Der Werkstattunterricht im Kunstunterricht der Grundschule


Hausarbeit, 2017

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Werkstattunterricht als Unterrichtsmethode
1.1 Die Werkstatt: Vier Perspektiven auf einen Begriff
1.2 Der Werkstattunterricht in der Entwicklungspsychologie: Handgreifliches Material als Unterstützung zur kognitiven Entwicklung

2. Die Rolle der Lehrkraft im Werkstattunterricht

3. Leistungsmessung im Werkstattunterricht des Faches Kunst

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit behandelt das didaktische Konzept des Werkstattunterrichtes im Kontext Schule und insbesondere im Unterrichtsfach Kunst.

Werkstätten werden als Räume des Gestaltens wahrgenommen, in denen vorwiegend handwerklich gearbeitet wird. Sie gelten als Orte der Diskussion, des Verwerfens und des wieder neu Aufbauens. Es wird gemeinschaftlich gearbeitet oder auch allein geplant und entworfen. Das Materielle wird mit dem Technischen verbunden – das Kreative mit logischen Zusammenhängen vernetzt. In der Schule treffen die Schülerinnen und Schüler auch häufig auf Werkstätten, eingebunden in ihren Unterricht. Ob als Stationen-Lernen, Projektunterricht oder offener Unterricht, als Lernwerkstatt, als Werkstatt auf dem Schulhof oder als frei begehbarer und benutzbarer Materialraum: überall wirkt der Werkstattgedanke als ästhetischer Lernprozess mit und beeinflusst damit die Unterrichtsgestaltung sowie den Schulalltag. Doch genau hier liegt auch die Schwierigkeit den Begriff Werkstattunterricht genau zu definieren, ohne, dass dieser in einem „fachdidaktischen Bedeutungsgemenge“ untergeht (Kirchner & Peez 1962, S. 8). Denn der Begriff Werkstatt ist in der methodischen Literatur und den Unterrichtsmaterialien omnipräsent vorhanden und wird gerne verwendet, um eine Unterrichtsmethode aufzupeppen. Oft geht dabei der Grundgedanke des Werkstattunterrichtes verloren, nämlich das selbstständige und selbstorganisierte Lernen zur individuellen Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Durch zu viele Arbeitsanweisungen und Schritt-für-Schrittanleitungen wird meist genau dieses Lernziel hinfällig. Die Kunst für die Lehrkraft besteht darin eine ausgewogene Balance zwischen konstruktiver Unterstützung und freiem Lernen zu schaffen.

Die Autoren Constanze Kirchner, Georg Peez, Dorit Bosse, Adelheit Sievert und Ariane Garlichs haben sich intensiv mit dem Werkstattgedanken im Kontext Schule und Kunst sowie seinen verschiedenen Ausprägungen auseinandergesetzt (2001). Das dazugehörige Heft Werkstatt: Kunst. Anregungen zu ästhetischen Erfahrungs- und Lernprozessen im Werkstattunterricht entstand im Rahmen eines kunstpädagogischen Tages, welcher sich genau mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat. Die dort beschriebene Problematik des didaktischen Bedeutungsgemenges diente mir als Zugang zum derzeitigen Diskurs über Werkstattunterricht. Die einzelnen Artikel, welche aus der Praxis heraus entstanden sind, veranschaulichen gekonnt, wie unterschiedlich mit diesem Begriff und seiner Bedeutung umgangen wird und wie sich daraus unterschiedliche Konzepte ableiten lassen.

Die vorliegende Arbeit soll nun diese unterschiedlichen Konzepte des Werkstattunterrichts im Fach Kunst zusammenfassen. Es wird dabei besonders auf die Rolle der Lehrkraft eingegangen und die praktische Umsetzbarkeit bezüglich der Leistungsmessung untersucht. Zu Beginn wird zunächst eine Definition des Begriffes Werkstattunterricht gegeben. Dabei werden entwicklungspsychologische Aspekte ästhetischen Lernens mit dem Werkstattgedanken verknüpft. Anschließend folgen die Analyse zur Rolle der Lehrkraft im Werkstattunterricht und die damit verbundenen vielfältigen Aufgaben. Zum Schluss werden theoretische Methoden zur Leistungsbewertung von Grundschulkindern in der Praxis des Werkstattunterrichts vorgestellt.

1. Der Werkstattunterricht als Unterrichtsmethode

1.1 Die Werkstatt: Vier Perspektiven auf einen Begriff

Der vielfältige Begriff der Werkstatt wird im schulischen Kontext ganz unterschiedlich interpretiert und gedeutet. Die folgenden vier terminologischen Ansätze sind aus dem bereits genannten Heft zum Werkstattunterricht entnommen (Kirchner & Peez 2001, S. 10-12). Sie sind keineswegs eine vollständige Erfassung des Begriffes, bieten allerdings einen guten Einstieg in die Thematik und das Unterrichtsprinzip.

Kirchner und Peez ordnen dem Begriff zunächst übergeordnete Bedeutungen zu. Zum einen wird Werkstatt als ein realer ORT verstanden (Kirchner & Peez 1962, S. 11). Dieser ist gefüllt mit einem reichhaltigen Angebot an Materialien und Werkzeug zur Erschaffung und Bearbeitung eines eigenen Produktes. Aus welchem Medium dieses Produkt ist, hängt ganz allein von seinem Produzenten ab.

Zum anderen kann das Werkstattprinzip aber auch als ein geistiger Prozess verstanden werden. Nach Bosse ist die Werkstatt hier fiktiv nach innen verlagert und verursacht durch ästhetische Erfahrungen eine stetige Umstrukturierung des Bewusstseins (Bosse 1962, S.12). Diese ereignet sich, wenn dem Subjekt etwas Unbekanntes oder Irritierendes begegnet und damit das eigene Weltbild in seinen Grundsätzen erschüttert wird. Die Vorstellung der geistigen Verarbeitung im ästhetischen Tun stammt nach Kirchner und Peez von Gert Selle (2001, S. 11). Er nennt sie die Werkstatt des SUBJEKTES. Durch das Begreifen des Materials und seiner Beschaffenheit kann das Subjekt sich selbst sowie den selbst gesteuerten, gestalterischen Prozess besser begreifen. Das aktive künstlerische Gestalten verschafft dem Subjekt somit die Erkenntnis über die eigenen künstlerischen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Das Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen trägt so maßgeblich zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bei.

Ferner ist es nach Kirchner und Peez auch möglich, die Werkstattarbeit als ein KUNSTWERK an sich zu betrachten, als eine Rauminszenierung, welche begehbar und benutzbar ist sowie interaktiv mit seinen Beobachtern kommuniziert (2001, S. 11). Dadurch wird eine Position eingenommen, die den Werkstattprozess von außen betrachten kann.

Diese drei Betrachtungsweisen vereinen sich nun zu einem UNTERRICHTSPRINZIP: dem Werkstattunterricht. Das Prinzip soll sich genau dort einklinken, wo die Neugierde der Schülerinnen und Schülern liegt, indem es mittels selbstorganisiertem und interessengeleitetem Lernen die jeweiligen Fähigkeiten und Fertigkeiten jedes Einzelnen zu fördern versucht. Der dabei vollzogene geistige Prozess im ästhetischen Handeln dient der individuellen Persönlichkeitsentwicklung und der ganzheitlichen Erfassung der Welt. Wechselnde innerschulische und außerschulische Lernorte sollen dazu beitragen, den Horizont der Lernenden durch entdeckendes und experimentelles Lernen zu erweitern. Die mögliche Inszenierung dieser meist kooperativen Arbeitsprozesse als ein Kunstwerk kann den Lernenden dazu verhelfen, eine Außenperspektive auf das eigene gestalterische Tun einzunehmen sowie die kooperativen Prozesse in der Gruppe zu betrachten. Die soziale-kommunikative Kompetenz der Kooperationsfähigkeit kann auf diese Weise geschult werden. Zudem kann das so geschaffene Kunstwerk zum Beispiel temporär auf dem Schulhof aufgebaut werden und so kann die Werkstatt auch Zuschauern einen Einblick in die „Selbststeuerung des bildnerisch-ästhetischen Handelns“ gewähren (Kirchner & Peez, S.12). Die Methode ist also sehr breit aufgestellt, weshalb sie sich auch in vielen Unterrichtsformen wiederfindet, in denen Freiräume für das individuelle und selbstbestimmte Tun gegeben werden.

1.2 Der Werkstattunterricht in der Entwicklungspsychologie: Handgreifliches Material als Unterstützung zur kognitiven Entwicklung

Es zeigt sich, dass bei dieser Methode besonders die überfachlichen Kompetenzen, wie die Selbstwahrnehmung, die Selbstregulierung sowie die Kooperations- und Teamfähigkeit, aber auch die Problemlösefähigkeit und die Kommunikationskompetenz im Vordergrund stehen. Jedoch werden ebenfalls die Inhaltsfelder des Faches Kunst in der Werkstattarbeit optimal abgedeckt. Sehen/ Wahrnehmen/ Erfahren, Planen/ Gestalten/ Handeln und Verstehen/ Begreifen/ Erklären sind die drei inhaltlichen Konzepte des Faches Kunst und können allgemein als ästhetische Erfahrungen bezeichnet werden. Die „zentrale Aufgabe des Kunstunterrichtes ist es, ästhetische Erfahrungen im bildnerischen Gestalten wie auch in der Rezeption bzw. Wahrnehmung zu ermöglichen.“ (Peez 2004, S. 139). Peez nennt hier ebenfalls die ästhetische Erfahrung als das wichtigste Element des Kunstunterrichtes. Das Handgreifliche Material und der freie Umgang mit diesem innerhalb des Werkstattunterrichtes bieten den Lernenden unerschöpfliche Möglichkeiten zum gestalterischen Handeln, Wahrnehmen und Verstehen. Damit wird dem frühkindlichen Drang etwas mit den Händen zu begreifen Rechnung getragen. Die tastende Hand als Erkenntnisorgan kann in dem Arrangement eines Werkstattunterrichtes zu vielfältigen Assoziationen, Bedeutungsveränderungen und –zuschreibungen führen, welche die kognitive Entwicklung der Lernenden positiv beeinflussen kann. Dennoch sollte nicht eine zweck- und zielorientierte Nutzung des Materials im Vordergrund stehen, sondern ein offener assoziativer Umgang.

2. Die Rolle der Lehrkraft im Werkstattunterricht

Der Werkstattunterricht ist somit eine ganz andere Form des Unterrichtens im Vergleich zum häufig praktizierten traditionellen Frontalunterricht. Das didaktische Prinzip legt ihren Fokus vor allem auf das selbstorganisierte, interessengeleitete Lernen, welches von entdeckenden und handlungsorientierten Elementen geprägt ist. Die Schwerpunkte der Methode sind die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung sowie der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Dabei sollte jedoch nicht vernachlässigt werden, dass die Klasse eine gemeinsame Lerngruppe bildet, welche die Potentiale der Gemeinschaft für sich nutzen sollte. Gemeinsames Reflektieren, gegenseitiges Feedback und das Aushandeln von Gruppenregeln und –strukturen sind wichtige Bestandteile der kooperativen Zusammenarbeit im Werkstattunterricht.

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Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Der Werkstattunterricht im Kunstunterricht der Grundschule
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Kunstpädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
8
Katalognummer
V512813
ISBN (eBook)
9783346111791
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Werkstattunterricht, Kunstunterricht, Grundschule, Kunst, selbstständiges Lernen, Selbstorganisation, individuelle Persönlichkeitsentwicklung, Kirchner, Peez, Bosse, Sievert, Garlich, ästhetische Erfahrungen, Unterrichtsprinzip, Leistungsmessung, Kunstwerkstatt
Arbeit zitieren
Luisa-Viktoria Schäfer (Autor), 2017, Der Werkstattunterricht im Kunstunterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512813

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