Weibliche Gladiatoren in der römischen Kaiserzeit. Opfer oder Täter?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprung und Grundidee der Arenakämpfe

3. Quellenlage zu weiblichen Gladiatoren
3.1. Historische Quelle
3.2. Gesetze
3.3. Künstlerische Belege

4. Fazit

5. Bibliographie

6. Anhang: Abbildung 1

1. Einleitung

Gladiatoren sind in der Popkultur und in der Geschichtswissenschaft ein beliebtes Thema. Letztere legt aber einen Schwerpunkt auf männliche Gladiatoren. Weibliche Gladiatoren finden meist nur kurze Erwähnungen in wissenschaftlichen Werken, dies scheint sich aber durch das vermehrte Auftauchen von anregenden Artikeln zu verändern.1 Die Proportion von der Forschungslage und der Anzahl der Artikel zu beiden Geschlechtern bringt die Erkenntnis mit sich, dass weibliche Gladiatoren eine Seltenheit waren. Das wiederum wirft die Frage auf ob weibliche Gladiatoren dieselbe Funktion und Rolle hatten wie ihre männlichen Kollegen oder ob sie zu anderen Zwecken genutzt wurden.

Deshalb soll sich diese Arbeit mit der kritischen Betrachtung von der Darstellung von Frauen Gladiatoren in der römischen Kaiserzeit befassen. Dabei soll ausgearbeitet werden, ob diese eine Opfer oder Täter Rolle als Kämpfer in der Arena spielten. Dazu soll in einem ersten Schritt der Ursprung und die Grundidee der Gladiatorenkämpfe vorgestellt werden, um so auch einen Vergleich bieten zu können. Anschließend soll auf die Quellenlage über weibliche Gladiatoren eingegangen werden. Hierzu sollen auch die Autoren und ihre Werke kurz vorgestellt werden. Die Darstellung der Frauen soll dann anhand von Traktaten aus den besprochenen Werken analysiert werden. Darunter zählen historische Quellen, Quellen die Auskünfte über Gesetzgebungen geben, Berichte in fiktiver Form und aber auch ein künstlerisches Beleg. Zum Schluss sollen die Untersuchungen zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst und Bezug auf die in dieser Einleitung formulierten Fragestellung genommen werden.

2. Ursprung und Grundidee der Arenakämpfe

Die Arena galt als der Ort für die beliebtesten Veranstaltungen der römischen Welt.2 Zu diesen Veranstaltungen gehören auch die munera, Gladiatorenkämpfe, die ein Teil der spectacula, den öffentlichen Schauspielen, waren.3 Der Ursprung der Gladiatorenkämpfe soll auf einer Tradition zurückliegen, die Gladiatoren nach dem Tod von angesehenen Aristokraten gegeneinander antreten zu lassen.4 Die Bestattung vom Senator Iunius Brutus Pera im Jahr 264 v. Chr. soll das Erste Leichenbegängnis gewesen sein, wofür ein solches Spiel veranlasst worden ist und soll danach immer mehr an Größe und Beliebtheit zugenommen haben.5 Später sollen die Kämpfe auch von vielen Politikern zum Beispiel vor Wahlkämpfen veranstaltet worden sein.6 Sie sollen damit zum Ziel gehabt haben ihre Beliebtheit zu erhöhen und mehr Stimmen im bevorstehenden Wahlkampf holen zu können, womit die oben genannten Todesfälle nur noch ein formaler Vorwand sind.7

Robert Knapp unterteilt die Gladiatoren in zwei Gruppen: Sklaven und Freie.8 Beide Gruppen sollen eine Ausbildung zum Gladiator in der ludus, der Gladiatorenschule, erhalten haben und die unfreien wurden von ihren Besitzern, den editores, an Spielgeber vermietet.9 Im Gegensatz dazu unterlagen die Freiwilligen einem Vertrag mit dem sie für eine festgesetzte Zeit bestimmte Verpflichtungen eingingen.10 Es soll nicht besonders gerne gesehen worden sein, dass Personen aus der Eliteschicht sich an Gladiatorenkämpfe beteiligt haben, da das zur Erniedrigung der Aristokratie in Augen des Volkes geführt hätte, weswegen Kaiser bei solchen Fällen durch Gesetze eingriffen.11 Die Kämpfe waren generell dem männlichen Geschlecht zugeordnet und Gladiatoren waren selber ein Symbol für Kraft und Tapferkeit.12

Die Ausrüstung der Gladiatoren konnte unterschiedlich sein; während einige mit retiarii, Netz und Dreizack, ausgerüstet waren, konnten andere mit myrmillones, einem kurzen Schwert und Rundschild, ausgerüstet sein.13 Die Bewaffnung, soziale Herkunft und die Regeln der Gladiatorenkämpfe soll im gesamten Römischen Reich ähnlich gewesen sein.14 Durch Siege konnten sich die Gladiatoren ihren Preis und Ruhm erhöhen, was für Sklaven die Hoffnung auf Freiheit bedeutet haben soll.15 Überlebten die Gladiatoren die Kämpfe, so wurden sie nach Flaig nach einer Dauer von drei Jahren freigelassen und sie blieben zwei weitere Jahre dort und unterlagen danach der Infamie, was bedeutet dass sie von öffentlichen Betätigungen und dem Militär ausgeschlossen waren.16 Die Kämpfe selber unterlagen genauen Regeln und wurden durch einen Schiedsrichter kontrolliert.17 Der Kampf endete, wenn eines der Gladiatoren den Finger hob und die Zuschauer sollen dann über die Begnadigung oder den Tod des Verlierers entschieden haben.18 Ihnen soll es insbesondere wichtig gewesen sein einen Kampf auf hohem technischem Niveau gesehen zu haben und sie sollen die Verlierer in den meisten Fällen begnadigt haben.19 Egon Flaig sagt, dass die Gladiatorenkämpfe eines der seltenen Gelegenheiten für das Volk bot um mit dem Kaiser und der Elite gleichbestimmt zu sein, weswegen die Spiele besonders populär wurden.20 Im 5. Jahrhundert sollen die Kämpfe dann nach und nach verschwunden worden sein, da es immer weniger Gladiatoren gegeben haben soll.21

3. Quellenlage zu weiblichen Gladiatoren

Nachdem im vorherigen Abschnitt Basisinformationen zu den Gladiatoren und ihren Kämpfen gegeben wurden, soll nun im folgenden Abschnitt die Konzentration auf der Besonderheit der Gladiatorinnen liegen. Belege zur Existenz von weiblichen Gladiatoren sind in mehreren Quellen zu finden. Dennoch ist zu beachten, dass es sich bei diesen Belegen nicht um detaillierte Beschreibungen handelt, sondern lediglich um Erwähnungen. Die Informationen aus den Auszügen sollen genutzt werden, um durch die Ansichten der Autoren die Gründe für den Einsatz beziehungsweise Verbannung der Gladiatorinnen zu ermitteln und dadurch die Rolle der weiblichen Gladiatoren in der römischen Kaiserzeit zu deuten.

Die Traktate aus den Quellen, welche in dieser Arbeit genutzt werden, stammen alle aus dem 1. Und dem 2. Jahrhundert. Eine Ausnahme bildet das Werk von Athenaeus, welches aus dem 3. Jahrhundert stammt. Bei den Quellen von Statius, Juvenal und Petronius handelt es sich um Dichtungen beziehungsweise um einen satirischen Roman. Das bedeutet, dass die Quellen keine direkten historischen Quellen sind, dennoch geben sie eine Auskunft über das Empfinden von Gladiatoinnen von den Autoren und dem Volk. Bei Cassius Dio und Tacitus handelt es sich um historische Quellen, die von Senatoren verfasst wurden. Die Historia Augusta und Werke von Athenaeus und Suetonius sind Sammlungen von Viten der Kaiser. Diese Quellen sind dem Genre Sachliteratur zuzuordnen und sind eher faktisch als fiktiv, weswegen sie als verlässlich zu sehen sind.

3.1. Historische Quellen

In den historischen Quellen sind Belege zu weiblichen Gladiatoren während der Zeit von Nero (54-68), Titus (79-81) und Domitian (81-96) zu finden. Cassius Dio und Tacitus berichten beide über die Auftritte von Adeligen Männern und Frauen als Gladiatoren und Gladiatorinnen in der Arena:

„(...) Männer und Frauen (...) aus dem Senatorenstande, traten auf und spielten wie Angehörige der verachtetsten Klasse auf (.) töteten wilde Tiere und kämpften als Senatoren, teils freiwillig, teils unter hartem Zwang. (.) solche Dinge taten, von denen sie einige nicht einmal angeschaut hätten, wenn andere sie verrichteten.“22

„Fechterspiele brachte dasselbe Jahr mit gleicher Pracht wie bei den früheren; aber erlacuchte Frauen und Senatoren entehrten sich in größerer Anzahl durch den Auftritt in der Arena.“23

Beide Auszüge beziehen sich auf die Zeit von Kaiser Nero. Mann bewertet das Zwingen vornehmer Frauen als eine typische Verletzung der sozialen Ordnung wie es von Kaisern bekannt ist, die als schlecht eingestuft wurden.24 Dennoch kann durch das Töten von Tieren davon ausgegangen werden, dass ein Training der Gladiatorinnen genau wie bei Gladiatoren stattgefunden hat und ein Kampfniveau oder aber auch Kampftechniken existiert haben müssen.25

Außerdem berichtet Cassius Dio von weiblichen Gladiatoren während der Zeit von Titus. Dort sollen auch wilde Tiere getötet worden sein:

„Unter den meisten Taten des Kaisers befindet sich nichts, was besondere Erwähnung verdiente, nur bei der Einweihung des Amphitheaters und des Bades, das seinen Namen trug, ließ er eine Menge bemerkenswerter Schauspiele veranstalten. Da gab es einen Kampf zwischen (.) weiterhin wurden gegen neuntausend zahme und wilde Tiere getötet, und selbst Frauen - freilich nicht aus besseren Kreisen- beteiligten sich an deren Hinschlachtung.“

[...]


1 McCullough, A. (2008) „Female Gladiators in Imperial Rome: Literary Context and Historical Fact.“The Classical World 101: 197-209. S.197

2 Knapp R., Römer im Schatten der Geschichte. Gladiatoren, Prostituierte, Soldaten: Männer und Frauen im Römischen Reich, Stuttgart 2012. S.298

3 Mann, C., Die Gladiatoren. München 2013. S.16

4 Flaig, E., Art.:Gladiator. Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike, Bd. 4, Stuttgart 2012, Sp.1076

5 Mann: Die Gladiatoren, S.16

6 Flaig: Gladiator, Sp.1076f.

7 Mann: Die Gladiatoren, S.17f.

8 Knapp: Römer, S.295

9 Flaig: Gladiator, Sp.1077

10 Knapp: Römer, S. 300

11 Flaig: Gladiator, Sp.1077

12 Mann: Die Gladiatoren, S.63

13 ebd.

14 Mann: Die Gladiatoren, S.19

15 Knapp: Römer, S.303

16 Flaig: Gladiator, Sp.1077

17 Mann: Die Gladiatoren, S.8

18 Flaig: Gladiator, Sp.1077

19 Mann: Die Gladiatoren, S.8

20 Flaig: Gladiator, Sp.1077

21 Flaig: Gladiator, S.1078

22 Cass.Dio 61.17 3-4

23 Tac.ann. 15.32.3

24 Mann: Die Gladiatoren, S.63

25 McCullough: Female, S.206

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Weibliche Gladiatoren in der römischen Kaiserzeit. Opfer oder Täter?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V512680
ISBN (eBook)
9783346099860
ISBN (Buch)
9783346099877
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Römer, Römische Kaiserzeit, Gladiatoren, Gladiatrix, Gladiatorinnen, weibliche Gladiatoren
Arbeit zitieren
Özlem Arslan (Autor), 2019, Weibliche Gladiatoren in der römischen Kaiserzeit. Opfer oder Täter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512680

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