Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Eingliederung von "Neuen Medien" in den Musikunterricht. Zunächst wird geklärt, was in der Literatur unter dem Begriff Gehörbildung verstanden wird. Es wird die Entwicklung der Gehörbildung im Laufe der Geschichte aufgezeigt, um anschließend zu ergründen, ob eine klassische Gehörbildung im aktuellen Bildungsplan an Gymnasien in Baden-Württemberg noch vorzufinden ist und welche Kompetenzen durch Gehörbildung gestärkt werden. Der zweite Abschnitt dieser Arbeit befasst sich mit "Neuen Medien" allgemein, deren Definition sowie der Eingliederung "Neuer Medien" in den Unterricht, beziehungsweise in den Musikunterricht. Besonderen Fokus liegt dabei auf den Begriff Mobile Learning. Das Wort "mobile" steht nicht für die mobilen Geräte, sondern vor allem für die Mobilität des Lernens und der Lernenden während des Lernprozesses.
Im letzten Abschnitt werden beide Teile miteinander in Bezug gesetzt und mehrere Formen der Gehörbildung mit Neuen Medien vorgestellt. Um dem Leser einen Überblick über den aktuellen Markt bezüglich der Schwerpunkte und Aufgabenbereiche mobiler Gehörbildungsprogramme zu geben, werden 17 Gehörbildungs-Apps für Android und iOS hinsichtlich verschiedener Kategorien untersucht. Unser Alltag wird durch die mobilen Technologien immer mehr mediatisiert. Dieser Umstand, aber auch die Forderungen der Kultus-Minister-Konferenz sowie andere Positionspapiere aus der Politik, verdeutlichen, wie wichtig es ist, "Neue Medien" sinnvoll in den schulischen Alltag zu integrieren, auch um Jugendlichen die Möglichkeiten und Unzulänglichkeiten dieser Medien aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. GEHÖRBILDUNG
2.1. INHALTE UND ZIELE DER GEHÖRBILDUNG
2.2. ENTWICKLUNG DER GEHÖRBILDUNG
2.3. GEHÖRBILDUNGSUNTERRICHT IN DER SCHULE
3. NEUE MEDIEN IM MUSIKUNTERRICHT
3.1. BEGRIFFSERKLÄRUNGEN
3.1.1. Der Medienbegriff
3.1.1.1. Der Medienbegriff in der Musik
3.1.2. „Neue Technologien“ / „Neue Medien“
3.1.3. „E-Learning“, „Blended Learning“, „Mobile Learning”
3.1.3.1. E-Learning
3.1.3.2. Blended Learning
3.1.3.3. Mobile Learning
3.2. MEDIATISIERUNG DER LEBENSWELT
3.3. NEGATIVE AUSWIRKUNGEN DER NEUEN MEDIEN
3.4. AUSWIRKUNGEN NEUER MEDIEN AUF DIE MUSIK
3.4.1. Auswirkungen auf die Rezeption von Musik
3.4.2. Auswirkungen auf die Musik allgemein
3.5. NEUE MEDIEN IM UNTERRICHT
3.5.1. Kritische Sicht
3.5.1.1. Die fehlenden sinnlichen Erfahrungen
3.5.1.2. Die Macht der Medien
3.5.1.3. Technische Schwierigkeiten
3.5.2. Neue Medien im Musikunterricht
3.5.2.1. Lernprogramme im Musikunterricht
4. FUSION: GEHÖRBILDUNGSUNTERRICHT MIT NEUEN MEDIEN
4.1. VERSCHIEDENE FORMEN NEUER MEDIEN, UM GEHÖRBILDUNG ZU BETREIBEN
4.1.1. Computer, Laptops – Desktopbetriebssysteme
4.1.2. Smartphones/Tablets/Phablets – Mobile Betriebssysteme
4.1.3. Kombination? – Web-Apps
4.2. NEUE FORMEN VON GEHÖRBILDUNG
4.3. ANALYSE VON GEHÖRBILDUNGSAPPS
4.3.1. Untersuchungskriterien
4.3.1.1. Interaktionsmöglichkeiten - Aktivitäten
4.3.1.2. Feedback
4.3.1.3. Visualisierung der Musik – Qualität der Übersetzung
4.3.1.4. Stilrichtungen - musikalischer Umfang
4.3.1.5. Anpassung - Integration in den Lehrplan - Datenschutz
4.3.2. Auswertung der Untersuchung
4.3.2.1. Interaktionsmöglichkeiten - Aktivitäten
4.3.2.2. Feedback
4.3.2.3. Visualisierung der Musik – Qualität der Übersetzung
4.3.2.4. Stilrichtungen - musikalischer Umfang
4.3.2.5. Anpassung - Integration in den Lehrplan – Datenschutz
4.3.3. Zusammenfassung der Auswertung
5. FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie Gehörbildung durch den gezielten Einsatz Neuer Medien, insbesondere mobiler Endgeräte und Applikationen, sinnvoll in den Musikunterricht integriert werden kann, um Lernprozesse zu individualisieren und zu bereichern.
- Grundlagen der Gehörbildung und deren historische Entwicklung
- Begriffsbestimmung Neuer Medien (E-Learning, Blended Learning, Mobile Learning)
- Kritische Reflexion über den Einsatz digitaler Technologien im Musikunterricht
- Analyse von 17 Gehörbildungs-Apps hinsichtlich ihrer Eignung für den schulischen Einsatz
- Entwicklung von Perspektiven für einen zukunftsorientierten Musikunterricht
Auszug aus dem Buch
3.3. Negative Auswirkungen der Neuen Medien
In Deutschland gelten 100.000 Jugendliche als handysüchtig.151 Für Barth ist diese Zahl eine Art Weckruf. Gefordert, so Barth weiter, sind Pädagoginnen und Pädagogen, Konzepte und Ideen zu entwickeln, die den Jugendlichen einen aufmerksameren Umgang mit Medien vermitteln sollen. „Lernen über Medien bedarf geschulter ExpertInnen, die hinter die bunten Bildschirme schauen können.“152 Buchem beschreibt die Ergebnisse einer langjährigen Forschungsarbeit der Soziologin Sherry Turkle.153 Demnach haben mobile Medien die zwischenmenschliche Kommunikation und Beziehungen im negativen Sinne beeinflusst. „Gespräche von Angesicht zu Angesicht werden auf Kosten virtueller Kontaktpflege immer seltener.“154 Die dauerhafte Erreichbarkeit sowie die Portabilität der Mobilgeräte führen zu einer geringeren Aufmerksamkeit der Probanden. Die Smartphone-Nutzung während sozialer Kommunikationssituationen, also der Benutzung des Smartphones während eines Gespräches, wird als Phubbing bezeichnet. „Zu den zentralen Nebenwirkungen von Phubbing gehören vor allem die Ablenkung und der Aufmerksamkeitsverlust, aber auch die soziale Unverträglichkeit von diesem Verhalten“155. Besonders die „permanente Empfangsbereitschaft, Informationsaufnahme und Unterbrechungen“156 haben negative Folgen. Eine davon ist der „digitale Burnout – ein Erschöpfungszustand, welcher sich negativ auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken kann“157. Daneben fasst Buchem folgende „problematischen Gewohnheiten“158 aus einer Studie von Shuai zu psychischen Störungen im Kontext mobiler Endgeräte zusammen:
„ ‚cyber-relationship addiction“ (Abhängigkeit von virtuellen Freundschaften), ‚information overload‘ (exzessives Informationsverhalten, vor allem eine sucht-ähnliche Überprüfung von Status-Updates), ‚net compulsion‘ (exzessive Internetnutzung, vor allem von Online-Spielen), ‚cyberbullying‘ (Beleidigungen, Bedrohungen, Belästigungen mit Hilfe von mobilen Medien) sowie ‚phubbing‘ (Beschäftigung mit dem mobilen Gerät während einer sozialen Interaktion) und ‚nomophobia‘ (Angst, ohne Mobiltelefon unerreichbar zu sein).“159
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Der Autor erläutert seine Motivation zur Untersuchung mobiler Gehörbildungs-Apps, ausgehend von eigenen Erfahrungen im Musikstudium und der Beobachtung der ubiquitären Mediennutzung Jugendlicher.
2. GEHÖRBILDUNG: Dieses Kapitel definiert Gehörbildung als Disziplin, zeichnet ihre historische Entwicklung von der Antike bis in die Neuzeit nach und analysiert ihre Rolle im aktuellen schulischen Bildungsplan.
3. NEUE MEDIEN IM MUSIKUNTERRICHT: Es erfolgt eine begriffliche Einordnung Neuer Medien (E-Learning, Mobile Learning) sowie eine kritische Auseinandersetzung mit deren Auswirkungen auf Musikrezeption, Hörgewohnheiten und den schulischen Kontext.
4. FUSION: GEHÖRBILDUNGSUNTERRICHT MIT NEUEN MEDIEN: Der Hauptteil analysiert verschiedene technische Möglichkeiten zur Gehörbildung, definiert Untersuchungskriterien für Apps und präsentiert die Ergebnisse der Untersuchung von 17 Gehörbildungs-Apps.
5. FAZIT: Der Autor resümiert die Chancen mobiler Gehörbildung für den Unterricht und gibt einen Ausblick auf zukünftige technologische Entwicklungen wie Sprachassistenten und Virtual Reality.
Schlüsselwörter
Gehörbildung, Neue Medien, Musikunterricht, Mobile Learning, App-Analyse, Hörkompetenz, Digitalisierung, Bildungsplan, Musikpädagogik, Medienkompetenz, E-Learning, Smartphone, Lernsoftware, Musikrezeption, Interaktives Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Zulassungsarbeit befasst sich mit der Integration Neuer Medien in den Musikunterricht, mit einem speziellen Fokus auf die Gehörbildung und das Potenzial von Smartphone-Applikationen für schulische Lernprozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die theoretischen Grundlagen der Gehörbildung, die Definition und Einordnung Neuer Medien, die kritische Diskussion über deren Vor- und Nachteile im schulischen Umfeld sowie die praktische Analyse von Gehörbildungs-Apps.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu ermitteln, ob aktuelle, kostenlose Gehörbildungs-Apps für den Musikunterricht an Gymnasien geeignet sind und welche Möglichkeiten sie zur Förderung der Hörkompetenz bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch und kombiniert diese mit einer empirischen Untersuchung von 17 verschiedenen Gehörbildungs-Apps, die anhand eines Kriterienkatalogs (u.a. Interaktion, Feedback, Visualisierung) bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die technische und didaktische Fusion von Gehörbildung und Medien. Er analysiert, wie mobile Geräte und Web-Apps als Werkzeuge fungieren können und wertet die Untersuchungsergebnisse der Applikationen im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit im Lehrplan aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gehörbildung, Musikunterricht, Mobile Learning, Medienkompetenz und Digitalisierung charakterisiert.
Welche Rolle spielt der Bildungsplan Baden-Württemberg in der Untersuchung?
Der Bildungsplan dient als normative Grundlage, um zu prüfen, ob die untersuchten Gehörbildungs-Apps die geforderten Kompetenzen (z.B. Höranalyse, Instrumentenunterscheidung) abdecken können.
Warum kritisiert der Autor viele der untersuchten Apps?
Der Autor kritisiert, dass viele Apps nicht speziell für den schulischen Kontext konzipiert sind, oft nur als "Drill-Programme" für klassische Aufgaben fungieren und komplexe Höranalysen sowie die Integration eigener Musikbeispiele nur selten ermöglichen.
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- Jonas Krug (Author), 2019, Lernen im Bereich Gehörbildung mit "Neuen Medien", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512775