Stanford, 2017, S.6).

2.2 Gemeinschaft

Der Grund für die Entstehungen von Gemeinschaften liegt nicht an den Eigenschaften, die sich die Mitglieder teilen. Erst wenn sich auf Grund des Gefühls von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit das Verhalten der einzelnen Personen an den anderen orientiert, kann von einer Gemeinschaft gesprochen werden. (Gertenbach & Laux & Rosa & Strecker, 2010, S. 49-50)

Im Fokus einer Gemeinschaft stehen persönliche Beziehungen von bedingungslosen anerkannten Gruppenmitgliedern, die durch emotionale Güte, Solidarität und gegenseitiger Fürsorge verbunden sind. Sie wird durch ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl charakterisiert und bietet Sicherheit sowie Geborgenheit (vgl. Stahl 2002, S. 254).

Jedes Individuum hat einzigartige Eigenschaften und ein Recht auf Selbstverwirklichung, gleichzeitig kann es aber auch nicht ohne Mitmenschen leben. Die Aufgabe in der Erziehung ist daher eigenständige Persönlichkeiten heranzubilden, die in Gemeinschaften zusammenarbeiten können. Gemeinschaften müssen so geformt werden, dass die Mitglieder die Individualität der anderen respektieren (vgl. Boder, 1970, S.77).

2.3 Klassengemeinschaft

Die Klassengemeinschaft ist in jedem Fall eine soziale Einheit. Jeder Mensch ist im Laufe seines Lebens in dieser sozialen Einheit. Sie gilt als eine konstante Bezugsgröße und ist dazu eine stabile soziale Bezugsform (vgl. Stagel, 2012, S. 29).

Die Schüler und Schülerinnen in einer Schulklasse geben Sicherheit und gegenseitigen Rückhalt durch Solidarität, das Gefühl der Zusammengehörigkeit, Nähe und einen respektvollen Umgang miteinander. Probleme und Konflikte sollen angesprochen werden, damit diese aufrichtig, verständnisvoll und diszipliniert bewältigt werden können. Das Wohlbefinden in der Klasse der einzelnen Schüler/innen sowie das effiziente und verantwortungsbewusste Zusammenarbeiten, wobei jede/r seine Fähigkeiten und Begabungen einsetzen kann, zeichnen die Gemeinschaft einer Klasse aus. Die Lehrperson ist ebenso ein Teil dieser Gemeinschaft, da die Entwicklung der Kinder durch ihre Vorbildfunktion beeinflusst wird (vgl. Pilz 2010, S. 27-28).

2.4 Klassenklima

Der Begriff wird als sozial geteilte subjektive Vertretung einer Gesamtheit von Personen und wichtiger Merkmale einer Klasse in einer Schule als Lernumwelt gesehen. Unter diese Merkmale fallen die Ausstattung der Klasse, Leistungserwartungen, Verhaltenserwartungen, soziale Beziehungen, Werte und Normen und die Art und Weise wie Lernprozesse ablaufen (Reindl & Gniewosz, 2016, S. 7).

Das Klassenklima kann nicht objektiv gemessen werden und lässt sich unter anderem durch subjektive Wahrnehmungen der Beziehungen zwischen Lehrpersonen und Schüler/innen, den Umgang untereinander, dem Lerntempo, und der Lernatmosphäre in einer Schulklasse definieren. Das gesamte Schulpersonal kann das Klassenklima in einer Schulklasse beeinflussen. Pädagogische Grundsätze, räumliche Einrichtungen, Gestaltung der Lernumgebung und Unterrichtsmethoden können ebenfalls ein positives Klassenklima fördern (vgl. Potkanski & Rossbacher 2011, S.11-12).

2.5 Außenseiter

Regelmäßigkeiten von abweichenden Verhalten einer Person, die den allgemeinen Normen einer Gruppe nicht entspricht und ihre Erwartungen enttäuscht, ist der Grund einer Außenseiterrolle (vgl. Hartfiel & Hillmann 1982, S.49).

Es werden in gesellschaftlichen Gruppen Verhaltensregeln aufgestellt, bei denen gewisse Handlungen akzeptiert oder abgelehnt werden. Ein Außenseiter ist eine Person, die in Verdacht steht, nicht nach diesen umgesetzten vereinbarten Regeln zu leben und somit von den anderen Gruppenmitgliedern als abweichend beschrieben wird (vgl. Becker, 2014, S.26).

2.6 Das Schulkind als Außenseiter

Es gibt wenig und zum Großteil alte Literatur, die das Thema beleuchtet. In einer der älteren Publikationen von Elisabeth Schröder aus dem Jahre 1929 werden Schulkinder als Außenseiter betrachtet, wenn sie in der Klasse am Gemeinschaftsleben kaum bis keinen Anteil haben. Wenn sich zu Schulanfang eine Gruppe bildet, kann erkannt werden, wer der/die Außenseiter/in ist. Das Kind wird als schüchtern charakterisiert, es möchte am Gemeinschaftsleben der Klasse teilhaben, aber traut sich nicht. Hierbei handelt sich um eine charakterliche Schwäche, die durch pädagogische Strategien verhindert werden kann.

In einer Studie von Friedrich W. Seidel aus dem Jahr 1971 wird von Kindern in einer sozialen Randposition mit einem niedrigen sozialen Rangplatz gesprochen. Die Defizite in der Kontaktfähigkeit hängen mit einem Mangel an Kooperationsfähigkeit zusammen. Ausgrenzungen unter Kindern im gleichen Alter, signalisiert ein Versagen der Pädagogik.

Im Handbuch Elternbildung - Wissenswertes im zweiten bis vierten Lebensjahr des Kindes, das vom Deutschen Familienverband 1999 herausgegeben wurde, wird das Kind als Außenseiter definiert, wenn es wegen einem bestimmten Verhalten ausgegrenzt wird oder das Kind nicht versucht Kontakt aufzunehmen und sich zurückzieht. Verhalten, das als störend oder negativ gesehen wird, kann der Grund einer Außenseiterposition sein (vgl. Eggert-Schmid Noerr, 2012, S. 30-32).

2.7 Mobbing

Mobbing ist eine Form von Gewalt, bei der das Ziel ist, eine Person auszugrenzen. Dies geschieht zum Beispiel beim Auslachen von Mitschülern oder Mitschülerinnen, Verbreitungen von Unwahrheiten, Beschimpfungen, Benachteiligungen bis hin zur körperlichen Gewalt. Es gibt 4 Merkmale, die gleichzeitig und vollständig in Kraft treten müssen, damit von Mobbing gesprochen werden kann.

- Kräfteungleichgewicht: Wenn das Opfer seelisch und körperlich nicht gleich stark ist wie der/die Täter/in oder die Täter in Überzahl sind, ist die Rede von einem Kräfteungleichgewicht.
- Häufigkeit: Es handelt sich nicht um einen einzelnen Übergriff, sondern um Übergriffe, die mindestens einmal die Woche oder öfter stattfinden.
- Dauer: Mobbing findet in einem längeren unbestimmten Zeitraum statt, das von Wochen bis zu Monaten dauern kann. Bei einem Konflikt, der nur wenige Tage stattfindet, ist nicht die Rede von Mobbing.
- Konfliktlösungen: Der Schüler oder die Schülerin kann nicht aus eigener Kraft aus der Mobbingopferrolle rauskommen.

Trifft eines der vier Merkmale nicht zu, kann nicht von Mobbing gesprochen werden. „Nicht jede Gewalt ist Mobbing, aber Mobbing ist immer Gewalt." Findet zum Beispiel eine einmalige Körperverletzung statt, ist die Rede von Gewalt, aber von Mobbing kann nicht gesprochen werden (Jannan, 2015, S. 22-23).

Das Thema Mobbing hat nicht zur Gänze mit vereinzelten Konflikten zu tun. Der Unterschied zwischen Konflikt und Mobbing sind die ständigen absichtlichen Wiederholungen von feindseligen Attacken auf Personen und dass diese sich unterlegen fühlen (vgl. Turek, 2011, S. 13).

2.8 Zusammenfassung

Auf Grund der Begriffserklärungen kann zusammenfassend gesagt werden, dass eine Gruppe eine sozial strukturierte Ordnung ist, in der Personen zusammenwirken und gemeinsame Ziele verfolgen. Ist das Wir-Gefühl verstärkt vorhanden und die Beziehungen unter den Personen hat eine soziale respektvolle emotionale Komponente, kann von einer Gemeinschaft gesprochen werden. Wichtig ist, dass in einer Gemeinschaft auch die Individualität der Mitglieder respektiert und akzeptiert wird. Entsteht ein Gemeinschaftsgefühl in einer Schulklasse und ist auch dort ein gegenseitiges respektvolles Verhältnis zwischen den Schülern und Schülerinnen vorhanden, so ist die Rede von einer Klassengemeinschaft. Das Klassenklima ergibt sich aus den subjektiven Einschätzungen der Beziehungen der Personen innerhalb einer Klasse sowie von weiteren Schulpersonen, die am Klassengeschehen teilhaben. Wenn von Gruppen abweichendes Verhalten einer Person nicht akzeptiert wird, kann daraus folgen, dass diese Person ausgeschlossen wird und in die Außenseiterrolle gelangt. Außenseiter/innen in einer Schulklasse sind Kinder, die am Gemeinschaftsleben kaum teilhaben. Gründe dafür können sein, dass sie keinen Kontakt aufnehmen möchten oder dass sie aufgrund von abweichendem Verhalten ausgegrenzt werden. Aus diesem Grund sollte sich die Pädagogik zum Ziel machen, abweichendes Verhalten nicht sofort als negativ anzusehen, sondern dass womöglich die Besonderheit einer Person eine Bereicherung für die Gemeinschaft sein kann. Wenn sich eine Person gegen seelische und körperliche Gewalt mit einem Kräfteungleichgewicht, die häufig und über einen längeren Zeitraum stattfindet und das Ziel hat, eine Person auszugrenzen, die sich nicht wehren kann, wird dies mit dem Begriff Mobbing definiert.

3 Außenseiter in der Primarstufe

Eine empirische Studie konnte feststellen, dass 70% der Schüler/innen, die bereits am Schulanfang als Außenseiter beschrieben wurden, auch nach 2 Jahren in der Gruppe keinen Anschluss gefunden haben. Kinder in der Außenseiterrolle können Ausgrenzung bis hin zur körperlichen und seelischen Gewalt durch ihre Mitschüler erfahren (vgl. Petillon 1993, S.118).

Gründe von Ausgrenzungen werden beschrieben und die daraus resultierenden Folgen erklärt, damit die Notwendigkeit der Prävention von Außenseitertendenzen erkennbar gemacht wird.

3.1 Gründe von sozialem Ausschluss

Die befragten Lehrer/innen gehen davon aus, dass die Gründe von Ausgrenzungen auf die Persönlichkeit der betroffenen Person zurückzuführen sind. Oft sind Außenseiter/innen Schüler/innen, die zurückhaltender sind. In manchen Fällen spielen auch Aussehen oder die soziale Situation eine Rolle. Desto mehr Faktoren zusammenspielen, desto schwieriger wird es, aus der Außenseiterrolle zu entkommen (vgl. Potkanski & Rossbacher 2011, S.161).

Ein Kind könnte in die Außenseiterrolle gelangen, wenn es wegen einem bestimmten Verhalten ausgegrenzt wird oder es nicht versucht, Kontakt aufzunehmen und sich zurückzieht. Des Weiteren kann Verhalten, das als störend oder negativ von einer Gruppe bewertet wird, ebenfalls zu einer Ausgrenzung führen (vgl. Eggert-Schmid Noerr, 2012, S. 30-32).

Oft werden auch beim Ausschließen von Personen eigene Probleme der Identitätsfindung überspielt, indem sie mit Schwächen anderer von ihren eigenen Problemen ablenken (vgl. Oerter, 2002, S. 297).

Es ist jedoch nicht nur die Verantwortung der Gruppe, sondern auch die eigene Entscheidung des Individuums, für die Bereitschaft der Integration in eine Gruppe (vgl. Pilz, 2010, S. 73-74).

3.2 Negative Auswirkungen

Oft erfahren Außenseiter in ihrer eigenen Haut diskriminierendes Verhalten von anderen Kindern, es erfolgen nicht berechtigte Schuldzuweisungen, auch wenn der/die Außenseiterin an der Situation nicht beteiligt war (vgl. Eggert-Schmid Noerr, 2012, S. 31). Es werden in der Gruppe entstandene Spannungen auf sie abgeladen (vgl. Pilz, 2010, S. 74).

Die Persönlichkeitsentwicklung von ausgegrenzten Kindern kann aufgrund von Ablehnungen negativ beeinflusst werden. Des Weiteren kann es zu Defiziten in der intellektuellen und emotionalen Entwicklung kommen (vgl. Oerter, 2002, S. 297).

In manchen Fällen erfahren Außenseiter/innen Ausgrenzung bis hin zur körperlichen und seelischen Gewalt durch ihre Mitschüler/innen (vgl. Petillon 1993, S.118).

Jedes Individuum braucht andere Menschen und die Gemeinschaft für die Entwicklung der potenziellen Möglichkeiten. Wenn das Kind keine Zugehörigkeit empfindet, wird es oft nicht glücklich. Die Ausgrenzung am sozialen Geschehen innerhalb der Gruppe lässt die Motivation sinken und im Extremfall kann es zu Depressionen führen (Krause & Mayer, 2012, S. 57-58). Es ist ratsam, Kindern die Außenseiter sind, zu vermitteln, dass sie an dieser Situation keine Schuld haben. Wenn die Problematik so zunimmt, dass es für die Kinder nicht mehr zumutbar ist, sollte Hilfe bei Schulpsychologen gesucht werden (Ökolog NÖ, o. S.1).

3.2.1 Mobbing

Nicht alle Außenseiter werden gemobbt, jedoch können sie leichter zum Opfer werden, da sie kaum Freunde haben, die ihnen helfen können und weil sie aufgrund des Ablehnens seitens der Mitschüler/innen unsicher geworden sind (vgl. Jannan, 2015, S. 22). Mobbing ist das systematische wiederholte körperliche oder seelische Verletzen eines Menschen in einer Gruppe, mit dem Ziel, diesen aus einer Gruppe auszugrenzen. Mobbing äußert sich oft in Erniedrigungen und dem Auslösen von Schamgefühl. Die Situation verschärft sich, wenn immer mehr Täter ein Opfer attackieren. Die Mobbingattacken können so in der Regelmäßigkeit zunehmen. Bei den Schikanen wird kein Mitgefühl gezeigt und die Opfer sind oft einem hohen Aggressionspotenzial ausgesetzt. Kinder, die in diese Rolle geraten, können sich kaum wehren und sind meistens auch einer zahlreichen Überlegenheit ausgesetzt (Krause & Mayer, 2012, S. 57-58).

3.3 Integration von Außenseitern

Wenn eine Akzeptanz gegenüber abweichenden Verhalten herrscht, können auch Außenseiter akzeptiert werden (vgl. Pilz, 2010, S. 74).

Die Gründe der Defizite in der Bereitschaft, beziehungsweise in der Fähigkeit sich zu integrieren, sollten durch gezielte Beobachtungen des Verhaltens in gewissen Situationen überprüft werden. Es soll nicht nur die Ursache der Ausgrenzung beim Verhalten des einzelnen Kindes gesucht werden, sondern auch auf die Beziehungen und Strukturen in der Gruppe geachtet werden (vgl. Eggert-Schmid Noerr, 2012, S. 31-32).

Für eine Integration müssen die sozialen Kompetenzen der Schüler und Schülerinnen gefördert werden. Sie sollten die Perspektiven anderer verstehen, gemeinsam Verantwortung übernehmen, lernen zu kooperieren, Konflikte fair lösen und für Chancengerechtigkeit sorgen (vgl. Kessler, 2009, S. 136).

3.3.1 Gefühle als integrierender Faktor

Bei manchen Kindern ist aufgrund von Wahrnehmungsverzerrungen das Erkennen und Benennen von Gefühlen durch vorsichtiges Besprechen besonders wichtig. So können die sozial-kognitive Informationsverarbeitung, Kooperationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und angemessene Selbstbehauptung verbessert werden. Wenn die Lehrperson selbst ihre Gefühle wahrnimmt und diese verbal besprechen kann ist dies von Vorteil. Schüler/innen lernen am Modell der Vorbildfunktion der Lehrperson. Aus diesem Grund sollten Lehrer/innen ebenfalls ihre Gefühle kennen und diese in der pädagogischen Erziehung gut einsetzen können. Hier kann eine Selbstreflexion der Lehrenden im Sinne der Selbstbeobachtung, in der das Bewusstwerden des eigenen Handelns eine wichtige Konsequenz ist, eine große Rolle spielen (vgl. Stagel, 2012, S. 47-50).

3.3.2 Die Klassengemeinschaft als integrierender Faktor

Durch eine konstruktive Klassengemeinschaft können Schüler/innen fachliche sowie soziale Kompetenzen erwerben. Durch Interventionen seitens der Lehrperson kann die Entwicklung einer effektiven Klassengemeinschaft gefördert werden. In der Gruppenentwicklung lernen die Schüler/innen produktiv zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig zu vertrauen und fühlen sich wohl, am Geschehen innerhalb der Klasse teilzunehmen (vgl. Reisch & Schwarz, 2002, S. 11-12). Das Ausschließen ist der größte Feind einer Gemeinschaft, weil sie einschließend ist und sein muss. Wenn sich eine Gruppe als Gemeinschaft definiert, dann sollte versucht werden, diese zu erweitern. Die Mitglieder lernen integrierend zu handeln (Peck, 2014, S: 51-52).

3.4 Zusammenfassung

Kinder können zu Außenseitern werden, wenn ein Verhalten von den Mitschüler/innen abgelehnt wird oder aufgrund einer zurückhaltenden Persönlichkeit, die zu schüchtern ist um am Klassengeschehen teilzunehmen. Es ist schwer aus dieser Rolle wieder herauszukommen und die Persönlichkeitsentwicklung sowie der Lernerfolg werden negativ beeinflusst. Defizite in der intellektuellen und emotionalen Entwicklung können entstehen. In manchen Fällen kommt es zur seelischen und körperlichen Gewalt an Außenseitern. Erfolgt das in Regelmäßigkeit, dann ist die Rede von Mobbing. Diese Form von Gewalt kann sich durch regelmäßige Erniedrigungen und Schikanen äußern. Die Opfer können sich alleine kaum dagegen wehren, weil sie womöglich aufgrund der Erfahrung von Ablehnungen auch unsicher geworden sind. Damit abweichendes Verhalten akzeptiert wird uns sich alle Schüler/innen in einer Klasse wohlfühlen, sollen soziale Kompetenzen gefördert werden. Schüler/innen sollen über ihre Gefühle reden können, sich wohl fühlen und die Perspektiven anderer Schüler/innen verstehen lernen. Die Entwicklung einer Schulklasse zu einer Klassengemeinschaft kann ein positives Miteinander fördern.

4 Gründe für eine wertschätzende Klassengemeinschaft

Die konstruktive Gemeinschaft in einer Klasse lässt sich durch folgende Merkmale in den Handlungen und Normen der Schüler innerhalb der Gruppe charakterisieren:

- gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung
- offene und vielfältige Kommunikation mit konstruktivem Feedback
- Kooperation
- Vereinbarung und Einhaltung von Regeln
- Konstruktive Konfliktlösungen
- Entfaltung der individuellen Persönlichkeit durch die Kraft der Gruppe
- Eine Balance zwischen Individualität und Konformität

Eine konstruktive Klassengemeinschaft ist eine effiziente Arbeitsgemeinschaft durch welche die Schüler/innen fachliche sowie soziale Kompetenzen erwerben. Produktive Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und ein Wohlfühlgefühl werden in der Gemeinschaft entwickelt (vgl. Reisch & Schwarz, 2002, S. 11-12).

Im Folgenden werden die aus einer Klassengemeinschaft resultierenden Vorteile sowie ihre Bedeutung für die Schüler/innen und Lehrer/innen beleuchtet.

4.1 Bedeutung einer Klassengemeinschaft für die Schüler/innen

Durch Interventionen mit Menschen wird das Selbstbild eines Individuums konstatiert. Die Wertigkeit einer Person in einer Gruppe beeinflusst das Selbstwertgefühl. Die Identitätsentwicklung findet besonders im Kindesalter statt, in welcher auch die Erfahrung der Stellung und Rolle innerhalb einer Gemeinschaft darunterfällt. Aus der Perspektive der Kinder besteht das Schulleben Großteils aus dem Umgang mit Klassenkollegen (vgl. Pilz, 2010, S. 14).

Wird in der Schule das soziale Miteinander als angenehm empfunden, so ist die Grundeinstellung zur Schule meist eine insgesamt positive. Ist jedoch das Gegenteil der Fall, kann Angst und Frustration empfunden werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Wertschätzende Klassengemeinschaften. Prävention von Gewalt- und Außenseitertendenzen in der Primarstufe
Jahr
2019
Seiten
57
Katalognummer
V512408
ISBN (eBook)
9783346092588
ISBN (Buch)
9783346092595
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wertschätzende, klassengemeinschaften, präfention, gewalt-, außenseitertendenzen, primarstufe
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Wertschätzende Klassengemeinschaften. Prävention von Gewalt- und Außenseitertendenzen in der Primarstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512408

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wertschätzende Klassengemeinschaften. Prävention von Gewalt- und Außenseitertendenzen in der Primarstufe


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden