Die Rezeption von Theodor Fontanes Roman "Irrungen., Wirrungen" im 20. Jahrhundert


Facharbeit (Schule), 2017
8 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Hinführung zu meinem Thema

Kapitel 1: Theodor Fontane und kurze Inhaltszusammenfassung des Romans

Kapitel 2: Der Begriff „Rezeption“ und die politische Lage in Deutschland

Kapitel 3: Die Rezeptionen gegenüber Theodor Fontane im 20. Jahrhundert

Fazit

Literaturverzeichnis

Hinführung zu meinem Thema

Diese Facharbeit wurde im Rahmen des Seminarfachs Deutsch erstellt und befasst sich mit dem Roman „Irrungen, Wirrungen“, welcher von dem Deutschen Autor Theodor Fontane geschrieben wurde und mit der Beantwortung der Fragestellung, wie die Rezeption dieses Romans im 20. Jahrhundert war.

Bezüglich dieser Frage denke ich, dass die Rezeptionen in den einzelnen politischen Systemen des 20. Jahrhunderts gut ausfielen, da ich den Eindruck bekommen habe, dass Fontane die Ständeordnung infrage gestellt hat und für die Abschaffung des Ständesystems war. Dieses Thema ist besonders interessant, da sich die Veränderung der gesellschaftlichen und politischen Situation und die unterschiedlichen Auffassung der Menschen im Vergleich zur heutigen Zeit zeigen wird.

Zuerst werde ich in Kapitel Eins eine kurze Einführung in den Roman geben und Theodor Fontane als Autor vorstellen. Des Weiteren werde ich hier auf die Epoche des Realismus eingehen, die der Roman angehört.

Im zweiten Kapitel gebe ich eine kurze Definition des Begriffs „Rezeption“ und erläutere die gesellschaftliche und politische Situation zur Zeit des 20. Jahrhunderts in Deutschland, da dieses Jahrhundert von wesentlichen politischen Ereignissen geprägt war.

Das dritte Kapitel wird der inhaltliche Schwerpunkt meiner Arbeit. Hier werde ich quellengestützt meine Frage beantworten und auf die Gesellschaftsprobleme eingehen, sowie auf die Kritikpunkte mit denen Fontane durch die Veröffentlichung seines Romans konfrontiert wurde. Zuletzt werde ich noch darauf eingehen, in wie fern Theodor Fontane die Literatur des 20. Jahrhunderts beeinflusst hat. Meine Informationen stammen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Büchern und Internetadressen. Aus den Ergebnissen werde ich dann mein eigenes Fazit ziehen.

Kapitel 1: Theodor Fontane und kurze Inhaltszusammenfassung des Romans

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren und ist der bedeutendste Schriftsteller des Realismus. Sein Berufsleben war vielfältig: er lernte Apotheker, war dann ein Jahr lang Freiwilliger im Grenadierregiment in Berlin. Vier Jahre später wurde er als Wahlmann für den preußischen Landtag aufgestellt. Er versucht sich danach als freier Schriftsteller, wovon er jedoch kaum leben konnte. Danach war er Publizist, Kritiker, Herausgeber und Pressekorrespondent in London. 1870 reiste er als Kriegsberichtstarter für die Vossische Zeitung nach Frankreich, wo er im Oktober festgenommen wird. Vier Jahre später, 1874, kommt er frei und geht zurück nach Berlin. Im Alter von 73 Jahren bekommt er eine schwere Krankheit (Gehirnanämie) und erleidet 6 Jahre später daran. Den Roman schrieb er hinter dem Hintergrund der gesellschaftlichen Situation nach der Gründung des Deutschen Reiches im preußischen Berlin 1870/7, in dieser Zeit war eine Ehe zwischen einem Adligen und einer Kleinbürger fast unmöglich und entsprach nicht der Gesellschaftsordnung. Der Roman „Irrungen, Wirrungen“ befasst sich mit genau diesem Problem der Ständeordnung. Die kleine Schneiderin Lene Nimptsch lernt auf einem Bootsausflug den Adligen Offizier Botho von Rienäcker kennen und beide verlieben sich ineinander und führen seitdem eine heimliche Beziehung von Seiten Bothos. Der Höhepunkt ihrer Beziehung ist eine gemeinsame Liebesnacht in dem Lokal „Hankels Ablage“, was jedoch auch der Wendepunkt des Romans ist, da sie von Bothos Kameraden überrascht werden. Beide bemerken, dass eine Beziehung aufgrund der Standesunterschiede nicht funktionieren kann. Als Botho danach auch noch einen Brief von seiner Mutter bekommt, überdenkt er seine Beziehung zu Lene neu und verschafft sich bei einem Spaziergang einen klaren Kopf. Er kommt zu dem Entschluss, dass die Basis einer jeden Gesellschaft ist, dass sich ein Adel zu dem Ehrenkodex und der Ordnung verpflichtet und diese auch einzuhalten hat. Aufgrund dessen, bekennt er sich nicht zu Lene und wendet sich komplett von ihr ab. Nach einiger Zeit finden beide einen neuen Partner und heiraten jeweils in geordneten Verhältnissen. Ob sie dabei glücklich sind, bleibt jedoch offen.

Kapitel 2: Der Begriff „Rezeption“ und die politische Lage in Deutschland

Um nun nach zu forschen und heraus zu finden, wie die Rezeption dieses Romans im 20. Jahrhundert war, ist es wichtig zu wissen, was „Rezeption“ überhaupt bedeutet. „Rezeption“ bedeutet in meinem Fall, wie der Roman von den unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen in den politischen Systemen aufgenommen und bewertet wurde, das heißt, ob die Menschen möglicherweise Vorstellungen dazu besucht haben und ob sich das Buch verkaufen lassen hat und wenn ja, in welchem Umfang. Das 20. Jahrhundert war von politischen Machtwechseln und ständigen Auseinander geprägt. Bis 1918 herrschte das Deutsche Kaiserreich, danach war bis 1933 die Weimarer Republik. Nachfolgend kam der Umbruch in die Zeit des Nationalsozialismus und die vier Jahre in dem Deutschland von den Siegermächten USA, Großbritannien und der UdSSR besetzt wurde. Anschließend wurde 1949 Deutschland bis 1990 in 2 Seiten aufgeteilt. Auf der einen Seite herrschte die Deutsche Demokratische Republik und auf der anderen Seite die Bundesrepublik Deutschland, bis 1990 im Dezember die Mauer gefallen ist und Deutschland wieder vereint war.

Kapitel 3: Die Rezeptionen gegenüber Theodor Fontane im 20. Jahrhundert

Am Anfang des 20. Jahrhunderts wird Fontane als der „Begründer und Meister des realistischen Romans in Deutschland“1 bezeichnet. Die ersten Fontane Renaissancen im 20. Jahrhundert fanden in den 1920er,-30er,- und frühen 40er Jahre statt, doch Fontanes „bestehende randständige Position in der europäischen Literatur aus dem 19. Jahrhundert“2 konnte vorerst nicht beseitigt werden. Die große Anerkennung an Fontanes Werke und Schriften von dem deutschen Schriftsteller Thomas Mann hilf anfangs auch nicht ihn und seine Werke nach dem 19. Jahrhundert in ein besseres Licht zu stellen.„Ihm persönlich […] sei das Bekenntnis erlaubt, dass kein Schriftsteller der Vergangenheit oder Gegenwart [ihm] die Sympathie und Dankbarkeit, dies unmittelbare und instinktmäßige Entzücken, diese unmittelbare Erheiterung, Erwärmung, Befriedigung erweckt, die [er] bei jedem Vers, jeder Briefzeile, jedem Dialogfetzchen von ihm empfindet.“3 Jedoch war die Kundgebung seiner positiven Meinung über Fontane laut Chambers eher kontraproduktiv, was auf das Genre des als typisch deutsch geltenden Bildungsroman zurückzuführen ist. Thomas Mann hat dazu beigetragen, „dass Fontane sowohl im Ausland, als auch in Deutschland als zu wenig deutsch bezeichnet wurde.“4 Somit blieb die Fontane Literatur in den 20er -jahren „zum größeren Teil eine Zeitschriften und Zeitungsliteratur“5 und es wurde mehrfach entsprechend der herrschenden Ideologie anti-englische und anti- semitische Züge von Fontane betont. Thomas Mann sieht die Kunst von Fontane „nicht auf den Rausch, sondern auf Erkenntnis“6 gestellt und erklärte „wenn unsere erzählende Literatur etwas mehr von diesem Geschmack eines ganz, ganz alten Herren beeinflusst worden wäre, so hätten wir heute im deutschen Roman mehr Kunst und weniger Philisterei“.7

Nach der Weimarer Republik ließ das Interesse an Fontane nicht nach und 1935 wurde in Potsdam ein Fontane-Archiv gegründet, welches 2001 als »Kultureller Gedächtnisort von besonderer nationaler Bedeutung« in das Blaubuch der Bundesregierung aufgenommen wurde. Insgesamt ist es ein Literaturarchiv, eine wissenschaftliche Einrichtung und ein Gedächtnisort mit nationaler Bedeutung ist.

Die Rezeptionen wurden zur Zeit der Jahrhundertwende deutlich besser, nach dem ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik versahen Verlage, wie beispielsweise S. Fischer und Ullstein, Fontane mit dem Schlagwort „ Der Klassiker“, wodurch das Leseinteresse in der Bevölkerung geweckt wurde und immer mehr Neuauflagen erschienen. Laut Michael Scheffel, welcher ein deutscher Literaturwissenschaftler und Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte war, lässt sich diese vermehrte Nachfrage in der Zeit der Weimarer Republik auf die „rückwärts gewandte Sehnsucht nach dem einstigen Kaiserreich“8 zurückführen. Da der Roman in der Zeit des deutschen Kaiserreichs geschrieben wurde, herrschte also die in „Irrungen,Wirrungen“ beschriebenen Ständeordnung und die Gesellschaftsnorm, dass eine Liebe zwischen zwei unterschiedlichen Ständen nicht akzeptiert wird. Das Gesellschaft,- und vor allem das Frauenbild änderte sich jedoch mit der Weimarer Republik ab 1918: Die Gesellschaft war gespalten und durch die Massenkultur in Deutschland wurden Milieu-grenzen von arm und reich und Arbeiterschaft und Bürgertum verwischt. Viele Arbeiter nahmen bürgerliche Riten an und an der Mode der Zeit teil. Frauen hatten erstmals mehrere Möglichkeiten zur Selbstständigkeit, aber trotz alledem dominierten die sozialen und ideologischen Klassengegensätze. Das Klassenbewusstsein vor allem in der Arbeiterschaft, welche 45% ausmachte und den meisten Leseanteil an Fontane hatten verbreitet. Es gab ein Bild der „neuen Frauen“, dieses war ein kurzgeschnittener Bubikopf und das Aneignen von männlichen Symbolen, wie Rauchen, Autofahren und Sporttreiben. Die meisten Menschen waren damit nicht vertraut und sehnten sich zurück in ihr herkömmliches Leben im Deutschen Kaiserreich, Theodor Fontane gab ihnen mit seinem Roman „Irrungen, Wirrungen“ einen Teil davon zurück in ihr neues Leben. Er wurde mitunter als eine Art Rückzugs und Lebenshilfe bezeichnet. Es entstanden neben Zeitschriften und Zeitungsartikeln viele wissenschaftliche Monographien, welche viele verschiedene Themen behandelte. Ein wichtiger Autor einer Monographie war unter anderem C. Wandrey, welcher Fontane „als einen Meister des deutschen Realismus“9 sah.

In den 40er Jahren verlor man Fontane etwas aus den Augen, sein 40er Todestag und die Presse, welche über ihn schrieb wurde nur noch wenig beachtet. Der Grund dafür, dass keine Bücher mehr publiziert wurden war kriegsbedingt, denn „neben sachorientierten Arbeiten von philologisch geschulter Trefflichkeit finden sich in dieser Zeit eine Reihe von Studien, die einen seriösen philologischen Ansatz mit mehr oder minder starken ideologischen Verbiegungen verbinden. Wiederholt arbeitet man nicht nur Fontanes Ordnungsdenken heraus, sondern präsentiert den Autor darüber hinaus als einen frühen Verkünder des Ideals von einer völkischen Gemeinschaft.“10 Zum Zeitpunkt des fünfzigsten Todestages von Fontane, also 1948 nach dem 2. Weltkrieg gab es in der Fontane Forschung zum Teil auch eine linksorientierte Ausrichtung. Georg Lukács bemängelt die Gesellschaftskritik, die aus dem Roman nicht genau hervorgeht. „Im Blick auf Fontane Figuren, die von den Verfallerscheinungen der Bourgeoisie gekennzeichnet seien, attestiert er dem Dichter aber eine zunehmende Fortschrittlichkeit.“ 11 Ein bedeutender Schriftsteller ist Fontane für ihn nur überall dort, „wo es ihm gelingt, die Halbheit seiner Gestalten aus der spezifischen Entwicklung Preußen-Deutschland herauswachsen zu lassen.“ Er kritisiert also die Widersprüche und stellt den weltliterarischen Rang, den Fontane von Wandrey und Thomas Mann bekam infrage. Henry H. H. Remark sagte zu der genannten Widersprüchlichkeit Fontanes folgendes: „Fontane ist anders, gerade in der deutschen Romantradition sehr anders. Er doziert nicht, er ideologisiert nicht, er moralisiert nicht, er sentimentalisiert nicht, er vertritt keine Wahrheit, er prangert nicht an und verteidigt nicht. Er sieht, er versteht, er stellt dar. Er ist der Mann des sowohl… als auch, des ja, aber und nein, jedoch.Noblesse. Oblige. Fontanes Noblesse ist Intelligenz.“12

[...]


1 Christian Grawe in „Fontane Handbuch“ S. 930

2 Susanne Kleinpaß in „Theodor Fontane“, S.192 z.6/7

3 Thomas Mann in „Der alte Fontane“,1910

4 Helen Chambers in „Intensiv geforscht“ , S.130 (2003)

5 Wandrey, in „Fontane Monographie“ S.407

6 Christian Grawe in „Fontane Handbuch“ S. 932

7 Christian Grawe in „Fontane Handbuch“ S.15

8

9 Christian Grawe in „Fontane Handbuch“ S. 935

10 Christian Grawe in „Fontane Handbuch“ S. 937

11 Helen Chambers, 2003, S.32-33

12 Hellmut Nürnberger in „Fontane“ S. 171

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Rezeption von Theodor Fontanes Roman "Irrungen., Wirrungen" im 20. Jahrhundert
Note
2,0
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V512764
ISBN (eBook)
9783346090492
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rezeption, theodor, fontanes, roman, irrungen, wirrungen, jahrhundert
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Rezeption von Theodor Fontanes Roman "Irrungen., Wirrungen" im 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512764

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