Werkstätten werden als Räume des Gestaltens wahrgenommen, in denen vorwiegend handwerklich gearbeitet wird. Sie gelten als Orte der Diskussion, des Verwerfens und des wieder neu Aufbauens. Es wird gemeinschaftlich gearbeitet oder auch allein geplant und entworfen. Das Materielle wird mit dem Technischen verbunden – das Kreative mit logischen Zusammenhängen vernetzt. In der Schule treffen die Schülerinnen und Schüler auch häufig auf Werkstätten, eingebunden in ihren Unterricht. Ob als Stationen-Lernen, Projektunterricht oder offener Unterricht, als Lernwerkstatt, als Werkstatt auf dem Schulhof oder als frei begehbarer und benutzbarer Materialraum: überall wirkt der Werkstattgedanke als ästhetischer Lernprozess mit und beeinflusst damit die Unterrichtsgestaltung sowie den Schulalltag.
Die vorliegende Hausarbeit behandelt das didaktische Konzept des Werkstattunterrichtes im Kontext Schule und insbesondere im Unterrichtsfach Kunst. Sie untersucht dabei die Bedeutung des Begriffs im "fachdidaktischen Bedeutungsgemenge" und analysiert dessen praktische Anwendbarkeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Werkstattunterricht als Unterrichtsmethode
1.1 Die Werkstatt: Vier Perspektiven auf einen Begriff
1.2 Der Werkstattunterricht in der Entwicklungspsychologie: Handgreifliches Material als Unterstützung zur kognitiven Entwicklung
2. Die Rolle der Lehrkraft im Werkstattunterricht
3. Leistungsmessung im Werkstattunterricht des Faches Kunst
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das didaktische Konzept des Werkstattunterrichts, speziell für das Fach Kunst in der Grundschule, und beleuchtet die Balance zwischen individueller Lernfreiheit und notwendiger pädagogischer Anleitung.
- Grundlagen und Definitionen des Werkstattbegriffs in der Kunstpädagogik
- Entwicklungspsychologische Bedeutung handgreiflicher Materialien
- Die veränderte Rolle der Lehrkraft als Lernbegleiter
- Strategien zur Leistungsmessung in offenen Unterrichtsformen
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Werkstatt: Vier Perspektiven auf einen Begriff
Der vielfältige Begriff der Werkstatt wird im schulischen Kontext ganz unterschiedlich interpretiert und gedeutet. Die folgenden vier terminologischen Ansätze sind aus dem bereits genannten Heft zum Werkstattunterricht entnommen (Kirchner & Peez 2001, S. 10-12). Sie sind keineswegs eine vollständige Erfassung des Begriffes, bieten allerdings einen guten Einstieg in die Thematik und das Unterrichtsprinzip.
Kirchner und Peez ordnen dem Begriff zunächst übergeordnete Bedeutungen zu. Zum einen wird Werkstatt als ein realer ORT verstanden (Kirchner & Peez 1962, S. 11). Dieser ist gefüllt mit einem reichhaltigen Angebot an Materialien und Werkzeug zur Erschaffung und Bearbeitung eines eigenen Produktes. Aus welchem Medium dieses Produkt ist, hängt ganz allein von seinem Produzenten ab.
Zum anderen kann das Werkstattprinzip aber auch als ein geistiger Prozess verstanden werden. Nach Bosse ist die Werkstatt hier fiktiv nach innen verlagert und verursacht durch ästhetische Erfahrungen eine stetige Umstrukturierung des Bewusstseins (Bosse 1962, S.12). Diese ereignet sich, wenn dem Subjekt etwas Unbekanntes oder Irritierendes begegnet und damit das eigene Weltbild in seinen Grundsätzen erschüttert wird. Die Vorstellung der geistigen Verarbeitung im ästhetischen Tun stammt nach Kirchner und Peez von Gert Selle (2001, S. 11). Er nennt sie die Werkstatt des SUBJEKTES. Durch das Begreifen des Materials und seiner Beschaffenheit kann das Subjekt sich selbst sowie den selbst gesteuerten, gestalterischen Prozess besser begreifen. Das aktive künstlerische Gestalten verschafft dem Subjekt somit die Erkenntnis über die eigenen künstlerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen trägt so maßgeblich zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bei.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Werkstattunterricht als Unterrichtsmethode: Dieses Kapitel definiert den Werkstattbegriff aus vier verschiedenen Perspektiven und beleuchtet die entwicklungspsychologischen Aspekte des Arbeitens mit handgreiflichen Materialien.
2. Die Rolle der Lehrkraft im Werkstattunterricht: Hier wird analysiert, wie sich die Funktion der Lehrkraft vom Informationsvermittler hin zum Lernbegleiter wandelt, der Gruppenprozesse steuert und individuelle Lernausgangslagen berücksichtigt.
3. Leistungsmessung im Werkstattunterricht des Faches Kunst: Dieses Kapitel erörtert Möglichkeiten, wie in offenen, selbstorganisierten Unterrichtsformen die Leistungen von Grundschulkindern unter Einbeziehung individueller Zielsetzungen bewertet werden können.
Schlüsselwörter
Werkstattunterricht, Kunstunterricht, Grundschule, ästhetische Erfahrung, Lernbegleiter, selbstorganisiertes Lernen, Leistungsmessung, Persönlichkeitsentwicklung, Materialerfahrung, Unterrichtsmethode, künstlerisches Gestalten, didaktisches Konzept, Prozessorientierung, offener Unterricht, Handlungsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Umsetzung und den theoretischen Grundlagen des Werkstattunterrichts im Fach Kunst an Grundschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Begriffsbestimmung der Werkstatt, der entwicklungspsychologischen Bedeutung für Kinder sowie der Rolle der Lehrkraft und der Leistungsbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, unterschiedliche Konzepte des Werkstattunterrichts zusammenzufassen und dabei insbesondere die praktische Umsetzbarkeit und Lehrerrolle zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fachdidaktische Literaturanalyse sowie Erkenntnisse aus einem kunstpädagogischen Seminar.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Werkstattbegriff, die psychologischen Grundlagen, die Aufgaben der Lehrkraft und Methoden zur Bewertung von Schülerleistungen erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Werkstattunterricht, Kunstunterricht, ästhetische Erfahrung, Lernbegleiter und Leistungsmessung.
Warum ist die Abgrenzung des Begriffs Werkstatt schwierig?
Der Begriff ist in der Literatur sehr präsent und wird häufig zur Aufwertung verschiedener Unterrichtsformen genutzt, was zu einem „fachdidaktischen Bedeutungsgemenge“ führt.
Wie kann eine Lehrkraft im Werkstattunterricht Leistungen bewerten?
Eine Möglichkeit besteht darin, vorab individuelle Kriterien und Zielsetzungen in einem Werkstattheft zu vereinbaren und neben dem Endergebnis auch den Arbeitsprozess sowie das Sprechen über das Produkt zu evaluieren.
- Arbeit zitieren
- Luisa-Viktoria Schäfer (Autor:in), 2017, Der Werkstattunterricht im Kunstunterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512813