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Osmanische Divergenz und der Wiener Reisebericht Evliyāʾ Çelebis

Titel: Osmanische Divergenz und der Wiener Reisebericht Evliyāʾ Çelebis

Seminararbeit , 2019 , 37 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Ugur Koc (Autor:in)

Orientalistik / Sinologie - Allgemeines u. Übergreifendes
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Jahre 1665 zog es Evliyāʾ Çelebi zusammen mit dem Großbotschafter Ḳara Meḥmed Paşa als ersten osmanischen Reisenden in die habsburgische Reichshauptstadt Wien, was in der österreichisch-türkischen Geschichte einmalig war. Noch ein Jahr zuvor erlitt das Osmanische Reich in der Schlacht bei Mogersdorf beziehungsweise St. Gotthard unter dem Befehl des Großwesirs Fāżıl Aḥmed Paşa seine erste große Niederlage mit einem Hauptheer, was einen entscheidenden Wendepunkt in der osmanischen Kriegsgeschichte an der Westgrenze markierte und die bis dato unaufhaltsam scheinende Expansion gen Mitteleuropa plötzlich ins Stocken geraten ließ.

Jener Sieg der christlichen Allianz von Habsburg und Frankreich wurde zum Vorboten des bevorstehenden duraklama dönemi (dt.: ‘Stagnationsphase’), was unter anderem dazu führte, dass das Osmanische Reich erstmals auf Augenhöhe mit seinem Erzfeind aus dem Westen verhandeln musste und nicht mehr aus der bisher gewohnten Position der Überlegenheit seine Bedingungen diktieren konnte. Das Debakel vor Wien war allerdings mehr als nur eine militärische Niederlage für die Osmanen und lieferte ein offenkundiges Indiz dafür, wie weit die Divergenz zwischen der islamisch-osmanischen Welt und dem Westen bereits fortgeschritten war. Bis heute wurden in der Forschung zur Osmanistik zahlreiche Erklärungsversuche vorgelegt, um die maßgeblichen Gründe für den Niedergang des letzten türkischen Reiches in der Weltgeschichte zu ermitteln, welche jedoch unter Umständen zu kurz greifen.

So sollen zunächst die grundlegenden Thesen der bisherigen Forschungsliteratur in diesem Kontext aufgegriffen und näher beleuchtet werden, um sie dann im weiteren Verlauf der Seminararbeit um eigene Anregungen bzw. Vorschläge zu ergänzen. Das zentrale Augenmerk der Untersuchungen liegt hierbei auf dem 16. sowie 17. Jahrhundert, da diese Epoche den häufigsten Bezugspunkt der Forschung hinsichtlich des Divergenzprozesses darstellt und die entscheidenden Ereignisse bzw. Symptome aufweist, die dafür verantwortlich waren, dass das Osmanische Reich langsam aber sicher seine jahrhundertelange Vormachtstellung in Südosteuropa gegenüber den westlichen Großmächten bzw. dem Heiligen Römischen Reich unter der Regie der Habsburger Monarchie verlor.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Faktoren der negativen Divergenz im Osmanischen Reich

2.1 Inflation

2.2 Demographischer Wandel

2.3 Scheitern des tımar-Systems

2.4 Kapitulationen

2.5 Militär

3. Biographie Evliyāʾ Çelebis

3.1 Familiäre Abstammung

3.2 Bildung

3.3 Aufstieg zum muṣāḥib und seyyāḥ-ı ʿālem

4. Aspekte wahrgenommener Divergenz im Wiener Seyāḥat-nāme

4.1 Habsburger Armee

4.2 Medizin

4.2.1 Anekdote zu einer komplexen OP

4.2.2 Chirurgie im Osmanischen Reich der Frühen Neuzeit

4.3 Buchdruck und Medienrevolution

4.4 Gesellschaftliches Verhältnis von Mann und Frau

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die sozio-ökonomische und kulturelle Divergenz zwischen dem Osmanischen Reich und dem Westen im 16. und 17. Jahrhundert, wobei der Wiener Reisebericht von Evliyāʾ Çelebi als zentrale Primärquelle dient, um osmanische Wahrnehmungsmuster dieser Entwicklungsprozesse zu analysieren.

  • Analyse der systemischen Niedergangsfaktoren im Osmanischen Reich
  • Biographische Einordnung des Reisenden Evliyāʾ Çelebi
  • Osmanische Rezeption europäischer Errungenschaften in Militär und Medizin
  • Vergleich der soziokulturellen Strukturen und der Medienentwicklung

Auszug aus dem Buch

4.2.1 Anekdote zu einer komplexen OP

Einen solchen chirurgischen Eingriff konnte Evliyāʾ Çelebi hautnah in Wien miterleben, als er eines Tages während seiner Stadtbesichtigung ein Krankenhaus am Stephansdom besuchte. Er beschreibt ausführlich das Erscheinungsbild der Ärzte und gewährt uns durch seine hohe Beobachtungsgabe Einblick in einige spektakuläre medizinische Behandlungen, die selbst für heutige Verhältnisse keine einfachen Eingriffe darstellen und uns eindrücklich vor Augen führen, auf welchem Stand sich die chirurgische Medizin im Wien des 17. Jahrhunderts befand. In einem dieser OP-Fälle geht es um einen mit dem habsburgischen Kaiser Leopold I. verwandten schwerverletzten Soldaten, der durch einen Gewehrschuss lebensgefährlich am Kopf getroffen wurde, wobei das Projektil laut Reisebericht den Schädel durchdrang und kurz vor dem Gehirn steckenblieb, welches der Wiener Meisterchirurg, dem Evliyāʾ Çelebi glücklicherweise über die Schulter sehen durfte, äußerst sorgfältig und professionell wieder entfernt:

“Da war einmal ein Verwandter des Kaisers, der während der Schlacht an der Raab [gemeint ist die Schlacht bei Mogersdorf vom 1. August 1664] von einer Kugel direkt neben dem Ohr getroffen wurde, wobei die Kugel in seinem Kopf steckenblieb. (…) Auf der Stelle schickte der Oberarzt alle Ungläubigen nach draußen und blieb mit seinem Assistenten und mir Geringem in einem glasüberdachten Raum. Ohne zu zögern gab er ihm eine Tasse mit einer safranartigen Flüssigkeit zu trinken, wodurch der Ungläubige ohnmächtig und bewusstlos wurde.”

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung setzt das Thema der west-östlichen Divergenz in den historischen Kontext der Schlacht bei Mogersdorf und stellt das Reisebuch von Evliyāʾ Çelebi als Primärquelle vor.

2. Faktoren der negativen Divergenz im Osmanischen Reich: Dieses Kapitel erläutert ökonomische, demographische und militärische Ursachen, die zum Stagnationsprozess des Osmanischen Reiches führten.

3. Biographie Evliyāʾ Çelebis: Hier wird der Lebenslauf, die Ausbildung und der Aufstieg von Evliyāʾ Çelebi am osmanischen Hof detailliert nachgezeichnet.

4. Aspekte wahrgenommener Divergenz im Wiener Seyāḥat-nāme: In diesem Hauptteil analysiert der Autor anhand von Evliyāʾ Çelebis Beobachtungen in Wien die Unterschiede in Militär, Medizin, Buchdruck und Geschlechterrollen.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und reflektiert die Vielschichtigkeit des Divergenzprozesses zwischen der osmanischen und der europäischen Welt.

Schlüsselwörter

Osmanisches Reich, Evliyāʾ Çelebi, Divergenz, Frühe Neuzeit, Wien, Seyāḥat-nāme, Medizin, Buchdruck, Militärgeschichte, Gesellschaftsstruktur, Technologietransfer, Islam, Habsburger, Transformation, Reformen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die zunehmende sozio-ökonomische und kulturelle Divergenz zwischen dem Osmanischen Reich und dem europäischen Westen während des 16. und 17. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf militärischen Entwicklungen, der Medizin (insb. Chirurgie), der Medienrevolution durch den Buchdruck sowie dem soziokulturellen Zusammenleben von Mann und Frau.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Gründe für den Niedergang des Osmanischen Reiches durch die historische Analyse des Reiseberichts von Evliyāʾ Çelebi aus einer genuin osmanisch-islamischen Perspektive zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, die durch die Auswertung primärquellenbasierter Textstellen aus dem "Seyāḥat-nāme" und dem Vergleich mit aktueller Forschungsliteratur gestützt wird.

Welche Inhalte bilden den Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Niedergangsfaktoren, der Biographie Çelebis sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit spezifischen Beobachtungen des Autors in Wien (Militär, Medizin, Technik, Gesellschaft).

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Zentrale Begriffe sind Osmanisches Reich, Divergenz, Evliyāʾ Çelebi, Frühneuzeit, Buchdruck, Medizin und interkulturelle Wahrnehmung.

Warum spielt die Ameise in der medizinischen Beschreibung eine Rolle?

Die Ameisen dienten als Nähinstrumente für Hautwunden bei Operationen, eine Methode, die im 17. Jahrhundert in Wien praktiziert wurde und von Evliyāʾ Çelebi detailliert beschrieben wurde.

Wie bewertet Evliyāʾ Çelebi das gesellschaftliche Verhältnis der Geschlechter in Wien?

Er beschreibt die freie Bewegung der Frauen und den respektvollen Umgang der Männer mit ihnen als befremdlich und teilweise skurril im Vergleich zur strengen Geschlechtertrennung in Konstantinopel.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Osmanische Divergenz und der Wiener Reisebericht Evliyāʾ Çelebis
Hochschule
Universität Basel  (Nahoststudien)
Veranstaltung
Grosse Theorien, grosse Aporien. Debatten zur sozio-ökonomischen Entwicklung Europas und des Nahen Ostens in der Neuzeit
Note
2,0
Autor
Ugur Koc (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
37
Katalognummer
V512607
ISBN (eBook)
9783346102720
ISBN (Buch)
9783346102737
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Osmanisches Reich Niedergang Zerfall Divergenz Niedergangsgründe Habsburger und Osmanen Türkenkriege Österreichisch-Türkische Kriege Wiener Belagerung Osmanen vor Wien Türkei Evliya Çelebi Reisebericht Reiseliteratur Osmanisch Türkisch Fremddarstellung Okzidentalismus Orientalismus Kulturschock Überlegenheit Fortschritt Technik Medizin Gesellschaft Soziologie Frauenbild Religion
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ugur Koc (Autor:in), 2019, Osmanische Divergenz und der Wiener Reisebericht Evliyāʾ Çelebis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512607
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  37  Seiten
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