Die Arbeit behandelt die gesamtwirtschaftlichen und arbeitsmarkttechnischen Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens und der digitalen Transformation.
Nach Definition der Begriffe "digitale Transformation" und "bedingungsloses Grundeinkommen" folgt jeweils die Darstellung zweier möglicher Szenarien. Mit der Darstellung zweier Optionen und deren jeweiliger Gegenüberstellung können mögliche Entwicklungen in ihrer Breite in vier resultierenden Szenarien dargestellt werden. Anhand einheitlicher makroökonomischer Größen werden die Folgen dargestellt. Für jedes Szenario werden jeweils Arbeitsangebot und -nachfrage, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarktpartizipation sowie Lohnentwicklung, Kapitalnachfrage und die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung in Form des Bruttoinlandsprodukts beschrieben. Der Fokus liegt hierbei aufgrund des begrenzten Rahmens auf qualitativen Aussagen, die folglich keine Berechnungen, sondern vielmehr nur eine Stoßrichtung im Sinne von Erhöhung, Stagnation oder Rückgang der Größen darstellen.
Digitalisierung, Automatisierung, Industrie 4.0 oder künstliche Intelligenz und verwandte Begriffe prägen die öffentliche Debatte wie kaum zuvor. Immer wieder werden in diesem Zusammenhang insbesondere die Auswirkungen auf die Arbeitswelt diskutiert. Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass die Digitalisierung auch weiterhin, insbesondere im Zusammenspiel mit autonomen Systemen, weitreichende Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft herbeiführt. Zum einen stellt sich die Frage welcher Natur diese Folgen sein werden und welche Charakteristika sie bedingen. Zum anderen wie das ebenfalls konträr diskutierte universelle Grundeinkommen in diesem Kontext wirken könnte. Durch einen möglichen Produktivitätsfortschritt durch Automatisierung im Rahmen der digitalen Transformation ergibt sich die Sorge um strukturelle Veränderungen. Die Idee der Lösung dieses vermeintlichen Problems durch ein Grundeinkommen besteht hierbei seit Jahrzehnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Digitale Transformation (DT)
2.1. Definition
2.2. Mögliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt
1.2.1 Unsicherheit
1.2.2 Szenario digitale Transformation A (DT-A)
1.2.3 Szenario digitale Transformation B (DT-B)
3. Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)
3.1. Definition
3.2. Mögliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt
3.2.1. Unsicherheit
3.2.2. Szenario bedingungsloses Grundeinkommen A (BGE-A)
3.2.3. Szenario bedingungsloses Grundeinkommen B (BGE-B)
4. Zusammenspiel entwickelter Szenarien
4.1. Vorbemerkungen
4.2. Szenario DT-A und BGE-A
4.3. Szenario DT-A und BGE-B
4.4. Szenario DT-B und BGE A
4.5. Szenario DT-B und BGE-B
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen der digitalen Transformation und eines bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) auf die deutsche Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Das primäre Ziel ist es, durch die Entwicklung und Gegenüberstellung verschiedener theoretischer Szenarien ein besseres Verständnis für die möglichen strukturellen Veränderungen zu gewinnen, da belastbare empirische Daten aufgrund der hohen Unsicherheit aktuell fehlen.
- Definition und Wirkungsweise der digitalen Transformation (Industrie 4.0).
- Konzeptuelle Grundlagen und Auswirkungen des bedingungslosen Grundeinkommens.
- Analyse der Arbeitsmarkteffekte, insbesondere bezüglich Arbeitsangebot und -nachfrage.
- Szenariobasierte Untersuchung des Zusammenspiels von Digitalisierung und BGE.
- Diskussion makroökonomischer Parameter wie BIP, Lohnentwicklung und Kapitalnachfrage.
Auszug aus dem Buch
1.2.2 Szenario digitale Transformation A (DT-A)
Es wird angenommen, dass die Arbeitsnachfrage in Deutschland zukünftig signifikant abnimmt. Dies ergibt sich aus höherer Produktivität. Ursächlich hierfür ist zum einen der zukünftig entstehende, hohe Automatisierungsgrad (vgl. Markert, Neumann & Amlinger, 2017, S. 20ff.) der deutschen Wirtschaft. Der Einsatz des Faktors Arbeit wird weitestgehend durch den Faktor Kapital abgelöst und das Potenzial der Industrie 4.0 entfaltet sich. Daraus ist zu ebenfalls zu schließen, dass die Höhe möglicher, neu entstehender Arbeitsnachfrage das vorherige Niveau in jedem Fall nicht überschreitet. Zum anderen wird angenommen, dass die Qualifikation betroffener Arbeitsloser für mögliche neue Jobs nicht ausreicht und auch durch Umschulungen nicht hinreichend erreicht werden kann. Den massiv steigenden Anforderungen an die Arbeit der Zukunft können Geringqualifizierte nicht mehr entsprechen. Die Jobprofile, die der Automatisierung zum Opfer fallen, unterscheiden sich fundamental von solchen, die durch die steigende Nachfrage nach IT-Dienstleistungen entstehen. Das Resultat, eine deutlich erhöhte Arbeitslosigkeit, ist also dasselbe, gleich, ob man es auf mangelnde Qualifikation, die negative Entwicklung der Arbeitsnachfrage oder eine Kombination beider zurückführt. Es finden starke Umschichtungen statt, die letztendlich eine negative Nettoveränderung nach sich ziehen (vgl. IAB, 2015, S. 44ff.)
Das entstehende Gefälle ergibt sich jedoch nicht nur zwischen Gering- und Hochqualifizierten. Es muss insbesondere zwischen der Ausführung von regelbasierten, sich wiederholenden und komplexen, sozialen oder abwechslungsreichen Tätigkeiten unterschieden werden. Nicht immer reicht die Differenzierung nach dem Niveau der Qualifikation daher aus, denn auch Rechtsanwälte könnten, im Gegensatz zu Erziehern, betroffen sein (vgl. IAB, 2015, S. 38 ff.). Die Löhne für Geringqualifizierte sinken, Betroffene unterbieten sich gegenseitig. Eine kleine Gruppe von Hochqualifizierten mit besonders gefragten Fähigkeiten wird höher entlohnt. Kapital wird ebenfalls höher entlohnt, da es im Rahmen massiver Investitionen an Bedeutung gewinnt. Dies führt zusätzlich zu ohnehin entstehender Einkommens- und Vermögensungleichheit (vgl. Petersen, 2017b, S.183ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um Automatisierung, Künstliche Intelligenz und das bedingungslose Grundeinkommen ein und erläutert die methodische Vorgehensweise durch Szenariobildung.
2. Digitale Transformation (DT): Dieses Kapitel definiert die digitale Transformation als Industrie 4.0 und diskutiert deren Einfluss auf Arbeitsmärkte sowie die hohe Unsicherheit bei Prognosen.
3. Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE): Hier werden das Konzept des Grundeinkommens definiert und die theoretischen Auswirkungen auf das Arbeitsangebot beleuchtet.
4. Zusammenspiel entwickelter Szenarien: Das Hauptkapitel analysiert die Kombination verschiedener Szenarien der digitalen Transformation mit denen des Grundeinkommens hinsichtlich ihrer gesamtwirtschaftlichen Folgen.
Schlüsselwörter
Digitale Transformation, Bedingungsloses Grundeinkommen, Automatisierung, Arbeitsmarkt, Industrie 4.0, Arbeitsnachfrage, Arbeitsangebot, Künstliche Intelligenz, BIP, Einkommensungleichheit, Produktivität, Kapitalnachfrage, Wirtschaftswachstum, Szenarioanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die potenziellen Auswirkungen der voranschreitenden Digitalisierung in Kombination mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens auf die deutsche Volkswirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Auswirkungen der Automatisierung auf die Arbeitswelt, die theoretischen Modelle eines Grundeinkommens sowie das Zusammenspiel dieser beiden Dynamiken auf makroökonomische Kennzahlen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die strukturierte Darstellung möglicher Entwicklungsszenarien, um die hohen Unsicherheiten bezüglich der wirtschaftlichen Folgen dieser beiden Trends transparent zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Szenarioanalyse, bei der auf Basis der Fachliteratur verschiedene Entwicklungspfade (Thesen und Antithesen) gegenübergestellt werden, ohne dabei Wahrscheinlichkeiten zu vergeben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Definition von Digitaler Transformation und BGE sowie der detaillierten Betrachtung von vier kombinierten Szenarien, die Variablen wie Arbeitslosigkeit, Löhne und BIP untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Digitale Transformation, BGE, Automatisierung, Arbeitsmarktpartizipation, BIP und Arbeitsnachfrage bilden die inhaltliche Basis.
Wie unterscheidet sich Szenario A der digitalen Transformation von Szenario B?
In Szenario DT-A wird von einem hohen Automatisierungsgrad und einer sinkenden Arbeitsnachfrage ausgegangen, während DT-B von einer stagnierenden bis leicht wachsenden Nachfrage bei moderatem technologischem Wandel ausgeht.
Warum wird im Fazit von einer abschließenden Prognose abgesehen?
Die Arbeit kommt zum Schluss, dass aufgrund der komplexen gegenseitigen Abhängigkeiten (Interdependenzen) und des Mangels an empirischen Daten eine ex-ante Vorhersage über den tatsächlichen Ausgang nicht möglich ist.
- Citation du texte
- Ingo Weth (Auteur), 2019, Bedingungsloses Grundeinkommen und Digitale Transformation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512566