Einleitung
Eine Hausarbeit, die sich mit der italienischen "Jugendsprache" beschäftigt, muss, bevor sie sich mit den Charakteristika dieser beschäftigt, erst einmal klären, was "Jugendsprache" eigentlich ist. Eigentlich ist die Erklärung ganz einfach: "Jugendsprache" ist die Sprache der Jugend. Doch diese Definition nährt den Mythos, es gäbe eine Sprache, deren Besitzer ausschließlich die Jugend wäre und die nur von Jugendlichen gesprochen würde. Sprachwissenschaftler sehen "Jugendsprache" heute als ein komplexes sprachliches Register. Des Weiteren betont die Psychologie, dass die Jugendlichen häufig in zwei "Wertwelten" leben, die zum einen durch die Eltern und zum anderen durch die Altergenossen geprägt werden. Diese zwei Wertwelten können großen Einfluss auf die Sprache haben. Je nachdem, mit wem die Jugendlichen kommunizieren, wechseln sie von einem Sprachsystem in ein anderes.1 Allgemein kann man sagen, dass es so viele Jugendsprachen wie Gruppen Jugendlicher gibt.2 Bis heute wird von der neueren Jugendsprachenforschung die Frage gestellt, ob die so genannten Jugendsprachen – also auch die italienische – wirklich als solche bezeichnet werden können. Liegt hier nicht vielmehr eine Verwechslung mit den Sondersprachen vor, aus denen eine Vielzahl der heutigen Jugend ihren Wortschatz rekrutiert? Auch die italienische Jugendsprache müsste demzufolge als Sondersprache bezeichnet werden, da sie ihr Potential größtenteils aus den Sondersprachen – allen voran der Gaunersprache und dem Drogenjargon – schöpft. Diese Problemstellung soll im Folgenden geklärt werden.3
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1 vgl. Ingler, Yvonne (1998) : „Jugendsprache“, http//www.linse.uni-essen.de/linse/esel/arbeiten/jugendsprache.html, Abruf: 02.02.2005
2 vgl. Androutsopoulos, Jannis K./Scholz Arno (1998): Jugendsprache. Langue des jeunes. Youth language. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, S. 233 (Androutsopoulos/Scholz 1998)
3 vgl. Baumann, Petra (2001): Das Cheli heute: Untersuchungen zur Jugendsprache in Madrid. Wien, S. 7 (Baumann 2001) „Gergo giovanile“ - italienische Jugendsprache
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der italienischen Jugendsprache
3. Begriffserklärung
4. Italienische Jugendsprache und Massenmedien
5. Diatopische Markierung
6. Innersprachlicher Aufbau – Ausgewählte Aspekte
6.1 Phonologie
6.2 Orthographie
6.3 Morphologie
6.3.1 Derivation mittels Präfigierung
6.3.2 Derivation mittels Suffigierung
6.4 Lexikon
6.4.1 Semantische Figuren
6.4.2 Lexikalische Quellen
6.4.2.1 Xenismen
a) Angloamerikanismen
b) Hispanismen, Germanismen
6.4.2.2.Vulgärausdrücke
6.4.2.3 Jugendsprache und Sprachspiele
6.4.2.4 Jargons der Drogen- und Unterwelt
6.5 Jugendsprachliche Innovationen
6.5.1 Rückgriff auf Fachsprachen
6.5.2 neue Ausdrücke
7. Hip-Hop-Kultur in Italien
7.1 Geschichte
7.2 Diatopische Markierung
7.3 Charakteristika
7.4 Beispiellied
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Struktur, Entwicklung und soziolinguistische Einordnung der italienischen Jugendsprache ("gergo giovanile"). Dabei wird der Frage nachgegangen, ob es sich um eine homogene Sondersprache handelt oder um ein komplexes Register, das stark von gesellschaftlichen Einflüssen und demografischen Faktoren geprägt ist.
- Phonetische, orthografische und morphologische Charakteristika der Jugendsprache
- Einfluss der Massenmedien auf die Verbreitung jugendsprachlicher Varietäten
- Lexikalische Quellen: Angloamerikanismen, Vulgärsprache und Jargons der Unterwelt
- Diatopische Unterschiede im Nord-Süd-Gefälle Italiens
- Hip-Hop-Kultur als Beispiel für die Konstitution jugendspezifischer Sprachstile
Auszug aus dem Buch
6.4.2.4 Jargon der Drogen- und Unterwelt
Neben den nun erläuterten Einflüssen ist im Italienischen eine enge, meist sachbereichsgebundene Jargonisierung zu beobachten. So kann man Verbindungen zu anderen Gerghi oder Sondersprachen feststellen.
Der gergo della malavita (Jargon der Unterwelt) ist zweifelsohne jene Sprachvarietät, die die italienische Jugendsprache wohl am nachhaltigsten beeinflusst hat. Ihr Einfluss ist umso größer in einer Gesellschaft, in der die Kriminalität fester Bestandteil des Alltags geworden ist. Einige Beispiele sind: pula (polizia), caramba (carabiniere), berta (pistola), cantare (confessare).
Auch der gergo dei drogati/tossicodipendenti wirkt stark auf die Jugendsprache ein, da Drogen für eine Vielzahl von Jugendlichen heute beinahe alltäglich geworden sind. Immer mehr Jugendliche kommen immer leichter in Kontakt mit Drogen, die zu einem wichtigen Bestandteil der Jugendkultur geworden sind und auf gewisse Weise ein Bindeglied zwischen den Jugendlichen darstellen. Folgendes Vokabular aus der Drogenszene wird unter anderem auch von einem Großteil jugendlicher Sprecher verwendet: canna (spinello, Joint), sballo (eccitazione, Erregung) oder farsi (drogarsi, Drogen konsumieren).
Es sei noch der gergo studentesco erwähnt, aus dem die jugendliche Generation Wörter wie mongolo „stupido“, spaghetto „paura dell’esame“ oder secchione „sgobbone“ in ihren Wortschatz übernommen hat. Diese Sprache wird unter anderem durch das saggio di un vocabolario del gergo studentesco alessandrino verbreitet und findet ausschließlich im Rahmen eines speziellen Schulslangs – und nur dort – Verwendung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert Jugendsprache nicht als homogene Sprache, sondern als komplexes Register und stellt die Frage nach der Abgrenzung zu Sondersprachen.
2. Entwicklung der italienischen Jugendsprache: Beschreibt die historische Entwicklung, in der das Sprachverhalten Jugendlicher erst ab den 80er Jahren als eigenständige Varietät wahrgenommen wurde.
3. Begriffserklärung: Ordnet die Jugendsprache als überregionale Umgangssprache nahe am italiano parlato trascurato ein und betrachtet politische Protestbewegungen als sprachprägend.
4. Italienische Jugendsprache und Massenmedien: Analysiert den Einfluss von Medien, Comics und Jugendzeitschriften auf die Verbreitung von Identifikationsmustern und Modewörtern.
5. Diatopische Markierung: Untersucht das Nord-Süd-Gefälle in Italien und wie Dialekte je nach Region unterschiedlich stark in die Jugendsprache einfließen.
6. Innersprachlicher Aufbau – Ausgewählte Aspekte: Detaillierte linguistische Analyse der Phonetik, Orthographie, Morphologie und Lexik, inklusive der Bedeutung von Fachsprachen und Vulgärsprache.
7. Hip-Hop-Kultur in Italien: Exemplarische Untersuchung, wie eine Subkultur durch Musik, Writing und Breaking eigene sprachliche Identitätsmarker entwickelt.
8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Jugendsprache als Reaktion auf gesellschaftliche Gegebenheiten und Ausdruck der Gruppenzugehörigkeit.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, gergo giovanile, Italien, Soziolinguistik, Sondersprache, Dialekt, Hip-Hop, Morphologie, Lexik, Angloamerikanismen, Massenmedien, Varietät, Substandard, Identität, Peergroups
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das sprachliche Verhalten Jugendlicher in Italien und untersucht, wie dieses Register strukturiert ist und welche soziokulturellen Faktoren es beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die linguistische Beschreibung (Morphologie, Phonetik, Lexik), der Einfluss von Massenmedien, die regionale Varianz sowie die Rolle von Subkulturen wie dem Hip-Hop.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Status der italienischen Jugendsprache zu klären – insbesondere die Abgrenzung von allgemeinen Sondersprachen und die Untersuchung, ob es sich um eine einheitliche Sprache handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Untersuchung verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive soziolinguistische Analyse, die auf vorhandenen Wortschatzsammlungen und der neueren Jugendsprachenforschung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine linguistische Systematisierung (Aufbau, Lexikon, Orthographie) und eine beispielhafte Anwendung auf das Phänomen der Hip-Hop-Kultur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselwörter sind Jugendsprache, Soziolinguistik, italienischer Substandard, Hip-Hop-Kultur, diatopische Markierung und lexikalische Innovationen.
Wie unterscheidet sich die Jugendsprache im Norden vom Süden Italiens?
Im Norden dominiert laut der Arbeit der Rückgriff auf die Standardsprache mit starkem Fremdworteinfluss, während im Süden die Dialekte als Varietät für den familiären Alltag präsenter bleiben.
Warum ist das Hip-Hop-Beispiel für die Forschung so relevant?
Hip-Hop dient als konkretes Fallbeispiel, da sich hier Sprache, Kunstformen und Musik vereinen und die Verbindung von jugendlicher Identität und sprachlicher Kreativität besonders deutlich sichtbar wird.
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- Simone Espey (Author), 2005, Italienische Jugendsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51242